Einzelbild herunterladen

verdrängt; erstere hinterließen 10 Todte, russischerseits waren 2 Osficiere ver­wundet. An demselben Tage griffen 2 Compagnien des Jakutsklschen Reqi- mentS das Dorf Tschatalodern oder Totschpotluk an; dasselbe war indeß von Tscherkeffen und Baschi-Bozuks so stark besetzt, daß erst noch die An­kunft von weiteren 5 Compagnien abgewartet werden mußte, um den Feind zu vertreiben. Das Dors wurde niedergebrannt, da es den Baschi-Bozuks be­ständig als Sammlungsplatz gedient hatte. Die Türken ließen auf dem Kampf felde 42 Todte, der russische" Verlust betrug 2 Todte und 3 Verwundete. Am 29. Decbr. eröffneten die Batterien von Giurgewo ihr Feuer gegen ein von Südosten her auf Rustschuk marschirendes Detaschement von 2000 Mann und 4 Geschützen; eine Bombe schlug auf Pferde und Geschütze ein, worauf das ganze Detachement sogleich hinter dem Chauffee-Damm Deckung nahm. Bei seinem Wiedererscheinen auf der Chauffee nahmen die russischen Batterien ihr Feuer wieder auf. Als ein Geschoß zufällig ein Haus, auf welchem die Flagge mit dem rothen Halbmond wehte, getroffen hatte, eilten 300 bewaffnete Soldaten aus demselben heraus und erwies sich dergestalt, daß die Türken ihre Flagge mit dem rothen Halbmond aus Kasernen auspflanzen. Demnach feuerten die russischen Batterien aus Giurgewo am 30. Decbr. wieder auf das genannte Haus, sowie auf das Quarantatne-Gebäude; die Türken erwiederten das Feuer aus 2 Batterien und dem Fort Suebtabla.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.

Rom, 6. Januar. Der König ist gestern von einem heftigen Fieber befallen worden, worauf eine Entzündung des rechten Lungenflügels eintrat. Der Verlauf des Fiebers läßt eine Compltkation mit Sumpffieber befürchten. Nachts schlief der König einige Stunden unter großer Transpiration, worauf sich Symptome von leichter Befferung zeigten. Heute gegen 2 Uhr Nachmittags trat eine Zunahme des Fiebers ein. Auf dem heutigen diplomatischen Diner im Quirinal«Palast machten der Prinz und die Prinzessin von Piemont im Namen des Königs die Honneurs.

Diritto" meldet: Ueber den Verlauf der Krankheit des Königs würden Bulletins veröffentlicht; dieselbe sei übrigens nicht gefährlich. General Mezzacapo begibt sich nach Florenz zum Leichenbegängniß Lamarmoras.

London, 7. Januar. Die Regierung ließ an Bord eines britischen Dampfers in Cardiff 2000 Kisten Patronen, welche für die Türket bestimmt waren, mit Beschlag belegen. Heute findet abermals Ministerrath statt. Der frühere Oberstallmeister Allesbury ist gestorben. Gladstone hat ein Schreiben an den liberalen Verein in Sheffield gerichtet, in welchem er die Ueberzeugung aussprtcht, daß durch die Ereignisse im östlichen Europa der gegenwärtige Stand der militärischen Maßregeln Englands nicht gerechtfertigt erscheine und daß durch letztere England nur dem Blutvergießen näher gebracht werden dürfte.

Stuttgart, 7. Januar, Heute Nachmittag fand unter militärischem Gepränge die Ueberführung der Leiche des Generals v. Schwarzkoppen nach dem Bahnhose statt behufs Verbringung nach Merseburg, wo morgen Nachmit­tag die Beisetzung erfolgt.

Petersburg, 7. Januar. (Telegramm derAgence Russe"). Prtvat- Telegramme hiesiger Blätter melden: In Folge der von England der Pforte ettheilten Rathschläge, direct mit Rußland zu verhandeln, werden demnächst türkische und russische Delegirte Zusammentreffen. Die Aenderung der englischen Politik soll hervorgerusen sein durch eine Unterredung des Fürsten Gortschakoff nut dem englischen Botschafter Lord Loftus.

Konstantinopel, 7. Januar. DieAgence Havas" meldet: Die Demission Mahmud Damat Pascha's ist nicht angenommen; derselbe wohnte dem gestrigen Mtnisterrath bet.

