Ausgabe 
21.8.1877
 
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führenden wie mit der allgemeinen Sicherheit und der Wohlfahrt der übrigen Nationen vereinbar seien, ist sogar geeignet, der Hoffnung auf einen baldigen Friedensschluß neue Nahrung zu geben.

Oesterreich.

Wien, 17. August. DerPolit. Corresp." sind folgende telegraphische Meldungen zugegangen: Belgrad. Die Differenzen innerhalb des Cabinett wurden durch das strenge Verfahren gegen die Opposition, namentlich bei Ge­legenheit der Unruhen zu Jagodina, und durch tue Pensionirung von conseroa- tiven höheren Iustizbeamten veranlaßt. DiePolit. Corresp." bemerkt hierbei: Nach einer anderen sehr glaubwürdigen Mittheilung hätte es sich thatsächlich um die Frage der Theilnahme Serbiens am Kriege gehandelt, mit welcher die Minister Mihailovic und Gruitsch nicht einverstanden gewesen seien. Letzterer scheine sich dem Ginflusse von Ristic gefügt zu haben; Mihailovic sei nach Marienbad abgereist. Cettinje: Es heißt, zwischen dem albanesischen Stamm Debrani und den Türken in Skutari sei es zu ernsten Reibungen und am 5. bereits zu blutigem Kampf gekommen, wobei es auf beiden Seiten zu­sammen 75 Tobte und zahlreiche Verwundete gab. Am 10. d. wurde ein tür­kischer Vorstoß von Podgoritza gegen Doijane durch den Stamm der Cucci zurückgewiesen.

DiePresse" enthält folgende Nachrichten: Belgrad. Die soeben stattgehabte Ministerkrisis ist ohne Einfluß auf die serbische Politik; von einer bevorstehenden Action ist keine Rede; immerhin will man aber für eine enb scheidende Wendung auf dem Kriegsschauplatz vorbereitet sein. Konstantino­pel. Das ägyptische Corps, welches bis Küstendsche vorrückte, hat Befehl erhalten, Medschidje zu nehmen und zu befestigen, sowie die russische Position bei Tschernawoda zu recognosciren.

Wien, 18. August. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 18. d.: General Gurko äußerte sich dahin, daß die Positionen der Russen von der Donau bis zum Schipka-Paß so stark seien, daß die Türken einen Angriff uicht wagen würden. Beide Armeen verschanzten sich fortwährend, die Türken hätten sich namentlich bei Plewna stark befestigt. Doch sei die Lage Osman Pascha's eine schwierige, da die zahlreiche Kavallerie der gegen ihn stehenden 80,000 Rusten seine Verbindung mit Sofia vollständig unterbreche und Muni­tion- und Lebensmittel-Convois abfange. Die Verpflegung seiner Truppen sei daher sehr erschwert. Die Russen würden die Operationen vor dem Eintreffen der ganzen kaiserlichen Garde nicht ausnehmen, was eine Pause von zwei bis drei Wochen gewärtigen laste. Die Russen hätten keineswegs die Dobrudscha geräumt, im Gegentheil werde das Corps des Generals Zimmermann fortwäh­rend verstärkt und sei im Begriffe, wieder die Offensive zu ergreifen.

Dänemark.

Kopenhagen, 17. August. Der Pfarrer Holin aus Jütland, welcher angeklagt war, bei Verkündigung des provisorischen Finanzgesetzes die Kanzel zu majestätsbeleidigenden Aeußerungen mißbraucht zu haben, wurde heute vom Probsteigericht zur Amtsentsetzung und acht Monat Arbeitshausstrafe, sowie in die Kosten des Procestes verurtheilt.

Arankreich.

