Ausgabe 
9.7.1878
 
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Vermischtes.

Handel und Verkehr.

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Gießen, 1. Juli. Die hiesige Universität feierte heute ihr Stiftungsfest, womit die Bekanntmachung der von den Studtrenden gelösten Peetsaufqaben von dem ver- flossetten Jahre verbunden war. Die Festrede hielt der zeitige Rektor, Hr. Prof. Dr. Ovcken, welcher sich ein ebenso interessantes wie speciell patriotisches Thema aus der jüngsfen Geschichte unseres engeren Vaterlandes gewählt hatte: die Entstehung des ersten Zollvereins zwischen Preußen und Hessen der Grundstein sowohl zu der national- ökonomischen als der jetzigen politischen Wiedergeburt Deutschlands. Die in Form wie in Gedankengang vollendete Rede, welche im Eingang des verstorbenen Großherzogs LudwttzS HL, und seiner Verdienste um die vaterländische Hochschule rühmend gedachte,' sand bäi allgemeinsten Beifall der zahlreichen Zuhörer, unter welchen sich außer dem corpus academicum die Notobtlitäten aus dem Ctoil- und Mtlttärstande befanden, sowie ein Kranz von Damen. Besonders ergreifend waren die Stellen der mit klangvollem Organ vorgetragenen Rede, in welchen das Andenken unserer früherer Minister du Thtl unb Hofmann in dankbarer Erinnerung erneuert wurde. Die philologische Preis« aufgabe hatte Herr stud. Helm aus Bensheim gelöst, die historische Hr. stud. Roack aus Gießen, die chemische Hr. Martin Jaffe aus Posen. Die anderen blieben ungelöst. Lewer war das schö ne Fest zugleich ein Trauerfeft. Am Ende seiner Rede verkündete der Herr Rektor mit bewegtem Herzen, daß gestern Herr Prof. Dr. Fr. Ludwig Karl Weigand, der berühmte Germanist und Allen theure College, nach längerem Leiden plötzlich gestorben sei. Der Verewigte war geboren am 18. November 1804 in Unter« florstadt in der Wetterau. Nach genossenem Pltvatunterrtcht besuchte er das Schul­lehrerseminar zu Friedberg, in welchem der der höheren Bürgerschule befreundete Regierungsrath Hesse zu Mainz aufmerksam auf seine besondere Begabung wurde. Nachdem er wahrscheinlich auf dessen Empfehlung Hofmeister bei dem preußischen Generalmajor d. Müffling zu Mainz gewesen war, studirte er von Ostern 1830 Theologie, wurde, dann nach bestandenem Examen wieder Hauslehrer bet Landrichter Reh in Nidda 1834 Lehrer an der Realschule zu Michelstadt, 1837 an der Realschule zu Gießen, wo er, mit dem Prof. Schmitthenner, dem Verfasser der deutschen Grammatik Teutonia, bekannt geworden, sich dem historischen Sprachstudium zuwandte. Nachdem Realschul- Dtrector Dr. Braubach zu Gießen in Pension getreten war, wurde er sein Nachfolger, bald darauf aber auf Antrag der Ständekammer dieses Amtes entbunden und mit einer Professur der Universität betraut, um sich der Mttoollendung des von den Gebrüdern Grimm begonnenen deutschen Wörterbuches ganz zu widmen. Man steht auS diesen Andeutungen, daß der Verewigte Alles, was er geworden ist, nur seinem Talent und seinem unermüdlichen Fleiß verdankt. Dabet war sein Charakter rein wie Gold, wie Herr Rektor Oncken in seinem kurzen, aber treffenden Nachruf heroorhob. Außer seinen bedeutenden Beiträgen zu dem erwähnten Grimmischen Wörterbuche seien neben seinen vielfacherr kleineren Arbeiten in verschiedenen Zeitschriften hier nur er- wähnt; 1) eine kurze Sprachlehre, Mainz 1838; 2) Wörterbuch der deutschen Synonymen, Mainz 1840 M3 1843, fußend auf den dtesfälliaen Handwörterbüchern von Eberhard und Maaß; 3) kurze Styllehre in der 14. Auflage des Denksreundes von Schletz; 4) deutsches Wörterbuch von Schmitthenn^rs kurzem deutschen Wörterbuch, Gießen 1873 bis 1876, 3 Bände, 4. Auflage, welches Werk als eine ganz selbstständige Arbeit zu betrachten ist. (Allgem. 8 )

,Aus Madrid liegen uns folgende Nachrichten vor:Ein unendlich tiefer Schmer- über den Tod der jungen, schönen Königin Mercedes lastet auf der ganzen Bevölkerung. Kaum war die unglückliche Nachricht bekannt, als eine ungeheure Menschen- maffe stch in der Nähe des KönigsMastes versammelte. Die Masse verharrte in tiefstem Schweigest. In der ganzen Stadt wurden sofort alle Läden geschlossen, die Anzeige-Zettel der Theater wurden entfernt, die Drputirtenkammer und der Senat ver­tagten sich, nachdem sie ihrer Trauer Ausdruck gegeben hatten und die ganze Stadt ist auf'S Tiefste ergriffen, so tief ergriffen,^ so erregt, daß man sogar dem Märchen glaubte, die Königin sei keines natürlichen Todes gestorben. Ganz leise schlich das Gerücht von Mutw^ zu, MM)d wett.ex und man weiß, wie derartige Märchen zur Legende werden, wie sie Wurzel fasten. Die Aerzte haben natürlich constatirt, daß ein

Wnjpftlia&rukZ0' 4' Der Gutsbesitzer H. Lauer von Niederwalgern, wegen Majeftatsbeletdigung verhaftet, ist heute gegen Caution auf freien Fuß gesetzt.

