rikatsteuer, die ihm nebst zwei sachkundigen Herren übertragen war, nach den bereits erlangten umfänglichen Aufschlüffen über diese Steuerform kaum etwas werden wird.
Karlsruhe, 30. Juli. Die Konferenz deutscher Finanzminister beginnt, nach der „Bad- Landes-Ztg.", am nächsten Montag in Heivelberg. Die Sitzungen werden im Großh. Palais daselbst stattfinden.
Bremen, 30. Juli. Der nach Jenissei bestimmte Dampfer „Luise" ist einer telegraphischen Nachricht zufolge nördlich von Drontheim gestrandet. Die Mannschaft ist in Sicherheit gebracht und dasjSchiff noch dicht. Wegen Hülfe- leistung wurde nach Bergen telegraphirt.
Hesterreich.
Wien, 30. Juli. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom Heutigen: Zwischen der Pforte und dem Botschafter Layard schweben Verhandlungen über die türkisch-englische Convention vom 4. Juni. Namentlich legt der Sultan Gewicht darauf, daß ohne seine vorgängige Zustimmung keine Reform in der asiatischen Türkei eingeführt werde. — Aus Bukarest wird der „Polit. Corresp." gemeldet: Die Rusten bereiten die Besitzergreifung Beffara- Liens für unmittelbar nach der Ratification des Berliner Vertrages vor, weshalb die russischen Truppen aus der Dobrudscha nach Bestarabien vorrücken. Dag-gen ist der rumänische Kriegsminister mit der Designirung der für Besetzung der Dobrudscha bestimmten Truppen beschäftigt.
Aus Serajewo meldet man der „Polit. Corresp.: Dem türkischen Agitator Hadschi Loja, welcher schon vor -14 Tagen tumultuarische Auftritte verursachte, die den Rücktritt des militärischen Commandanten herbeiführten, ist es gelungen, neuerlich einen Aufstand des türkischen Pöbels gegen die türkischen Behörden zu provociren. Der Pöbel bemächtigte sich theilweise der Waffen, vollbrachte Gewaltthätigkeiten und unterbrach die telegraphische Verbindung. In Folge des anarchischen Zustandes wird Seitens der friedfertigen moharne- dänischen Bevölkerung der Besetzung der Hauptstadt durch österreichische Trust- Pen sehnsüchtig entgegengesehen.
Wien, 30. Juli. Ein Korrespondent des „Standard" gibt einige Mit- theilungen über die Insel Cypern, die als reich an Hülfsquellen, aber traurig vernachlässigt geschildert wird. Die Städte liegen beinahe in Ruinen. Seit der Besitznahme durch England seien viele Griechen, Smyrnoten und sogar Deutsche hingezogen. Klima und Sprache würden einer englischen Einwande- iung große Hindernisse entgegenstellen. Der Werth des Grundeigenthums sei um das Fünfzigfache gestiegen. Das Master sei gut und finde sich in einer Tiefe von 18 Fuß reichlich. Wasserleitungen aus venetianischer Zeit her lasten sich leicht wieder Herstellen. Der Landtransport (durch Ochsen. Kamele, Maul- thiere und Esel) sei theuer. Sir Garnet Wolselei wird wahrscheinlich in der Hauptstadt Leukosia residiren, hatte aber bis jetzt sein Hauptquartier an Bord des Himalaya.
Teplitz, 30. Juli. Der Kaiser lehnte bei seiner Ankunft den geschloffenen Wagen ab und benutzte fortwährend einen offenen ohne jedwede Vorsichtsmaßregeln ; er spazirte heute Abend in dem abgesperrten Theil des Schloßgartens.
Frankreich.
Paris, 30. Juli. „Temps" meldet, daß die Bank von Frankreich be- schloffen habe, ihre gegenwärtigen Noten durch neue zu ersetzen, die fast unmöglich nachzumachen und leichter zu controliren wären.
Paris, 30. Juli. Seit gestern spielt vor dem Assisenhofe der Proceß gegen den Geschäftsmann Barre und den gewesenen Studenten der Medtcin, Labiez, die beschuldigt sind, die Milchhändlerin Gtllet ermordet zu haben, um ihr 20,000 FrcS. zu stehlen. Die Leiche ward in Stücke geschnitten, um sie bei Seite zu schaffen. Die Verhandlungen bieten im Ganzen wenig Interesse, ein Zwischenfall jedoch machte heute einiges Aufsehen, Labiez sollte nach dem Morde als Gerant in das Socialistenblatt „Pöre Duchesne" eintreten, das von Buffenoir gegründet wurde, den Gambetta als ultramontanen Agenten ge- brandmarkt hatte. Buffenoir, der im Verdachte stand, von Labiez Geld erhalten zu haben, hatte, um zu beweisen, daß der „Pöre Duchesne" nicht mit dem aus Morde gewonnenen Gelds gegründet sei, erklärt, die Caution für das Blatt sei von einer preußischen Baronin, Frau Josephine Henriette v. Eichftedt, geleistet worden, die dastelbe von ihrem in Berlin wohnhaften und jetzt in Men- tone lebenden Neffen erhalten habe. In der heutigen Verhandlung war die Maitreste von Labiez, Lebeuge, vernommen. Der Präsident fragte Labiez: „Wer hatte denn die Caution für den „Pdre Duchesne" gestellt? War es nicht eine deutsche Frau? Es ist bedauerlich, daß Deutschland so in diese Angelegenheit gemischt wird." Bei diesen Worten fiel die Lebeuge in Ohnmacht und es war nicht möglich, sie in dieser Sitzung weiter zu verhören.
