Ausgabe 
7.12.1878
 
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Bericht durch die Blätter, zu dessen Berichtigung derPost* geschrieben wirb :l Der Fürst ist leider noch nicht wohl; er fühlt sich sehr angegriffen, schläft schlecht und arbeitet deshalb auch nicht viel, sondern sehr wenig und in der Nacht gar nicht. Weder die Fürstin Odescalcht, noch Geh. Rath Tiedemann, noch Graf Herbert, welche sämmtlich der Artikel als dort anwesend aufführt, befinden sich in Frtedrtchsruh, sondern sind sämmtlich längst wieder abgereist. Der Fürst reitet auch nicht, und hat keinen alten, sondern einen jungen Ober­förster- Ebenso wenig wird die Verbindung mit diesem und mit der Post zu Pferde, hergestellt, da Oberförsteret und Postamt auf wenige Pferdelängen neben dem Wohnhause liegen. Roch näher am Hause aber hält sich ein Schwarm von Enten auf, mit welchen der Berichterstatter in Correspondenz zu stehen scheint."

Berlin, 4. December. Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf, betr. den Schutz nützlicher Vögel, zugegangen. Derselbe umfaßt 10 Paragraphen und lehnt sich an die früheren betr. Gesetzentwürfe an.

Nach dem soeben erschienenen Fraktions-Verzeichniffe des Abgeordneten­hauses gehören an: den National-Liberalen 165, dem Centrum 84 und 3 Hospi­tanten, der Fortschrittspartei 63 und 1 Hospitant, den Freiconservativen 33, den Neuconservativen 26 und 4 Hospitanten, den Polen 15, den Conservativen 10 Mitglieder, bei keiner Fraktion sind 21 Abgeordnete, erledigt sind

Spanien.

Madrid, 4. December. DieEpoca" bespricht die in Spanien und Deutschland durch die Agitationen der Internationale heroorgerusene Unruhe und hebt hervor, es sei natürlich, daß die durch wahnsinnige Verbrecher bedroh­ten Nationen sich darüber beklagen, daß in den Bergen der Schweiz kosmo­politischen Verschwörern, die sich auf den Meuchelmord vorbereiten, ein Zu. fluchtsort gewährt werde.

Telegraphische Depeschen.

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Berlin, 5. December, 10 Uhr Vorm. Das Wetter ist zwar noch trübe, aber der Regen hat aufgehört. Die ganze Stadt bis zu den entlegen­sten Straßen prangt in einem niegesehenen Flaggensckmuck. Haus für Haus hat Flaggen- oder anderen Schmuck angelegt. An die Ausschmückung der Straßen, durch welche der Kaiser seinen Einzug hält, wird die letzte Hand ge- legt. Die Krtegervereine ziehen mit Musik zu ihren Sammelplätzen. Die Studirenden und Akademiker nehmen Aufstellung. Alle Straßen und Pläh- sind bereits von einer großen Menschenmenge erfüllt. Alle Morgenblätter feiern den Tag durch Festarttkel.

Türkei.

Konstantinopel, 4. December. Osman Pascha ist zum Kriegsmini­ster, Nourian Zade zum Dcheik ul Islam und Riza Bey zum ersten Secrelär des Sultans ernannt.

8 Mandate.

Karlsruhe, 3. December. Dem Kaiser-Commers der Polytechniker in der Festhaüe wohnten Tausende bei, hierunter der Großherzog, der Erbgroß- herzog, die Minister, die Präsidenten der Kammern, die Generalität, die kai­serlichen Adjutanten und die Gemeindevertreter. Das Hoch auf den Kaiser, den Großherzog und die Großherzogin wurde begeistert ausgenommen. Ge­dichte, Reden und Gesänge wechselten miteinander ab. Der Großherzog hielt eine ergreifende Ansprache an die studirende Jugend, und schloß mit einem Hoch auf das Vaterland.

Statten.