Rom, 7. Januar. Der König hat die Nacht verhültnißmäßig ruhig zugebracht und etwas geschlafen. Das Fieber hält an, und wird zunehmende Aufregung wie Entwickelung der Lungenentzündung beobachtet.

Wien, 7. Januar. Das hiesigeTelegr.-Corresp.-Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 6. Jan.: Die Disposition der Pforte ist fortdauernd dem Waffenstillstände und Frieden günstig. Bevor jedoch eine Entscheidung ge­troffen sein wird, wartet man das definitive Resultat der englischerseits bei Rußland eingeletteten Schritte ab.

Konstantinopel, 6. Januar. Wegen der mit Beschlag belegten ita­lienischen Schiffe ist zwischen dem Botschafter Layard, dem italienischen Ge­sandten Corti und der Pforte ein Compromiß vereinbart worden, wonach das Prisengericht dieselben verurtheilt und der Sultan sie begnadigt. Es heißt, die Kammer werde aufgelöst werden, im Falle sie auf den angekündigten In­terpellationen bestehen sollte. Von den Truppen aus dem Festungsviereck haben 38 Bataillone den Balkan überschritten und marschiren auf Adrianopel, wo Suleiman Pascha die Concentrirung fortsetzt.

Seitens des Kriegsministers wurden Depeschen veröffentlicht über Scharmützel mit den Serben, welche zwischen Kurschumlje und Pristina statt­fanden. Von den Operationen der Donau-Armee verlautet nichts. Sulei­man Pascha übernimmt das Commando über das bisher von Schakir Pascha geführte Corps, welches sich nach Slatitza zurückgezogen hat; dem Kriegsmini- ster Reuf Pascha wird das Ober-Commando der türkischen Streitkräfte in Europa übertragen.

London, 7. Januar.Daily News" meldet aus Bukarest vom 6. d.: Ein Officier der Lom-Armee berichtet, daß General Radetzky den Balkan durch den Schipka-Paß überschritten habe, nachdem die Türken in Folge der strengen Kälte abgezogen seien.

Wien, 7. Januar. DiePolit. Corresp." meldet aus Ragusa vom 7. d.: Nach Ablauf der zur Erleichterung des Abzuges von 250 österreichischen Schutzbefohlenen mit dem Commandanten von Antivari vereinbarten Waffen­ruhe haben die Montenegriner neuerdings die Beschießung der Festung begon­nen. Gleichwohl verweigert der Commandant die Uebergabe. Die türki­schen Panzerschiffe eröffneten ein heftiges Feuer gegen die montenegrinischen Batterien.

Konstantinopel, 7. Januar. Die Mintsterkrisis hat damit geendigt, daß die bisherigen Minister im Amte verbleiben. Der Bey von Tunis, welcher der Fortsetzuug des Krieges geneigt ist, hat ungeachtet des Protestes des französischen Consuls erklärt, er werde die Zahlung eines Theiles der Coupons der nicht hypothekarischen Schuld suspendiren. Regierungs-Telegramme melden: Aus Schtpka. Das Wetter ist milder geworden. Es fand ein 2 Stunden dauern­der Geschützkampf statt. Aus Silistria vom 5. d.: Bet einer unbedeuten­

den Kanonade zwischen Kalarasch und Tutrakan geriethen die Kasematten auf feindlicher Seite in Brand und explodirte ein Pulvermagazin. Aus Rust­schuk vom 5. d.: Die feindliche Kavallerie bei Pyrgos ist verstärkt worden. Die Pontons der Donau-Brücke sind festgenommen. AuS Adrianopel vom 5. d.: Durch eine Recognoscirung wurde constatirt, daß die Bulgaren von Vakarili Samakova evacuict hatten. Der russische Posten bei Tscherkeskot wurde zurückgedrängt. Die bei Jzlator stehenden Russen, welche anfänglich ebenfalls weichen mußten, erhielten Verstärkunaen und besetzten Tschatalkoi. Aus Prischtina vom 4. d.: Tausende von Bulgaren sind vom Balkan nach Leskowatz hinabgestiegen.

