Wien, 16. September. Ein officielles Telegramm der „Polit. Corresp."! aus Bukarest vom 15. d. meldet: Nach dem letzten Kampfe bei Plewna hißten die Rumänen die Parlamentär-Flagge auf und entsandten Abtheilungen auf das Schlachtfeld, um ihre (Sefalkuen aufzulesen. Die Türken schoflen jedoch auf bie Sanitäts-Officiere und tövieten zwei derselben. — Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad vom 15. d.: Nach officieller Versicherung erhielt der serbische Agent in Konstantinopel bis jetzt keinen Auftrag, die diplomatischen Be Ziehungen abzubrechen. Derselbe bleibt bis auf Weiteres in Konstantinopel. — Auf eine Reclamation von serbischer Seite in Koiistankinopel räumten die Türken das von ihnen besetzte Bujuklijaga. — Sämmtliche Truppen aus dem Lager von Topschider sind nach der Grenze abmarschirt. — Dieselbe Corre- spondenz veröffentlicht den Wortlaut der griechischen Note vom 4. d., welche die Note Lord Derby's beantwortete.
Petersburg, 16. September. Telegramm des Großfürsten Nicolaus aus Poradim vom 15. d.: Gestern besichtigte ich den ganzen Taz die Positionen, wählte neue Stellungen für die Batterien aus und recoznoscirte die Dispositionen des Feindes, fand daher keine Zeit, zu telegraphiren. Am 13. d. den ganzen Tag und am 14. bis Abends 6 Uhr beschossen unsere Batterien Plewna. Die Türken erwiderten das Feuer nicht; sie scheinen die Munition für beu Fall einer Wieberholung bes Sturmes zu sparen. Am 14. d., Abends, eröffneten bie Türken ein heftiges Feuer gegen die Grivica - Redoute, griffen dieselbe später an, wurden jedoch unter Mitwirkung unserer und der rumänischen Reserve zurückgeworsen. Die ganze Affaire dauerte 31/* Stunden. Heute fahren wir fort, bie feinblichen Befestigungen zu beschießen. Die Stadt brennt. — Nachrichten vom 14. b., Abends, zufolge passirten seit dem 7. d. bie verschiedenen Verband-Plätze 239 verwundete Officiere, 9482 Soldaten; tobt sind gegen 3000; es ist noch nicht mögl.ch, die ßatyl derselben genau anzugeben. Der Gesammt-Verlust beträgt gegen 3000 Officiere und 12,500 Soldaten. Die Rumänen verloren bis zum 14. d., Morgens, gegen 60 Officiere und 3000 Soldaten tobt und verwundet. Die Stimmung unserer und der rumänischen Truppen ist ausgezeichnet. Die jungen rumänischen Truppen kämpfen vortrefflich. — Auf den übrigen Punkten des Kriegsschauplatzes ist Alles, ivie früher, ruhig.
Cattaro, 16. September. In der verfloflenen Nacht umzingelten einige Tausend Montenegriner Bilek, Gubowir und Korjenic und forderten diese Ortschaften zur Uebergabe binnen 24 Stunden auf.
Konstantinopel, 16. September. Bei dem Kampfe am Freitag bei Sinan wurde das uns angreifende zwölfte russische Corps mit großen Verlusten zurückgeworfen. — Eine russische Recognoscirungs Abtheilung wurde bei Osman- Bazar neuerlich zurückgewiesen. Ein tscherkessisches Recognoscirungs-Detachement batte nach einem Telegramm aus RystfHuk einen Zusammenstoß mit den Ruflen bei Pyrgos, wobei letztere 200 Mäim an Tobten verloren.
— Der Großvezir theilte bcm britischen Botschafter Layarb mit, baß Osman Pascha gestern bie Ruflen geschlagen habe. Dieselben sollen 8000 Tobte unb Verwunbete, mehrere Kanonen und Munition verloren haben. Der Kamps bauere fort.
Paris, 16. September. Die „Agence Havas" inelbet: Die Montenegriner bombarbiren Bllek.
Petersburg, 16. Sept., Abenbs. Osficiell. Karajal, 16. Sept. Am 13. b. recoznoscirte Generalmajor Lous-Melckoff mit brei Bataillonen Infanterie, vier Schwadronen unb sieben Sotnien Reiterei unb zwölf Geschützen, um den rechten Flügel von Mukhtar Pascha's Position eingehend zu besichtigen. In der Nacht ausrückend, besetzten unsere Truppen bei Tages-Anbruch einen Theil des Berges Aladscha, wobei sie auch eine« Theil des über den Bergrücken führenden Weges besichtigten. Diese Bewegung rief fast im ganzen, feindlichen Lager große Aufregung hervor. Ungeachtet des starken Artillerie- und G^wehrfeuers des Gegners verloren wir beim Rückmarsch blos einen Todten und 23 Verwundete. Der Feind hatte allein gegen 85 Verwundete. — Im Terek-Gebiete beschränken sich unsere Truppen auf Operationen gegen die zurückgebliebenen unb am meisten hartnäckigen Auf ständischen.