Rom, 3. December. Einige hiesige liberale Blätter sprechen ihre große Entrüstung über die Aeußerung eines ultramontanen Mainzer Blattes bezüglich des Sociallsmus in den Kasernen und die von den Ultramontanen darauf gegründeten Hoffnungen aus. Der hiesigePopolo Romano" sagt: Also das ist das Deutsch der Mainzer Katholcken! Socialdemokratie und Klerus arbeiten zusammen, um Gesellschaft und Staat zu erschüttern. Von Leo XIII. können derartige Anreizungen unmöglich ausgehen. Wie er, obschon vereinzelt dastehend und in Unfrieden mit Italien doch Thetl genommen hat an den Schmerzen und den Freuden des letzten Ereigniffes, so wird er nicht umhtn können, vor den Aeußerungen des Mainzer Blattes den tiefsten Widerwillen zu empfinden."

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schulen, auch eine bedeutende Zahl hier weilender Nordamerikaner mit zwei Sternen­bannern; mehrere hundert Banner und Fahnen zeigten sich tat Zuge. Der Act der Wiederübernahme der Regierung durch den Kaiser soll im hiesigen Palais erfolgen. Das Wetter bleibt andauernd regenfrei.

Berlin, 5. December. Se. Mas. der Kaiser geruhten an die im Empfangssaal des Bahnhofs Versammelten folgende Worte zu richten: Sie werden mit Mir fühlen, mit wie gemischten Empfindungen Ich in diesem Augenblicke vor Ihnen stehe, denn Sie haben ja die Zeit, seit jenes schmerzliche Ereigniß Mich betroffen, mit Mir durchlebt. So schwer die körper' Uchen Leiven waren, die Ich zu tragen hatte, so waren sie doch nicht so quälend, als die Wunde, die in meinem Herzen dadurch geschlagen wurde, daß es gerade in Meiner Residenz, daß cs em Preuße war, durch welchen Mir diese Heimsuchung auferlegt wurde. Zum Oberbürgermeister v. Forckenbeck gewendet sprach der Kaiser: Ich sehe Sie zum erstenmale in Ihrer neuen Stellung zur Hauptstadt meines Landes, kann Sie also gleich mit einem Danke für den Empfang begrüßen, den das Zusammenwirken so vieler Vereine und ausgezeichneter Persönlichkeiten Mir entgegen­bringt, der nickt allein Meine Erwartungen, sondern auch Meine wiederholt ausgesprochenen Wünsche weit übertreffen zu wollen scheint. Möge das Aussprechen Meines Dankes für Alle, welche dabei mitgewirkt haben, Mein erster Auftrag für Ihre beginnende Amtsthätigkeit sein. Ich kann nur wünschen, daß die Gesinnungen der Theilnahme, welche der Bürgerschaft Berlins diesen Empfang für Mich eingegeben haben, auch dauernd sein mögen, und habe um so größeres Vertrauen darauf, als Mir diese Theilnahme nicht allein in Unserem engeren, sondern auch im weiteren deutschen Vaterlande, ja weit über die Grenzen Europas hinaus, von überall her, wo Deutsche ansässig sind und wirken, in herzlichster Weise zugerufen worden ist. Zu bex Staats­ministern und den Präsidenten der beiden Häuser des Landtags gewendet, sprach der Kaiser: Die schmerzlichen Erfahrungen, welche Mich persönlich betroffen, haben aber auch wunde Stellen in unseren gejammten gesellschaftlichen Verhältnissen aufgedeckt und erkennen lassen, welche nur von der starken Hand des Gesetzes geheilt werden können, deffen Etnwirken neuerdings aufge­rufen werden mußte. Wird dadurch die Heilung auch dieser Wunde erreicht, so will Ich gern für das allgemeine Wohl geblutet haben und Mich freuen, daß es seitdem doch schon so vielen Augen aufgegangen ist, die nicht an die Tiefe jener Wunde glauben wollten. Ich sage daher Allen Denen Meinen Dank, welche in der Gesetzgebung zur weiteren Entwickelung dieser Erkennt- njß mitgewirkt haben, und kann nur noch den Wunsch aussprechen, daß auch die ausführenden Behörden mit energischer, nach allen Seiten gerechter Handhabung dahin wirken mögen, Absicht und Zweck des Gesetzes zu erreichen. Ihnen, Meine Herren Präsidenten, wird cs gewiß eine willkommene Aufgabe sein, in diesem Sinne Geist und Ziele der Volksvertretung zu pflegen.

