Anlqus gegen Mukhtar Pascha's Kavallerie-Lager, metzelten nahezu 60 Mann nieder und erbeuteten mehrere Pferde und Gewehre. Auf dem Rückzug verlockten unsere Freiwilligen die verfolgenden Türken gegen das in einen Hinterhalt gestellte Daghestauische Kavallerie-Regiment, wobei der Feind neue große Verluste erlitt. Auf unserer Seite wurden 11 Milizen und Soldaten verwundet. Bei der Kabulet-Colonne begannen die Türken am 3. d. ein Artillerie- Geplänkel, wobei auf unserer Seite der Commandant des zweiten kaukasischen Schützen Bataillons verwundet wurde.
Konstantinopel, 10. September. Eine Depesche Ali Saib Pascha's vom Donnerstag meldet, daß derselbe gegen die Montenegriner Vortheile errungen habe. — Von dem Kriegsschauplätze um Plewna, um den Schipka-Paß und um Rasgrad ist keinerlei amtliche Depesche veröffentlicht.
Wien, 10. September. Die „Polit. Corresp." berichtet aus Bukarest, 10. Septbr.: Amtlicher Veröffentlichung zufolge wurde vorgestern das Feuer gegen Plewna auf der ganzen Linie eröffnet. Zwölf rumänische Batterien nehmen daran Theil. Die Brigade Alexander Anghelesco bemächtigte sich nach erbittertem Kampfe türkischer Verschanzungen. Die rumänischen Truppen, namentlich die Artillerie und das 13. Dorobanzen-Regiment, zeichneten sich aus, indem sie die Kaltbkütigkeit altgedienter Soldaten zeigten. Dieselben hatten mehrere Todte und 30 Verwundete. Der Kaiser von^Rußland Hai 40 Georgs- Kreuze übersendet für die rumänischen Officiere und Soldaten, welche sich ausgezeichnet haben. Gestern brachte der Kaiser einen Trinkspruch auf die rumänische Armee aus, deren Tapferkeit er rühmend hervorhob. Der Fürst von Rumänien verlieh der Fahne des 13. Dorobanzen-RegimentS das Kreuz des rumänischen Sterns. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Athen vom 10. d.: Der Ministerrath hat in den letzten Tagen über die Vorschläge des russischen Cabinets berathen, welche sich aus ein gemeinsames Vorgehen in der Angelegenheit der Sicherstellung der unter der türkischen Herrschaft lebenden Christen beziehen. Es gilt heute für gewiß, daß zwischen Griechenland und Rußland auf Grundlage bestimmter Ansprüche der griechischen Regierung eine Verständigung erzielt wurde. Eme vor Kurzem der griechischen Regierung überreichte Rote der britischen Regierung beantwortete Minister Trikupis mit einer desgleichen, welche die Politik Griechenlands darlegt.
Petersburg, 10. September. Der „Golos" bringt folgende Depeschen : Jgdyr, 9. Septbr. Am 6. d., Nachts, begannen 200 Kurden, welche, von den Bergen bei Gulüdscha kommend, durch unsere Postenkette gedrungen waren und den Arako überschritten hatten, Plündereien zu verüben, wobei sie zwei Armenier tödteten. Kosaken nahmen den Kurden ihre Beute wieder ab und verfolgten die Räuber. Der russische Verlust betrug: 2 Kosaken tobt, 2 verwundet; die Kurden hatten 16 Todte, 10 wurden gefangen genommen. — Aus Karajal, 9. Septbr.: Wie General Tergukasoff telegraphisch meldet, erschien in der Nacht vom 6. auf den 7. Septbr. zwischen den Dörfern Kügüluk und Gulüdscha eine 200 Mann starke Bande türkischer Räuber, welche den Fluß überschritt und das Dorf Sardassaban überfiel. Hier wurden 27 unbewaffnete Armenier von ihnen gelobtet, barunter 2 nach qualvollen Martern, sowie 2 Knaben von 7 unb 12 Jahren verwundet. Judeß nahten 50 Tama- nier heran, welche jene Bande überfielen unb zur Flucht zwangen. Bei ihrem Rückzug würbe dieselbe von zwei Sotnien Kosaken angegriffen unb verfolgt, dabei ein türkischer Officier unb 3 Baschi Bozuks getöbtet unb 10 als Ver- wunbete gefangen genommen Alles von ihnen Erbeutete wurde den Räubern wieder abgenommen. Auf russischer Sette blieben 2 Kosaken tobt, 2 trugen Wunben bavon.
