zu machen. In Nürnberg hat das 25jährige Jubiläum des germanischen Nationalmuseums mit der Grundsteinlegung zu dem neuen Flügel, zu welchem das Reich die Mittel hergibt, stattgefunden.
In Oesterreich-Ungarn verschärft sich der Gegensatz zwischen den Ungarn und den slavischen Volksstämmen der Monarchie immer mehr: besonders gereizt ist in letzter Zeit die Stimmung zwischen den ersteren und den Croaten geworden, weil sich die Sympathieen und Jnteresien derselben nicht blos in der orientalischen Frage, sondern auch in der Grenzbahn-Angelegenheit geradezu widersprechen. Unter diesen Umständen sieht sich die gemeinsame Regierung mehr als je in der Beobachtung ihrer bisherigen Politik neutraler Zurückhaltung bestärkt und zeigt dem entsprechend auch insofern das Bild vollständiger politischer Stille, als Graf Andrasiy, der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten, auf einige Zeit nach Steiermark auf's Land gereist ist.
Auch England ist, zumal nachdem sein Parlament durch eine sehr friedfertig klingende Thronrede vertagt worden, in Folge der für die Ruffen ungünstige Wendung der Dinge auf dem Kriegsschauplätze zu einer gewissen Ruhe gekommen; man sieht nur der einen großen Theil Ostindiens bedrohenden Hungcrsnoth mit Besorgniß entgegen.
Griechenland befindet sich dagegen fortwährend in großer Aufregung, indem es seine Kriegsrüstungen eifrig fortsetzt. In Theben hat sich sogar ein Freiwilligen-Bataillon gebildet, welches sich in Erinnerung an die „heilige Schaar" des Epaminondas den Namen des „heiligen Bataillons" beizelegt hat. Die griechische Regierung hat aus Anlaß des durch Tscherk-ffen angerich teten Blutbades in Kavarna, in dem besonders viele Griechen umkamen, eine Beschwerde-Note an die Mächte gericbtet.
In Frankreich war die Reise des Marschalls Mac Mahon durch die Normandie das hervorragendste Ereiguiß der Woche. In Regierunzskreisen fühlt man sich indcß durch den Erfolg dieser zweiten Rundreise, auf welcher dem Marschall-Präsidenten fast überall Lebehochs auf die Republik entgegenschallten, keineswegs befriedigt, um so weniger, da Gambetta mit einer Rede, die er bei seiner Anwesenheit in Lille hielt, einen förmlichen Triumph gefeiert hat. Der Exdictator dürste sich freilich in der Behauptung, mit der er seine Rede schloß, daß die Regierung nur zwischen Unterwerfung oder Rücktritt zu wählen habe, wenn Frankreich die 363 Deputirten der Linken als 400 Richter zurücksende, aller Wahrscheinlichkeit nach irren ; denn je unsicherer für die Regierung ein Sieg mit den gesetzlich zulässigen Mitteln ist, um so verführerischer tritt an sie der Gedanke an einen Staatsstreich heran. Wie es scheint, steht die beschleunigte Rückkehr des energischen Ministers Fourtou nach Paris wirklich mit dem Plan einer Cabinetsveränderung und der Verhängung des Belagerungszustandes, auf welche die Ultramontanen und Bonapartisten unermüdlich hindrängen, in Zusammenhang.
Während die Regierung des Königreichs Italien der Ausführung des Projectes einer Befestigung Roms gegen einen Handstreich näher tritt, geht der Papst mit dem Plane um, sich die ungarische Kirche durch Unterhandlungen mit Oesterreich unterwürfig zu machen- Der noch immer fortdauernde Scan- dalproceß über die Erbschaft des Cardinals Antonelli gibt zu dem Gerüchte Anlaß, daß bei einem für die Gräfin Lambertini günstigen Ausgange desselben noch verschiedene andere natürliche Kinder des Verstorbenen mit Ansprüchen auf die Erbschaft hervortreten würden.
In dem streng katholischen Spanien, dem Lande der Glaubens-Einheit, hat die Regierung sich aus ihren finanziellen Verlegrnheiten dadurch zu retten gesucht, daß sie den Geistlichen ein Viertel ihres Gehaltes ohne Weireres einbehielt.