England.
London, 30. Juli, Abends. Im Unterhause erklärte Sandon bei Fortsetzung der Debatte über Hartington's Resolution: England beanspruche keinen Triumph; das Congreßresultat sei ein Triumph des gesunden Verstandes aller Regierungen. Gambetta habe die Wirkung des Berliner Vertrages am treffendsten gezeichnet. Redner vertheidigte weiterhin die Regierung und tadelte die auswärtige Politik der jetzigen Oppositionspartei, während diese am Ruder war. Gladstone wies den Angriff des Vorredners zurück: hätte die damalige Opposition damals die orientalische Frage angeregt, so wäre dies nur auf die Gefahr eines europäischen Krieges möglich gewesen. Redner bestritt schließlich, daß er Beaconsfield persönlich angegriffen habe, nur deffen Regierungs Handlungen habe der Angriff gegolten und habe er (Gladstone) damit nur eine heilige Pflicht erfüllt; die Redefreiheit sei die Basis aller Freiheiten.
Italien.
Mailand, 30. Juli. Der König und die Königin von Italien sind in Begleitung der Prinzen von Neapel und Aosta, sowie der Minister Cairoli, Corti, Brazzo und Baccarini aus Turin hier eingetroffen und von einer ungeheuren Menschenmenge auf's Lebhafteste begrüßt worden.
Türkei.
Konstantinopel. Die großen Verluste, welche die Türket durch den Berliner Vertrag erlitten hat, bestehen darin, daß sie von 6517 Quadrat-
Meilen auf 3867, von 10 Millionen Einwohner auf 6% Millionen gesun'e t ist. Dabei ist das künftig unter einem christlichen Statthalter autonome Ost- l Rumelien mit 630 Quadrat-Meilen und 1 Million Einwohnern der Türkei zugerechnet, der Verlust der Oberhoheit über Rumänien und Serbien nicht in Anschlag gebracht worden. Das neue Fürstenthum Bulgarien darf trotz der Unterstellung unter den Sultan der eigentlichen Türkei nicht mehr zugerechnet werben; es umfaßt 1150 Quadrat-Meilen mit 1,700,000 Einwohnern. Unter den Letzteren befinden sich nicht weniger als 680,000, also 40 pCt. Mohamedaner. Geringer ist die mobamedanische Minorität in dem 1 Million zählenden Ost- Rumelien mit ca. 270,000 Glaubens-Angehörigen. Rumänien ist souverän geworden und von 2201 Quadrat-Meilen mit 5,073,000 Einwohnern auf ca. 2290 Quadrat-Meilen mit 5,110,000 Einwohnern vergrößert worden. Es hat Bessarabien mit 150 Quadrat-Meilen und ca. 135,000 Einwohnern abgegeben und dafür die Dobrudscha mit ca. 240 Quadrat-Meilen und 175,000 Einwohnern bekommen. Bester ist Serbien davongekommen; es hatte bis zum Kriege 873 Quadrat-Meilen mit 1,360,000 Einwohnern und kommt jetzt auf 993 Quadrat-Meilen mit ca. 1,640,000 Einwohnern, hat also 56 Quadrat- Meilen und 54,000 Einwohner mehr bekommen als ihm der Frieden von Sin Stefano zuwies. Endlich Montenegro ist von 78 Quadrat-Meilen auf 158 Quadrat-Meilen und von 170,000 Einwohnern auf 220,000 Einwohner gekommen. Oesterreich occupirt in dem nicht an Montenegro abgetretenen Theile von Bosnien und der Herzegowina 980 Quadrat-Meilen mit 1,250,000 Einwohnern; unter der Bevölkerung sind 750,000 griechische, ca. 120,000 römische Katholiken und der Rest Mohamedaner. Griechenland hätte nach den Bestimmungen des Berliner Congrestes ca. 200 Quadrat-Meilen mit etwa 300,000 Einwohnern in Thessalien und Epirus bekommen sollen, die Angelegenheit befindet sich jedoch bekanntlich noch in der Schwebe. Rußland erhällt in Asien etwa 600 Quadrat-Meilen und 800,000 Einwohner, außerdem in Europa Bestarabien mit den bekannten geographischen und Bevölkerungsziffern. England endlich bekommt Cypern mit 173 Quadrat-Meilen und 150,000 Einwohnern.
«telegraphische Depeschen
Wagner'S telegr. Torrefpondenz-Bureau.