Konstantinopel, 10. September. Die türkischen Truppen an ber Grenze von Serbien haben Befehl, sich bereit zu halten, um im Falle ber Theilnahrne Serbiens am Kriege sofort in bieses Lanb einzurücken.
Wien, 11. September. Das „Tageblatt" melbet aus Schumla vom 10 b. : Die türkischen Offensiv-Bewegungeu sinb vorläufig sistirt. Das rechte Lom-Ufer ist jeboch von ben Ruffen vollständig geräumt worben. Am linken Ufer bes Lorn sind Ostriza, Ablawa unb Opaka in türkischem Besitz. Bei Pollomarka finden täglich Kanonaden statt. Aus Plewna fehlen Nachrichten, weshalb im türkischen Hauptquartier große Beunruhigung herrscht.
Lokal-Stotiz.
Glesien, 12. Septbr. Das gestrige erste Concert ber Tyroler Sänger-Gesellsckaft von Hans Lechner im Wenzel'schen Garten rechtfertigte in jeder Beziehung ben Ruf, der ber Gesellschaft vorangeht. Die Solis, Duette unb Sextette fanden allseitig lebhaften, ja oft stürmischen Beifall. Das Ensernblä ist ein vorzügliches. Was diese Sänger aus ben hohen Alpen besonders auszeichnet, sind nicht nur ihre guten, vorzüglichen Stimmmittel unb ihre piägnante Vortragsweise, sondern auch die vorzügliche Auswahl eigenartiger und melodisch schöner Lieder. Wir erinnern z. B- an No. 9 des Programms „Das erste Busser'l" unb Nr. 11 „Andreas Hofer's Tod" u. A- m- — Neben den so wirkungsvoll ausgeführten Gesangsnummern sind auch die staunenswerthen Leistungen des Herrn Hans Lechner auf dem Holz- u. Stroh-Instrumente m erwähnen. Wir heben hier nur „Variationen über ben Karneval von Venedig" rühmend hervor. Der Schluß des genußreichen Programms bildete ein Tyrolerlied „ber Frohsinn auf ber Alm" mit einem sehr originell ansgefübrten Nationaltanz, welcher das Publikum zu einem Sturm von Applaus hinriß. — Wir batten Gelegenheit die Nainer'iche Gesellschaft, welche ja bekanntlich die erste von derartigen Gesellschaften sein soll, schon mehrfach zu hören. Nach dem was wir gestern Abend gehört, müssen wir gestehen, daß in der Lechner'schen Gesellschaft der deS Herrn Rainer eine gefährliche Concurrenz erwachsen ist. — Auf vielfach ausgesprochenes Verlangen hat sich die Gesellschaft entschlossen noch ein dritte« Eoncert am Donnerstag Abend zu geben. Wir hoffen, daß Musikliebbaber bitfe Gelegenheit nicht versäumen werden, sich diesen Genuß zu verschaffen. Der Gesellschaft aber wünschen wir. wie am gestrigen Abend, ein ausverkausteS Haus.
Vermischtes.
Offenbach, 4. Sept. Heute hat die hiesige Polizei das vom Publikum schon längst erwartete Revisionsgeschäst der Biere begonnen. Die Schutzmannschaft erhebt, — damit eine Verwechslung gar nicht möglich ist, — nach einander bei jedem Wirth zwei Flaschen Bier ber im Zapf befinblichen Sorten, bringt bleie auf's Polizeibüreau, wo dieselben sofort mit dem Dienstsiegel verschlossen und etiqueltirt werden, um dann von einem Chemiker auf ihren Inhalt genau geprüft zu werden. Wir sind auf das Resultat ber chemischen Analysen gespannt.