Petersburg, 16. September, Abends. Osficiell. Porabim, 15. Sept. Am 13. b. stellten die Türken an die Mitte bes Abhanges bes Nikolaibergs nach dem Dorfe Sckipka hin 3 achtzigpfündize Mörser aus unb bombarbirien bie ganze Nacht ben Nikolaiberg. Unser Verlust betrug am 13. b. 38 Mann. Ein Ariillerie-Stabscapitäu blieb tobt. Am 14. b. belief sich unser Verlust aus 117 Mann. Poradim, 16. Sept. Die Beschießung Plewna's dauerte gestern den ganzen Tag. Die Türken erwiderten das Feuer beinahe gar nicht. — Dem Fürsten Karl von Rumänien wurde der Georgsordeu dritter Clafle, dem General Cernat der Georgsordeu vierter Clafle verliehen. General Dragomiroff, Fürst Jmeretinsky und General Skobeloff wurden zu General-LieutenantS ernannt.
Konstantinopel, 16. September. Osman Pascha meldet Folgendes: Die Ruflen, weiche die Redouten östlich von Plewna occupirt hatten, wurden von den Türken wieder verdrängt und zogen sich in Unordnung zurück; sie verloren 8000 Todte unb Verwundete. Drei Geschütze und große Masten Munition fielen den Türken in die Hände. Somit sind die Rusten bei ihren Angriffen auf Plewna vollständig geschlagen^ ihre Artillerie richtet gegenwärtig nur noch ein sehr schwaches Feuer auf die Lstadt. — Ein Telegramm Suleiman Pascha's berichtet^Dic türkische Artillerie hat an den Befestigungen des Schtpka-Pastes großen Schaden angerichtet.
Konstantinopel, 17 September. Informationen aus verschiedenen Quellen bestätig.n bie Richtigkeit der Melbnng über die Erfolge Osman Pascha's bei Plewna. — Ein officielles Telegramm aus Schipka vom heutigen Tage meldet, daß Suleiman Pascha sich der befestigten Position Sveti Nicolai im Schipka-Passe bemächtigt hat.
— Eine Depesche Mehemed Ali Pascha's vom 15. September meldet: Astaf Pascha, der jim Donnerstag mit 12 Bataillonen aus Kischlowa vor- marschirt war und Sinankiöi besetzt hatte, wurde am Freitag vom 12. russischen Eorps, welches 32 Bataillone Infanterie, 2 Cavallerie-Regimenter unb 64 Gesetze stark war, angegriffen Nachdem von Kischlowa her 6 Bataillone zur Unterstützung gesendet waren, wurden die Rusten mit großen Verlusten zurück- g«-'schlagen und bis Banikalom verfolgt. — Nach einem weiteren Telegramm Osman Pascha's wird der Verlust der acht russischen Colonneu, deren Angriff auf Plewna zurückgeschlagen wurde, auf 15,000 Mann geschätzt.
Lokal-Notiz.
Gießen, 18. Sept- Wir lassen nachstehend das Protocoll der Stadtoerordnsten- Sitzung vo.-ir 6 September 1877 folgen:
1. Auf der Strecke von der Loge nach Wenzel's Garten hin ist die Slcaßen- beleuchlung für mchl ausreichend erkannt worden und es ist deshalb nach dem Antrag der Baudeputalion die Aufstellung von 2 weiteren Laternen beschlossen worden.
2 Die Baugesuch- der Herren Wilhelm Steinbach, Wilhelm Schäfer, Kaspar Scho mb er und Gg. Unverzagt sollen, nachdem die oorgelegten Pläne geprüft und daran nichts za beanstanden war, befürwortet werden.
3. Wegen des Ablebens Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwig HI. ist auch m der kath. Kirche das Trauerqeläute besorgt worden und die dadurch entstandenen Kosten sind aus die Stadtkaste übernommen worden.
4. Bei der demnächst nöthig werdenden Verbreiterung des Asterwegs nach Maßgabe des neuen Stadtbauplans ist auch ein Streifen Gebäude der Herrn Hartmann Euler s Erben zu verwenden. Auf eine von besagten Erben jetzt schon gemachte Offerte konnte die ^tadloerordnelen-V-rsammlung wegen des für die ganze Besitzung gestellten Preises nicht eingehen, weil die etabt, sobald das Bedürfniß der Verbreiterung ein- tritt nur das hierzu erforderliche Gelände zu erwerben beabsichtigt.
