Ausgabe 
13.9.1878
 
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seines Eigenthums besorgt ist, als gerade bet uns, weil unsere Criminalstatisttk ich, verhältnißmäßig verschwindend wenig Etgenthumsverbrechen auszuweisen hat. Es

Die Lchulg '< übrigen stad °nächsten 82 und 2amst, kjahlt werden.

Gießen, am

Die dem Reichstage zugegangenen Motive zum Socialistengesetze lauten:

In Erkenntniß der Gefahren, von welcben Staat und Gesellschaft durch das Umsichgreifen der socialdemokratischen Bewegung bedroht sind, legten die verbündeten Regierungen im Mai d. I., aus Anlaß des gegen Se. Maj. den Kaiser verübten Attentates, dem Reichstage den Entwurf eines Gesetzes zur Abwehr soctaldemokrattscher Ausschreitungen vor. Der Reichstag *'hnte diese Vorlage ab.

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Gastein, 10. Septbr. Kaiser Wilhelm machte heute trotz des trüben Wetters seine gewöhnliche Morgenpromenade. Sein Aussehen wird immer frischer und bester.

existtrt aber im russischen Volke die Ueberzeugung, daß die Verschleuderung und Veruntreuung kommunaler und Krongelder für minder verwerflich gilt, als der Diebstahl an privatem Eigenthum. Ein Mensch, der einen Privatmann bestohlen hat, wird weder in der höchsten, noch in der niedrigsten Schicht unserer Gesell­schaft geduldet, dagegen duldet die Gesellschast in ihrer Mitte Menschen, die notorisch die Krone bestohlen, öffentliche Gelder veruntreut oder Pupillen- gelber verschleudert haben und oft gelangen solche Leute, Dank dem von ihnen zusammengestohlenen (Selbe, in unserer Gesellschaft sogar zu einer dominirenben Stellung. Die Veruntreuung kommunaler unb fiskalischer Mittel wirb bei uns von Alters her zwar vom Gesetz bebroht, nie aber mit Verachtung der Gesell­schaft bestraft und noch in gar zu vielen Gesellschaftskreisen gilt leider auch noch heute der Satz, daß wer nicht abgefaßt worden, auch kein Dieb ist. Solchen Zuständen kann nur durch ein energisches Vorgehen der Regierung ab­geholfen werden, welche ihrerseits zu solchem Vorgehen nothwendig der Unter­stützung und Mitwirkung des befferen Thetls der Gesellschaft bedarf.

Türkei.

Konstantinopel, 9. Septbr. Das letzte Telegramm Mehemed Ali Pascha's an die Pforte von Pakova, 9. Septbr., meldete, daß die Bevölkerung in höchster Aufregung sei. Man beschuldigte ihn, daß er gekommen sei, das Land an die Serben auszuliesern. Das Haus Mehemed Ali's wurde von den vereinigten Albanesen von Dakova und Ipek angezündet. Es entspann sich ein Kamps zwischen denselben und seiner Eskorte, von welcher 20 Personen fielen. Gegen Abend wurde durch die Intervention der Ulemas dem Kampfe Einhalt gethan und von den Aufständischen eine friedliche Haltung zugesagt. Aus Prizrend wurde der Pforte gemeldet, daß in Dakova ein neuer Kampf stattge Junten habe. Der Adjutant Mehemed Ali Pascha's, Abullah Pascha, und mehrere Officiere seien getödtet und das Haus, worin sich Mehemed Ali befnn- den, angezundet worden. Mehemed Ali, noch unversehrt, habe sich in ein be­nachbartes kleines Haus geflüchtet, sei daselbst jedoch aufgesucht und erscklagen worden. Die Zahl der tobten Officiere sei noch unbekannt. Man glaube, daß auch zwei Compagnien, bie Mehemeb Ali zu seinem Schutze von Priz renb requirirte, massacrirt worben seien.

Schweiz.