— Die N--Y. H.-Z. schreibt: Was für Humbug mit „Illustrationen" getrieben wird, ersieht man auch an folgendem Beispiel: Eine new-yorker Verlagshandlung gibt Biographieen berühmter Verbrecher heraus. Um nun billige Illustrationen zu be kommen, kaufte sie von einem bostoner Hause die Portraits eines alten Werkes: ..Berühmte Kanzelredner Neu-Englands." Der Mörder Roloff wird durch einen früher sehr berühmten bostoner Prediger iUuftrirt und so fort.
— Baumwollenabsälle als Tüngermaterial. Die oben genannten Abfälle werden von den Spinnereien als ganz nutzlos verworfen, sie bieten aber behufs Bereitung von Mistbeeten ein sehr wertbvolles Material und zwar in Beimengung mit Gerberlohe oder mit gewöhnlichem Stalldünger, in der Art jedoch, daß die Baumwolle keine Klumpen bilde. Ist die Verwendung der Mistbeete eingestellt, so dient dieser Baumwollendünger
zur Verbesserung des Bodens der Obstgärten, bei Einpflanzung von Obstbäumen u. drgl. Besondere Erwähnung verdient die Verwendung oer Baumwolle tn der Sparg lkultur. £)err tötbault $u Arcis-sur-Aube erfreut sich schon seit mehreren Jahren kostbarem Spargel- mittel im Winter. Im Herbst gibt er auf das Spargelbeet eine 20 Centm. hohe Schichte von den m Rede stehenden Abfallen, der Schnee schmilst sogleich in Folge der künstlich erzeugten Wärme, im Januar entwickeln sich die L-teckknospen der Spargeln und so ist es möglich, zu dieser Jahreszeit weiße, zarte, gesunde und geschmackvolle spargeln zu genießen.
Saarbrücken, 4. Sept. Em geistlicher Correlpondent schreibt d^r Saarzeitung aus Marpingen unterm 31. August Folgendes: „Auf einem Ausflug nach Marpmgen kam ick durch das Dorf Berschweiler und gewöhne, wie sich viele Leute um ein kleines Haus sammelten. Als ich dort etntraf, fand ich fünf Mädch n von 12—19 Jahren auf einem Bette, von mächtigen Convulsionen hin- unb hergeworfen. Dieser Zustand soll mehrere Stunden lang dauern. Diese Mädchen gehören nicht einem Hause an, sondern sollen auf Mahnung der Muttergottes zusammenkommen, um Seelen zu erlösen. Hierbei kommen aber so viele ber Offenbarung miberftrebenbe Aeußerungen vor, daß man alle nach Marpingen ziehenben Pilger vor bern Besuch diescs Hauses strengstens roainen muß. Wer hat gehört, baß man eine abgeschiebene Seele aus ben Klauen des Teufels erlösen kann? Welll, em Unsinn, baß eine Seele aus dem Himmel wieder hinaus- gestoßen wird, weil ihre Anverwandten auf Erden nicht alles glauben, was jene unglücklichen Mädchen mitiheilen! Es ist hohe Zeit, daß die Behörde hier einichreitet unb die diabolisch erregten und von finfkren Mächten betrogenen Mädchen einer Heilanstalt übergibt. Das allgemeine Unheil ist dieses: Wie man in Marpingen durch das ruhige unb schlichte Wesen ber ersten drei begnadigten Kinder erbaut wird, so fühlt man sich durch die ärgernißgedenben Vorgänge in Berschweiler abgestoßen. Als ich als Priester es versuchte, nut guten Worten biete Häuser zu räumen unb die anwesenden betende,. Pilger fortzuschicken, fand ich wenig Gehör, im Gegenlhefl Widerspruch von den eigenen Eltern, welche sich sehr aufgeregt unb erbost zeigten, baß man ihren Kindern die „milgetheilten Offenbarungen" nicht glauben wolle." Also m Bcrsch- w-iler soll die Behörde gegen ben Unsinn einschreiten! Warum denn nicht auch — so fragt die Saarbr. Z. — in Marpingen? So gut wie dort angeblich eine Mabonnen- erschemuttg statthatte, kann dies auch den fünf Mädchen in Berschweiler widerfahren sein. Der von ben ultramontanen Blättern gehegte Schwindel, dem von der Kanzel nicht widersprochen wurde, verbreitet sich epidemisch über ganze Gegenden, und wahrlich nicht zum Nutzen der Kirche unb ber wahren Religiösität!
