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Mittwoch, dell 9. Januar
1878.
Gießener "Anzeiger
AMize- uni AmisdlM für i>cn Kreis Gießen.
NedaetiorrSbirrearr r Gartenstraße B. 165.
Gxpeditionsdureaur Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Theil.
B e k a n n l m a ch u ii g.
Kürzlich sind mehrere wuthverdächtige Hunde hiesiger Einwohner in die Veterinäranstalt eingebracht worden und es steht zu befürchten, daß andere Hunde von diesen gebiffen worden sind. Es wird deßhalb zur Verhütung von Unglückssällen hiermit für die Stadt Gießen auf Grund des Art. 261 des Polizei - Straf-Gesetzes verordnet:
Alle Hunde in der Stadt Gießen sind bis aus Weiteres in den Hosraithen in sicherer Verwahrung zu halten. Ausnahmen sind nur gestattet, wenn Hunde mit einem das Beißen vollständig verhindernden Maulkorb versehen sind.
Zugleich wird auf die Art. 259 und 260 des Polizei-Straf-Gesetzes htngewiesen, wonach der Polizeiverwaltungsbehörde alsbald Anzeige zu machen ist, wenn bei einem Hunde Anzeichen der Tollwuth beobachtet werden, oder ein Hund von einem der Tollwuth verdächtigen Hunde gebissen wocden ist.
Gießen, 7. Januar 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
“ Gießen, den 8. Januar 1878.
Das Großhcrzogliche Rentamt Gieße»
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.
Die Berichtigung der am 31. December 1877 fällig gewesenen Grummetgras - und Obstgelder aus den Oberförstereien Gießen, Schiffenberg und Treis a. Lda. hat bis zum 25. l. M. — bei Meldung der Mahnung — anher zu geschehen, wovon Sie Ihren Gemeindeangehörtgen in geeigneter Weise Kenntniß geben wollen.
S ch l t e p h a k e.
Wolitifch
Deutschland.
Darmstadt, 5. Januar. Die hiesige Münz-Stätte hat gestern ihre Lhätigkcit eingestellt und dürfte dieselbe (weil sie aufgehoben werden soll) voraussichtlich auch nicht mehr wieder aufnehmen.
Mainz, 5. Januar. Das Jahr hat für eine ziemliche Zahl von Mannschaften des 3. (brandenburgischen) Fuß-Artillerie-Regiments, des 4. (kur- h.jsischen) Husaren-Regiments und des 118. (hesien-darmstädtischen) Infanterie- Regiments mit einem sehr schweren Verhängniß begonnen. Die seit Jahren gkgen letztgenannte Truppe von Mannschaften des erstgenannten Regiments geübten Reibereien nahmen am jüngsten Geburtstage des Kaisers eine planmäßige Ausdehnung und einen wahrhaft destructiven Charakter an. Das von den hessischen Soldaten (118. Regiment) gewählte Tanzlocal „Heilig Geist" wurde nach vorhergegangener Herausforderung gestürmt und demolirt, von den Waffen wurde blutiger Gebrauch gemacht, herbeteilende Officiere wurden von den wuth- entbrannten Mannschaften selbst verhöhnt u. s. w. Die mit Verhaftungen ein- geleitete Untersuchung schloß, nachdem der Kaiser und König alle Bitten um Niederschlagung derselben abgewiesen hatte, in dem Schlußverfahren vor den verschiedenen Instanzen mit Ausstoßung aus dem Heere und Verurtheilung zu Zuchthausstrafen von 10, 8 und 5 Jahren — vor den Kriegsgerichten mit Verhängung von Festungshaststrafen von 9, 7 und 2 Jahren rc. bis zu schweren Arreststrasen, welch letztere die bet den Ausschreitungen selbst als passive Zuschauer auf dem Platz gebliebenen Soldaten trafen. Die höchste Bestätigung dieser harten, aber gerechten und für die fernere Ruhe innerhalb der Besatzung ohlle Zweifel wirksamen Urtheile traf am Neujahrstage ein und sind bereits die seit Eröffnung des Verfahrens hier in Hast gewesenen Verurtheilten nach den betreffenden Strafanstalten ihrer Bezirke, Spandau, Erfurt, Ehrenbreitstein rc., abgeführt worden.
Berlin, 5. Jarniar. Wie unterrichtete Personen erzählen — schreibt man der „Magd. von hier — wird der Präsident des Reichskanzler- Amtes, Staatsmintster Hofmann, seinen Abschied fordern. Man bringt diesen Entschluß des Ministers mit der Reise des Herrn v. Bennigsen nach Varzin in Verbindung und bemerkt, es habe dem Präsidenten des Reichskanzler-Amtes nicht gleichgültig sein können, daß über die anderweitige Ausgestaltung der Reichsämter Verhandlungen ohne sein Vorwiffen geführt worden seien. Herr Hofmann sieht sich durch die Varziner Besprechungen als deplacirt an und Will, wie es scheint, nicht länger auf einem Posten bleiben, der wahrscheinlich ihm früher oder später doch entzogen werde. Es wird von unseren Gewährsmännern angenommen, der Staatsminister Hofmann trage sich mit der Absicht, nach Darmstadt zurückzukehren.
Hesterreich.