Bern, 9. Septbr. Wie hiesige Blätter berichten, sinb bei bem gegen­wärtigen Truppenzusammenzug wieder bedeutende Vergehen gegen die Dlsciplin vorgekommen. Namentlich hat sich ein Bataillon Jurassier beim Einrücken in Murten in dieser Beziehung ausgezeichnet. Ja, es kam hier sogar zu einem förmlichen Kampfe, in welchem ein Wachtmeister von einem Soldaten einen Schlag mit dem Kolben auf den Kopf erhielt, in Folge dessen er am andern Morgen starb. Der Wachtmeister unb sein Todtschläzer sind aus ein und derselben Ortschaft gebürtig, aus Les Bois. Auch erzählt man von der Verhaftung eines andern Soldaten, welcher em Kind gelobtet haben soll. Das Kriegsgericht des diesjährigen Truppenzusammenzugs wird also diesesmal sehr ernste Fälle zu behandeln haben, in welchen möglicherweise die Todesstrafe zur Anwendung kommt. Im Gotthard-Tunnel find am 6. d. wieder zwei Arbei­ter durch eine Explosion getödtet und fünf verwundet worden.

Italien.

Rom, 9. Septbr. Das JournalFanfulla" widerspricht entschieden der von einigen Blättern gebrachten Nachricht, daß Italien der Pforte gerathen habe, die Convention mit Oesterreich nicht abzuschließen; Italien empfehle im Gegentheil der Psorte, sich den Stipulationen des Berliner Vertrages -u fügen.

Fanfulla" zerwähnt des (anderweitig bisher noch nicht bestätigten) Gerüchtes, daß der deutsche Gesandte v. Radowitz nach Rom kommen solle, um die Beziehungen^zwischen Deutschland und dem Vatikan wiederanzuknüpfen.

Rom, 9. Septbr. Preußen hat drei Bischöfe, denen es in den Zeiten des sog. Culturkampfes gelungen ist, sich vor Conflicten mit den Landesgesetzen zu schützen. Das ist Bischof v. d. Marwitz von Culm, Bischof Sornmerwerck, genannt Jacobi, von Hildesheim, unb Bischof Krementz von Ermlanb. Im gegenwärtigen Zeitpunkte liegt offenbar kaum Etwas näher, als baß bie Kurie sich bei diesen Herren Raths über den preußischen Kirchenzwist erhole. Das soll denn auch geschehen, und zwar so, daß die betr. Bischöfe sich unter dem Vorwande des vorschriftsmäßigen Besuches ad limina nach Rom begeben. Der Vatikan ist entschloffen, den ganzen Einfluß des belgischen Episkopats unb der belgischen Katholiken bei der dortigen Regierung aufzubieten, damit dieselbe den deutschen Socialdemokraten nicht gestatte, ihr Generalquartier und ihre Operationsbasis dort aufzuschlagen. Wie viele und welcherlei Gründe die Kurie zu solchem Vorgehen hat, ist hier nicht zu erörtern: genug, daß der heil. Vater feine Pflicht nicht verkennen kann, die Katholiken Belgiens vor der gefährlichen Berührung nach Kräften zu schützen.

Zlvßland.

PeterSbnrg.Mleber die Korruption in Rußland schreibt derRuffkt Mir": Allmälig entrollt sich vor uns das Bild des enormen Diebstahls, welcher an der Krone bet Gelegenheit der Armeelieferungen im letzten Kriege verübt worden ist. Mehr als einmal ist der Ueberzeugung Ausdruck gegeben worden, baß die Wurzel des Uebels nicht in der Unzuverlässigkeit der einzelnen an dem bestimmten Geschäft Vetheiligten zu suchen ist, sondern in den Begriffen, Anschauungen und Gewohnheiten unserer Gesellschaft liegt. Man kann leider nicht umhin, zuzugestehen, daß diese Anschauung die richtige ist. Die lange Reihe derartiger beklagenswerther Vorfälle kann eben nicht mehr durch Aus­nahmen von der Regel erklärt werden dieselbe kann nur durch die herrschende und von der Gesellschaft leider recipirte Anschauung erklärt werden, daß zu den öffentlichen und Krongeldern allgemein eine überaus ungenirte Position einge­nommen wird. Es wäre ein kühnes Unternehmen, behaupten zu wollen, daß das russische Volk an sich unehrlich ist. Diese Behauptung kann schon deßhalb nicht ausgestellt werden, weil man nirgends weniger für den Schutz feiner Habe,

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Telegraphische Depeschen.

