1878
Donnerstag, den 1. August
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RedacttonSdmeea«» Gartenstraße B. 165.
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Berlin, 29. Juli. Ueber die Verwendung eines Theiles der Wilhelms- i Spende ift dem Central-Comit6 in Berlin der Vorschlag gemacht worden, man < lolle von dem (Selbe Herbergen für Handwerker und Arbeiter mit guter Pflege und gutem Unterkommen errichten und die bestehenden entsprechend umgestalten. Em anderer Vorschlag geht dahin, Asyle in den einzelnen Provinzen für diejenigen Kinder zu errichten, deren Vater ermordet oder durch verbrecherische Hand arbeitsunfähig gemacht wurde.
— Die in Berlin erfolgte Beschlagnahme des Wahlflugblattes der Ford schrittepartei „200 Millionen neuer Steuern" eifolgte ans Grund des § 1dl M Strafgesetzbuchs - betr. wissentliche Verbreitung von erdichteten, lefp. ent- stellt,n Tatsachen, um daraus Staatseinrichtungen, resp. Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen, Osficiös wird dazu geschrieben: „Die Erklärung im Fluglatte, daß die Regierung den Reichstag nur unter dem Vorwande, um das Socialistengesetz durchzubrtngen, ausgelost habe, und die Auflösung thatsächlich nur deshalb erfolgt sei, um die projectirten Steuer-Vermehrungen durchzusetzen, scheint wohl als die Behauptung einer erdichteten, resp. entstellten Thatsache, um die kaiserliche Verordnung, betr die Auflösung des Reichstages, verächtlich zu machen, von der Rathkammer aufgefaßt worden zu sein. Das Flugblatt ist nur vom Drucker (Trottzsch und Ostertag) als Herausgeber unterzeichnet, dagegen ist der eigentliche Versaster noch nicht festgestellt. Die Be- schlagnahmelust scheint indeß nicht bei fortschrittlichen Flugblättern stehen zu bleiben. Jetzt sind sogar die national-liberalen Flugblätter, welche im ganzen Reiche in mehr als einer Million Exemplaren verbreitet sind, mit Beschlag belegt. Die königliche Polizeidirection in Celle hat sich dieser Arbeit unterzogen, wenn ein Bericht des „Hannov. Cour." richtig ist, dessen Bestätigung er selber abzuwarten empfiehlt. Die drei Flugblätter Nr. 1 („811 den Wahlen ), Nr. 2 („Wo hinaus?") und Nr. 3 („Sind die national-liberalen Abgeordneten auf den Namen Bismarck gewählt?") sind beschlagnahmt. Die Nathskammer des königlichen Obergerichts hat wegen Verstoßes gegen den § 6 des Gesetzes über die Presie diese Maßregel bestätigt. Aber Celle füllte nicht ohne einen viel namhafteren Genoffen bleiben; von Berlin wird ein Gleiches gemeldet. Am Freitag Mittag 2 Uhr erschienen in der W. Möserffchcn Hofbuchdruckerei drei Crimtnalbeamte, um auf eine aus Celle dorthin gerichtete Requisition die Flugblätter Nr. 1, 2 und 3 der national-liberalen Partei mit .....t,n'
legen. Die vorgefundenen 2000 Exemplare von dem Flugblatte
Gießen, 31. Juli. Bei der gestrigen Wahl für den Reichstag wurden aus der Stadt Gießen im Ganzen 1606 Stimmen abgegeben, davon erhielten: v Rabenau 1330, W. Liebknecht 171, Zimmer 88 Stimmen, auf 2 weitere Personen fielen 9 Stimmen, ungiltig waren 8 Stimmen.
Heuchelheim. Zimmer 70, v. Rabenau 40, Liebknecht 31 Stimmen.
Hunnen. v. Rabenau 188, Zimmer 8 Stimmen.
Lich. v. Rabenau 124, Zimmer 176, Liebknecht 1 Stimme.
Wieseck. v. Rabenau 164, Liebknecht 35 Stimmen.
Langsdorf. v. Rabenau 108, Zimmer 17 Stimmen.
Groß-Bufeck. v. Rabenau 193, Zimmer 8 Stimmen.
Lauter, v. Rabenau 64, Zimmer 1 Stimme.
