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Zwischenfall gegeben, wie man mehrseitig fälschlich angenommen. Dagegen ist es chatsächlich, daß die Ernennung Chaudordy's zum außerordentlichen Bevall- mächtigten bei der Conserenz durch Herzog Decazes in der WikhelmstrHe einen sehr üblen Eindruck gemacht hat. Dies war der Fall, nicht nur aus Anlaß der famosen Circular-Depesche Chaudordy's aus Tours, in welcher er Die deut- schen Soldaten als Pendulen-Räuber, als Petroleure und raffinirte grausame Menschenschinder denuncirt, sondern vornehmlich, weil diese Ernennung nicht der Zusage Frankreichs entsprach, auf der Conferenz eine nicht tonangebende, vielmehr eher verwischte Rolle spielen zu wollen. Deutschland, welches ein ähnliches Versprechen gegeben, hat dasselbe strict eingehalten. Der Charakter des F;hrn, v. Weither bürgte für die Aufrichtigkeit des Berliner Cabiuetes. Aber fn Paris mußte man im Vornherein wissen, daß Graf Lhaudordy nicht der Manu sei, fich ruhig im Hintergründe zu halten." Diese Mittheilungen des diplomatischen Gewährsmannes stellen -zum ersten Male die wahren Ur­sachen der Verstimmung zwischen Berlin und Paris iv's rechte Licht, so daß nun durchaus begreiflich wird, weshalb man auf französischer Seite ein so schlechtes Gewissen hatte, daß Frhrn. v. Weither um jeden Preis ein aggressi ves Austreteu zugeschrieben werden mußte.

Oesterreich.

Wien, 29. Januar. Die Friedens-Verhandlungen zwischen Serbien und der Türkei haben gestern hier begonnen. Unterhändler sind der türkische Botschafter Aleko und der serbische Consul Zukitsch. Die Gntndlage der Verhandlungen bildet der Stand der Dinge vor dem Kriege. Fürst Milan er­klärte , er wünsche lebhaft den Frieden.

Pesth, 27. Januar. Gras Andrassy hak dem türkischen Botschafter Aleko Pascha erklärt, auch er würde an Stelle der Türkei die Forderungen der Conferenz abgelehnt haben, doch muffe die Türkei nunmehr den Friedens­schluß beschleunigen, damit au den Grenzen Ruhe herrsche. Außerdem möge der Pforte mit der Ausführung der Verfassung Ernst machen, damit Rußland, eine vollzogene Thatsache vorfindend, keine Forderungen stellen könne. Auch er bewundere Midhat's Festigkeit; nur hege er immerhin Zweifel an der Aus­führbarkeit der Reformen. Wenn diese Zweifel beseitigt würden, so werde er die Pforte beglückwünschen.

Lemberg, 26. Januar. Der russische Consul Everard ist von Brody hier eingetroffen, um die Verhaftung mehrerer russischer Emigranten (socialisti- scher Agitatoren) zu veranlassen Bei den ruthemschen Parteimännern wurden Hausdurchsuchungen vorgenommen.

Feldkirch. Der Fürst von Liechtenstein hat den Landtag aufgelöst, Neu­wahlen ausgeschrieben und die nochmalige Vorlage des Münzgesetzes an den neuen Landtag zur verfaffungsmäßigen Behandlung angeordnet. Das Münz- gesetz ist bis auf Weiteres sistirt. Es herrscht darüber freudige Stimmung im Fürstenthum.

Arankreich.

Paris, 26. Januar. Gestern Abend fand die erste Gencral-Versamm- lung dec katholischen Universität statt. Den Vorsitz führte der Cardinal-Erz­bischof von Paris. Außerdem wohnten an die Erzbischöfe von Reims und von Sebaste, die Bischöfe von Quimper, Chartres, Larochelle, Amiens, Moulins, Troyes, Chalons, Bayonne, Nancy, Angers, Rohdez und Limoges, ferner der Coatjutor des Bischofs Dupanloup von Orleans. Auch eine starke Anzahl clericaler Deputirten und Senatoren wohnten der Feierlichkeit an. Der Justiz- Minister war durch Chevrion, General-Jnspector des öffentlichen Unterrichts, vertreten. Reden wurden in Maffe gehalten. Bei der Preisvertheilung hielt der Cardinal-Erzbischof von Rouen, Monsgr. Bonnechose, eine längere Rede, worin er darzuthun juchte, daß die katholischen Universitäten zum Besten der Religion und zum Heile des Vaterlandes gegründet worden und daß sie den Zweck hätten,diel Wissenschaften unter die Herrschaft der Kirche zurückzufetzen." Zum Schluß der Sitzung hielt der Cardinal-Erzbischof von Paris eine An­sprache. Ungefähr 600 Personen wohnten der Feierlichkeit an.