Paris, 17. August. In einer Unterredung mit einem Redacteur des Temps" sprach Midhat Pascha die Hoffnung aus, daß der Krieg in Folge diplomatischer Intervention vielleicht schon Ende Herbst oder im Laufe des Winters sein Ende finden werde. Midhat erwähnte ferner der durch die gegen­wärtige Vertheilung der türkischen Streitkräfte geschaffenen günstigen Lage und gab seiner Meinung Ausdruck, die Tactik der türkischen Armee werde eher in der Defensive bestehen, um dadurch den Krieg in die Länge zu ziehen. Europa leide unter dem Kriege und werde auf die Dauer eine Lage nicht ertragen, welche alle Mächte, einschließlich der Kriegführenden, das größte Interesse hätten, bald aufhören zu sehen.

Paris, 17. August, Abends. Auf Wunsch des Herzogs v. Broglie wird dem Vernehmen nach der Minister des Innern, Fourtou, die Dauer seiner Ab­wesenheit verkürzen und wahrscheinlich schon morgen hierher zurückkehren. Man bringt dies in Verbindung mit Schwierigkeiten der inneren Lage und ernsten Entschließungen, die sich auf den Verlaus der Reise des Marschall-Präsidenten beziehen. In Negierungskreisen ist man mit dem Erfolg dieser Reise wenig zufrieden.

Türkei.

Konstantinopel, 17. August. Sämmtliche Vulgaren, welche bisher bei der Administration in Konstantinopel oder der Provinz Vertrauensposten be­kleideten, sind von der Regierung entlasten worden.

Serbien.

Belgrad, 18. August. Durch Ukas des Fürsten wird dem seitherigen Minister der öffentlichen Arbeiten, Stewtscha Mihailowitsch, aus Gesundheits- Rücksichten Urlaub aus unbestimmte Zeit bewilligt.

Amerika.

New-Nork, 18. August. Der Schatzsecretär Sherman hielt in Mans­field (Ohio) eine Rede, worin er die Hoffnung aussprach, die gesummte ameri­kanische Staatsschuld in 4procentigen Obligationen umwandeln und binnen Jahresfrist die Metallzahlung wieder aufnehmen zu können.

Der orientalische Krieg.

Wien, 17. August. DieNeue Fr. Pr." meldet aus Sistowa vom 15. August: Eine russische Division ist eiligst nach dem Centrum vorgeschoben werden, welches durch Suleiman Pascha ernstlich bedroht ist. Letzterer hat am 13. August seinen Vormarsch wieder ausgenommen, nachdem er Elena und Debrowa batte in Vertheidigungs-Zustand setzen lasten. Seine Avantgarde hat Fühlung mit der russischen Cavallerie. Seitens der dritten rumänischen Division wurde die Donau noch nicht überschritten. Die Verhandlungen zwischen der rumänischen Regierung und Rußland sind noch nicht beendigt. In russischen Kreisen zieht man die Möglichkeit einer Ueberwinteruug aus rumänischem Boden in Betracht. Der Nachricht von dem Eintritt Serbiens in die Action wird hier kein Glauben geschenkt.

Konstantinopel, 17. August. Dem Vernehmen nach soll Suleiman Pascha auf Timowa marschiren und Mehemed Ali Pascha gleichfalls die Offensive ergreifen. Rustschuk wird von den Rusten bombardirt.

Bukarest, 17. August. General Gurko, der seine Truppen in vortreff­lichen Positionen zurückzelaffen hat, ist in Begleitung des Obersten Kubanoff hier angekommen und reist heute nach Petersburg weiter, um das Commando der kaiserlichen Garde zu übernehmen. Minister-Präsident Bratiano ist in das kaiserliche Hauptquartier abgereist.

