reich die Sache Griechenlands. Außer der Zuerkennung der Autonomie der griechischen Provinzen der Türket, welche durch Art. 15 des Friedensvertrages von San Stefano festgestellt ist und deren Sicherstellung durch die europäische Controle erfolgen soll, haben alle Mächte befürwortet, daß es im europäischen Friedens-Jntereste liege, dgß wesenlliche Theile Griechenland zuerkannt werden. Griechenland soll eine Grenzerweiterung bis zur Linie Kalamas-Salambria erhalten. Die türkischen Vertreter haben diesen Ausspruch des Congreffes ad referendum genommen. — Montenegro erhielt Nckstc; die eine Seite der Bucht von Antivart wird in die Hände Oesterreichs gelegt, die andere zu Montenegro geschlagen. — Was die Entschädigung Rumäniens betrifft, so scheint Siltstria selbst dazu nicht zu gehören, wohl aber der umliegende Bezirk.
Die heutige Sitzung wird zum Theil durch die Berathung über die von den Commissionen vorgelegten Grenz-Fixirungen in Anspruch genommen werden. Auch wird die Discussion der Batum-Frage erwartet. Man scheint nicht darauf zu rechnen, mit der letzteren heute zu Ende zu kommen. — Wie verlautet, fand gestern eine Unterhaltung zwischen Fürst Gortschakoff und Lord Beaconsfield statt.
Berlin, 6. Juli. Ueber die gestrige Congreßsitzung verlautet noch, daß einige Mächte für die Abtretung von ganz Thessalien und Epirus, sowie vo Kreta an Griechenland sich ausgesprochen haben. Uebereinstimmend wurde seitens aller Mächte im Principe die Nothwendigkeit der Rectifictrung der Grenzen Griechenlands anerkannt und, wie gemeldet, die Meinung ausgesprochen, daß die Linie Kalamas - Salambria die Griechenland zuzusprechende Grenze sei. Ferner wurde Griechenland überlaffen, über die Details der Grenzrectificirung mit der Pforte in Unterhandlung zu treten, wobei die Mächte im Falle etntretender Schwierigkeiten ihre guten Dienste in, Aussicht, stellen. Die Vertreter der Pforte, welche ohne Instructionen waren, konnten die Anschauungen des Congreffes, wie gemeldet, nur ad referendum nehmen. Uebrigens sind noch Nachrichten von neuen Kämpfen auf Kreta eingegangen. Nach den bezüglichen Meldungen sollen die Türken bei Kanea von 5000 Mann 500 verloren haben. / Man sagt, daß England bei der Vertretung griechischer Jntereffen ziemlich lau gewesen sei.
— Der Bundesrath hat heute eine Sitzung gehalten und wird von jetzt ab seine Sitzungen aussetzen, nicht aber schließen, um dieselben bis Mitte August wieder auszunehmen. Auch das Staatsmtnistertum war heute zu einer Sitzung zusammengetreten.
— Der „Nattonalzettung" wird mitgetheilt, der österreichischen Polizei wäre es gelungen, Fäden nachzuweisen, welche von dem Nobiling'schen Attentate nach der Secte der russischen Nihilisten hinüberreichen. Die Entsendung eines hiesigen Polizeibeamten stehe damit in Verbindung. — Die „Nationalzeitung" gibt diese Nachricht mit alleyr Vorbehalt wissder, glaubt aber bei der Zuverlässigkeit ihrer Quelle solche nicht vorenthalten zu sollen.
— Die heutige (14.) Sitzung des Congreffes begann gegen 2y4 Uhr und schloß kurz vor 5 Uhr.
— Eine in der „Vofl. Ztg." enthaltene Erklärung, wonach der Sultan der temporären Besetzung Bosniens und der Herzegowina unter der Voraussetzung zustimme, daß die vorangehende Frage bezüglich des'Einmarsches der österreichischen und des Abzugs der türkischen Truppen geregelt würde, wird von der „Nordd. Allg. Ztg." als unrichtig bezeichnet. Von einer „temporären" Besetzung sei keine Rede. Ein solcher Ausdruck sei auch mit t>em erklärten „Beitritt der Pforte zu dem Anträge Englands" nicht vereinbar. Die türkischen Delegtrten^ hätten der türkischen Regierung nur die Verständigung über die „mesures prdalables“ Vorbehalten.
Berlin, 6. Juli. Bulletin von 10 Uhr Vsrm. Bei Sr. Majestät dem Kaiser nimmt die Beweglichkeit am Arme in erfreulicher Weise zu. Das Allgemeinbefinden ist unverändert gut.
(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. WilmS.
Berlin, 6. Juli. Für den Fall günstiger Witterung begeben sich die Congreßdelegirten auf Einladung des Kronprinzen miorgen Nachmittag um 3 Uhr mit einem Extrazug nach dem Wannsee, besteigen dort den Dampfer, der sie nach Glienicke bringt und machen dann eine Rundfahrt durch die königlichen Gärten Vei Potsdam. Das Diner (von 40 Gedecken) findet in Sanssouci statt.