London, 7. Januar.Times" meldet aas Konstantinopel vom 6. d. (via Syra). Die türkische Regierung ist entschlossen, ihre Politik durch die Politik Englands bestimmen zu lassen. Unter den türkischen Deputirten ist im Allgemeinen die dem Frieden geneigte Stimmung vorherrschend, wofern Ruß­land zu annehmbaren Bedingungen die Hand bieten würde. Osficiell sind noch keine Friedensbedingungen discutirt; doch wird allgemein angenommen, die Türket werde folgende Forderungen nicht zurückweisen: Abtretung von Batnm, freie Schifffahrt durch die Dardanellen, Durchführung der Conferenzbeschlüffe bezüglich der slavischen Provinzen, Unabhängigkeit Serbiens und Rumäniens, Berichtigung der Grenze von Montenegro. Ferner meldet dieTimes": Der Versuch, die Christen zum Militärdienst heranzuziehen, sei als gänzlich ge­scheitert anzusehen.

Loikal-Motiz.

Gießen, 8. Jan. Wir lassen nachstehend die Tagesordnung für die Stadt- verordneten-Sttzung am Donnerstag den lv. Januar 1878, Nachmittags 4 Uhr, tm alten Realschulgebäude folgen:

1. Die Einführung der neu erwählten Stadtverordneten.

2. Die Wahl der Mitglieder für die Deputationen und Commissionen in Ge­mäßheit des Art. 52 der Städteordnung.

3. Wahl der Mitglieder für die Unterzeichnung von Urkunden.

4. Wahl der Verschluß-Commission.

5. Wahl des städtischen Controleurs.

6. Bildung der Wahl Commission für die Wahl eines Vertreters der Forensen.

7. Kostenvoranschlag für die Bedürfnisse der Poltzetverwaltung pro 1878.

8. Die Organisation der Executtv-Poltzet.

9. Die Reinigung der Straßen und Plätze u. s. w.

10. Die Quellwasserleitung betreffend.

11. Die Besetzung von Sprttzenmetsterstellen.

12. Gesuch des Localgewerbevereins um Herstellung einer Gasleitung in die demselben überlassenden Localttäten in der Wetdgasse.

13. Die Beschaffung von Schulräumen für die Stadt-Mädchen-Schule.

14. Bestellgebühren rc. für das Regierungsblatt und für die Darmstädter Zeitung.

15. Die im Jahr 1878 dahier stattfindende Feier des zwölften Bundesfestes des Lahnthal-Sängerbundes.

16. Die Erbauung von Quai-Straßen längs der Wieseck.

17. Gesuch des Justus Bärrn um Vc. Pachtung städtischer Wiesen an der Lahn.

18. Versteigerung der laufenden Unterhaltungsarbeiten u. s. w. für das Jahr 1878 19. Die Anlegung des Gartens in der neuen Realschule.

20. Den Feldweg in der Ltchtenau am Felsen betreffend.

21. Gesuch des Friedrich Kern von Wieseck um Erlaubntß zur Anlegung einer Abfahrt nach seinem Acker am Wtesecker Weg.

22 Kostendecreturen.

Vermischtes.

** Beuern, 6. Januar. Der am Sonntag den 30. Decbr. tm Saale der Ger­mania abgehaltene Vortrag des Herrn Lehrer Funk aus Rockenberg hatte eine zahl­reiche Versammlung veranlaßt, worunter sich trotz der ungünstigen Witterung auch viele fremde Zuhörer etngefunden hatten. Der Vortrag über das gewählte Thema, welcher circa l1/* Stunde in Anspruch nahm und ohne die geringste Störung vor sih ging, hatte die Erwartung der Anwesenden wett übertoffen, und mit sichtlicher Befrte- ntgung, welche in enthusiastischem Beifall ihren Ausdruck fand, schloß derselbe. Nach demselben bewegte sich Alles in einem heiteren vergnügten Cirkel, und mögen die zahl­reichen Toaste, welche aufs Herzlichste dem Herrn Redner dargebracht und von dern- felben in freundlichster Wttse erwredert worden, Zmgntß ablegen, welche segensreiche Erinnerung der Herr Lehrer Funk bei seiner vor acht Jahren hier nur 1* ijahrtgen Amtsthätigkett in den Herzen seiner damaligen Schüler sowohl als der ganzen Ons- bürger zurückgelassen hat! Ein Jeder suchte den Abend nach Kräften zu verherrlichen, und war es besonders der hiesige Gesangverein, welcher durch Vortragen schöner pacrw tischer Lieder ihren Dank und ihre Liebe dem Gründer des Vereins Herrn Lehrer Funk darbrachten. Mit der schönen Erinnerung einen wie nur selten vergnügten Abe W verlebt zu haben, trennte sich die Versammlung, als die Glockenschläge der Mstter- nachtsstunde längst verklungen waren, und ging der Wunsch von Mund zu Mun^e, daß die Zett nicht allzufern sein möge, wo ein öfteres Zusammentreffen dieser Art mit Herrn Lehrer Funk ihnen vergönnt seil Es ist gewiß als ein erfreuliches Zeichen der Zett anzusehen, daß das Streben nach allgemeiner Volksbildung auch bet dem Bauern­stände immer mehr und mehr in den Voidergrund tritt, sich der Fesseln in dem unbe­haglichen Zustande des Unwissens zu entledigen sucht und mit Herzensdrang nach höherem Wissen und Bildung strebt. Mögen andere Gemeinden diesem Beispiele folgen !