5. Zur Anweisung verschiedener Rechnungen über aus der Hand vergebene Arbeiten wurde Ermächtigung ertheilt.
6. Dem Herrn Occonomen Friedrich Kempff wurde auf sein Nachsuchen die Verrichtung einer Ueberbrückung nach seinem Acker am Krosdorfer Weg und die Abhebung eines Rains vor seinem Grundstück am Wartweg unter der Bedingung gebattet, daß alle hierbei nöthig werdenden Arbeiten nur unter Aufsicht des Stadtbaumeisters ausgefüort werden dürfen.
7. Für die Polizeiwachstude wurde die Anschaffung der verschiedenen Gegenstände als: 1 Tisch, 1 Schrank, Stühle, Handtücher u. s. w. genehmigt.
8. Durcp die Theilung von 2 Klassen in der Realschule werden noch Schulge- rathe, welche zu 566 JL veranschlagt sind, erforderlich, deren Anschaffung genehmigt wurde. Ebenso ist zur Ausführung der im rechtsseitigen Wachthaus am Neuenweger- lhor erforderlichen und auf 106 jl berechneten Arbeiten Genehmigung erthM worden.
Gießen, 18. Septbr. Die Empfangsparade der Kriegeroereine des hessischen Landesverbands vor Sr. Majestät dem Kaiser, Sonntag den 23. Sept- in Darmstadt, nimmt größere Dimensionen an als Anfangs erwartet und gehofft wurde. Aus unter* r'chteter Quelle geht uns die Mittheilung zu, daß sich bereits am Sonntag 2500 Theil- nehmer angemeldet hatten, welcher Zahl der Darmstädter Verein mit 400 Mann hinzu- tritt. Inzwischen sind noch weitere Meldungen eingegangen, so daß nahezu 4000 Mann in Parade stehen werden. Die Bemühungen, für den hiesigen Verein in Darmstadt gemeinschaftlichen Mittagsti,ch zu beschaffen, haben bis jetzt keinen Erfolg gehabt, da auf alle Schreiben die Antwort einging: „Bedaure sehr, es ist alles bestellt" Es mag dies einen Begriff von der Menschenmasse geben, welche am „Kaisertag" in Darmstadt zusammenströmen wird.
Vermischte-.
** Lauterbach, 17. Sept. Nächsten Samstag den 22. d. M- wird die von dem oberhessischen Gartenbauverein veranlaßte Obst., Gemüse- unb Blumen-Ausstellung in ben freundlichen Raumen des hiesigen Casinogebäudes, welche der Vorstand der Casino Gesellschaft zu diesem Zweck bereitwillig zur Verfügung gestellt hat, eröffnet werden.
Obgleich die Zeit zur Anmeldung der auszustellenden Gegenstände bereits m 1' *° glauben wir doch, daß das Ausstellungs-Comitö Anmeldungen, welche ohneVerzug gemacht werden, noch berücksichtigen wird. Wir möchten daher denjenigen, welche sich noch an der Ausstellung betheiligen wollen, empfehlen, nicht länger damit zu säumen.
Indem wir aufrichtig wünschen, daß das Unternehmen seinen Zweck vollständig erreichen möge, hegen wir die Ueberzeugung, daß von Seiten des Comit^'S alles Mögliche aufgeboten werden wird, die Besucher der Ausstellung zu befriedigen.
... Darmftadt, 15. Sept- Bei Wahlen entscheidet oft nur eine Stimme, daS hat sich auch gestern wieder deutlich gezeigt. In einem Revier war ein aufgestellter Can- öib«t zugleich im Amt als Wahlcommissar, was wohl besser abgelehnt worben wäre; da kommt em Wähler ohne feinen Steuerzettel (!) und wird zurückgewiesen, um den- felben erst zu holen — das thut derselbe denn ganz zornentbrannt und legt dann den Wahlzettel in die Urne, auf dem natürlich der Wahlkommiflär nicht stand! DaS war die 41te Stimme! Schade!
— Wie man hört sollen die beiden Großb. Dragoner-Regimenter Nr. 23 und 24 in der Folge statt der seitberigen dunkelgrünen Waffenröcke hellblaue Waffenröcke, gleich den übrigen Dragoner-Regimentern der deutschen Armee tragen. DaS 1. Großh. Dva- goner-Regiment Nr. 23 soll schon im k. Jahre damit den Anfang machen, während die vorhandenen Bestände von dem anderen Regimente aufzutragen sind.