Berlin, 6. Juli. In der heutigen Sitzung des Congreffes wurde die Angelegenheit, betreffend Batum, behandelt, mit dem Bestreben, die schwierige Frage nicht zuzuspitzen. Die Zuweisung Datums scheint im Principe anerkannt. Es werden aber Caukelen gefordert, so daß noch wettere schwierige Details zu erledigen find.
— Abends. Wie verlautet, bestünden die für die Zuweisung Batums an Rußland geforderten Cautelen in der Forderung einer Freihafensstellung und der Schleifung der Festungswerke. In der gestrigen Congreßsitzung lehnten die türkischen Delegirten zunächst die Anforderungen des Congreffes bezüglich Recti- ficirung der griechischen Grenzen ab. Als-sie dann darauf hingewtesen wurden, daß die Pforte während deS griechischen Aufstandes selbst solche Maßregeln vorgeschlagen hätte, erklärten sie ohne Instructionen zu sein.
München, 6. Juli. In der Abgeordnetenkammer wurde heute von der Regierung ein Gesetzentwurf über die Verwendung der Bayern überwiesenen Summe aus den bet der Verwaltung der deutschen Occupations-Truppen in Frankreich erzielten Ersparungen vorgelegt; ferner ein Gesetzentwurf betreffs Ntedersetzung eines ständigen Ausschuffes zur Borberathung der Einführungs- Gesetze zu den Reichsjusttz-Gesetzen.
m Hesterreich.
Wien, 6. Juli. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest: Der Ministerrath, unter dem Vorsitz,deS Fürsten hat beschloffen, die Rückkehr Bratiano's abzuwarten und erst auf Grund von deffen Bericht definitive Entscheidungen zu treffen. Die Gerüchte von einer bevorstehenden Thronentsagung des Fürsten werden vorläufig als grundlos bezeichnet.
England.
London, |6. Juli. „Times" meldet aus Berlin vom 5. d.: Fürst Bismarck habe dem „Times"-Correspondenten gegenüber die Hoffnung ausge- sprochfn, der Kaiser von Rußland würde darein willigen, daß die Befestigungen von Batum geschleift würden. Die Frage der Begrenzung des Sandschaks Sofia sei durch das von den neutralen Mächten propontrte Kompromiß gelöst.
Ztalien.
k 'l 41 Juli. Die Curie scheint die Veröffentlichung des Briefwech
sels zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Papst als ein Zeichen des Ab
bruchs der Verhandlungen von Seiten Berlins zu betrachten. Franchi telegra- phirte dem Münchener Nuntius, er möge seine Reise nach Mkltn bis auf Weiteres ausschieben.
Rom, 6. Juli. In der heutigen Sitzung der Kammer erklärre der Minister des Innern, Zanardelli, die Regierung bedauere, auf die gestern gestellten Interpellationen in Betreff der Orientfrage mit Rücksicht auf den Con- greß nicht antwo ten zu können. Die Regierung konnte übrigens Beweise geben, daß sie ihre Pflichten nicht vergeffen habe und ihren Princtpien treu geblieben sei.
Rußland.
Petersburg. Zu wiederholten Malen haben wir auf die Greuelthrten der Bulgaren gegenüber wehrlosen Muselmännern hingewtesen und den Ruffen den Vorwurf aemacht, daß sie nicht auf das Schärfste dagegen einschreiten. Jetzt aber scheint es doch selbst diesen zu toll geworden zu fein. Dem „Golos"" vird^ aus Konstantinopel nachstehende Mittheilung telegraphtrt, die wohl als verbürgt angesehen werden darf, da sie ohtie Widerspruch der Regierung auch in andere russisch? Blätter übergegangen ist. Der „Golos" schreibt: „Im Einvernehmen mit dem aus Petersburg eingetroffenen allerhöchsten Befehle verfährt das zu Philippopel tagende Kriegsgericht mit großer Strenge gegen die Unruhestifter. Vor Kurzem fällte dieser Gerichtshof ein Verdict, durch welches 10 Bul- garen zum Tode durch den Strang und alle Bulgaren, welche die durch Brandstiftung eingeäscherten türkischen Dörfer bewohnten, zu einer körperlichen Züchtigung verurtheilt wurden. Dieser Urtheilsspruch wurde sogleich vollzogen; diejenigen, an denen die Vollstreckung deflelben stattfand, waren der Brand- stiftung, des Raubes und der Ermordung von Mohamedanern schuldig befunden. Eine derartige exemplarisch strenge Bestrafung wirkt zur Herstellung der Ruhe bedeutend mit. Aus diesem Anlaffe haben angesehene Bürger aus der türkischen Bevölkerung dem Kriegsgericht zum Ausdruck ihres Dankes eine Adresse überreicht." (ftöln. Ztg.)