Ortenberg. v. Rabenau 109, Zimmer 13 Stimmen.
Grünberg. (Gießen-Grünberg.Nidda.) Adalbert von Rabenau konservativ) erhielt 186, Gutsbesitzer Zimmer (conservativ) 22 Stimmen-
Lang-Göns. v. Rabenau 107, Zimmer 34, Liebknecht 2 Stimmen.
Lauterbach. Gareis 437, Graf Solms-Laubach 27 St.
Schotten. Gareis 328, Graf Solms-Laubach 2 St.
Schlitz. Gareis 270, Graf Solms-Laubach 20 St.
Homberg a. d. Ohm. Gareis 204, Graf Solms-Laubach 2 Stimmen.
Hvlrbeim. Zimmer 150, v. Rabenau 20 Stimmen.
HUO. Juli. Stadtbezirk. Reuleaux (Fortschr.) 2478, Moufang (Mtram.) 2834, Liebknecht (Soc.-Dem.) 2452, Weiß 907 Stimmen. Die
^^^Marburg. (5. Hess. Wahlkr.) Oberpräsident von Ende (freicons.) 672, Müller (ultram.) 60, Lauer (Socialdemokrat) 31 Stimmen.
Hanau, 30. Juli.' Im städtischen Wahlbezirk wurden für Weigel (notdiK) 1845, Frohme (Soc.-Dem.) 1616, Trott (conserv.) 107 Stimmen abgegeben. M., 30. Juli. Sonnemann (Demokr.) ca. 6900,
Parrentrapp (Nat.-Ltb.) ca. 4600 Stimmen. Somit bei mehr als 19000 abgegebenen Stimmen Stichwahl zwischen Sonnemann und Barrentrapp.
B H Saarbrücken, 30. Juli. Der Comprouuß-Candidat der reichstreuen Parteien, Geh. Bergrath Pfähler (Nat.-Lib.) wurde ohne Gegen -Candidat gewählt. __
---------------------------------- Drei» vierieMhrttch 2 Marl 20 pf. mit Bringerlohn.
Erscheint täglich mit Ausnahme beS Montag». die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
confiscirt. Die national-liberale „Weser-Ztg." bemerkt hierzu: „Natürlich macht man in Württemberg, und wo sonst der blinde Glaube unerschütterlich ist, die Augen zu und leugnet, daß in diesen Dingen Sturmvögel einer Reac- tion zu erkennen seien. Der bittere Ernst des Wahlkampfes, der einzig und allein gegen den Liberalismus unternommen zu sein scheint, wird noch soeben recht drastisch gezeigt. Wenn nicht die große liberale Wählerschaft sich aufrafft und am Wahltage allen reactionären und conservativen Gelüsten ein energisches quod non entgegensetzt, so können wir Dinge erlehen, die sich seit 1867 wohl kaum Jemand träumen ließ." , n . ,
Berlin, 29. Juli. In Betreff des technischen Gutachtens der Havarie- Commission in Sachen der Katastrophe des „Großen Kurfürsten" liegt eine Privatmittheilung der „Hamb. Börsenh." über dies Gutachten vor, von der wir unter Vorbehalt hier Notiz nehmen: „Nach den von der Commission erhobenen eidlichen Aussagen hätte sich der Fall wie folgt dargestellt: Als die westwärts steuernde Escadre in der Nähe von Folkestone angekommen war, kamen vom Lande aus zwei Kanffahrtei-Segelschiffe gesteuert, welche den Versuch machten, quer vor der deutschen Escadre vorüberzukommen. Nach einem ür die deutsche Marine gegebenen stehenden Befehle haben alle unter Dampf befindlichen Schiffe der deutschen Marine beim Begegnen anderer Schiffe stets so zu steuern, daß sie um dieselben hinten herum gehen, falls nicht die Entfernungen derartige sind, daß jede Gefahr beim vorne Vorübergehen völlig aus- gesckloffen ist. Demgemäß steuerten sowohl der „Große Kurfürst wie der König Wilhelm", als die beiden Kauffahrtei-Schiffe, quer voruberkommend, sichtbar wurden, nach dem Lande zu, um hinter denselben herum zu gehen. Der ursprünglich dem Lande am nächsten stehende „Grotze Kurvst kam dabei etwas früher von den beiden Schiffen klar, als der mehr nach See befindliche „König Wilhelm" und lenkte ersterer deshalb auch etwas früher in seinen