Brood, 31. Juli. Der comrnandirende General Philippovic wurde gestern in Türkisch Brood, heute Mittag in Dervent Seitens sämmtlicher türkischer Würdenträger anf's Herzlichste empfangen. Die Ortsvorsteher hoben in ihren Ansprachen besonders hervor, daß die Bevölkerung beider Orte der Grenze nahe genug wohne, um die Milde und gerechte Verwaltung der österreichischen Regierung zu kennen und daß sie deshalb den kommenden Ereignisten mit voller Beruhigung und Vertrauen entgegensetze. — Die Hitze war während des heutigen Marsches abnorm und hatte die Mannschaft darunter sehr zu leiden.
Teplitz, 31. Juli. Der Kaiser von Oesterreich wird am 5. August hier erwartet.
Wien, 31. Juli. Das hiesige „Telegr. Corr.-B" meldet von der kroatisch-bosnischen Grenze vom 31. d.: Nach amtlichen Meldungen herrscht in Serajewo die vollständige Anarchie. In Folge der Aufwiegelungen des Hadschi Loja flüchtete sich der Gouverneur von Serajewo Mazhar Pascha mit einer Militärabtheilung, begleitet von dem dortigen Obercommandanten. Beide wurden von Loja eingeholt und zurückgebracht. Mazhar Pascha ward darauf seines Amtes entsetzt und statt seiner der Obercommandant der Truppen, offenbar gegen des letzteren eigenen Willen, zum Gouverneur eingesetzt. Nachdem Mazhar's Haus geplündert war, schritt die aufgewiegelte Volksmaste zur Plünderung des Zeughauses, wobei es zwischen ihr und den Sicherheitsorganen zum blutigen Kampfe kam. Schließlich wurde das Zeughaus vom Pöbel aus- geplündert. Hadschi Loja soll hierauf seinen Bruder nach Banjaluka zur Organisirung eines gleichen Aufstandes gegen die türkischen Behörden entsendet haben, doch soll der Entsendete von letzteren verhaftet und in Gewahrsam genommen worden sein.
— Meldungen der „Polit. Corr." : Konstantinopel. Dem Ministerrathe, der sich mit der bosnischen Frage beschäftigte, ist ein Schreiben des Sultans zugekommen, welches an den in Bezug auf die österreichische Occupation bereits aufgestellten Bedingungen festhält. — Bericht der Pforte aus Prizund besagen, daß die Rüstungen der albanischen Liga gegen die Serben und Montenegriner bedrohliche Dimensionen annehmen. — Serajewo. Der Militär-Ober-Comman- dant Hast; Pascha wurde gleich Mazhar Pascha nach Serajewo gefangen zurück- aebracht und sein Haus ausgeplündert. Gegenwärtig besteht nur zwischen dem Castell von Serajewo und Konstantinopel telegraphische Verbindung.
London, 31. Juli. Gladstone hat eine Zuschrift an Lord Beaconsfield gerichtet, worin er diesen aufforderte, diejenigen beleidigenden Beiworte (Epitheta) anzugeben, von denen Beaconsfield behaupte, Gladstone habe sie in Beziehung auf seine Person angewandt. Lord Beaconsfield antwortete auf diese Zuschrift, er sei von den Geschäften sehr in Anspruch genommen, werde aber die nöthigen Ermittlungen anstellen. Schon jetzt erinnere er sich an die Rede Gladstone's in Oxford, wo derselbe gesagt habe, der große Name Englands fei von Beaconsfield erniedrigt worden. Er erinnere ferner an die Rede Glad- stone's in Southwark, worin dieser ihm Doppelgängigkeit vorgeworfen habe.
Berlin, 31. Juli. Die „Prov. Corresp." schreibt in einem Artikel unter der Überschrift „beim Abschluffe des Wahlkampfes": so möge denn die bei dem Beginn der Bewegung ausgesprochene Hoffnung in Erfüllung gehen, daß die Wahlen Dank dem patriotifchen Geiste des deutschen Volkes durch Stärkung der staatserhaltenden Elemente aus conservativen und liberalen Kreisen der Regierung eine Mehrheit klar bewußter, entschloffener Männer im Reichstage sichern, um sichere Grundlagen für einen neuen Aufschwung des politischen und wirthschaftlichen Gedeihen des Volkes zu schaffen.
Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ging der Protest des Herzogs v: Cumberland auch der preußischen Regierung zu, jedoch nur bis zu den Worten: Herzog von Braunschweig und Lüneburg zu führen.
Brood, 31. Juli. Heute Nachmittag 3i/2 Uhr bezog die Hauptcolonne bei Dervent das Lager. Der Kaimakan, der Kadi, ein berittener Hauptmann, der Gensdarmerie-Commandant, viele Begs, die angesehendsten Einwohner, drei katholische und vier orthodoxe Geistliche kamen dem Commandirenden zu Wagen und Pferd entgegen, um ihre Unterwerfung auszusprechen und sich der Aller- höchsten Gnade des Kaisers und Königs zu Füßen zu legen. — Die 20. In-
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