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Freitag, den 27 April

1877.

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A»M. «HZ AmtÄktt für de« Klkis Sichen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. . P^ciö vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. m,it Vringerlohn.

(Expedition r Schul st raße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 5^ Pf.

Amtlicher I h e i t.

B e k a n n t m a ch u n g.

Die in unserer Bekanntmachung vom 19. Januar l. I. Anzeiger Nr. 17 für die Orte des Stadt- und Landgerichtsbezirks Gießen angeordnete Hundesperre heben wir hiermit auf.

Gießen, den 25. April 1877.

Großherzogliches Kreis am r Gießen, v. Röder.

politischer H h e i t.

Deutschland.

Darmstadt, 24. April. Der Kaiser hat heute Mittag der Prinzessin Karl einen Besuch abgestattet.

Berlin, 24. April. Der Reichstag genehmigte in unerheblicher De- batte die zur Berathung gestellten Capitel, betr. die einmaligen Einnahmen und Ausgaben des Reichs-Etats, in zweiter Lesung. Es folgt der Antrag des Abg. Richter, betr. die Abänderung des Gesetzes über den Reichs-Jnvalrden- Fonds und des die französische Kriegs-Contribntion betreffenden Gesetzes. Der Antrag der Budget-Commission geht wesentlich dahin, den § 2 des Richter'- scheu Antrages, wonach 55 Millionen aus dem Reichs-Jnvaliden-Fonds zur Anleihe-Tilgung und Deckung der einmaligen Ausgaben der Marine-, Poff und Telegraphen - Verwaltung verwendet werden sollten, zu streichen. Der Reichskanzleramts-Präsident Hofmann und der Bundes - Commisiär Michaelis sind gegen den Antrag. Die Abgg. Richter, Baron Maltzahn-Gülz, Lucius, Grumbrecht, Lasker und Wehrenpfennig sprechen für den Commissions-Antrag. Bei der Abstimmung wurden die §S 1 und 3 in der von der Commission be­antragten Faffung angenommen. § 2 wurde vom Antragsteller zurückgezogen. Bei der fortgesetzten zweiten Lesung W Etats wird der Etat des Jnvalicen- Fonds nach den Cpmmissions-Auträgen genehmigt. Den Commissions-Anträgen wegen Einstellung der Zinsen vom Reichstags-Gebäude-Fonds in den Etat wurde zugestimmt; desgleichen wurde der Etat des allgemeinen Pensions Fonds genehmigt. Es folgt die Berathung der an die Budget-Commission verwiesenen Theile des Militar-Etats. Eine längere Debatte ruft die beantragte Mehr­forderung für 105 neue Hauptmanns-Stellen hervor. Feldmarschall Gras Moltke weist die Nothwendigkeit dieser Mehrforderung nach. Auch er wünschte einen langen Frieden, aber die Zeiten ließen einen solchen nicht hoffen, vielmehr sei die Zeit nicht fern, wo jede Regierung alle Kräfte zur Sicherung ihrer Existenz werde anspornen müssen. Es wurzle dies in bem leidigen Mißtrauen der Regierungen gegen einander. Auch Frankreich habe bezüglich seiner Landes- Verthkidigung in den letzten Jahren Großes zu Stande gebracht. Ungewöhn­lich große Truppenmaffen lägen zur Zeit zwischen Paris und der deutschen Grenze. Frankreich thue Alles für seine Armee und finde dabei ungeteilte Zustimmung im Volke. Frankreich sei Deutschland entschieden darin voran, daß es Cadres für den Krieg schon im Frieden fertig habe. Deutschland könne sich einer ausgleichenden Maßregel rstcht entziehen. Die Anträge der Commiision, wonach 105 Hauptmanns-Stellen bewilligt werden möchten, wer­den hierauf gegen die Stimmen des Fortschritts, des Centrums und der Socia- liften angenommen. Zahlreiche andere Etats-Positionen werden ohne erhebliche Debatte genehmigt. Die Positivs süjc die Unterofficier-Schule in Weilburg wird von Richter (Hagen) bekämpft, von dem Bundes-Commiffär Voigts-Rheetz vertbeidigt und vom Hause mit 123 gegen 116 Stimmen mittelst Hammel­sprungs genehmigt.

Die Journal-Nachrichten, nach welchen die Ernennung des Prinzen Reuß zum Botschafter in Konstantinopel vollzogen sei, sind verfrüht. Aller­dings wird bestätigt, daß der bisherige Botschafter, Baron Werther, in Ruhe­stand tritt und Prinz Reuß für den Fall der Wiederbesetzung in Aussicht ge­nommen sei, doch ist über den Zeitpunkt, wann der Botschafter-Posten in Kon­stantinopel wieder besetzt wird, noch nichts bestimmt. Die Uebernahme der Vertretung der russischen Untertanen in der Türkei durch Deutschland ist in dem Bewußtsein der mit dieser Ausgabe verbundenen Schwierigkeiten erfolgt.

In der Abendsitzung beendigte der Reichstag die Berathung des Militär- Etats und nahm die meisten Positionen ohne Debatte nach den Commissions- Anträgen an. Der Antrag Richters auf Erhöhung der Vergütungen für Quartier-Leistung wurde abgelehnt, der Gesetz-Entwurf, betr. die Aufnahme einer Anleihe für die Zwecke der Marine-, Post- und Telegraphen-Verwaltung ohne Debatte in der von der Commission vorgeschlagenen Faffung angenommen und schließlich der Etats-Gesetz-Entwurf genehmigt. Für Donnerstag steht die dritte Lesung des Etats aus der Tagesordnung.