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Berlin, 11. Septbr. Die Leiche Nobiling's wurde bereits gestern Abend nach der Charitä übergeführt, woselbst heute Nachmittag die gecichtliche Sektion statlfindet.

Paris, 11. Septbr. DieAgence Havas" meldet aus Athen: In Folge einer Ministerberathung hat der Kriegsminister die unverzügliche Einbe­rufung der beurlaubten Officiere, Unterofficiere unb Solbaten anbefohlen. Das JournalElhnikon Pneuma" bemerkt bei Veröffentlichung biefer Nachricht, baß bie bezügliche Maßregel burch gewichtige Beweggrünbe eingegeben sei.

Kassel, 11. Septbr. Die 51. Versammlung beutscher Naturforscher unb Aerzte, zu welcher bisher ungefähr 1000 Teilnehmer eingetroffen sind, wurde heute burch Geh. Rath Dr. Stilling mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser eröffnet. Nachdem Seitens bes Oberbürgermeisters unb bes Regie, rungs-Präsibenten Ansprachen gehalten waren, begannen bie angekünbigten Vorträge.

Berlin, 11. Septbr. In bet heutigen Sitzung bes Reichstags wurde bie Wahl bes Präsibiums vorgenommen. Abgegeben würben 359 (Stimmen, davon erhielt v. Forckenbeck 240, v. Franckenstetn 114 unb Delbrück 3 Stim­men; 2 Stimmzettel waren unbeschrieben. Somit ist v. Forckenbeck zum Prä- sibenten gewählt; berselbe erklärte unter bem Ausbrucke des Dankes bie An- nähme ber Wahl. Es folgte hierauf bie Wahl des erften Vicepräsibenten. Bei ber Wahl bes ersten Vicepräsibenten würben 359 Stimmen abgegeben; davon erhielten v. Stauffenberg (nat.-lib.) 125, v. Franckenstein (Kcntr.) 119, v. Seybewltz (beutsch-cons.) 115 St.; ba also keiner bie absolute Majorität erhalten hatte, so finbet zwischen biesen brei Canbibaten eine engere Wahl statt.

Die Stichwahl bezüglich ber Stelle bes ersten Vicepräsibenten ergab 129 Stimmen für v. Stauffenberg, 121 für v. Franckenstein unb 111 für v. Sey- dewitz. Es finbet nunmehr eine weitere Stichwahl zwischen Stauffenberg und Franckenstein statt.

Die erneuerte Stichwahl hinsichtlich ber Stelle bes ersten Vicepräsibenten ergab 175 St. für v. Stauffenberg unb 142 für v. Franckenstein; 33 Zettel waren unbeschrieben. Sonach ist v. Stauffenberg gewählt; berselbe nahm Die Wahl bankenb an.

Zum zweiten Vicepräsibenten würbe mit 212 von 335 St. Fürst Hohen­lohe-Langenburg gewählt; 117 Zettel waren unbeschrieben. Zu Schriftführern würben burch Acclamation gewählt: Bernarbs, Graf Kleist (Schmenztn), Thilo, v. Soden, Blum, v. Minnigerode, Weigel unb Eysolbt. Nächste Sitzung Freitag. Tagesordnung: Interpellation Mosle.

DerNational-Zeitung" zufolge wirb Fürst Bismarck am Sonntag hier eintreffen.

London, 11. Septbr. In ber Kohlengrube Abercarne bet Newport (Grafschaft Monmouth) hat heute eine Explosion stattgefunben. Etwa 370 Per- fönen befanben sich in ber Grube, von benen bis jetzt 80 gerettet würben. Man fürchtet, baß bie Uebrigen umgekommen sinb.

Paris, 1L Septbr. DieAgence Havas" melbet: Die Mittheilun­gen ber Journale über bie Bebtngungen einer Pariser Stadtanleihe sind unbe­gründet. Es ist dem Muntcipalrath, welcher erst im Oktober zusammentritt, kein derartiges Project unterbreitet worden.

Madrid, 11. September. DasDiario" meldet, daß eine Ver­schwörung zu Gunsten der Föberal-Republik in Sevilla entdeckt worden fei. Es feien Verhaftungen vorgenommen und wichtige Papiere in Beschlag ge- nommen worden.

