lasten, ein schnelleres Tempo wie früher verleiht, so darf man, den inzwischen an die Oeffentlichkeit gedrungenen Nachrichten zufolge, auch die Hoffnung hegen, daß, nicht wie in manchen Blättern bereite verkündigt wurde, die Civillisten- Frage dem nächsten Landtage Vorbehalten, sondern daß sie noch von der gegen wärtigen Kammer, und zwar in einer die Interessen des Landes und deS Landesherrn gleichmäßig wahrenden und bezw. versöhnenden Weise werde gelöst werden. Wann freilich die Kammer zu dieser Lösung sich wieder zusammenfinden wird, dies steht noch dahin, da die Verhandlungen zwischen Commission und Negierung noch nicht abgeschlosten sind. 3*0*)
Berlin. Wie schon mitgetheilt, hat das preußische Ministerium be- schloffen, bei dem Bundesrathe den Antrag aus Erhöhung der Tabakssteuer und Tabakszolles zu stellen. Nach dem Mißlingen des im Jahre 1872 ge machten Versuches einer gleichmäßigen Erhöhung des Zolles auf fremden Tabak und der Steuer auf inländischen Tabak, will man diesmal eine solche Erhöhung nur in der Weise eintreten lasten, daß das bisherige Verhältniß zwischen Zoll und Steuer annähernd unverändert bleibt, und zwar wird vorgeschlagen, daß der Zoll aus ausländischen Tabak von 12 Mark pro Ctr. auf 40 Mark pro (Str., und die Steuer auf inländischen Tabak, welche jetzt rund 2 Mark pro Ctr. beträgt, unter Umwandlung der Morgensteuer in eine Gewichtssteuer aus 10 Mark pr. Ctr. erhöht werden soll. Ob diese Umwandlung (so bemerkt hierzu die „V. Ztg.") in Süddeutschland, wo man Seitens der sog. Reichsfreunde de Regierung auf das Bereitwilligste mit Rathschlägen über die Nützlichkeit der Erhöhung des Eingangszolles auf ausländischen Tabak entgegengekommen ist großen Beifall finden wird, bezweifeln wir, wenigstens haben die süddeutschen Tabaksbauer in einer 1867 veröffentlichten Denkschrift ganz ausdrücklich sich gegen die Einführung einer solchen Gewichtssteuer ausgesprochen Es ist also noch sehr zweifelhaft, ob die süddeutschen Regierungen im Bundesrathe für diesen Antrag Preußens, welcher wohl auch in den freihändlerisch gesinnten Kreisen lebhaft bekämpft werden wird, stimmen werden, besonders da es immerhin fraglich erscheint, ob der inländische Tabak überhaupt eine so hohe Steuer tragen kann. ________________________,
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 30. Januar. Bei Fortsetzung der Berathung des Gesetzentwurfs über die Land- und Oberlandesgerichte nahm das Herrenhaus mit großer Majorität Naumburg als Sitz des Oberlandesgerichts für die Provinz Sachsen an, nachdem Graf Lippe nochmals für Magdeburg und Gras Schulenburg für Halle gesprochen hatte. Die Abschnitte über die Oberlandesgerickts-Bezirke Kiel und Celle wurden nach unerheblicher Debatte den Commissions-Anträgen gemäß genehmigt. Bei der Beschlußfassung hinsichtlich des Oberlandesgerichts-Bezirkö Hamm wurde der Commissions-Antrag, welcher consörm der Regierungsvorlage an Stelle von Bielefeld Minden als Sitz eines Landgerichts bestimmt, angenommen. Fortsetzung der Berathung morgen.