Hesterreich.

Wien, 24. April. In vergangener Nacht ist die russische Vorhut, 50,000 Mann stark, in Rumänien eingerückt. Der Großfürst Nikolai erließ ein Manifest, worin er den Rumänen eine freundliche Aufnahme der russischen Armee empfiehlt. 50,000 Mann marschiren von Tartarbunar auf Galatz,

5 Divisionen und 40 Geschütze rücken von Kabey gegen die Donau-Linie bei Ismail vor. Rumänien hat gegen den Einmarsch sormell protestirt.

Wien, 24. April. DiePolit. Corresp." meldet telegraphisch aus Bukarest vom 24. d. Mts.: Die russische Armee hat in der letzten Nacht an drei verschiedenen Punkten den Pruth überschritten. Schon am 21. April, Abends, passirten 1200 berittene Kosaken Kitila bei Bukarest, nach Kalafat gehend. Ein rumänisches Kavallerie- Regiment ist nach Kalafat abgegangen. Hier ift die Aufregung auf's Höchste gestiegen.

Wien, 25. April. Unser Botschafter, Graf Zichy, wird in kürzester Zeit nach Konstantinopel zurückkehren. In Czernowitz eingetroffene Reisende berichten, daß die rumänischen Heerstraßen in Folge anhaltender Regengüsse für die Ruffen nur schwer praktikabel seien. Aus Jassy, Galatz und Bukarest wird der Maffen-Einmarsch der Ruffen gemeldet. Die Türken überschreiten bei Widdin die Donau.

Wien, 25. April. DiePol. Corr." meldet telegraphisch aus Kon­stantinopel vom heutigen Tage: Das von der Pforte unter Berufung auf den Artikel 8 des Pariser Vertrags an die Mächte gestellte Ansuchen behufs Me­diation ist ersvlglos geblieben. Dasselbe wurde überall als verspätet negativ beschieden. Dieselbe Correspondenz meldet: Bukarest, 25. April, Morgens. Gestern besetzten 15,000 Russen die strategisch wichtige Bahnbrücke von Bar­bosch. Während der verflossenen Nacht passirten massenhaft russische Infanterie den Pruth. Gestern sind bereits 50,000 Mann russischer Truppen auf rumä­nischem Boden eingerückt. Ein starkes russisches Armee-Corps rückt gegen die Dobrudscha vor. Die Türken haben gestern Abend unbewegt an der Donau gestanden. Das Gerücht von einer Besetzung Kalafats durch die Türken ist unwahr. Die rumänischen Truppen haben sich von der Donau ins Innere des Landes zurückgezogen, in zwei Corps gecheckt, wovon eines bei Bukarest und das andere bei Crajova concentrirt wird. Die rumänische und türkische Be­völkerung der Donau-Ufer flüchtet maffenhaft ins Innere Rumäniens.

P-sth, 25. April. (Abgeordnetenhaus.) Ernst Simonyi interpellirt über das Verhalten der österreichisch-ungarischen Regierung gegenüber dem jetzi­gen Stadium der Orient - Frage. Der Beschluß - Antrag der Regierung auf Entsendung einer Quoten-Deputation wurde mit großer Majorität ange­nommen.

Arankrcich.

Paris, 24. April. DerTemps" berichtet:Wie wir erfahren, wurde der englische Geschäftsträger in Konstantinopel beauftragt, in Englands Namen bei der Pforte daraus zu bringen, daß sie den Hafenplatz Odeffa mög­lichst schone. Die Pforte hat die Absicht, ablehnend zu antworten und bemerk­lich zu machen, daß man während des Krimkrieges nicht auf allen Punkten mit gleichem Nachdrucke habe vorgehen können, und zwar erstens wegen der entscheidenden Streitkräfte, welche dieses Bündniß mit Frankreich und England der Türkei zusicherte, unb zweitens weil bie französischen, englischen unb italie­nischen Interessen in Odessa engagirt waren; gegenwärtig stehe die Pforte Rußland allein gegenüber, und sie sehe sich daher genöthlgt, sich aller möglichen Mittel des Angriffes und der Vertheidigung zu bedienen."

Paris, 25. April. DieAgence Havas" meldet: Die Pforte richtete an die Mächte eine lange Circular-Depesche als Antwort auf das russische Manifest und die Circular-Depesche des Fürsten Gortschakoff. Die Pforte sucht darin nachzuweisen, daß die Türkei Rußland in keiner Weise zum Kriege provocirt habe; sie erinnert an bie Anstrengungen, die sie gemacht, das Loos der Christen zu verbessern und den Mächten Genugthuung zu geben, unb fügt hinzu, baß sie ben russischen Antrag nicht verstehen könne unb daher den Pa­riser Vertrag anrufe und an die Mediation der Garantie-Mächte appeüire.

England

London, 24. April. In der Sitzung des Oberhauses theilte Lord Derby mit, daß nach einem von ihm empfangenen Telegramm 17,000 Ruffen in letzter Nacht die Grenze überschritten hätten. Vom Grafen Schuwaloff habe er das russische Rundschreiben erhalten, worin constatirt werde, daß den russi­schen Truppen der Befehl ertheilt sei, die Grenze" zu überschreiten.

London, 25. April. Sitzung des Oberhauses. Lord Derby antwortet dem Earl Grey: Der Sultan und bie türkischen Minister hielten während aller Verhandlungen an dem Glauben fest, daß der Krieg der Türkei früher