Wien, 5. Januar. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" in Konstantinopel meldet über eine Unterredung mit dem Großvezir: Edhem versicherte mir, die Pforte habe bereits seit zwei Jahren beabsichtigt, Datum zum Freihafen zu erklären. Auf diese Weise erhalte Rußlands Handel Gelegenheit zur vollen Entfaltung und eine Annexion werde gegenstandslos. Die Eröffnung der Dardanellen für Kriegsschiffe gehe England mehr an als die Türkei. Wenn England in dieser Beziehung den bisherigen Stand erhalten zu sehen wünsche, so müsse es sich auch bereit machen, ihn zu vertheidigen. „ Was Montenegro angehe, so sei die Pforte immer bereit gewesen, Zugeständniffe zu machen; auch sei sie davon bislang nur durch andere Mächte abgehalten worden, die Montenegro nicht im Besitze eines Stückes der Küste zu sehen wünschten. Ser-
er HheiL.
bien dagegen dürfe wegen seiner schändlichen Verrätherei nichts zugestanden werden. Die Forderung, Rumänien unabhängig zu erklären, gehöre vor ein europäisches Schiedsgericht. Hinsichtlich der Bulgarei bemerkte der Großvezir, daß unter gewissen Umständen und unter geeigneten Bürgschaften der Conserenz- Entwurf vielleicht annehmbar sein könnte." Weiter berichtet derselbe Corre- spondent, aus allen Unterredungen mit türkischen Staatsmännern gewinne er die Ueberzeugung, daß, wenn England vermitteln wolle, die Türkei ihm völlig freie Hand lassen würde, die Bedingungen festzustellen.
AranLreich.
Paris, 5. Januar. „Bien Public" behauptet, der Bischof von Orleans, Dupanloup, habe die religiösen Körperschaften aufgefordert, ihre Staats- und sonstigen Papiere so schnell als möglich zu verkaufen, weil die neue Lage der Dinge nicht das geringste Vertrauen einflößen könne. Ist die Angabe richtig, so würde der wahre Grund und Zweck wohl der sein, der neuen Regierung dadurch, daß die neuen Körperschaften von ganz Frankreich ihre nach Milliarden zu schätzenden Papiere plötzlich auf den Markt werfen, Verlegenheiten zu bereiten und ihre Aufgabe, den Wohlstand in Frankreich wieder herzustellen, Hemmniffe in den Weg zu legen.
Wußland.
Petersburg, 5. Januar, Abends. Amtlich wird aus Bogot vom 3. d. gemeldet: General Gurko sendet folgenden telegraphischen Bericht aus Taschkisen vom 2. d. früh: Nachdem die von den Türken verlassenen Positionen russtscherseits besetzt worden waren, begann ein Theil der russischen Truppen die Verfolgung. Gleichzeitig kam es bei Bugarow zu einem hitzigen Gefecht; daselbst war das Detachement des Generals Weliaminoff, bestehend aus 5 Bataillonen, einer Brigade, 6 Geschützen und einer kaukasischen Kosaken- Brigade. in der Richtung gegen Sofia aufgestellt. 12 Tabors Türken mit Kavallerie und 8 Geschützen, die aus Sofia ausgerückt waren, schloffen das russische Detachement von drei Seiten ein und machten einen stürmischen Angriff. Die erste Brigade der 31. Division ließ dieselben sich auf 50 Schritt nähern und griff darauf nach Abgabe einer Salve mit dem Bajonett an. Nach blutigem Handgemenge, bei welchem die Russen eine Fahne eroberten, wurden die Türken zurückgeworsen und ergriffen mit Zurücklassung von mehr als 1000 Todten die Flucht, von den Russen verfolgt. Letztere verloren ungefähr 200 Mann an Todten und Verwundeten. Dieser glänzende Kampf verdient besondere Aufmerksamkeit, weil General Weliaminoff, obwohl in eine kritische Lage versetzt, die Türken schlug, ohne Verstärkungen zu verlangen, so daß die übrigen Truppen ungestört ihre Obligationen zu erfüllen vermochten. In Schandornik fielen den Russen 10 von den Türken zurückgelassene Stahlgeschütze in die Hände. — Am 2. d. beabsichtigte General Gurko gegen Sofia vorzurücken. — Ueber das Detachement des Generals Daudeville, welches Schandornik über Babagora umgehen mußte, sind folgende Nachrichten eingelaufen: In der Nacht vom 28. auf den 29. Decbr. hatte das Detachement stark zu leiden, da auf Babagora in einer Höhe von 5600 Fuß bei 15 Grad Kälte furchtbares Schneegestöber eintrat; 4 Geschütze wurden gänzlich vom Schnee überschüttet und erst am dritten Tage durch Bulgaren wieder herausgegraben. 10 Officiere und 810 Mannschaften erkrankten in Folge Erfrierens, 53 Mann waren gänzlich erfroren. Ungeachtet solcher schrecklichen Lage bewahrten die Truppen Dau- deville's ihre Haltung. — Bei dem Detachement des Großfürsten-Thronfolgers fand am 1. d. ein Scharmützel statt; die Türken hatten in Gagowa einen Hinterhalt errichtet, wurden aber von Volontären des Rylskischen Regiments