Berlin, 5. December. Soeben Mittags 12 Uhr 45 Min. erfolgt die 'Einfahrt Sr. Majestät des Kaisers unter Glocke iqeläute und begeisterten Hur- rahrufen einer zahllosen Menschenmaffe vom Potsdamer Bahnhofe durch die Königgrätzer Straße und das Brandenburger Thor in die Stadt; Se. Maje­stät fährt im offenen sechsspännigen Wagen, der sich in kurzem Trabe bewegt.

Ihre Maj. der Kaiser und die Kaiserin sind um 12 Uhr 45 Min. im Palais eingetroffen. Unter zahlreichen Ovationen des Publikums defiliren jetzt die Corporationen und Verbände vor Ihren Majestäten, welche vom Balkon herab die Grüße der Menscheumaffen erwidern.

Schlag 5 Uhr begann die Illumination der Stadt, von welcher selbst bis in die entlegensten Straßen der Vorstädte kein einziges Haus ausgeschlossen ist. Auf dem Brandenburger Thor und an anderen Punkten strahlen electrische Sonnen. In allen Straßen brennen bengalische Flammen, während die Fenster und Häuserfronten von Kerzen und Gaslicht strahlen. An vielen Häusern sind Transparente mit sinnigen Sprüchen zu schauen. In Schaufenstern ist häufig die lorbeergeschmückte Büste des Kaisers ausgestellt.

Berlin, 5. December. DerReichsanzeiger" publicirt folgenden Er­laß des Kaisers an den Kronprinzen vom Heutigen: Nachdem durch Gottes gnädige Hülfe Meine Gesundheit wiederhergestellt und damit die Behinderung fortgefallen ist, für deren Dauer Ich durch Meine Ordre vom 4. Juni an Ew. k. k. Hoheit Meine Vertretung in der oberen Leitung der Regierungsgeschäfte übertragen habe, will Ich diese Geschäfte mit dem heutigen Tage selbst wieder übernehmen. Dem Reichskanzler und dem Staatsmintsterium habe Ich diesen Erlaß zur amtlichen Veröffentlichung zugehen lassen.

Zwei weitere Erlasse des Kaisers an den Reichskanzler, resp. das Staats- Ministerium, lassen diesen den an den Kronprinzen gerichteten Erlaß vom Heutigen mit dem Auftrage zugehen, denselben nebst der gegenwärtigen Ordre durch die Gesetzsammlung zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Diese Erlasse schließen wie folgt: Ich habe Meinem Herrn Sohne dem Kronprinzen f. k. Hoheit für Seine mit voller Hingebung und sorglichen Beobachtung Meiner Grundsätze erfolgreich geführte Vertretung Meinen Dank durch besonderen Erlaß ausge­sprochen. Diese Erlasse an den Kronprinzen und das Staatsministerium sind von dem Vicepräsidenten des Staatsministeriums Grasen Stolberg und sämmt- lichen übrigen Ministern gegengezeichnet, der Erlaß an den Reichskanzler vom Stellvertreter des Reichskanzlers Graf Stolberg.

Pesth, 5. December. Der Kaiser hat bereits das die Ernennung des Ministeriums betr. Handschreiben unterzeichnet. Die neuen Minister Graf Szarpay und Baron Kemeny legen morgen den Eid ab.

Petersburg, 5. December. Die Großfürstin-Thronfolgerin ist von * einem Prinzen earbunden.

Berlin, 5. December. Der Kronprinz und die kronprinzliche Familie hielten soeben eine Umfahrt durch die allgemein und an vielen Stellen wunder­bar schön illumi- irte Stadt.

Versailles, 5. December. In der Deputirtenkammer wurde der Be­richt über di- Ungültigkeitserklärung der Wahl des Herzog- Decazes verlesen und die Debatte darüber auf Sonnabend festgesetzt.

London, 5. December. Die Führer der Opposition haben beschlossen, |etn Amendement zur Adresse aus die Thronrede und ein starkes Tadelsvotum

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Frankreich.