Aber auch in dem protestantischen Dänemark macht man mit den Geistlichen nicht viel Federlesens: ein Geistlicher, welcher sich über den Erlaß des vorläufigen Finanzgesetzes auf der Kanzel Aeußerungen erlaubte, welche eine Majestätsbeleidigung enthielten, wurde seines Amtes entsetzt und zugleich zu 8 Monaten Arbeitshaus verurtheilt.
Deutschland.
Darmstadt, 24. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:
Am 18. August den ordentlichen Profeffor Dr. Oncken zum Rector der Landes-Universität für die Zeit von Michaelis 1877 bis dahin 1878 zu ernennen.
Hesterreich.
Wien, 23. August. Die „Polit. Corresp." berichtet aus Belgrad von heute: Seit mehreren Tagen finden wichtige Beratungen beim Fürsten statt, an welchen der Minister des Auswärtigen, Risttc, der Kriegs-Minister Gruic und mehrere anwesende russische Notabilitäten theilnehmen. Inzwischen sind vertrauliche Weisungen an die Kretschess wegen Mobilmachung der Milizen ergangen. — Aus Agram von heute meldet dieselbe Correspondenz: Seit drei Tagen wüthet ein mörderischer Kampf zwischen den Türken und den Aufständischen bei Crnipotok; letztere werden von Golub und Babic geführt.
Arankreich.
Paris, 23. August. Nach einer Meldung der „Agence Havas" wird Marschall Mac Mahon in Folge der Einladung verschiedener General- und Municipalräthe im Süden und Westen Frankreichs, sobald er am 4. September den bei Montbrison stattfindenden Manöver» beigewohnt hat, die Departements Indre et Loire, Vienne, Charente, Dordogne und Gironde besuchen.
Kriechenland.
Athen, 23. August. Aus Kreta wird über eine aufständische Bewegung berichtet. Die türkischen Familien flüchteten in die befestigten Orte, die Christen flohen in die Berge. Es fanden bereits zwei Zusammenstöße in Barype- tron im Bezirk von Canea und in Bachalichau in der Provinz Retimo, statt. 30 Türken und 17 Christen wurden getödtet.
Aegypten.
Alexandrien, 23. August. Aus dem französischen Kriegsschiffe „Corröze" brach während der Fahrt von Saigun nach Suez, nachdem Aden passirt war, die Cholera aus; 50 Leute von der Bemannung starben und 130 sind noch krank an Bord.
Der orientalische Krieg.
Petersburg, 23. August. Officiell. Alexaudropol, 22 Aug. Nach eingelaufenen Nachrichten betrug der Verlust der Türken bei der Affaire vom 18. d. nahezu 800 Mann. — Die Colonne des Generals Tergukasoff, von welcher ein Theil bei Jzdyr verblieben war, befand sich am 20. d. bei Guebbuebscha. Die bei Jgdyr befindlichen Truppen hatten ein unbedeutendes Scharmützel mit einer vor ihnen erschienenen türkischen Colonne. — Nachrichten zufolge wurde im Gefecht am 30. Juli mit der Colonne Kalbolai Khans der Com- mandant der türkischen Truppen, Huffein Pascha, schwer verwundet. Die Jngur-Colonne des Generals Alschasoff recoznoscirte, intern sie den ganzen Lauf des Kodorfluffes besetzte, am 7. d. mit Kavallerie auf dem rechten Ufer des Fluffes Maschacka, wobei es sich erwies, daß die Türken das rechte Ufer des Fluffes Kelaffuri befestigt und die Anhöhen vor Suchum besetzt hatten.
Wien, 23. August. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest von heute: Suleiman Pascha hat gestern den Angriff auf den Schipka-Paß erneuert, während Otman Pascha von Seloi aus debouchirend die Ruffen angriff. Durch eine heute früh anzelangte Depesche wird bestätigt, daß dec gestrige Kamps allseitig siegreich für die Ruffen endigte.
Wien, 24. August. Telegramme der „Preffe": Bukarest, 23. Aug. Ueber das Resultat der gestern früh in Folge eines Angriffs der Türken bei Plewna begonnenen Schlacht ist noch immer nichts bekannt. Razusa. Die Montenegriner haben ihr Lager bei Korvike abgebrochen und sind den von Mostar ksmmenden türkischen Irregulären entgegengezogen. Die bei Metkovic gestandenen tückischen Truppen marschirten gegen Gacko.