— lieber bk Verfütterung bes Grünmais. Es ist eine burch Wissenschaft und Erfahrung reftgefteUte Thatsache, daß reine Maisfütterung Verschwendung ist. weil der Mats zu stickstoffarm ist Derselbe enthält nämlich auf 10 Tbeile stickstoffloser Theile blos 1 Theil Protem, während Klee und Wickhafer dessen 2 bis 3 Theile führt. Wenn daher eine milchende Kuh bei bloßem Kleefutter sich ganz wohl befindet, so wird sie bet bloßem Grüumais mit dem Mangel an plastischem Nährstoff zu kämpfen haben unb deshalb m ihrer Milch-, Fleisch- unb Kraftprobuction gar bald auf bie geringste Leistung lebucirt werden. Es ist baher dringend geboten, daß man die tägliche Ration der Thiere nur zur Hälfte aus Mais bestehen läßt; die übrige Hälfte sei guter Grün- fke oder W'ckfutter. In Ermangelung desselben beansprucht jedes Stück Großvieh täglich eine preuß. Metze Bohnenschrot oder Oelkuchenpuloer als trockenen Zusatz. Unter diesen Bedingungen wird der Mais zum vortrefflichen Milchsutter. Um den Mais auch während des Winters verfüttern zu können, schneidet man ihn kurz vor dem Froste, bindet ihn mit Weidenruthen in kleine Bündel unb stellt dieselben pyramidenförmig zusammen, 10 bis 15 in eine Pyramide, so daß fit von der Luft durchzogen werden kann. Um die oberen Theile der Pyramide wird, damit dieselbe vom Sturme nicht umgeworfen werden kann, ebenfalls ein Band gelegt.
— Alle Zeitungen können ihre Collegin, bie Daily-News in London, um ihren Kriegsberichterstatter Forbes beneiden. Es ist derselbe, welcher die vortrefflichen Berichte über den deutsch-französischen Krieg von 1870 geliefert bat, die ein Muster an Klarheit, Anschaulichkeit und Wahrheitsliebe sinb. Forbes ist soeben aus den Kämpfen am Balkan nach Bukarest zurückgekehrt,'aber wie! er hat in Folge der unaeheunn Strapazen und der Hitze fast kein Fleisch mehr am Leibe und keine Haut auf dem Ge sicht. Seine Haut ist von der Sonne beinahe schwarz gebrannt unb schält sich streisen- wels ab. Ein halbes Dutzenb ber besten Racepferbe hat er zu Schanden geritten, obgleich er einer der besten Reiter ist, die es gibt lieber die Kämpfe im Schipkapasse war er als Augenzeuge auf russischer und türkischer Seite besser unterrichtet als irgend em Militär, kaum vom Pferde gestiegen und kaum noch fähig zu gehen, mußte er dem Kaiser Alexander persönlich Bericht erstatten. Der Kaiser hat ihm das Georgskreuz verliehen, die höchste militärische Auszeichnung, die nur für persönliche Tapferkrit vor dem Feinde verliehen wird. Wenn irgend Jemand so hat FordeS diese Auszeichnung verdient, nicht im Dienste Rußlands, sondern im Dienste ber Wahrheit uvb ber Geschichte, verdient nicht durch Schönfärberei ober gefälliges Verschweigen unb Vertuschen, sondern für hohen Muth, wunderbare Kaltblütigkeit unb unerschütterliche Wahr heitsltebe.
— (Barletta-Loose nicht kaufen, sie sind faul.) Es werden in letzter Zeit Hefe Loose in den Zeitungen vielfach angepriefm, und es ist darauf abgesehen, sie dem fUinen Mann besonders auf dem Lande, auszuhängen. Der niedrige Preis wird damit erklärt, daß ein großes Haus auf einmal losschlagen müsse. Dem ist aber nicht so. Die Loose lauten auf 100 Frcs., galten aber gleich zu Anfang nur 25 fl. unb in der fitzten Zeit vor der jetzigen Anpreisung mochte man sie kaum um 12 JL (7 fl.) Daß kommt daher, weil erstens die Art der Ausloosung ungünstig ist, sodann aber unb vo- Allem baher, weil bie Funbiruug eine ganz unzureichende unb unzuverlässige ist. Es ist in ben fitzten Jahren den Leuten so viel sauer verdientes unb erspartes Geld aus den Taschen geschwindelt worden, daß es Schade wäre um jeden Pfennig, ber noch auf diese Weise zu Grunbe gehen sollte.
