oder später aufgenöthigt werde, demnach jedweder Vorschlag erfolglos sei. Derby bedauere das Ereigniß, aber er habe bei den Versuchen, den Frieden herbeizuführen, stets die Ueberzeugung gehabt, daß er sich dabei auf die Lösung eines unlösbaren Problems eingelasien habe.
London, 25. April. Das Unterhaus lehnte in seiner gestrigen Sitzung die Motion Schaws, wodurch die Wiederherstellung des irischen Parlaments beantragt wird, mit 417 Stimmen gegen 67 ab.
Italien
Rom, 24. April. In der Deputirten-Kammer erklärte der Minister des Innern, Nicotera, in Erwiderung auf eine Anfrage: Die Regierung beabsichtige außer de« bereits aufgelösten Vereinen der Internationalen auch andere außerhalb des Gesetzes stehende Vereine zur Auflösung zu bringen. Auf die Interpellation Visconti Venosta's bezüglich der orientalischen Politik gab der Minister des Auswärtigen, Melegari, folgende Erklärung ab: Italien war durch seine inneren und äußeren Verhältnisse eine friedliche, auf Achtung der Interessen und Rechte anderer Staaten gerichtete Action vorgezeichnet, die darauf abzielte, die Verträge bezüglich der Integrität der Türkei aufrecht zu erhalten und sich den übrigen Mächten in dem Bestreben der Vermeidung des Krieges anzuschließen. Ztalien hat diese Politik streng befolgt und mit allen Mächten freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Die Regierung that im Interesse der Montenegriner, Griechen, Bulgurier und Bosnier Alles, was nur möglich war, und werde die bereits von den früheren Cabineten eingehaltene friedliche, unabhängige Politik fortsühren, so lange die Ehre und die vitalen Interessen des Landes darin keine Aenderung erheischten. Visconti Venosta sprach seine Befriedigung über die Erklärung des Ministers aus. Petrucelli della Gattina äußerte sich im entgegengesetzten Sinne und beantragte eine Auf forderung an die Regierung, sich an die in den Jihren 1866 und 1867 pro clamirten Principien zu halten. Der Minister - Präsident Depretis erklärte: Die Motion Petrucelli's implicire ein Mißtrauens-Votum gegen das Ministerium. Italien werde seiner Friedens-Mission treu bleiben, das Cabinet die Ereignisse wachsam verfolgen und, wenn nöthig, die Unterstützung der Kammern ansuchen.
Rom, 25. April. Ueber die gestern in der Deputirten-Kammer abgegebenen Erklärungen der Minister Melegari und Depretis wird noch weiter mitgetheilt: Dieselben erklärten auf das Formellste, daß Italien, nachdem es seine Friedens- und Versöhnungs-Mission erfüllt habe, aus den Unterhandlungen betreffs der orientalischen Frage frei und ohne jede besondere Verbindlichkeit hervorgegangen sei und zu allen Mächten ohne Unterschied sich in vortrefflichen Beziehungen befinde. Italien sei bereit, sobald die Umstände es gestatten, das Werk der Pacificirung wieder auszunehmen, und zugleich entschlossen, diesen Charakter seiner Politik zu bewahren. In Betreff der Frage, ob Italien militärische Maßnahmen zu treffen beabsichtige, erklärten die Minister, daß dies gänzlich außerhalb der für jetzt in Aussicht genommenen Bestimmungen liege. Die Regierung werde übrigens keine Maßregeln treffen, ohne das Parlament vorher in die Lage zu setzen, über dieselben zu berathen. Nach diesen Erklärungen wurde die Discussion geschlossen.
Rußland.