England.

London, 27. Januar. Rußland sondirt vorerst die Mächte, um sich über ihre Geneigtheit zu fernerem gemeinsamen Handeln klar zu werden. Vor schläge wurden seinerseits bisher nicht gemacht.Times",Standard" und Saturdoy Review" schreiben einstimmig, England würde sich irgend welchen Zwangsmaßregeln gegen die Pforte keinesfalls anschließen. Einer Bukarester Depesche desStandard" zufolge wurde das russische Hauptquartier' von Kischenew zwei Poststationen weiter gegen den Pruth vorgeschoben, während russische Pioniere mit Nachforschungen an der Donau beschäftigt sind, um Stellen zum Brückenschlägen ausfindig zu machen. Deutsche Osficiere sammt Vertretern Krupp's besichtigten gestern mit Erlaubniß der Admiralität die Pan­zerfregatteAlexandra" in Chatham.

Äwbon, 28. Januar. Wegen der Zunahme der Rinderpest in Deutsch­land ist auch die Einfuhr von Schmalz, Häuten, Heu, Hörnern, Hufen, Dünger und frischem Fleisch aus Belgien verboten worden.

Taunton, 28. Januar. Eine Vereinigung der Liberalen überreichte Gladstone eine Adresse; derselbe betonte beim Empfange derselben, der Pariser Vertrag von 1856 sei durch die Pforte verletzt worden und daher alle Ver­pflichtungen aus demselben für England aufgehoben. Gladstone sprach sich ferner sehr abfällig über die von der Pforte promulgirte Verfassung aus und bemerkte, England solle seine Anstrengungen zur Befreiung der Christen in der Türkei fortsetzen und die ihm auferlegte Pflicht erfüllen. Diese Rede sand all­gemeinen Beifall.

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Bern, 27. Ianu«r. Bischof Lächelt hat den v»n der christkatholischen Gemeinde Aarau neu gewählten Pfarrer, Director Fischer in Luzern, suspcndirt und mit der großen Sxcomnunication bedroht, für den Fall, daß er binnen sechs Tagen nicht seine Unterwerfung anmelde.

Vel-irrr.

Brüssel, 28. Januar. Nach derJndöpedance" hat der Czar dem Für­sten Milan gerathen, den Frieden anzunehmen, von welcher Seite er anch komme.

Rußland.

Petersburg, 28. Januar. DerGolos" bespricht die Aeußerung des Belgrader BlattesJsiok", welches behauptete, die Serben erwarteten nur das Signal Rußlands, um den Krieg wieder anfzunehmen. DerGolo-" nennt diese Aeußerunq ein Mißverständniß und sagt, Rußland ermunterte dir Serben niemals, den Krieg anzusangen, sondern suche sie im Gegentheil davon abzu­halten. Serbien dürfe die Verantwortlichkeit nicht auf Andere wälzen. W sei mehr als wahrscheinlich, daß Rußland auch in der jetzigen Phase der orieü- -alischen Frage die Interessen Serbiens nicht außer Ächt lassen werde, daraus folge aber nicht, daß diese Interessen Rußland hauptsächlich bei den Maßnah­men leiten sollen, welche wegen des Mißerfolges der Conferenz nothwenbig er­scheinen würden. .

Odessa, 24. Januar. Nach dem heutigen officiellenWjedomosti Ödeff. Grad." wird der russische General Nowosselow, der frühere Commandant der Jbar-Armee, aus Kiew hier erwartet. Derselbe, welcher in den letzten russisch- türkischen Kriegen, 1829 sowohl als auch im Krim-Kriege, in der asiatischen Türkei die glänzendsten Waffenthaten vollführt hat, so daß sein bloßer Name schon den Türken schrecken einflößte, ist aller Wahrscheinlichkeit nach bestimmt, den nach Petersburg zurückgekehrten General Nikitin als Eommandeur der in Serbien zurückgebliebenen russischen Legion zu ersetzen. Der am 20. October eintretende fünfzigste Jahrestag der Zerstörung der türkischen Flotte durch die vereinigten Flotten Frankreichs, Englands und Rußlands bei Navarin soll in Rußland festlich begangen werden. Laut amtlichen Nachrichten aus Pet-rs- burg ist ein sofortiger Ausbruch des Krieges in Folge der Auflösung der Con­ferenz auf Rußlands Veranlassung hin nicht zu erwarten. Nachdem der Güterverkehr auf der Odessaer Eisenbahn mehrere Tage vollständig eingestellt war, werden nunmehr wieder, so weit die militärischen Anordnungen es erlau­ben, täglich ein bis zwei Güterzüge abgelassen. Das kaufmännische Publikum des In- und Aiislandes, welches den Krieg für nabe bevorstehend hält, macht indeß nicht den möglichen Gebrauch von der erfolgten theilweisen Freigabe des Güterverkehrs, aus Furcht, daß die abgesandten Waaren bei Ausbruch des Krieges unterwegs liegen bleiben würden. Gestern ist es den zur Abreise bereiten Schiffen noch gelungen, den hiesigen Hafen zu verlassen; feit heute aber ist der Hafen in solcher Weise zugefroren, daß aller Schiffsverkehr ein Ende hat.