Bukarest, 23. August. Die Ruffen sollen gestern 10 Smrm-Aagriffe der Türken auf den Schipki-Paß zurückgeschlagen haben. Ebenso soll eine unter dem persönlichen Commando Osman Pascha's bei Selvi vorgenommme tarke Recognoscirung von den Ruffen unter Führung des Fürsten Mirski zn- rückgewiesen worden sein. Die Türken hätten auf beiden Schlachtfeldern große erluste erlitten.
Vermischtes.
Kassel, 20. August. Man schreibt der „Hess. M.-Z • „Das massenhafte Auftreten der Kohl-Weißlinge droht unsere Kohlfelder vollständig zu vernichten. Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues zahlt für 12 Männchen 2 H und für 12 Weibchen 3 H Prämie. Die Weibchen haben auf den Flügeln schwarze Flecken."
Darmstadt, 22. Aug. Frettn v. Hochstätten, die morganatische Gemahlin des verstorbenen Großherzogs, hat heute ihre seitherige Wohnung im Residenz-Schloß verlassen und ist in ein Prtoat-Logts im Blumenthal'ichen Stadt-Viertel übergesiedelt.
Berlin. Ein Unfall, der sich tn der Familie eines VersicherungSveamten ereignet hat, dürfte als dringende Mahnung für alle jungen Mütter hier eine geeignete Erwähnung finden. Das ein halbes Jahr alte Töchterchen hatte tn der Wiege von früh morgens an heftig geschrteen und war nicht zu besänftigen gewesen, so daß die Eltern endlich zum Arzt schicken. Derselbe ließ daS Kind sofort nackt ausztehen und entdeckte bei der Untersuchung des Rückens, daß an demselben ein langer weißer Faden herabhing. Mit unsäglicher Mühe gelang es eine Nähnadel, welche sich tief in den Rücken eingebohrt hatte und nur durch den Faden verhindert war, ganz zu verschwinden, ans Tageslicht zu befördern. Die trostlose junge Mutter hat die Gewohnheit, bet der Wiege zu nähen, und ist so jedenfalls die mittelbare Urheberin des Unfalls, dessen etwaige Folgen noch heute nicht abzusehen sind.
— (Die Romantik im Orientkriege.) Fürst Nikolaus von Montenegro erzählte, o schreibt der Cettinjer Berichterstatter der „Pol. Corr.", dieser Tage bet der Mittagstafel die folgende Episode auS der Belagerung von Niksic. Pop Milo, ein Verwandter des fürstlichen Hüuscs, wollte den Niksicern zeigen, wie gründlich er sie verachte und daß unter ihnen kein Mann sei, der sich mit ihm messen könne. Zu diesem Be» Hufe stieg er von der Höhe oon Trebesch hinab, schwang sich auf sein Roß und ritt auf die Festung zu unter dem Feuer der Geschütze. Er hatte keine Schußwaffen mitgenommen, nur das Schlachtschwert hing ihm an der Seite. Vor dem Walle angelangt, rief er hinauf, die Niksicer mögen ihre besten Kämpfer htnausschicken, um mit ihm ein L-äbel-Duell im Angesichte beider Heere auszufechten. Er versicherte zugleich, daß er keine Schußwaffen mitführe und hatte eben seine Brust entblößt, um zu zeigen, daß er kein Panzerhemd anhabe, als ihn vom Festungswalle eine wohlgeztclte Kugel tn's Herz traf und tobt hmstrcckte Einige Niksicer sprangen herbei und schnitten ihm den Kopf ab, der dann, abgewaschen und gekämmt, tn's montenegrinische Lager geschickt wurde. Pop Milo war gegen fünfzig Jahre alt und der schönste Mann in ganz Montenegro, im Lande der schönsten Männer. Dieser Fall Hal natürlich die Blutfetndschaften mit den Niksicern um eine bedeutende vermehrt, da man darin die größte Perfidie sieht. Der russische Militärbeoollmächtigte Oberst Bogoljubow ergänzte diese Erzählung des Fürsten mit einer Episode aus seinen Erfahrungen, indem er heroorhob, daß die Kriegsereigntsse unmittelbar, sozusagen staute eessione, besungen werden. Er habe in der Nacht vor seiner Hteherretse tn der vordersten montenegrinischen Schanze von Tre- besch einem Gusla-Sänger zugehört, wie er einzelne Episoden aus der Belagerung von Niksic besang. Zur selben Zeit hörte man von der türkischen Schanze herüber fast dieselben Begebenheiten von einem Niksicer Gusla-Sänger besingen. Einer verstand den anderen und stellenweise replicirten sie einander. Es habe ihm leid gethan, da er des Serbischen mächtig Ist, daß ihm die Umstände es nicht gestatteten, diesen interessanten „Sängerkrieg" zu notircn.