Petersburg, 24. April. Das Circularschreiben des Fürsten Reichskanzlers Gortschakoff an die russischen Botschafter in Berlin, Wien, Paris, London und Rom lautet wie folgt: Das kaiserliche Cabinet hat seit dem Beginn der orientalischen Krise alle Mittel seiner Gewalt erschöpft, um unter Mitwirkung der Großmächte eine dauerhafte Pacifikation der Türkei herbeizuführen. Alle in Folge des zwischen den Cabineten der Mächte hergestellten Einverständniffes der Pforte nach und nach gemachten Vorschläge sind jedoch auf unüberwindlichen Widerstand der Pforte gestoßen. Das am 19. (31.) März d. I. in London unterzeichnete Protokoll war der letzte Ausdruck des Gesammt willens Europas. Das kaiserliche Cabinet hatte dazu als zu einem Versöhnungs- Versuche die Hand geboten. Dasselbe hatte durch eine dem Protokoll beigegebene Declaration von demselben Tage die Bedingungen bezeichnet, welche, wenn sie loyal und aufrichtig von der türkischen Regierung angenommen und ausgeführt wurden, geeignet waren, die Wiederherstellung und Befestigung des Friedens herbeizuführen. Die Pforte hat mit einer abermaligen Ablehnung darauf geantwortet. Diese Eventualität war von dem Londoner Protokoll nicht in's Auge gefaßt worden. Europa hatte, indem es seine Wünsche und Entschließungen formulirte, sich darauf beschränkt, zu bestimmen, daß die Großmächte, falls sie in der Hoffnung sich getäuscht sehen sollten, die Pforte die zur Verbesserung der Lage der christlichen Bevölkerung bestimmten und ein- müthig als für die Ruhe Europas als unerläßlich erachteten Maßregeln mit Energie zur Ausführung bringen zu sehen, sich vorbehielten, gemeinsam die Mittel zu bezeichnen, welche sie für geeignet halten würden, das Wohl der Bevölkerung und die Jntereffen des allgemeinen Friedens zu sichern. So hatten die Cabinette den Fall vorausgesehen, daß die Pforte die Versprechungen nicht erfüllen würde, welche sie mache, aber nicht den Fall, daß die Pforte die Forderungen Europas zurückweisen würde. Zu gleicher Zeit ist durch die Declaration, welche Lord Derby zu dem Protokoll abgegeben hat, constatirt worden, daß die Regierung Ihrer Majestät der Königin von England nur im Hinblick auf die Jntereffen des allgemeinen Friedens in die Unterzeichnung des Protokolls gewilligt hätte. Es verstünde sich von vornherein, daß in dem Falle, wo dieser Zweck nicht erreicht würde, nämlich die gegenseitige Abrüstung und der Friede zwischen Rußland und der Türkei, das Protokoll als null und nichtig betrachtet werden solle. Die Ablehnung der Pforte und die Motive, welche ihr zu Grunde liegen, lasten keine Hoffnung, daß die Pforte den Wünschen und Rathschlägen Europas entgegenkommen werde und schließen auch jede Garantie dafür aus, daß die für die Verbeffernng des Mooses der christlichen Bevölkerung in's Auge gefaßten Reformen zur Ausführung gelangen. Sie machen auch den Frieden mit Montenegro und die Ausführung der Bedingungen unmöglich, unter denen die Abrüstung und Pacification herbeigeführt werden könnte. Unter diesen Umständen ist jedes Gelingen eines Ausgleichs-Verfahrens ansgeschlosten und es bleibt nur die Alternative, entweder den Zustand der Dinge fortdauern zu lasten, welchen die Mächte als mit ihren Jnteresten und denen Europas für unerträglich erklärt haben, oder zu versuchen, durch Zwangs- Mittel Das zu erreichen, was von der Pforte aus dem Wege der Verständigung zu erlangen den einmüthigen Anstrengungen der Mächte nicht gelungen ist Mein erhabener Herr hat beschlosten, Das zu unternehmen, wozu Se. Majestät
die Großmächte aufgefordcrt hatte, in Gemeinschaft mit ihm thäliz zu sein. Se. Majestät hat seinen Armeen Befehl gegeben, die Grenzen der Türkei zu überschreiten.^ Sie wollen diesen Beschluß zur Kenntniß der Regierung bringen, bei welcher Sie beglaubigt sind. Indem mein erhabener Herr diesen Schritt thut, erfüllt er seine Pflicht, welche ihm durch die Jntereffen Rußlands auf- erlegc ist, besten friedliche Entwickelung durch die beständigen Wirren im Orient gehemmt wird. Se. Majestät hat die Ueberzeugung, zu gleicher Zeit den An- schauungen Europas zu entsprechen, gez. Gortschakoff.
Petersburg, 24. April. Note des Fürsten Gortschakoff an den türkischen Geschäftsträger Tavsik-Bey d. d. Petersburg 12. (21.) Sipril 1877. Nachdem die ernsten Erörterungen zwischen der kaiserlichen Regierung und der Pforte in Betreff einer dauernden Pacification des Orients nicht zu der erwünschten Einigung geführt haben, sieht Se. Majestät mein erlauchter Gebieter zu seinem Bedauern sich genöthigt, seine Zuflacht tzu der Waffengewalt zu nehmen. Haben Sie daher die Güte, Ihre Regierung zu benachrichtigen, daß vom heutigen Tage ab Rußland sich im Kriegszustände der Pforte gegenüber befindlich betrachtet. Die erste Folge hiervon lst der Abbruch der diplomati- schen Verbindung der beiden Länder. Ich ersuche Sie, mir gefälligst anzeigen )1 wollen die Anzahl und die Rangstellung der Personen, aus welchen die ottomanische Botschaft ui Petersburg besteht, damit ihnen die nöthigen Pässe zugefertigt roerbcn können. W >s die in Rußland befindlichen ottoinanischen Unterthanen angeht, so steht es Denjenigen welche das Land verlasten wollen, frei, dies ungehindert zu thun. Diejenigen, welche es Vorgehen sollten, zu bleiben, dürfen sich des vollen Schutzes der Gesetze versichert halten. Gez. Gortschakoff. — Oer türkische Geschäftsträger hat dem Reichskanzler eine Note zugehen lassen, m welcher er sich bei demselben verabschiedet.
