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Mittwoch, den 19. September

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Kictzener MWger

Adrige- uni AMME für in Kreis Gießen.

Erscheint mit Ausnahme deS DLontagL».

Er-O-Uionr Schulstraße, SU. B. Nr. 18.

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Deutschland.

Berlin, 15. September. Gegenüber den Meldungen ausländischer Blätter über angebliche Einflüffe der deutschen Regierung bei dem Eintritte Rumäniens und Serbiens in die Action wird dieNat.-Ztg." in die Lage ver­setzt, mitzutheilen, daß alle derartigen Unterstellungen durchaus und in jeder Beziehung unrichtig seien. Tie deutsche Regierung habe sich zu keinerlei Beein­flussung, weder in Rumänien noch in Serbien, im Sinne der neuesten Entschlüsie dieser Staaten herbeigelasien und stehe den Schritten dieser Staaten wie allen Verhandlungen, die etwa darüber gepflogen worden, absolut unbetheiligt gegenüber.

Berlin, 14. September. Nach einer Bekanntmachung des kaiserlichen Patentamtes ist bei Einreichung von Patentgesuchen auf Hand- und Faustfeuer­waffen (Gewehre, Flinten, Karabiner, Pistolen, Revolver) außer den bestim­mungsgemäß erforderlichen Beschreibungen und Zeichnungen stets ein Modell oder eine wirkliche Ausführung des zur Patentirung vorgelegteu Gegenstandes dem kaiserlichen Patentamte etnzusenden. Im Falle der Ertheilung des Patents wird das Modell oder Probestück nicht zurückgegeben.

Im Reichskanzler-Amt werden die legislatorischen Ausgaben: Gewerbe- Ordnung, Unterstützungs-Wohnsitz u. s. w. in nächster Zeit weiter bearbeitet Und da der Präsident Hofmann im Laufe der Woche gleichfalls zurückkehrt, wird diese Tbätigkeit natürlich noch gesteigert werden. Definitive Entschließun­gen werden selbstverständlich nur unter Mitwirkung des Reichskanzlers gefaßt werden.

Die telegraphische Verbindung Europas mit Ostasien hat durch Legung eines neuen Kabels Aden - Bombay in diesem Jahre eine weitere Sicherung er­fahren. Auch zwischen Rangan und Penang ist ein neues Kabel gelegt worden, und die Legung eines zweiten von Singapore nach Port Darwin (Nord-Austra­lien) soll bevorstehen.

Für die in den ersten Novembertagen hier zusammentretende Com­mission zum Zweck der Bearbeitung eines Gesetzes gegen die Verfälschung der Nahrungsmittel sind folgende technische Mitglieder berufen worden: Geh. Regie­rungsrath Professor Hofmann, Berlin; Geh. Hofrath Professor Fresenius aus Wiesbaden; Geh. Sanikätsrath Dr. Varrentrapp aus Frankfurt a. M.; Pro- seffor Dr. Knapp vom Polytechnikum in Braunschweig. Im Reichs-Gesundheits- Amt wird ein erster Entwurf ausgearbeitet, an dessen Hand diese Commission berathen soll; sobald dieselbe zu einem Resultat gelangt ist, werden durch das Reichs-Jnstizamt berufene Justiz- und Verwaltungs-Beamten hinzutreten, um den Entwurf für den Bundesrath fertig zu stellen. Der öffentlich ausgespro­chene Wunsch des Directors des Reichs-Gesundheits-Amts um Zusendung von Material über die bezüglich der Nahrungsmittel-Verfälschung gemachten Wahr­nehmungen bezw. Vorschläge zur Abhülse hat bisher, wie dieNat.-Ztg." mel­det, nicht in dem erweiterten Umfange Erfüllung gefunden. Einsendungen von Behörden und Instituten aus allen Theilen des Reichs lasten noch immer auf sich warten Es ist dies um so mehr auffällig, als die Klage über verfälschte Nahrungsmittel allgemein verbreitet und überall gleich lebhaft ist.

Rlüdesheim, 16. September. Die Feier der Grundsteinlegung des National-Denkmale auf dem Niederwald fand heute bei günstigem Wetter statt. Die Betheiligung der Bevölkerung an der Feier war enoirfi und waren nicht allein der Festplatz selbst, sondern auch alle umliegenden Höhen, welche die Aussicht nach dem Denkmalsplatz gewähren, mit einer nach Tausenden zählen­den Menschenmenge bedeckt. Der Kaiser und die Kaiserin, von dem Publikum enthusiastisch begrüßt, trafen etwa um 12 Uhr auf dem Bahnhofe in Aßmanns Hausen, wo die Spitzen der Behörden versammelt waren, ein und fuhren hierauf, von den anwesenden Fürstlichkeiten begleitet, auf den Niederwald. Bei der Ankunft auf dem Festplatz wurden die Majestäten von dem Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschustes, Ober-Präsidenten Grafen zu Eulenburg und den Mitgliedern des Ausschustes begrüßt und nahmen in einem eigens hierzu errichteten Pavillon Platz. Die Musik intonirte alsdann die National-Hymne, von welcher ein Vers von der ganzen Versammlung mitgesungen wurde. Der Vorsitzende des Ausschustes legte hierauf die Urkunde, welche in den Grundstein versenkt werden soll, den Majestäten zur Vollziehung vor. Nachdem dies ge- schiehen, unterzeichneten die anwesenden Fürstlichkeiten und deren Gefolge, sowie die Ebren-Gäste ebenfalls die Urkunde. Nunmehr erfolgte die Vorstellung der Mitglieder des großen Denkmal-Comit6s und der ausführenden Künstler, der Professoren Schilling und Weißbach aus Dresden. Der Vorsitzende des Aus­schustes hielt die Festrede. In dem Momente, als der Kaiser nach Beendigung derselben die Hammerschläge vollzog, wurden Kanonenschüsse abgefeuert, die Glocken aller umliegenden Ortschaften begannen zu läuten und unter Musik- Begleitung wurde dieWacht am Rhein" gesungen. Nach Schluß der Feier fuhren die Majestäten unter dem ununterbrochenen Jubel-Rufen der Bevölkerung nach Rüdesheim und nahmen daselbst in derRheinhalle" das Dejeuner, woraus deren Abreise nach Karlsruhe (über Frankfurt) etwa um 3 Uhr Nachmittags erfolgte.

vierteljährlich 2 Mark 20 Af. mit Vringerlohru Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Hesterreich.