— (Neue Erdbeben in Südamerika.) Ecuador ist wieder der Schauplatz vulkanischer Ausbrüche und verderblicher Ueberschwemmungen gewesen. Große Massen vulkanischer Asche sind Tage lang an der ganzen Küste herabgefallen. DaS „Eomerzto ' von Guayaquil meldet vom 9. Juni: Ein vulkanischer Ausbruch hat tm Innern am 26. d. M. stattgefunden zwischen halb zehn und elf Uhr Morgens. Wir wissen nicht, welcher Vulkan tn Thättgkett war, wir glauben aber, es war der Kotopaxi, der seit dem letzten Jahrhundert alle zehn Jahre eine Eruption gehabt hat. Von Babahoyo bis Tumbez hörte man Getöse wie von schwerem Geschützfeuer. Um 6 Uhr Nachmittags begann ein Aschenregen, der an 30 Stunden lang anhielt. Eine mineralogische Untersuchung der Asche hat ergeben, daß sie aus ganz feinen Theilchen von Magneteisenstein, glasigem Feldspath, Hornblende und einer amorphen Substanz bestand. An Bord deS Dampfers Islay auf der Fahrt von Panama nach Guayaquil bemerkte man zuerst den Fall der Asche bet Manta, und er dauerte an biS zur Ankunft tn Guayaquil, woraus zu schließen ist, daß Winde die Asche aus höheren Breitegraden wett hinausgeführt haben; vielleicht, wie auch schon früher, auf eine Strecke von 200 Meilen von dem Krater, der sie auswarf. Da die Asche ohne Salze war, so wird sie voraussichtlich den Feldfrüchten und dem Vieh nicht schädlich sein, wie das früher der Fall war. AuS Quito schreibt man vom 26. Juni: Eine vulkanische Eruption, welche vermuthlich vom Kotopaxi ausgtng, hat eine Ueberschwemmung der dort entspringenden Flüsse verursacht, welche tn den schönen und fruchtbaren Thälern von Chillo und Tumbaco große Verwüstungen angerichtet haben. Der Gouverneur der Provinz Tunguaragua berichtet: Am 26. um 10 Uhr Morgens ward zu Latacunga ein fürchterliches Getöse gehört, worauf sogleich ein gewaltiges Austreten der Flüsse Eutuchi, San Felipe und Aanay ico folgte; die Fluthen bespülten im Vorübergehen die Stadt bis zur Capelle El Salto. Die Masse deS Wassers und Schlammes war so groß, daß sie die ganze Hacienda Valle bedeckte, sowie die Destillerie vor Latacunga, die schöne Boltoarbrücke in Pansalca, die hölzernen Brücken von Culapachan und Patate und die gemauerte Brücke von Agoyan wurden alle zerstört Die Haciendas an den Flußufern haben ungemein gelitten und die Verwüstung ist schrecklich.
Hameln, 16. August. Die von der permanenten Maschinen-Kommission K. Hannoverscher Landwirthschasts-Gesellschaft in Göttingen errichtete Station für Prüfung landwitthschaftlicher Maschinen bat vor Kurzem den von der Firma D. W. Osborne u. Co.; Auburn u. Co. eingesandten Osborne Self-binding Harvester (Mähmaschine mit Bindevorrichtung) einer eingehenden Prüfung unterzogen. Da genaue und exacte Versuche mit Mähmaschinen, welche daS geschnittene Korn
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