Petersburg, 18. August. Officiell. Gomi Studen, 17. Aug. Zwi­schen Rustschuk und Giurgewo hat am 15. d. ein Artillerie-Kampf stattgefunden. Derselbe endete dadurch, daß die russischen Batterien die türkischen zum Schwei­gen brachten. Der Verlust der Rusten bezifferte sich auf einen tobten und zwei verwundete Artilleristen. Am 16. d. begannen die Türken auf dem rechten Donau-Ufer die russischen Vorposten vor Dolno zurückzudrängen, wurden aber um 11 Uhr Morgens durch herbeigekommene drei Compagnien Infanterie und zwei Geschütze zurückgedrängt. Später rückte türkische Kavallerie und Artillerie gegen Bafardow und Kadikoi und gegen die linke Seite der russischen Stellung vier Bataillone vor. Der dabei entstandene Schußwechsel hörte gegen 3 Uhr Nachmittags auf. Die Türken zogen sich gen Rustschuk zurück. Oberst Chrest- schutizky verfolgte dieselben mit zwei Sotnien bis Tscherwenado und Jeni-Emil und verdrängte von dort die Baschi-Bozuks und Tscherkesten. Auf russischer Seite wurden zwei Mann leicht verwundet. Vier auf der Straße nach Osman- Bazar von Kejarewo gegen Dimickici recognoscirende russische Compagnien ent­deckten daselbst überwiegende türkische Kräfte und kehrten hierauf nach Kesarewo zurück. Ihr Verlust betrug an Todten und Verwundeten 1 Officier und 30 Soldaten. Im Balkan haben die Türken den Hainkioipaß angegriffen, wur­den indeß durch das Jeletzische Regiment zurückgeworsen.

Konstantinopel, 18. August. Die Rusten halten den Schipka-Paß noch besetzt. DerPhare de Bosphore" verlangt die Ausweisung der rusfi- schen Mönche vom Berge Athos und die.Zurückstellung der Klöster an die Griechen.

Edhem Pascha versprach dem englischen Botschafter, Layard, die von den Kriegsgerichten über Bulgaren und Rumänin verhängten Strafen nicht ausführen zu lasten, bevor nicht nach Konstantinopel Bericht erstattet worden sei. In Salonichi wurde der BelagerungS-Zustand proclamirt. Aus Erze« rum wird gemeldet, daß Ismael Pascha, welcher Verstärkungen erhalten hat, den Vormarsch auf russischem Gebiete sortsetzen wird. Poti ist von türki­schen Truppen vollkommen verlaffen. Hobart Pascha ist heute nach Sinope abgegangen.

Lokal-Notiz.

Gießen, 20. August. Wir lassen nachstehend bc8 Protocoll der Stadtverordneten- Sitzung vom 9. August 1877 folgen:

1. Nachdem die in der vorigen Sitzung angeordnete Prüfung deS Voranschlag« der eoang Kirche Gietzen für 1878 durch die Bau- und Ftnanzdeputation ftattgefunden, wurde derselbe heute mit folgenden Aenderungen gut geheißen nämlich:

a) die unter Rubr. 52 für Pfarrhäuser ohne speciellen Koftenooranschlag einge­stellten 1100 X sollen abgesetzt, dagegen soll der auf noch zu fertigende Kostenberechnung festzustelleiide und von dem Stadtoorstand zu genebmenbe Betrag in da« städtische Bud­get für 1878 ausgenommen und dem Kirchenvorstand zu den baulichen Veränderungen rc. zur Verfügung gestellt werden.

b) die unter Rubr. 55 mit 1000 vorgesehene neue Einrichtung der vier Glocken nach dem System des Herrn Baurath Ritter in Trier, welche den Zweck eines leich teren Läutens hat, soll vorerst auf die zwei größten Glocken beschränkt werden, so daß sich der Ansatz um 300 JL ermäßigt-

2. Der hiesigen Handwerkerschule wurde für die SonntagSzeichnenschule da« östliche Thorhaus am Neuenweg widerruflich eingeräumt und sollen die nöthigen Aus­besserungen der Fenster sowie des Anstrichs auf Kosten der Stadt hergestellt werden. Die Heizung, Bedienung rc. in demselben fei dem Lokal-Gewerbeverein zu Überlassen.

i. DaS Gesuch des Herrn Schreinermeisters Christoph Weiß um Erlaubnitz zum Ueberfabren der Schoor vor seinem Hause wurde abgeschlagen.

