Regierung: England sei nie günstiger in Europa beurch.-ilt worden, als jetzt und habe nie größeren Einfluß als auf dem Congresie gezeigt. Redner führte Den Verlauf der Congreßverhandlungen im Einzelnen vor, um zu beweisen daß der Berliner Vertrag den Vertrag von San Stefano im Interesse der Türkei und Englands bedeutend modificirt habe. Bourke gedachte auch mit hoher Anerkennung der Bestrebungen Schuwaloff's im Jnterefle des Friedens. — Die Fortsetzung der Debatte wurde auf morgen vertagt.
, . ,??adtDarMstadt und Bessingen (Landorte fehlen). Küchln (nat.-Ub) 2108 Buchner (Fortschr.) 1975, Most (Soc.-Dem.) 1308, Wam- bolt (der.) 161.
Mainz. Stichwahl zwischen Releaux (7292) und Moufana (69791 stimmen.. Liebknecht 3291, Guido Weiß 930 Stimmen.
.q Friedberg, 30. Juli. Schröder (nat.-lib.) 629, Curtmann (cons.) 49 Stimmen. k 1'
.... Essenbach, 30. Juli. Stadtbezirk Offenbach: Dernburg (nat.-lib.) 1642. Flinsch (Fortschritt) 524, Liebknecht (Soc.-Dem.) 2164, Wasserburg (ultram.) 274 Stimmen. ' 1, 0
London. Ueber die Hungersnoth in China schreibt der englische Consul in Wuhn (Stadt am Fluffe Yang-Tege) wie folgt: Die Hungersnoth ist fast noch schlimmer, als sie in den Zeitungen geschildert wurde. Ich sah neulich hier einige Flüchtlinge, die an 500 englische Meilen gewandert und nur noch Haut und Knochen waren. Der Taotai (oberster Mandarin des Bezirks) sagte mir neulich, es habe zwei Tage lang gut geregnet, aber es sei jetzt zu spät zum Säen und es müffe den Sommer über Unterstützung gegeben werden. Selbst wenn man jetzt säen könnte, so habe man weder Saatkorn noch Thiere, um den Pflug zu ziehen. Alles ist bereits aufgezehrt. Vermuthlich ist die rücksichtslose Ausrottung der Bäume Ursache der Dürre; die chinesischen Bauern sind tödtliche Feinde aller Bäume, sie hauen sie um, theils des Brennholzes wegen, mehr aber noch um Boden zu gewinnen. Die Bevölkerung ist so zahlreich und dicht, daß in einigen Provinzen mehr als 600 Köpfe auf der Quadratmeile (englisch) wohnen, und das Land ist so werthvoll, daß weder Gärten noch Bäume geduldet werden, und Störungen in dem Gleichgewichte zwischen der Bevölkerung und den Nahrungsmitteloorräthen bringen die schrecklichsten Nothstände herbei. Glücklicherweise ist Schansi, die Provinz, wo die Hungersnoth am schlimmsten ist, nicht so dicht bevölkert, aber große Theile derselben sind gebirgig, reich an Kohlen und Eisen und nicht brauchbar für den Ackerbau. Die Minen werden aber nicht ordentlich bearbeitet und so ist die Bevölkerung doch wesentlich auf den Ackerbau angewiesen. Da die Chinesen bie Kohlenminen vernachlässigen, so werden die Wülver abgeholzt, um Brandholz zu gewinnen. Würde dem Minenbetrieb alle Freiheit gewährt, so würde den armen Leuten Beschäftigung gegeben und die Wälder würden geschont. Wenn ich mich nicht irre, so wird diese Hungersnoth den chinesischen Staatsmännern die Augen öffnen in Bezug auf Eisenbahnen und Ausdehnung des Fremdenverkehrs. Zu Tientsin ist der Markt überfüllt mit Reis und Korn, welches die Dampfschiffe hergeführt haben und welches für Schansi bestimmt ist, aber es gibt kein Mittel, es in die Hunzerdistricte zu schaffen, und so geht ein gut.r Theil davon zu. Grunde. Die Wege nach Schansi gehen über hohe und schwierige Bergpässe, die Straßen sind erbärmlich und plumpe Lastkarren, die kaum drei englische Meilen in der Stunde zurücklegen, sind die einzigen Beförderungsmittel. Die „Peking Gazette" ist voll von Bittschriften au den Thron über den Gegenstand, einige in äußerst anschaulichen und herzzerreißenden Ausdrücken. Nach chinesischen Ansichten hält der Kaiser die Hungersnoth für eine Strafe des Himmels für die Sünden einer Dynastie und seiner selbst und -erläßt immer wieder Edicte, in denen er sich demüthigt und reuig und bußfertig ausdrückt. Im Palast ist das Fleischeffen verboten, da das Tödten von Thieren den Himmel beleidigen könnte, und die Mahlzeiten sind um die Hälfte vermindert. Wenn die Hungersnoth fortdauert, so wird das Volk auf den Gedanken kommen, daß der Himmel der Dynastie seine Gunst entzogen habe, und es wird Aufstände geben, die sich auf den Glauben stützen, daß der Himmel dem Kaiser seine göttliche Vollmacht entzogen habe.