. (Sonst und jetzt.) Es war im Jun! 1873, als der König der Köniae der Schah uon^ Persien, Berlin zum ersten Male mit seinem Besuch beehrte. Ganz Berlin war auf Ben Beinen, der Kaiser holte dm persischen Gast in großer @enerol§5 AAorm und ein Dragoner-Cortdge eröffnete und schloß den langen Wagenzuq. PAc.n J1 Königs sch loste an der Spree stand die Kaiserin, umgeben vom großen Hof­staat, zum Empfange des hohen Gastes bereit. Als der Schah die Freitreppe herauf- l^b'^« ULte sich die hohe Dame, er aber zog sich langsam dte>Handschuhe an, und ließ die Blicke über denHarem des Kaisers, wie er meinte, schweifen. Die Kaiserin nÄaI8/ ml Gast konnte es das erste Mal übersehen habeE Doch Nassr Eddins Rückgrat blieb steif. Vor Frauen verbeugt sich ein Nichkomme des Kyros nicht. Jetzt war er oben, reichte der Kaiserin mit großartiger Nonchalance dm Arm und schleifte mit ihr die Säle durchs Von Zeit zu Zeit rief er einem seiner 93e= ^°rauf dieser ihm das Taschentuch apportirte. Dann schneuzte sich der König der Könige dröhnend und warf das Tuch über seine Schulter rückwärts Knrim8pnbcr Eng »Kaiserliche Hoheit«, sagte ein hoher Hofbeamter zum ^önen nicht der Degen in der Scheide?« Unb der Kronprinz zog die Schultern hoch, die bekannte Pantomine für das Sprüchwort:Man kann vom Dn "Fanten, als . . - Die Kaiserin aber seuffte:Ach, wärst

wr-Ä»» -«

Gießen, 8. Juni. Die auf Samstag Abend berufene außerordentliche General­versammlung der hnsigen Gewerbebank, Tag.-O- Statutenänderung, war sehr schwach besucht. Von 740 Mitgliedern, welche die Bank zählt, waren keine 40 erschienen. Woht mögen verschiedene Umstände dazu beigetragen Haden, daß einzelne Mitglieder die Ver­sammlung nicht besuchen konnten, aber das Fehlen der Uebrigen zeigt doch eine Lässig­keit, welche bei einem solchen bedeutenden Institute nicht stattfinden dürfte. Die vorgeschlagenen Aenderungen der Statuten wurden.einstimmig genehmigt.

Lokal-Notiz.

Gießen, 8. Juli. Letzten Samstag feierte das hochverehrte wie hochbetagte Prof, v. Klipfteinstche Ehepaar seine goldtte Hochzeit im Kreise seiner Kinder und zahlreicher Enkel. Möge den Jubilaren noch lange ein schöner Lebensabend beschieden sein.

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Unterleibs-Typhus die Todesursache war und daß derselbe so brfHn boft es der Wissenschaft nicht möglich war zu helfen Als um dnlb Königin ihren letzten Seufzer that, war der ganz? Hof' beisammen ^alle Minifl?/ b r Nifchv UN Tylcd« unh der Patriarch van Jnbim. fi/ben Seüh r

hi-lt siebte Hand des jungen Königs Alfonso in ihren Hünden aeiokt K d-8 Bettes standen die Herzogin von Montpmster und Me°^nsanttn

Der Cardinal Moreno, der Beichtvater der jungen Köniain fint tRr r ne*

gespendet, die Absolution ertheilt und ihr ferner den Segen ^des Pavstes^

fterbeyhen Königin ^telegraphisch überskndt hatte. D^r jnnge KöZa Alfonso von Spanien war wie vernichtet. Ehe die junge Königin starb bnHpfi, «aa

S' darauf war st« tobt. Die Herzogin von Montpenster bat den

von demselben Leiden a-h-ili, um -in Jahr spästr ttn3eine?tanber?İant6dt N,st°rb-n Der Kör b^ittchk Lb°ls°mi5 morden weil Okn mrtr Citns8 k'} u herrschenden Hitze zu schnell in Verwesung übergeaanaen

oorschreibt^mi^ö^em ^rdmklichen^P^omP^»on^^^ad^rid^i>ach^denr"Es^curtti"/ ttanSvo?ttrt H-'r°S -ingeholt mur.be, her- ta O ,S Ä« er^ Jn . It Ä Gründ- geaen das Ehreproject des Königs erschöpst Saite" äu&erte- Von der Ner^ou der Prinz-stn Mercedes svreche ich nicht. Engel discutirt man nicht, man betet ist an

bn^ert jede Gegnerschaft verstummen mußte, hat die Erde Ver­isten. Die jüngste und schönst- Königin der Christenheit ist nach einer Ebe von iünf M°n°t-n und drei Tagen im Alter von achtzehn Jahren und zm-i Tagen geftbrbÄ in!« ^er<e*)e3 svar übrigens anders erzogen als frühere spanische Infantinnen ihre Bildung war universell, und man erzählt, daß st- in den ersten Stadien ibr-r aufkeimendm Liebe mit dem König in- deutscher Sprache correspondirte in d-utick-n 'uUru?aE%®Ä^omC.e6fI,ngC w m,t Dem unLt-lt,"L°d-stm' S-iiest-'L

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