Cours wieder ein, als der letztere. Auf dem „König Wilhelm" wurde demnach gleichfalls das Kommando gegeben, das Schiff wieder in seine frühere Stellung zu bringen und haben alle sechs am Steuer befindliche Leute auf ihren Eid ausgesagt, das Kommando „Backbord" deutlich gehört zu haben. Trotzdem wurde durch em unbegreifliches Versehen das Ruder in der entgegengesetzten Richtung gedreht, und kann nur angenommen werden, daß einige der am Ruder befindlichen Leute, die den „Großen Kurfürst" auf sich zukommen wähnten, den Kopf verloren und . das Gegentheil von demjenigen gethan haben, was ihnen befohlen war. In Folge davon steuert- der „König Wilhelm" anstatt seewärts gerade auf den
Großen Kurfürst" ein. Der Commandeur des letzteren that in diesem gefahrvollen Moment das Einzige, was vielleicht noch Rettung bringen konnte, indem er die Maschinen seines Schiffes mit voller Kraft vorausgehen ließ, um so vielleicht doch noch vor dem „König Wilhelm" vorüberzukommen, mindestens aber zu verhindern, daß der „Große Kurfürst" von dem Sporn des „Komg Wilhelm" gerade mitschiffs getroffen würde. Ersteres gelang bekanntlich leider nicht, vielmehr rannte der „König Wilhelm" den „Großen Kurfürst an Backbord Hinterschiffs an und führte so die Katastrophe herben Die Havarie- Commission ist der Ansicht gewesen, daß das Verfahren des Commandeurs des
Großen Kurfürsten", das allein den Umständen entsprechende gerne en sei, und spricht auch ihn völlig frei. Zur Herbeiführung des Unglucksfalles ist nach der tattgehabten Untersuchung zweierlei muthmaßlich von Bedeutung gewesen. zum . rst-u, daß der „König Wilhelm" überhaupt schlecht steuert; zum Andern, daß in Folg- der Bauart des .König Wilhelm" di- am Ruder b-findlichen Leute >u niedrig stehen, um einen freien Ueberblick über das außerhalb des Schiffes Vergehende zu haben. Es muß daher für möglich «chalten werden, daß d.e plötzlich in der Nähe des „König Wilhelm" austauchende Takelage der „Große Knrsürst", während letzteres Schiff selbst und der von demselben gesteuerte Eours den am Ruder befindlichen Leuten nicht sichtbar war den einen oder andern der letzteren in Verwirrung gebracht und das Beispiel deffelbcn dann die andern to‘tC Stuttgart" 30*Jult. Der „Schwäb. Merkur" berichtet: In Feuerbach nahe bei Stuttgart wurde gestern der socialdemokratisch- Agitator Dulk verhaftet Ebenso «folgte in Stuttgart di- Verhaftung des gesummten Personals der Genoffenschastsbuchdruckerei, 20 an der Zahl. Es handele sich dabei um die Urheberschaft des socialdemokratischen Wahlaufrufes.
ichener Anzeiger
Allstilsk- mi MÄM für den Kreis Sich,.
Wien Die Durchführung der Festsetzungen des Friedens von Berlin macht weitere Fortschritte. Nachdem Schumla den russischen Truppen übergeben ist, beginnen letztere jetzt, sich allmählig aus Rumänien zuruckzuziehe . Das 11. Armee-Corps, welches dort Aufstellung genommen hatte - befindet sich auf dem Marsche nach der Heimat. — Die Rumänen denken auch bereits an die Besetzung der Dobrudscha, und schon ist Oberst Angelescu, bekannt aus den Kämpfen um Plewna, zum Civil- und Militärchef dieses Gebietes bestimmt worden Doch wollen die Rumänen die Besetzung erst dann durchfuhren wenn Refcklaa'm be-!die Ratificirung des Berliner Friedens erfolgt ist und die letzten russischen :^Nr^ 2^ward eusSoldaten die" Dobrudscha oerlkffen haben. - In Konstantinopel wird noch