Paris, 2. December. Heute, am Jahrestage des Staatsstreichs von 1851 und der Schlachten bei Champigny von 1870, fand die Einweihung des Grabes statt, in welchem man alle Gebeine der Officiere und Soldaten ver­einigte, welche an den blutigen Tagen vom 29. und 30. Novbr. und 2. Decbr. 1870 vor Paris fielen und die bis jetzt in der Nachbarschaft begraben waren. Die sterblichen Ueberreste von mehr alö 3000 Officieren und Soldaten, unter denen auch mancher Held der deutschen Armee, ruhen jetzt dort unter bei Pyramide, die man 1873 zum Andenken an die in den 3 Tagen Gefallenen errichtete. Das Denkmal liegt in geringer Entfernung von Champigny; es be­steht aus einer halbrunden Galerie.

Paris, 4. December. DemFigaro" wird aus Bordeaux telegraphisch die Verhaftung Delebecque's, Directors der Münze, gemeldet. Man spricht von einer Unterschlagung von 1,500,000 Frcs. zum Schaden des Hauses Roth­schild. Delebecque leugnet jede verbrecherische Absicht Hub behauptet nur eine Anleihe gemacht zu haben.

England.

London, 4. December.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel: Die Pforte und Gras Zichy haben sich im Principe bezüglich der Besetzung von Novibazar über folgende Punkte geeinigt: Die Oesterreicher rücken nicht wäh­rend des bevorstehenden Winters in Novibazar ein, können die Occupation jedoch vornehmen, wenn die Umstände es erfordern. Die in Novibazar augen­blicklich befindlichen türkischen Truppen verbleiben daselbst. Die Souveränität des Sultans in Betreff Novibazars und die türkische Verwaltung daselbst wer­den anerkannt. Die vollständige Einigung über das Abkommen hängt von diesem letzterwähnten Punkte ab. Der Mintsterrath wird darüber morgen be- rathen und das Abkommen sodann dem Sultan zur definitiven Genehmigung unterbreiten.

I Berlin, 5. December. Um 12 Uhr 10 Min. fuhr der reich bekränzte kaiserliche Zug in den Bahnhof ein; auf dem Perron wurde der Kaiser zunächst von dem Salut der Ehrenwache bcgrützt. Unmittelbar noch dem Verlassen des Waggon« umarmte der Kaiser seine Schwester, die Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-SchDerin, begrüßte die übrigen Mitglieder der .iglichen Familie und betrat sodann den Empfangs-Salon.

, Hier reichte Se. Maj. zunächst dem Oberbürgermeift-r von Forckenbeck die Hand und äußerte seine Freude, denselben an der Spitze der Berliner Bürgerschaft begrüßen zu können. Sodann wandte sich der Kaiser an die tm Halbkreise stehenden M nifter, Generale und Hofstaaten und sprach etwa folgende Worte: Mit gemischten Gefühlen kehre Er in die Hauptstadt zurück, in die Freude über Seinen Empfang, über die Zeichen der Hingebung an Ihn und Sein HauS mische sich der Schmerz um das, was Er erdulden mußte. Sein Herz habe mehr geblutet als Seine Wunden. Er wolle gern Alles ertragen und freudig Sein Blut veraoffen haben, wenn Er überzeugt sein dürfte, daß das zum Wovle de« Vaterlandes und zum Heile der irregeleiteten Theile Seines Volkes gereichen könnte. Nach etwa 10 Minuten verließen Ihre Majestäten den Bahnhof und beftteaen den offenen sechsspännigen Galawagen. Daran schlossen sich in 22 Wagen die Prinzen und Prinzessinen nebst dem Gefolge. Der Kaifer, in großer Generalsuniform mit dem Militärpaletot da, über, den rechten Arm in der Binde sieht frisch und klüftig aus. A»f dem ganzen Wege ertönten unermeßliche Jubel­rufe des zahlreich versammelten Publikums: die Fenster und Balkons waren reich mit Damen besetzt, welche die Majestäten mit Tücherw-Hen begrüßten. Um 12^ Uhr trafen der Kaiser und die Kaiserin vor dem Palaitz em. D'e Kaiserin begab sich sofort in dasselbe; der Kaiser, dem die Generale und Flügeladjutanten folgte, nahm die Parade der Ehrenwache ab, begab sich sodann ins PalaiS und erschien mit der Kaiserin auf dem Balkon, um das Publikum, das unaufhörliche Jubelrufe ertönen ließ, nach allen Seiten zu grüßen. Unmittelbar darauf begann das Defiliren der ausgestellten Corpo­rationen und Verbünde, darunter zahlreiche starke Deputationen auswärtiger Hoch-