— Erfolge ber Kalibüngung auf Wiesen. Im Anschlüsse an unsere vielfachen günstigen Mitthetiungen über die Erfolge ber Anwendung der Kalisalze zrinr Zwecke ber Düngung, bringen wir hier einige Erfahrungen über denselben. Herr Oberförster j Sons, Sections-Director für Wiesenbau und Drainage im rheinpreußifchen landwirth- schaftlichen Verein, berichtete in der Generalversammlung des Vereins über die (Erfolge der Kalidüngung nut saur-n Wiesen. Herr So^s hatte ein von der Firma Forster u. Grüneberg zu Kaik und Staßfurt unter dem Namen Wiesendünger bezogenes Kalidüngergemenge < 10 Kali, 4 Phosphorsäure, 2 Stickstoff), angewendet und zwar 2 Pfd. pro Ouadratruthe. Der Dünger wurde Anfangs März aufgebracht und äußerte sich bald in einem üppigen Gedeihen ber damit gedüngten Fläche. Schon beim ersten Schnitt erschien das Wachsthum der süßen Gräser besonders deS Honiggrases erheblich erhöht Beim zweiten Schnitt hatten dieselben bie sauren Gräser säst ganz verdrängt und schienen letztere vollständig überwuchern zu wollen, da die Wurzelstücke z. v deS Honiggrases einen außerordentlichen Blüthenreichihum zeigten. Die ganze Ernte betrug pro Morgen eilf Centner Heu und sieden Centner Grummet mehr als von einem daneben liegenden Morgen, welcher keine Düngung erhalten hatte. Bei den augenblicklichen Heupreisen hat diese Meh,ernte einen Werth von ca. 15 Thlr. 10 Sgr. (46 J4), während die Kosten der Düngung 8 Thlr. betrugen. Herr SonS empfiehlt dringend die Herdstdüngung. _____
Ausländische Werthe auf deutschem Markt.
Wohl in keinem anderen Lande macht sich der internationale Charakter deS Geldmarktes in so auffallender Weise geltend, wie im deutschen Reiche, und man darf nur den Kurszettel irgend eines Berliner Fachblattes zur Hand nehmen, um sich von der Wahrheit dieser Behauptung zu überzeugen. Es find hiernach an den deutschen Börsen die Anleihen fast sämmtlicher Staa» ten Europas im Verkehr und zwar mit Summen, die es als zweifellos hinstellen, daß das deutsche Volk darin einen erheblichen Theil seines Kapital-Vermögens angelegt hat. Dieser Umstand giebt unS heute Veranlassung zu einer etwas näheren Untersuchung der für unsere Wirts chast» . lieben Verhältnisse daraus entstehenden Konsequenzen. Es ist zunächst zu constatiren, daß die Summen sämmtlicher Anleihen der Staaten: Rußland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Italien, Rumänien und Türkei sich aus rund 46 Milliarden Mark beläuft, wovon circa 28 Milliarden auf die erstgenannten beiden Reiche fallen. Wir heben Rußland und Oesterreich- Ungarn besonders hervor, weil von diesen beiden Staaten allein circa 6</, Milliarden als bet uns im Verkehr befindlich, zu veranschlagen sind, während von den 20 Milliarden der übrigen Staaten sich der Umlauf in Deutschland auf ungefähr den zwanzigsten Theil, also auf 1 Milliarde stellen dürfte. Es würde sonach das Ausland im Ganzen rund 7*/2 Milliarden Mark uns entliehen haben. Wir erwähnen hierbei ausdrücklich, daß wir in der Veranschlagung der hier genannten Summen keineswegs willkürlich zu Werke gegangen sind , daß diesen Angaben vielmehr ziemlich verläßliche Anhaltspunkte über den an der Berliner Börse statthabendcn Kaffaverkehr tn jenen Anleihen zu Grunde liegen, und nur in ganz wenigen Fällen, wo uns solche Anhaltspunkte
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