. , Darmftadt, 14. Septbr. Die Großh. Bürgermeisterei Darmstadt hat heute folgende Zuschrift an die hiesigen Blätter gelangen lassen:
, »Vielfachen Nachfragen bezüglich des Programms für die Kaiferempfangsfeier- uchkeiten gegenüber machen wir darauf äufmcrfiam, daß die eigentliche Feststellung eines solchen erst nach dem 16. Septbr. stattfinden kann, weil an diesem Tage bei Ge legenheit der Durchfahrt Seiner Majestät mit der Main-Neckarbahn erst die Entgegennahme Allerhöchster Intentionen bewirkt werden kann. In verschiedenen Blättern ist die Nawrichl verbreitet, daß die Empfangsfeier lediglich einen militärischen Charakter habe. Indem ist Dies nicht so. Nach der Ankunft Sr. Majestät am 23. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr 25 Min., werden Allerhöchst dieselben bei dem Heraustreten aus dem Bahnhof durch den Stadtoorftand begrüßt werden, dann nach Entgegennahme eines Bouquets die aufgestellten Kriegeroereine abgeben und dann in langsamer Fahrt durch die mit Schulkindern und Vereinen bestellte Rheinstraße ins Schloß fahren, um °?n_ bj' gegen 6 Uhr einen Besuch im Gr. Palais am Wilhelminenplatz abzuftatten. Des Abends nach dem Theater wird großer Zapfenstreich auf dein mit großen Gaspyramiden erleuchteten Paradeplatz stattsinden, wobei besonderer Werth auf die Huldigung und resp. Betheiligung der Vereine und (Korporationen gelegt werden dürfte "
v Ul ß' 11 ^epl. Die Norddeutsche Affinerie (Silber-Schmelze), welche von der MÜHlensttaße, dem neuen Steinweg und der ersten Elbstraße begrenzt wird und mit ihren Gebäuden das zwischen den genannten Straßen belegene Terrain bedeckt, ist in der vergangenen Nacht ein Raub der Flammen geworden. Vier Dampfspritzen waren in Thätigkeit und richteten ihr Augenmerk vorzüglich darauf, daS Feuer auf seinen eigenen Herd zu beschränken und die anliegenden Gebäude zu schützen. Diese Absicht wurde auch erreicht. Der Haupt-Schornstein ist als gut erhalten befunden worden, und es scheint, daß auch zwei der vorhandenen Oefen nicht gelitten haben. Die ^lektrolittschen Apparate dürften in kurzer Zeit wieder in Ordnung zu bringen sein. Von den in den Gebäuden lagernden Chemikalien, die den Flammen reichliche Nahrung boten, explodirten viele, und die Hitze war so intensiv, daß nicht nur die Fenster der benachbarten Häuser sprangen, sondern daß diese letzteren selbst große Risse aufzu- weisen haben. Das Feuer soll auf dem Trockenboden aus unbekannter Urfache ent- standen sein und hat sich von dort mit rufender Schnelligkeit fämmtlichen Gebäuden mitgethetlt. Durch die Zerstörung der Affinerie sind für den Augenblick etwa 180 Ar- better brodlos geworden. Versichert ist die Affinerie bei 29 verfchiedenen meist englischen Compagnien im Gesammt-Betrage von 4i/2 Millionen Mark.
ui 77 $n America wird das .Hängen" in der Regel so ungeschickt gehandhabt, daß die Delinquenten oft eines langsamen und qualvollen Todes sterben. Ein Mörder, Namens Guidry, der in New-OrleanS am 25. Juli gehenkt wurde, war indeß glück- lich genug, augenblicklich zu sterben in Folge des Umstandes, daß er die Anordnungen für feine Hinrichtung persönlich beaufsichtigte. Als Guidry, der ein merkwürdig intelligenter Mörder war, das Schaffst bestieg, besichtigte er sofort den Strick, mit roeb a»em er gehenkt Werden sollte, und fand, daß er nicht lang genug sei. .Der Fall" — tagte er zu dem Sheriff — .wird nicht genügen. Ich wünsche einen gehörigen .hals- brechenden Fall, von etwa zehn Fuß liefe." Der Sheriff that sofort die nöthigen Lchritie, um diesem Gesuche zu willfahren und der Strick wurde demgemäß verlängert
Delinquenten um den Hals gelegt. Guidry machte sodann nach einigen spöttischen Bemerkungen darüber, daß man in America nicht einmal zu henken verstehe, den Sheriff darauf aufmerksam, daß der Strick zu dicht zusammengezogen und der Knoten an der unrechten Stelle sei. Der Sheriff traf die nöthigen Abänderungen und zog bann dem Delinquenten die Kappe über daS Gesicht. Guidry brach hieraus in ein
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