Rotterdam, 24. Dec. Ein entsetzliches Unglück, das in viele Familien de» Landes unsäglichen Jammer bringt, nimmt tm Augenblick die öffentliche Aufmerksam­keit vollständig in Anspruch. Das Dampfschiff .Friesland", von Batavia kommen), mit einer kostbaren, für 3 Millionen Gulden versicherten Ladung, mit 50 Mann in­discher Truppen, die nach vollbrachter Dienstzeit nach Europa zurückkehcten und etwa 200 Passagieren, lauter Familien indischer Offiziere und Beamten, worunter etwa 70 Frauen und 35 Kinder, ist spurlos verschwunden! Am 4. Dec. segelte das Schiff von Gibraltar ab und mußte spätestens am 10. oder 11. Dec. in Helaer ankommen. In der Nacht vom 8. auf den 9. wüthete im Meerbusen von Biscaya, diesem Grabe so unzählig vieler Schiffe, ein fürchterlicher Orkan, dem die »Friesland- wohl zum Opfer gefallen sein wird. Gestern gelangte aus London ein Telegramm hierher, nach welchem das englische SchiffThessalia" im Sturme ein Wrack und eine Masse Kaffee Ballen treiben sah. Da die Beschreibung der Verpackung der letzteren vollkommen zutrifft, so »st an dem vollständigen Untergange deS Schiffes mit Mann und MauS n cht mehr zu zweifeln.

Wiesbaden, 28. Dec. Heute Morgen um 5 Uhr brach in dem westlichen Pa­villon der neuen nach Süden gelegenen Colonnade des Kurhauses im Dachstuhl Feuer aus und verbreitete sich mit solch reißender Geschwindigkeit, daß der ganze lange Dach­stuhl binnen einer halben Stunde abgebrannt war; ein Löschen war ohne Zweck und es beschränkte sich deshalb die Hauptthätigkeit der Feuerwehr auf Rettung der Waaren und sonstigen Gegenstände in den Läden der Colonnaoenpächter, worunter auch die sehr wertvollen Gemälde der Merkel'schen permanenten Kunstausstellung, die glücklicher­weise gesichelt wurden. Ebenso wurden die meisten anderen Waaren gerettet.

(6000 e> rf verfälschtes und verdorbenes Retsmehl), welche von England au8 (n den Handel gebracht waren, wurden kürzlich in Antwerpen mit Beschlag belegt, nachdem ein Thetl bereits in den Handel gelangt war. Ein Käufer dieser schönen Waare, dem em Schwein nach dem Genüsse derselben crepirte, machte von dem Vor­fälle Anzeige beim Minister um, welches eine chemische Untersuchung und später die Be­schlagnahme des verdorbenen Mehles verfügte.

In Baltimore starb vor wenigen Tagen eines der Opfer, vielleicht das letzte des ersten Napoleon Elisabeth Patterson. Gegen das Ende des JahreS 1803 landete Hieronymus Bonaparte damals noch Marine-Lieutenant in New Aork und hei- rathete da am 24. December Miß Elisabeth Patterson, die Tochter eines reichen Pflan­zers von Baltimore. Die Heirath geschah in aller Form Rechtens. Der französische