Ausgabe 
14.2.1878
 
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Ko. 38. Donnerstag, den 14. Februar 1878.

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RedactionSbnreaur Gartenstraße B. 165.

Expcdittonsbureaur Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hüei l.

Gießen, den 11. Februar 1878. Betreffend: Waisenbüchsengelder.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoqlicken Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Hinweis auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 10. Februar v. I. erinnern wir Sie an Einsendung der Waisenbüchsen­gelder und zwar durch eine Kosten nicht veranlassende Gelegenheit.

Dr. Boekmann.

Gießen, am 11. Februar 1878.

Betreff end : Die Besteuerung des Weins

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises, mit Ausnahme der Stadt Gießen.

Mit Beziehung auf die Art. 4, 6 und 7 des Gesetzes und § 4 der Verordnung vom 9. December 1876 (Regierungs-Blatt Nr. 53) über die Besteuerung des Weins beauftragen wir Sie, alsbald durch den Gemeinderath drei Mitglieder und zwei Stellver­treter derselben für die nach Art. 4 des bemerkten Gesetzes zu bildende örtliche Commission wählen zu lassen und uns das Ergebniß der Wahl binnen 14 Tagen mitzutheilen.

Dr. Boekmann.

AoliLisch

* Gietzen, 13. Februar.

Die letzten Tage waren nicht nur außerordentlich ereignißschwer, sondern die gesammte politische Situation deutet auch auf noch wettere bevorstehende Ereignisse von Wichtigkeit hin, so daß wir uns in Bezug aus das politische Gebiet in einem großen Provisorium befinden, welches in einen definitiven Zu­stand verwandelt werden soll. Die äußere Politik befindet fich in Gährung, weil Rußland bezüglich des europäischen Congresies, welcher die Orientfrage regeln soll, Einwände macht, und weil es England für gut fand, angeblich zum Schutze internationaler Interessen einen Thetl seiner Pauzerflotte nach Konstan­tinopel zu senden.

In der den gesummten Erdtheil angehenden Kirchenpolittk hat der am 7. Februar erfolgte Tod des Papstes Pius IX. eine neue und wahrscheinlich entscheidende Krisis herbeigeführt und die größten Streitfragen, welche die Neu­zeit bewegten, die orientalische und die römisch-katholische, sind plötzlich, sich kreuzend, in den Vordergrund des öffentlichen Jnterefies gerückt. Der Erdtheil seufzt und stöhnt unter diesen zur Lösung drängenden Fragen und uns bleibt zunächst nur die Hoffnung, daß bie ultima ratio, der Apell an dos Schwert, nicht nothwendig werden möge, um Europa wieder in ein ruhiges Stadium zu versetzen.

Bezüglich der nunmehr durch die Absendung der Panzerflotte nach Konstantinopel scharf präcisirten Haltung Englands bemerken wir, daß das eng lische Ministerium entschloffen mit einer Thatsache vor das Parlament trat und seine Creditvorlage im Hinblick aus ernste Eventualitäten im Orient fast glänzend durchbracbte. Der Schatzkanzler Nortbcote theilte die Waffenstill standtbedingungen Rußlands im Unterhause mit, erklärte, daß man in Konstan tinopel Tumulte befürchte und daß in Folge dtffen die englische Regierung einen Thetl ihrer Panzerflotte in der Besika-Boy nach Konstantinopel gesandt habe. Diese überraschenden Erklärungen des allgemein geachteten Schatzkanzlers Northcote entlockten dem Unterhaufe einen Beifallssturm und nach einer darauf folgenden Debatte wurde die Creditforderung mit 328 gegen 124 Stimmen angenommen.

Zum Stande der Bestrebungen, eine orientalische Conferenz zu- sammei zurufen, erwähnen wir, daß man in dieser Beziehung mehrere voreilige Schlüffe gemacht hatte. Zunächst ist die Antwort Rußlands über den Conferenz- plan erst vor wenigen Tagen im Eabinet des russischen Kanzlers Gortschakoff fertig geworden und dürfte vor dem 10. oder 11. Febr. dem Wiener Eabinet, von dem das Projekt für die Conferenz ausgegangen ist, nicht überreicht wor den sein. Auch glaubt man, daß Oesterreich in der Conferenz keine Präsidial stellung beanspruchen und in dieser Beziehung keine neuen Hinderniffe bezüglich der Verständigung der Großmächte in der orientalischen Frage verursachen wird.