Petersburg, 25. April. Der „Regierungs-Bote" veröffentlicht einen kaiserlichen Befehl, wodurch das Gouvernement Bestarabten, die Litoral-Districte, die Gouvernements Cherson und Taurien und die Halbinsel Krim in Kriegszustand erklärt werden.
_ Petersburg, 25. April. Die Meldung auswärtiger Blätter, daß die. Frage, ob ein Moratorium zu gewähren, in Erwägung gezogen werde, wird von bestunterrichteter Sveite als gänzlich unbegründet bezeichnet und wird ausdrücklich hervorgehoben, daß zu solchen Maßnahmen absolut keine Veranlaffung vorliege.
Krakau, 25. April. Der Czar hat 200 Millionen Rubel aus seinem Privat-Vermögen zu Kriegszwecken gewidmet.
Kischeneff, 24. April. Der Kaiser empfing in Ungheni gestern Nachmittag den Metropoliten des moldauischen Klerus. Indem er diesem für die dargebrachten Glückwünsche dankte, empfahl er zugleich sich und seine Armee den Gebeten des orthodoxen Klerus und sagte, er hoffe in der rumänischen Nation freundschaftliche Gesinnung zu finden. Um Mitternacht kehrte der Kaiser hierher zurück.
Türkei.
Konstantinopel, 24. April. Die von Savfet Pascha an die Vertreter der Pforte im Auslande gerichtete Mittheilung lautet:
„Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten an die Vertreter der Pforte im Auslande.
Konstantinopel, 24. April.
Der russische Geschäftsträger in Konstantinopel hat heute eine Note an mich gerichtet, um mir anzuzeigen, daß er von seiner Regierung Befehl erhalten hat, die diplomatischen Beziehungen mit der hohen Pforte abzubrechen und Konstantinopel mit dem Personal der Botschaft, gleichzeitig mit allen russischen Consuln im türkischen Reiche zu verlassen. Herr Nelidoff ist schon mit den Angehörigen der Botschaft von Konstantinopel abgereist. Die hohe Pforte hat ihr Möglichstes gethan, um einen solchen äußersten Schritt zu vermeiden, aber Angesichts der von der russischen Regierung ergriffenen Initiative sieht sich die Regierung Sr. Majestät des Sultans auch ihrerseits genöthigt, zu befehlen, daß die ottomanische Botschaft in Petersburg und die ottomanischen Consuln in Rußland nach Konstantinopel zurückkehren."
Konstantinopel, 24. April. Unter dem Vorsitze des Sultans^haben gestern und heute^Sitzungen des Ministerraths stattgefunden. Dem Vernehmen nach sendet der Sultan einen Gesandten an den Emir von Kabul. — Der englische Gesandte Layard überreichte dem Sultan in einer Privat-Audienz seine Accrcditive. — Ein Schreiben Cogalniceanu's, in welchem auf die Aufforderung der Pforte, den Durchgang der Russen zu verhindern, erklärt wird, daß man die bezüglichen Entschließungen der Kammern seiner Zett der Pforte mittheilen werde, ist hier eingegangen.
Rumänien
Bukarest, 25. April. Ein Decret des Fürsten eröffnet dem Kriegs- Minister einen außerordentlichen Credit von 1,888,000 Frcs. zur Deckung der durch die Mobilmachung erwachsenden Kosten.
Jassy, 24. April. Der Ober-Commandant der russischen Armee, Großfürst Nikolaus, erließ folgende Proclamation: „Rumänen! Auf Befehl des Kaisers Alexander rückt die mir unterstehende, zur Bekämpfung der Türken bestimmte Armee in Euer Gebiet ein, das russische Armeen bereits freudig ausgenommen hat. Ich erkläre, daß wir als Freunde kommen, die nur Euer Wohl wollen, und hoffen bei Euch die edlen Gesinnungen zu finden, die Eure Vorfahren der russischen Armee in früheren Türkenkriegen bekundet haben. Dem Befehle des Kaisers entsprechend, kündige ich Euch den Durchzug der russischen Armee durch Euer Gebiet an, welcher Durchzug von kurzer Dauer sein und Euch keine Furcht einflößen soll. Ich fordere Euch auf, Euren gewöhnlichen Geschäften nachzugehen und unserer Armee die Mittel zu verschaffen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Ich habe die nothwendigen Maßregeln getroffen, damit die Militär Kasse alle Armee-Einkäufe unverweilt bezahle. Ihr kennt die Dis- ciplin der kaiserlichen Armee und ich bin sicher, daß sie in Eurer Mitte ihre Ehre unversehrt bewahren werde. Die russische Armee wird Eure Ruhe nirgends stören, vielmehr Eure Gesetze, Gewohnheiten und Vermögen achten Rumänen! Unsere Vorfahren haben ihr Blut für Eure Freiheit vergossen! Wir haben das Recht, Euren Beistand für die bei Euch zu dem einzigen Zwecke durchziehende Armee zu verlangen, um den unglücklichen Christen der Türkei, deren Mißgeschick das Mitleid Rußlands und ganz Europas erweckt hat, zu Helsen."
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