Türkei.

Konstantinopel, 28. Januar, Abends. DerAgence Havas" zu­folge hätte der Fürst von Serbien in Beantwortung der an ihn gerichteten Depesche des Großvezirs seinem Wunsche Ausdruck gegeben, Verhandlungen zur Herbeiführung eines Einverständnisses über den Friedensschluß eingeleitet zu sehen.

Pera, 26. Januar. In Folge gestern gemeldeter osficiöser Verhandlung sandte Midhat Pascha gestern folgendes officielle Telegramm an die Fürsten von Serbien und Montenegro:

Ew. Hoheit werden sich erinnern, daß auf Ihr Gesuch die Mächte ihre guten Dienste bei der hohen Pforte verwandt hrben, um einen Waffenstillstand herbeizusühren, und daß die kaiserliche Regierung, stets beseelt von den gleichen Gesinnungen der Mäßigung und Versöhnlichkeit, nicht gezögert hat, einen Waffenstillstand zu gewähren, der seitdem zweimal erneuert worden ist in der Hoffnung, solchergestalt die Schließung des Friedens zu erleichtern und unnützes Blutvergießen zu vermeiden. Der Augenblick ist nicht fern, wo die Feindselig­keiten nach Ablauf des letzten Waffenstillstandes zum großen Schaden der davon betroffenen Landstriche wieder ausgenommen werden würden. Ich frage mich, ob nicht von der einen oder der anderen Seite ein ernster und aufrichtiger Versuch gemacht werden müßte, um diesem traurigen Ereignisse vorzubeugen. In dieser Ansicht, die gleich sehr von der Vernunft wie von der Menschlichkeit eingegeben wird, und außerdem überzeugt, daß Ew. Hoheit in demselben Grade von der Liebe zum Fürsten und dem Wunsche beseelt ist, diesem bedauerlichen und unheilvollen Kampfe ein Ziel zu setzen, wende ich mich offen an Sie, um Sie persönlich zu einer Verständigung der kaiserl. Regierung vermittelst directer Verhandlungen einzuladen. (gez.) Midhat.

Ein Beamter der kaiserlich ottomanischen Regierung reiste heute mit be- sonderen Vollmachten nach Serbien, die dahin gehen, den Fürsten zu einer Verständigung mit dem suzeränen Hofe behufs Wiederherstellung des Friedens zu bewegen.

Pera, 27. Januar. Der russische Botschafter Jgnatieff hat sich heute eingeschifft. Auffallend ist es, daß an Bord der Befehl ertheilt wurde, nach dem Piraeus zu fahren, angeblich um in Athen einige Tage bis zum Eintritt besserer Witterung abzuwarten und dann durch den Bosporus zurückzukehren und nach Odessa zu fahren. Werther, Zichy und Calice sind gleichzeitig mit dem Lloydschiff nach Triest abgereift; Chaudordy und Corti sind noch hier ge­blieben, um erst am Dienstag die Stadt zu verlassen.

Kriechenkand.

Athen, 27. Januar. Der Herzog und die Herzogin von Edinburgh sind hier angenommen und wurden vom Könige empfangen. Marquis Salis­bury reiste heute, nach einer Besprechung mit dem Herzog von Edinburgh, via Brindisi ab. In der Kammer wurde die Budget-Debatte fortgesetzt, zwischen der Regierung und den Oppositions-Parteien herrscht nach wie vor feine Übereinstimmung.

Amerika.

Washington, 29. Januar. Präsident Grant wird heute die vom Congreffe artgenommene Comitebill betreffs der Entscheidung der Präsidenten- wahl-Frage und eine Specialbotschaft an den. Kongreß richten, in welcher er seine Billigung zur Bill ausspricht. Grant erftikte bei feiner Unterredung mit dem Korrespondenten derNew-Jork Tribüne", er halte die sofortige Rückkehr zur Metallwährung für günstig, und glaube das Land vollkommen dazu vorbe­reitet. Er werde demnächst dem Congresse seine Ansichten in dieser Frage mittheilen.

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Gießen, 30. Jan In der gestern Abend stattgehabten Generolversammlun« der Gewerdcbank wurde der Antrag des Ausschusses betr. Erbauung einet Yankee- * bäudes auf einem Yauplatz an der Blockstraße genehmigt

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