Der Tod des Papstes hat für Deutschland eine große und unmittel­bare Bedeutung, denn von der bevorstehenden Papstwahl hängt offenbar auf lange Zeit hinaus die Gestaltung der katholischen Kirche in Deutschland ab. Das Conclave, wie man das zur Papstwahl ausersehene Cardinal Collegium nennt, kann sich unmöglich dem Einflüsse verschließen, welchen die Ereignisse der letzten Jahre aus die Stellung der Kirche im Staate aueübten und der neue Papst kann auch unter keinen Umständen diejenige kirchliche Autorität entfalten, wie es der berühmte Pius IX. vermochte. Als Papst-Candidaten figunren bis jetzt nur italtenische Cardinäle, welche für das Ausland ziemlich unbekannte Namen tragen.

Die französische Deputirtenkammer oder vielmehr die republikanische Majorität derselben setzt ihre Bestrebungen fort, sich bei künftigen Conflicten

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gegen Gewaltmaßregeln der Regierung zu schützen. So nahm in der bergan gelten Woche die Deputirtenkammer ein Gesetz an, welches den Zweck hat, zu verhindern, daß in Frankreich der Belagerungszustand ohne Genehmigung der Kammer verhängt werden kann, sowie den Gesetzentwurf, betr. die Freiheit des Handels mit den politischen Zeitungen. Die monarchische Partei der Depu­tirtenkammer stellte den Antrag, daß am Tage, wo das Begräbniß des Papstes statt- rnde, die Deputirtenkammer geschlossen werden soll. Gegen diesen Antrag timmten die Republikaner zwar nicht, sie enthielten sich jedoch der diesbezüg­lichen Abstimmung.

Italien scheint auch nicht übel Lust zu haben, Jntereffen im Orient auf der orientalischen Conferenz zur Geltung zu bringen, denn ein italienisches Panzergeschwader ist im Hafen von Salvnichi eingetroffen. Vielleicht beabsich­tigt Italien auch nur mit dieser Demonstration einen Druck auf seine Forde­rungen auf der Conferenz auszuüben. Diese Forderungen dürften auch weniger einen etwaigen Ländererwerb Italiens im Orient betreffen, sondern sich viel­mehr ,auf die Schifffahrtsangelegenheiten zwischen dem Schwarzen Meere und dem Ärchipelagus beziehen, da Italien mit jenen Küstenländern einen bedeuten­den Handel unterhält.

Die von Griechenland unternommene Action gegen die Türkei ist wieder zum Stillstand gekommen, da die griechische Regierung mit der Pforte eine Vereinbarung dahin getroffen hat, daß Griechenland auf der orientalischen Conferenz seine Forderungen zur Geltung bringen darf. Die griechischen Trup­pen verbleiben bis auf Weiteres in Epirus und Thessalien. Den ohnehin nicht besonders kriegsmuthigen Neu-Hellenen wird diese Umwandlung in ihrer Krtegsaffaire nicht gerade unangenehm sein.

Im Reichstage ist bezüglich der äußeren Lage doch das Bedürfntß hervorgetreten, von authentischer Stelle Mittheilungen über die Haltung Deutsch­lands zur Regelung der orientalischen Frage zu erfahren. Die nationalliberale Partei, die Fortschrittspartei, die deutsche Reichspartei und die deutsch - conser- vative Partei haben sich über die Einbringung der folgenden Interpellation im Reichstage verständigt:Wild der Herr Reichskanzler, und an welchem Tage, dem Reichstage über die politische Lage im Orient und über die hierbei von der Regierung des deutschen Reiches eingenommene und einzunehmende Haltung Mitthetlung machen?" Zu dieser Interpellation sei'bemerkt, daß man an­nimmt, daß Fürst Bismarck schon in einer der nächsten Sitzungen im Reichs­tage eintreffen wird.

Deutschland.

München, 11. Februar, Abds. Der Finanzausschuß der Abgeordne­tenkammer beschloß die Annahme des Taxgesetzes, die Einführung des Malz­aufschlags in der Pfalz und die Erhöhung der Erbschaftssteuer, soweit keine Erhöhung der direkten Steuern zur Bilancirung des Budgets erforderlich sei.

Arankreich.

Versailles, 11. Februar. Bei Diskussion des Marine-Budgets in der Deputirtenkammer erklärte der Marineminister Admiral Pothuau: Er müsse auf der Nothwendigkeit bestehen, die Marine aus ihrem Rang zu erhalten. So lange die Nachbarmächte gepanzerte Fahrzeuge, mit starker Artillerie ver­sehen, haben würden, werde von Frankreich daffelbe Verfahren beobachtet wer­den müssen. Auch die Torpedos, wenngleich ihre Wirksamkeit übertrieben sei, dürsten nicht vernachlässigt werden. Das Material muffe mit Sorgfalt erhalten wer-