London, 29. Juli, Abends. Im Unterhause brachte Hartington unter dem Beifall der Liberalen seine bekannte Resolution ein und begründete dieselbe folgendermaßen: Rußlands Forderungen seien im verfloffenen Juni geringer gewesen als das, was ihm der Berliner Vertrag jetzt gewähre; weßhalb habe die Regierung nicht damals die Türkei bestimmt, jene Forderungen anzunehmen? Redner sprach sich sehr scharf über das Verhalten Englands gegen Griechenland aus und wies die Behauptung Beaconsfield's zurück, daß die Opposition aus Parteizwecken die Griechen auftetze. Die Slaven seien bester weggekommen, weil sie sich auf Rußland stützten. Zukünftig würden die Griechen lieber Rußland als England folgen. Auf dem Congreste habe die Regierung einfach gebilligt, was die Opposition unaufhörlich befürwortete. Die englisch-türkische Convention sei eine Verletzung internationaler Engagements; welches britische Jntereste werde dadurch geschützt? Kleinasien sei nicht die Route nach Indien, diese liege in Persien. Englands Ruf in Indien sei nicht gehoben durch die unnöthige Machtentfaltung für unwichtige Zwecke. Beaconsfield vergesse, daß Bürgschaften nicht ewig binden. Er brüste sich damit, Rußland zugerufen zu habens bis hierher und nicht weiter! Die Regierung habe noch zu beweisen, daß für die englisch-türkische Convention eine zwingende Nothwendigkeit bestand. Für England sei dadurch der Conflict mit Rußland um 100 Jahre beschleunigt unb habe sich England» zu seinem Nachthetl Rußland um tausend Meilen ge- nähert und seine militärischen und maritimen Hülfsquellen zurückgelasten; sicherlich ser dies eine wahnsinnige Politik! Beaconsfield's Bemerkungen vom Sonnabend betreffs Gladstone's seien Beleidigungen für die Königin, den geheimen Rath, das Unterhaus und das Land. Welche Tragweite habe die übernommene Garantie? Wenn sie gegen einen directen Angriff seitens Rußland gerichtet sei, so könne sie nur aufrecht erhalten werden, falls England sich in seiner auswärtigen Politik mit der Türket verbinde. Harttngton schloß seine Rede mit der Erklärung: er habe seine Resolution beantragt, um dem Lande den Character und die Tragweite der eingegangenen Verpflichtungen und Gefahren zu zeigen, damit es noch von einer Position zurücktreten könne, die von Englands Interessen und Pflicht nicht bedingt sei. - Plunket beantragte sein bekanntes Amendement und vertheidigte die Regierung und Beaconsfield. Im Fortgänge der Unterhaussitzung vertheidigte Unterstaatssecretär Bourke die Politik der
immer über den Rückzug der türkischen Truppen verhandelt, bis jetzt aber ohne Erfolg. Die Rusten schicken eine große Anzahl von Kranken und Reconvales- centen zu Schiff nach Rußland, erhalten aber auf dem Seewege fortwährend neue Nachschübe zur Ergänzung der entstandenen Lücken.
Krankreich.
Paris, 29. Juli. Aus Dalenciennes liegen von heute Vormittags günstige Nachrichten hinsichtlich der Arbeitseinstellungen vor; allenthalben hat sich die Situation bester gestaltet, und kann man annehmen, daß der Strike alsbald aufhören wird. — In der Gegend von St. Etienne ist ein Theil der Werkstätten in den Seidenfabriken wieder geöffnet und haben in diesen alle daselbst früher beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, mit Ausnahme von 200, die Arbeit wieder ausgenommen. Dagegen dauert der Arbeitsaufstand der Färber noch fort.
— Abends. Die Situation in Anzin hat sich entschieden gebestert. In Saint-Chamond hat heute die Mehrzahl derjenigen Arbeiter, welche die Arbeit eingestellt hatten, dieselbe wieder ausgenommen.
England.
_ , 3o. Juli. I. Wahlkr.: Gewählt Hänel (Fortschr.) mit 8807
atnnmeib Gras Moltke erhielt 2614 und Most (Soc.-Dem) 2057 St. II. Wahlkr.: Gewählt Klotz (Fortschr.) mit 15122 St. III. Wahlkr.: Ge- wählt v. Sauckcn-Tarputschen (Fortschr.) 13028 St. IV. Wahlkr.: Stichwahl v'^"Fritzsche (Soc.-Dem.) 20139 und Zelle (Fortschr.) 16747, Falk 2995. o-o, ^r-: Zimmermann (Fortschr.) 10265, Kappel (Soc.-Dem.)
9n7n4 Schwarzkopf (cons.) 1165. VI. Wahlkr.: Gewählt Klotz (Fortschr.)
Hasenclever (Soc.-Dem.) 15173 St. An den Berliner Wahle» bethecklgten sich von circa 200,000 Wahlberechtigten nahezu 160,000.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Torrespon-enz-Bnrea«.