Berlin, 30. Januar. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in seiner heutigen Abendsitzung den Antrag von Meyer (Arnswalde), betr. den Ankauf von Forstländereien in der vom Ausschüsse beantragten Fassung; ebenso den Antrag Pilet'Szaman's, die Staatsregierung anf^uforberii, die Gründung eines Credit- Jnstituts für den kleineren Grundbesitz in der Provinz Posen möglichst im An- schluste an die bestehende Landschaft, nöthigenfalls durch Bewilligung eines unverzinslichen Darlehens von 600,000 Mark zu fördern. Nächste Sitzung Donnerstag. ,
Petersburg, 30. Januar. Bezüglich der auf ein bloßes Gerücht bafirten Aeußerung des Schatzkanzlers Northcote im englischen Unterhause, der Kaiser von Rußland beabsichtige für Bulgarien einen Fürsten selbst auszu- wählefi, erklärt die „Agence Russe", daß in den FrtedensbediNgungen überhaupt nicht von einem Fürsten, sondern nur christlichen Gouverneur Bulgariens die Rede sei-
London, 30. Januar. Die dem Parlamente heute vorgelegte Depesche Layard's an Derby vom 29. d. besagt: Der Großvezir benachrichtigte mich, die Pforte habe am 23. d., Nachmittags, eine telegraphische Ordre an die tür kischen Delegirten erlassen, in welcher dieselben instruirt werden, die von dem Großfürsten Nikolaus ihnen schriftlich unterbreiteten Friedensgrundlagen anzunehmen.' Die Pforte habe seitdem bereits dreimal über das Resultat ihrer Weisung angefragt, jedoch keine Antwort erhalten. Der Großvezir könne nicht zugeben, daß diese Verzögerung den türkischen Delegirten zuzuschreiben, da die telegra- graphiscke Verbindung mit Kasanlyk noch offen sei.
Washington, 30. Januar. Die Budget-Commission des Repräsen- tantenh'iuses hat eine neue Tarifbill vorbereitet.
Athen, 31. Januar. In der gestrigen Kammersitzung entwickelte Ministerpräsident Kumunduros das Programm seiner Politik, mit der Erklärung, wenn die Kammer dasselbe genehmige, würden die Minister der Finanzen, des Krieges und der Marine wegen der zu ergreifenden außerordentlichen Maßnahmen die erforderlichen Vorlagen machen. Kumunduros forderte die Kammer auf, ihre Berathungen heute fortzusetzen, indem er hinzufügte, er werde es als Mißtrauensvotum ansehen und seine Entlassung nehmen, falls die Kammer nicht in geschlossener Zahl für sein Programm stimmen sollte. — 24 Gemeinden in der Umgebung von Valo Laben eine provisorische Regierung gebildet.
Wien, 31. Januar. Die Intentionen, zur Regelung einer Anzahl Punkte der Friedenspräliminarien, welche internationale Fragen tangiren, Con- ferenzverhandlungen herbeizuführen, gewinnen positiven Anhalt. Es scheint auch, daß man russisckerselts gegen solche Conferenzen prinzipiell nichts einzuwen den hohe.
Konstantinopel, 31. Januar. Hier vorliegenden Nachrichten zufolge sind russische Truppen in Tschorlu, Burgas und anderen benachbarten Orten erschienen.
Wien, 31. Januar. Die .Presse" schreibt: Der österreichische Botschafter am russischen Hofe übergab gestern dem Fürsten Gortschakoff eine Note des Wiener Cabinets. deren Inhalt, wie die „Presse" vernimmt, folgender ist: Oesterreich bereitet keineswegs das Recht der Türkei, Verträge in ihrem Interesse abzuschließen, muß aber die Abmachungen von Kasanlyk, soweit dadurch bestehende Verträge alterirt und österreichische Interessen gestreift werden, als nicht zu Recht bestehend betrachten, bis neue Vereinbarungen mit den Signaturmächten getroffen fein werden.
— Die „Neue Fr. Pr." hört, Graf Andrassy habe einen Schritt zur gemeinsamen Abwehr Europas gegen die Politik Rußlands gethan, indem er die Initiative zur Einberufung einer Konferenz ergriffen habe, die in Wien
tagen und allgemein-europäische Interessen berührende Punkte der Friedensbedingungen erörtern und regeln solle.