Wien, 17. September. Hier gehen Gerüchte von einer großen Bewe­gung in Petersburg. Die Regierung habe die ernstesten Maßnahmen getroffen. Auf dem Kriegs-Theater ist die Situation den Türken überaus günstig; Plewna ist gesichert. Die Rusten beabsichtigen, ein Beobachtungs-Corps aufzu­stellen und die Belagerung aufzugeben. Suleiman Pascha bat ausgiebige Er­folge errungen und den Schipka-Paß nabezu genommen. Nach demPestber Lloyd" hat sich in Berlin ein rascher Umschwung zu Gunsten der Mediation vollzogen.

Pestb, 15. September. Im Abgeordnetenhaus? wurden folgende In­terpellationen eingebracht: von Helfy über den Anschluß Oesterreich-Ungarns an die Demonstrationen gegen die türkischen Grausamkeiten, von Apponyi über den Eintritt Serbiens in die Action, von Ernst Simonyi über die Politik der Regierung hinsichtlich des russisch-türkischen Krieges, von Jranyi, ob zwischen Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Rußland ein Bündniß bestehe, von Ludwig Simonyi, ob ein Drei-Kaiser-Bündniß existire oder ob überhaupt bestimmte Abmachungen getroffen worden seien.

Araukreich.

Paris, 15. September. Nach einer den Journalen zugegangenen ofst- ciösen Mittheilung sind die Wahlen zur Deputirten - Kammer definitiv auf den 14. October anberaumt.

Paris, 16. September. Mac Mahon wird morgen Abend nach Paris zurückkebren.

Paris, 17. September. Der Pertheidiger Gambetta's wurde vom Parquet benachrichtigt, daß die weitere Verhandlung gegen Gambetta auf den nächsten Sonnabend anberaumt sei. Das Decret in Betreff der Vornahme der Neuwahlen soll am Mittwoch veröffentlicht werden. Der französische Botschafter in Konstantinopel kehrt Ende der nächsten Woche auf seinen Posten zurück.

Türkei.

Konstantinopel, 15. September. Der ehemalige Großvezir Ruschdt ist ernstlich erkrankt. Nach Meldungen der Journale ließen die am Dienstag bei Plewna im Kampfe zurückgewiesenen Rumänen mehrere Kanonen zurück. Die Straße nach Arhanic soll noch im Besitze Osman Pascha's sein.

Kriechenland.

Athen, 15. September. Admiral Kanaris ist heute Nacht einem Schlaganfall erlegen. Wie verlautet, wird der König und die Königin der Leichenfeier beiwohnen. Die Minister-Krisis ist eine schwierige. Das Mini­sterium bleibt wahrscheinlich provisorisch bis zum Zusammentritt der Kammer, deren schleunige Einberufung bevorstebt, in Activität.

Der orientalische Krieg.

Wien, 15. September. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 15. d.: General Skobeleff verlor, als er am Tage zuvor die eroberte Redoute nach sechs Stürmen aufgeben mußte, die Hälfte seiner Mannschaft und drei Geschütze. Von den Türken bedrängt, verlangte er wiederholt Hülfe, welche ihm aber von dem Souschef des Generalstabs, General Levitzky, verwei­gert wurde. Eine endlich doch abgesandte Verstärkung kam iu spät. Die Haupt-Redoute von Grivica befindet fich in russischen Händen. Die Rumänen, welche sich darin befestigten, haben die Beschießung PlewnaS fortgesetzt. Der Gesammtverlust der Montenegriner in dem letzten Kampfe betrug 1500 Todte und Verwundete.

London, 15. September. DieDaily News" melden aus Bukarest vom 14. d.: Die Türken eroberten in den wieder gewonnenen Positionen zwei Kanonen. General Skobeleff forderte vorgestern mehrmals Verstärkungen. General Levitzky hielt General Skobeleff stark genug und schlug daher dieselben ab. Schließlich sandte General Koiloff auf eigene Verantwortung 1000 Mann. Dieselben trafen jedoch zu spät ein, ebenso ein anderes vom Hauptquartier zu Hülfe gesandtes Regiment. Die Redoute von Grivica befindet sich in russi­schem Besitz.

Konstantinopel, 15. September, Abends. Eine Depesche Mehemed Ali's von heute meldet: Gestern wurden die Ruffen, 22 Bataillone Infanterie, 3 Regimenter Kavallerie und 65 Kanonen stark, geschlagen und nach Sinan zurückgeworfen. Die türkische Colonne bestand nur aus 12 Bataillonen, denen sich sodann 6 andere im Verlause des Kampfes anschloffen.

Suleiman Pascha meldet, daß der Artillerie-Kampf am Schipka-Paffe fortdauere und abermals mehrere russische Batterien zum Schweigen gebracht worden feien. Ein Telegramm Mehemed Ali Pascha's vom Mittwoch meldet: Bei Djuma und in der Umgebung von Osman-Bazar fanden für die Türken günstige Gefechte statt.