4 D-m Gesuche des Herrn Theodor Lony um Erlaubniß zur Aufführung eines Holzbaues an Stelle des niederzulegenden hinteren Theiles feine« Wohnhauses an der Reichensand-Bahnhofsstraße soll stattgegeben werden, wenn derselbe feinen Neu­bau in 11V4 Meter breiter paralleler Entfernung vom gegenüberstehenden Geißler'schen Hause aufführt.

5. Wegen eines wiederholten Gesuch« von Kaminfeger Karl Zwelch in Be­treff des Verbauens eines zwischen seinem Hause und dir Kaplansgasse gelegenen kleinen Plätzchens wurde beschlossen, bei dem Beschlüsse vom 7. Juni c. zu beharren.

6. Ein Gesuch des Herrn Andreas Euler wegen Erbauung einer Werkftätte bei seiner, ehemals Brau n'schen Besitzung in der Neustadt, sowie ein Bauoeränderung«' gesuch deS Herrn Christian Haubach, wurden nicht beanstandet.

7 Als Festplatz zur Feier des 2. September 1877 wurde der Philolophenwald genehmigt und toll das erforderliche Holz zur Herrichtung der Spielplätze für die Kin­der, aus bem Stadtwald geliefert werden.

8. Dem Pächter des Steinbruchs im Hangelstein wurde die Anlage desselben nach seinen Vorschlägen genehmigt.

9 ftür 180 <>tL Kosten der Erdauffüllung am Leufertsröderweg wurde der er­forderliche Credit bewilligt-

Vermischtes.

Ludwigshafen, 17. August. In gestriger Polizei-Gericht«-Sitzung wurde der Weinhändler Ludwig Brunn zu 150 JL Geldbuße, eventuell 42 Tagen Haft ver­urteilt und zugleich die Vernichtung von etwa neun Fuder.Kunst-Wein-, die bei ihm mit Beschlag belegt worden waren, verfügt- Es ist das die höchste Strafe, auf welche nach Lage der Sache und unserer gegenwärtigen Gesetzgebung erkannt werden konnte- (Pf- Kur.)

Kassel. Der Maschinenfabrikant S hier machte am 9. d. in Gegenwart deS Kaufmanns R- und seines Technikers die Probe mit seinem von ihm erfundenen neuen Mechanismus zur Fortbewegung von Schiffen auf dem Wasser, und hatte zu diesem Zwecke einen kleinen Kahn konstruirt, auf welchem an der Fulda experiment wurde. Ein mit Wasser gefülltes, an beiden Enden verlöthetes Rohr von 25 Cm-Länge und 5 Cm. Durchmester wurde überhitzt, explodirte und flog dem Techniker in den Unterleib. Die Verletzung war durch Verbrühung der Eingeweide und Zerreißen der Blase eine lebens­gefährliche und ist der junge Mann in der vergangenen Nacht von seinen unsäglichen Leiden durch den Tod erlöst worden. Wie er selbst noch vor feinem Ende ausdrücklich konstatirte, trifft ihn die Schuld ganz allein, da er die ernstlichen Warnungen der anderen Herren, wegen der möglichen Explosion seinen Standpunkt zu verbessern, nicht beachtete.

lieber die analisatioUer Lahn

sagt der Bericht der Handelskammer in Limburg: Das Wiederaufblühen der Eisenindustrie an Lahn, Untertiteln und Ruhr soweit letztere Werke ihre Eisenerze und Kalksteine von der Lahn beziehen und somit auch der Bergbau in dem Lahngau ist durch Hebung der Lahnschifffahrt, resp. Canalisiruug der Lahn bedingt.

Die bisher aus Verbesserung des Fahrwasiers der Lahn verwendeten Summen entbehrten eines umfassenden einheitlichen Planes, bezweckten in den betreffenden Fällen, immer bloS die Beseitigung eine« augenblicklichen erkannten Mißstandes.

Stellenweise würde daS Waffer der Labn wahrend des ganzen Jahres, abgesehen von 1 Frost und Eisgang, für Schiffe mit größerer Tragfähigkeit die Schifffahrt gestatten; allein die