— Das „Fremdenblatt" meldet wie die „Presse" über den Inhalt der Wiener Note an das russische Cablnet.
Berlin, 31. Januar. Heute früh starb der Chef-Präsident des Ober- Tribunals, ehmaliger Staatsminister v. Uhden, im 80 Lebensjahre.
Paris, 31. Januar Der „Ägence Havas" zufolge scheint das Gerücht von der Zahlungseinstellung des Khedive dadurch veranlaßt zu sein, daß der Khedive gestern ein Decret erließ, womit er, wegen des bedeutenden Deficits in den letzten Jahren, eine Enquete-Commission zur Prüfung feiner Finanzlage einsetzte und daß die bereits bestehende Commission für die Kaffe der öffentlichen Schuld sich weigerte, an der Enquete-Commission theilzunehmen, weil sie glaubt, daß die ihrer Kasse überwiesenen Einnahmen der Prüfung durch die Enquete- Commission nicht unterliegen.
— Die „Azence Havas" meldet aus Cairo von heute: Der Khedive, aufgebracht durch den Widerstand der Commissarien der öffentlichen Schuld und über ihre Weigerung, an der neuen Enquete-Commission theilzunehmen, hat soeben eine wichtige Depesche an Göschen und Joubert gerichtet und deren Intervention nachgesucht.
Wien, 31. Januar. In diplomatischen Kreisen verlautet, die Antwort Rußlands auf die letzte österreichische Depesche sei eingetroffen. Dieselbe schließe sich durchaus der Anschauung Andrassy's an, indem gemäß dem von Rußland stets festgehaltenen Standpunkte die Mitwirkung der Vertragsmächte bei den Friedenöbedtngungen und deren Sanctionirung durch dieselben vollkommen anerkannt werde. Auch solle Gortschakoff erklären, daß Rußland gegen eine Con- ferenz Nichts einzuwenden habe.
Pesth, 31. Jan. Im Unterhause brachte Uermenyi eine Interpellation ein über die Friedensbedingungen, den Waffenstillstand, den Marsch der Rnffen auf Gallipoli oder Konstantinopel und das Einlaufen der englischen Flotte in die Dardanellen.
Wien, 31. Januar. Die „Polit. Corresp." erklärt den seit vorgestern eingetretenen Mangel an Konstantinopeler Nachrichten damit, daß die einzige nach Oesterreich führende Telegraphenlinte über GradiSka ausschließlich für türkische Staatscorrespondenzen in Anspruch genommen sei. Nachrichten aus Bukarest von heute ließen jedoch vermuthen, daß die Unterzeichnung der Friedenspräliminarien zwischen gestern und heute in Adrianopel erfolgt sei. — Dasselbe Organ meldet ans Athen von heute: Ministerpräsident Cumunduros verlangte in der gestrigen Kammersitzung vollständig freie Hand bezüglich der auswärtigen Politik und eventuellen Action. Der Aufstand in Thessalien ist im Wachsen; das GroS der Aufständischen steht bei Almyros und Agraphos.
Petersburg, 30. Januar. Officiell wird aus Adrianopel vom 26. d., Abends 9 Uhr, gemeldet: Heute ist der Großfürst Nikolaus hier eingetroffen; er hatte von Hermanli aus die Eisenbahn benutzt. Er fand die Garde-Infanterie und die Artillerie in sehr gutem Zustande. Die Gardisten empfingen den Großfürsten enthusiastisch. Bei seinem Einzuge in die Stadt kamen ihm Deputationen der Geistlichkeit, der Bulgaren, Griechen, Armenier unv Juden mit Fahnen und Kirchengesang entgegen. Der Großfürst bezog den Konak. Unsere Avantgarde besetzte Bala Eski, Haskioi, Demotica und Kirk Sllissa. — Ein Telegramm des Großfürsten Thronfolgers aus Brestowak vom 29. d. Abends 6 Uhr meldet: Wir besetzten am 27. Osmanbazar. Die erste Infanterie-Division nahm nach unbedeutendem Scharmützel am 28. Rasgrad. Die Türken haben sich überall gegen die Festungen hin zurückgezogen.