Petersburg, 6. Juli. Die „Agence Ruffe" schreibt: Eine Correspon- denz der „Times" aus Berlin behauptet, Rußland widersetze sich durchaus der Ännection Kretas an Griechenland. Wir nehmen keinen Anstand, zu erklären, daß die Sitzungsprotokolle diese Behauptung für vollkommen unbegründet erweisen werden. Fürst Gortschakoff hat in der betr. Sitzung allerdings erklärt, daß Rußland, gebunden durch den Vertrag von San Stefano, im Schooße des Congreffes keine Initiative in Betreff Griechenlands ergreifen könnte, daß aber alle Vorschläge zu Gunsten Griechenlands seine vollkommene Unterstützung sicher finden würden. Rußland habe stets nicht diesen oder jenen Theil der Christen im Orient vertheidtgt, sondern alle Protokolle und die Geschichte des Congreffes würden zweifellos darlegen, welche Macht sich jenen Vorschlägen widersetzte.
Serbien.
Kragujevatz, 6. Juli. Die Skupschttna, welche heute eröffnet wurde, wählte zunächst den Verificiruugs - Ausschuß. Morgen findet die Constitutrung der Versammlung und die Präsidentenwahl statt, welcher sodann die Thronrede folgt.
Türkei.
Konstantinopel, 6. Juli. In den Gewässern von Cypern sind zwei englische Panzerschiffe eingetroffen. — Die Abreise des englischen Botschasts- secretärs Bariug nach Kreta wurde verschoben._________________________________
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 7. Juli. Bulletin von 10 Uhr Vorm. Bei gutem Allgemeinbefinden Sr. Maj. des Kaisers ist heute auch am rechten Arm der Verband fortgelassen worden.
(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.
London, 7. Juli. Der „Obseroer" meldet: Schatzkanzler Northcote hat eine Anzahl hervorragender Conseroativer zu einer Versammlung im Auswärtigen Amte auf morgen Nachmittag eingeladen. — Die conservativen Vereine von London haben beschlossen, dem Lord Beaconsfield einen festlichen Empfang bei seiner Rückkehr von Berlin zu bereiten und ihm eine Adresse zu überreichen.
Wien, 7. Juli. Die „Wiener Ztg." veröffentlicht ein Handschreiben des Kaisers an den Ministerpräsidenten, Fürsten Auersperg, worin derselbe sich die Beschlußfaffung bezüglich der Demission des Cabinets vorbehält, den Freiherrn v. Lasser von der Leitung des Ministeriums des Innern enthebt und den Fürsten Auersperg mit der Leitung desselben bis auf. die kaiserliche Entschließung über die Demission des Cabinets beauftragt. Zugleich veröffentlicht die „Wiener Ztg." ein kaiserliches Handschreiben an den Freiherrn v. Lasser, worin der Kaiser Letzteren mit Bedauern aus eigenes Ansuchen von dem Amte als Minister des Innern enthebt, die Uebernahme desselben auf den zeitlichen Ruhe- tand genehmigt, sich die Wiederverwendung vorbehält, ihm das Großkreuz des Stephans-Ordens verleiht und ihn als lebenslängliches Mitglied in's Herren- )aus beruft.
Petersburg, 7. Juli. Die „Agence Russe" veröffentlicht ein Telegramm avs Berliw vHm 6. d., Abends 7 Uhr, wonach die Batum-Angelegen- heit in der Samstags-Sitzung des Congreffes einen Schritt weiter gebracht und zu hoffen ist, daß die nächste Sitzung am Montag eine brfriedigende Lösung der Frage herbeiführen werde. Der von der" russischen Regierung verfolgte Zweck sei, aus Datum einen im Wesentlichen für den Handel bestimmten Hafen zu machen. Die „Agence Russe" glaubt versichern zu können, daß in der Samstag-Sitzung des Congresses von einer Schleifung der Festungswerke nicht die Rede gewesen sei.
New-Uork, 7. Juli. Die Nachrichten über den Krieg mit den Indianern sind ernster Natur. Die Indianer bringen nach Norden vor. Eine starke Colonne versuchte den Columbia zu überschreiten. Die Stadt Canyon-^ City ist von Indianern umzingelt, das ganze Gebiet in größter Erregung.
Berlin, 7. Juli. Die griechisch-türkischen Verhandlungen wegen Rati- ficirung der griechischen Grenze werden direct zwischen Athen und Konstantinopel geführt werden. Die Vermittelung der Mächte bei etwa eintretenden Schwie-' rigkeiten wird durch eine nach Schluß des Congress?s verbleibende Commission von Vertretern der Mächte ausgeübt werden. Ueber den Besitz von Janina wird erst durch die erwähnten Verhandlungen entschieden werden. — He.ite Mittag IV/g Uhr bat bei dem Fürsten Bismarck eine Conferenz stattgefunden, an welcher Russell, Salisbury, Oubril und Schuwaloff theilnahmen. — Graf