Blutung uttunb.

Bald darauf zeigte ein abermaliger Mordversuch gegen Se. Maj. den Kaiser von Neuem, wie leicht eine jedes sittliche und rechtliche Gebot verachtende Gesinnung btS zu mörderischen Thaten sich zu steigern vermag und zahlreiche Fälle von Majestätsbeleidigungen, welche sich an jenes erschütternde Eretgniß knüpften, lieferten den Beweis, wie wett solche Gesinnung bereits um sich gegriffen hat. Die verbündeten Regierungen sind dadurch in der Ueberzeugung bestärkt worden, daß es zum Schutz von Staat und Gesellschaft unerläßlich sei, der verderblichen Agitation der Socialdemokratie Einhalt zu thun, welche als die Hauptursache der zu Tage getretenen Verwirrung der Rcchtsbegriffe und Verwilderung der Gemüther angesehen werden muß. Die Regierungen sind nach wie vor der Meinung, daß es zu diesem Zweck des Erlasses gesetzlicher Vorschriften bedürfe, welche direct und ausschließlich gegen die soctaldemokratische Bewegung gerichtet sind.

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Der vorliegende Entwurf eines Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Soctaldemokratie stimmt daher In seinen Grundgedanken mit der früheren Vorlage überein.

Die Bestrebungen der Socialdemokratie sind auf die praktische Verwirklichung der radtcalcn Theorien des modernen Socialts'mus und Eommunismus gerichtet. Nach diesen Theorien ist die heutige Produktionsweise als unwtrthschaftlich und als eine ungerechte Ausbeutung der Arbeit durch das Capital zu verwerfen. Die Arbeit soll von dem Capital emancipirt, das Privatcapital in Collectiv-Capital, die individuelle, durch Concurrenz sich regelnde Produktion in eine genossenschaftliche planmäßige Production verwandelt werden; das Individuum soll in der Gesellschaft aufgehen.. Die socialdemokratische Bewegung unterscheidet sich scharf von den Humani­tären Bestrebungen für das Wohl der arbeitenden Claffen dadurch, daß sie davon ausgeht, eine Hebung der Lage derselben auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung sei unmöglich und nur durch die erwähnte Socialrevolution erreichbar. Die Durchführung einer solchen Revolution soll, unter gleichzeitiger Umwälzung der bestehenden Staatsverfassungen, durch eine internationale Cooperation der arbeitenden Claffen aller Culturstaaten erfolgen. Diesen revolutionären und internationalen Character hat die Bewegung insbesondere seit der im September 1864 zu London erfolgten Gründung derInternationalen Arbeiter-Association" erlangt.

In Deutschland fand die erste Organisation socialdemokratischer Bestrebungen im Jahre 1863 durch Lassalle statt. Der von demselben gestifteteAllgemeine deutsche Arbeiterverein" hatte noch einigermaßen ein reformatorisches und nationales Gepräge. Bald jedoch trennten sich bte radicaleren Elemente und im August 1869 wurde zu Eisenach unter der Bezeichnung socialdemokratische Arbeiterpartei" eine Filiale der internationalen Arbeiter-Affociation gegründet.

Diesocialdemokratische Arbeiterpartei" unv derAllgemeine Arbeiterverein" bekämpften sich gegenseitig eine Zeitlang auf das Heftigste, bis allmälig die radicale und anttnationale Richtung die Oberhand gewann. Im Mai 1875 fand auf dem Congreffe in Gotha die Wieder- ^Einigung der bis dahin getrennten Gruppen der deutschen Socialvemokratie zu einer einheit­lichen Verbindung unter der Bezeichnungdie socialistische Arbeiterpartei Deutschlands" statt. Das Programm dieser neuen Verbindung läßt über die revolutionären und kommunistischen, den Tendenzen derInternationalen" im Wesentlichen entsprechenden Grundsätze und Endziele der Verbindung keinen Zweifel.

Dieselbe erstreckt sich über ganz Deutschland. Daneben besteht eine große Anzahl von localen socialdemokratischen Vereinen und gewerbliche Fachvereine gleicher Richtung verzweigen sich über das ganze Bundesgebiet.

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