■ Paris, 30. Juli. Amtlicher Nachricht aus Valenciennes zufolge ist die : Arbeitseinstellung in Anzin. mit Ausnahme von 2 Bergwerken, vollständig beendigt; die im dortigen Bezirke seit Beginn des Strikes stationirten Truppen
i werden zurückgezogen.
t . London, 30. Juli. Das auswärtige Amt hat weitere Depeschen be. züglich der Conventivn vom 4. Juni publicirt, worin mitqelheilt wird, die Pforte wünsche die Stipulation, daß die englische Regierung keine Compensationen für etwaige öffentliche Bauten und Verbefferunzen von der Türkei fordern solle im Falle der einstigen Rückgabe Cyperns. Die britische Regierung erklärte sich im Principe damit einverstanden.
Brood, 29. Juli. Auch bei Gradiska hat heute früh der Uebergana der österreichischen Truppen über die Save in feierlicher Weife stattzefunden. Die türkische Festungsbesatzung hatte sich zurückgezogen.
Wien, 30. Juli. Das amtliche Blatt veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung vom 25. d., wodurch gestattet wird, daß zum Zwecke der Occupation Bosniens und der Herzegowina ausnahmsweise für die Dauer des unabiveislichen Bedürfuiffes die berittenen schützen der dalmatinischen Landwehr außerhalb des österreichischen Gebietes verwendet und dem Befehlshaber der Occupationstruppen unterstellt werden können.
— Die „Preffe" meldet: der Übergang über die Save begann heule früh nach 6 Uhr in der Gegenwart Philippovich's und des Generalft ibes. Zuerst wurde das 27. Jägerbataillon auf Schiffen übergeführt. Der Brückenschlag begann 7V2 Uhr. Inzwischen kam von jenseits ein türkischer Major mit Cwtlbeamten, um dem Commandirenden ein Schriftstück zu übergeben; als die Annahme desselben verweigert ward, wollten die Türken das Document auf den Erdboden niederlegen, nahmen daffelbe jedoch schließlich wieder mit zurück. Nach 9 Uhr war der Brückenbau vollendet und zog nun die ganze Avantgarde, bestehend aus Infanterie, einer Escadron Husaren und Gebirgsartillerie, auf dis andere Ufer. Hier wurde von der Mckitärmimk die Volkshymne gespielt. Unt^r dem Jubel der Soldaten ward auf dem bosnischen Ufer die österreichische Flagge feierlich aufgehisst. Etwa 30 türkische Soldaten stellten sich vor dem Wacht- Hause auf, das von Jägern besetzt wurde.
Wien, 30. Juli. Die „Wiener Abendpost" meldet: Gestern Morgen 6 Uhr begann die Uebersetzung unserer Truppen auf das rechte Ufer der Saoe Kaum waren die ersten Jäger-Abtheilunzen widerstandslos gelandet, so begann um 61/2 Uar der Brückenschlag und um 9</4 Uhr waren beide Ufer durch die fertige Kriegsbrücke verbunden. Sofort trat das Gros der ersten Gebirgs- brigade der 6. Infanterie-Division den Marsch über die Brücke an. Um 11 Uhr befand sich die ganze Avantgarde-Brigade sammt der Gebirgsbatterie Dem Train und einer Husaren-Schwadron auf bosnischem Ufer. Die kaiserliche Flagge wurde aufgehißt, die Volkshymne intonirt, Hochs und Eljens donnerten aus den Reihen der Truppen. Die Begeisterung und Die Zivio-Rufe der nah vielen T msenden zählenden Volksmenge an unserem Ufer gaben diesem Momente ein feierliches Gepräge. Ein Officier des Generalstabes verhandelte mit dec türkischen Behörde von Bosnisch-Brood wegen Fortführung der amtlichen Geschäfte. Nach längerer Berathung erklärten mehrere Beamte und Officiere sich bereit, ihre Amtsthätigkeit fortzusetzen. Das Gros des 13. Armeecorps sowie I Die Corps-Reserve trafen im Laufe des gestrigen Nachmittags in Brood ein bezogen daselbst Bioouac und sollten heute Morgen übersetzen und sodann den Marsch nach Dervent fortsetzen. Die 7. Infanterie-Division machte gestern den Uebergang bei Alt-Gradiska. Der Kaimakam in Berbir erklärte er sei ohne Instructionen und beabsichtige keinen Widerstand. Unsere Truppen'besetzten sodann widerstandslos die türkische Veste Berbir, worauf unter den Klängen der Volkshymne in Gegenwart des Erzherzogs Johann Salvator bie kaiserliche Fahne aickgehlßt unb mit begeisterten Hochs begrüßt wurde. Die türkische Besatzung räumte sofort und widerstandslos Berbir.
Wien, 30. Juli, Abends. Die „Preffe" meldet aus Zara: Eine Depu. tation bosnischer Katholiken erschien bei dem Bezirkshauptmann von Metkovic, um dem Kaiser von Oesterreich ihre Huldigung darzubringen und anzukündigen, daß die katholische Bevölkerung Bosniens sehnsüchtig den Einmarsch der Oesterreicher erwarte. — Von den Türken in der Gegend von Mostcn wird behauptet, daß sie sich der Occupation widersetzen wollen.
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