Frankfurt a. M., 31. Januar. Baron Raphael Erlanger, Gründer des Bankhauses v. Erlanger L Söhne, ist nach kurzem Krankenlager heute Nacht 1 Uhr sanft verschieden.
Bukarest, 31. Januar. In der Deputirtenkammer wurde die Regierung über die drückenden Requisitionen und die Unregelmäßigkeit des Eisenbahnverkehrs interpellirt. Der Ministerpräsident Bratiano äußerte: Möchten die Uebelstände über die Sie klagen, doch die einzigen sein, welche das Land zu ertragen hat". Der Minister des Auswärtigen erklärte: „Die Friedenspräliminarien sind vielleicht schon unterzeichnet; wir werden morgen die Bedingungen erfahren. Gebe Gott, d iß die vom Lande bisher gebrachten Opfer die einzigen wären, welche das Land in Folge des Krieges auf sich zu nehmen hat".
Berlin, 31. Januar. Das Herrenhaus setzte heute die Berathung des Gesetzentwurfes über den Sitz der Gerichte fort. Bei dem Abschnitt betr. den Oberlaudesgerichtsbezirk Kassel beschloß das Haus, übereinstimmend mi£ der Regierungsvorlage, Hanau zum Sitz eines Landgerichts zu bestimmen an stelle von Fulda. Ferner wurde der Regierungsvorlage entsprechend Wetzlar an Stelle von Limburg zum Sitz eines Landgerichtes gewählt. (?) Die übrigen Bestimmungen der Vorlage wurden fast ohne Debatte angenommen. Dem Gesetzentwürfe des über die Rückzahlung des der Societät der Borker Haide gewährten Darlehens wurde in der Fassung des Abgeordnetenhauses zugestimmt.
Berlin, 31. Jan. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, soll der Ministercath gestern auf Antrag des Finanzministers Camphailsen seine bisherigen Absichten dahin geändert haben, daß der Landtag nur noch etwa bis zum 10. Februar neben dem Reichstage versammelt bliebe. Eine Nachsession des Landtages würde nicht stattfinden.
London, 31. Jan. Die Agitation gegen den Rüstungs-Credit dauert hier wie in zahlreichen anderen Städten des Landes in ausgedehntem Maße fort. — In Wolwich wurde gestern eine große Anzahl Torpedo« für die Mittel- meer-Flotte verschifft-
München, 31. Jan. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde nach längerer heftiger Debatte ber jefammte Gesetzentwurf über den Verwallungsg.richtshof mit 104 gegen 47 Stimmen angenommen.
Petersburg, 31. Januar. Die „Agence ruffe" hebt hervor, erlaufe jedenfalls dem parlamentarischen Brauche zuwider, wenn der englische Schatzkanzler die Creditforderung im offenen Parlamente damit motivire, daß er einen fremden Souverän bestimmte, nur auf einem „On dit“ begründete Ab- stchren unterschiebe wie Northcote dies gethan, als er von der Absicht des russischen Kaisers sprach, einen Fürsten für Bulgarien auszuwählen, einer Absicht, bie niemal geäußert worden sei. — Hiesige Blätter äußern: es bieße, dem Con- greffe einen ngemhümlichen Character geben, wenn andere Mächte, den Jnten- kionen England« folgend, für den Congreß sich militärisch stark machen wollten; ein Wald von Bajonetten sei für einen Congreß nichts wünschenswerthes. Der von hier nach auswärts telegraphirte Artikel des „Golos" spiegelt u e indiviruclle Ansicht wieder und ist mannigfach auf Mißverständnissen begründet.
London, 31. Januar. Im Oberhause erroieberte Derby auf eine An-


