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Donnerstag, den 13. September
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Anxetze- «iiii Amtsblatt fär heu Kreis Gießeu
Erscheint tLglich mit Ausnahme befi MontagS Gr-editto«r Schulstraße, Bit B. Nr. 18.
Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post hezo-en vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Der orientalische Krieg.
Petersburg, 10. September. Officiell. Karajal, 9. Sept., Nachts.
Vom 6. auf den 7. d. machten Freiwillige unserer irregulären Kavallerie einen
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Amtlicher Hsteit.
B e k a n n t m a ch n n g.
In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat August veröffentlicht:
Hafer vH. 18,37, Heu vH. 5,00, Stroh vH. 6,50 per 100 Kilogramm.
Gießen, den 10. September 1877.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
politischer Hsteil.
Deutschland.
Darmstadt, 10. September. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, werden Se. König!. Hoheit der Großherzog am 11. und 12. d. Mts. den Manöoern der Großh. Division beiwohnen.
Berlin, 10. September, lieber die Behandlung des Viehes bei Trans- porten sind neuere Bestimmungen ergangen. Danach kann die Beförderung von Ai<h mtttelst Tragens, Treibens oder Fahrens stattfinden. Es ist dabei jedoch jede rohe Behandlung der Thiere, insbesondere das Hetzen von Hunden auf dieselben, das heftige Zerren an den Leitseilen, Prügeln'mit Knütteln, Stoßen mit Fäusten oder Füßen zu unterlaffen. Das Treiben oder Führen lahmer Tl>iere ist nur in denjenigen Fällen gestattet, in welchen eine thierärztliche Ve- sckeinigung von dem Treiber oder Führer vorgezeigt werden kann, daß die Thtiere ohne erhebliche Schmerzen sich fortbewegen können. Beim Ein- und Ausladen sind die Thiere, wenn die Beschaffenheit des zu benutzenden Fahrzeuges nicht gestattet, daß die Thiere in dasselbe hinein- und herausgeführt oder getrieben werden, zu heben und niederzusetzen, nicht zu werfen. Ganz besonders ist das Feffelu der Thiere bei dem Transpoite mittelst Fuhrwerks aus das Allerunvermeidlichste beschränkt und nur in vollem Umfange beim Transporte fron Bullen aufrechterhalten. Ferner soll auf die Geräumigkeit der Transport- Ftthrwerke geachtet werden. Geflügel jeder Art darf nur in Käfigen oder anderen luftigen Behältern befördert werden, welche so geräumig sein müffen, daß die Thiere nebeneinander zum Stehen und Liegen genügenden Platz haben. Der Transport in Säcken und Netzen ist unstatthaft, ferner das Binden der Flügel oder Füße und das Zusammenbinden mehrerer Thiere, sowie das Tragen an den Füßen. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnungen werden mit Geldbuße bis zu 30 Mk. oder verhältnißmäßiger Haft bestraft.
Berlin, 10. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Angabe österreichischer Journale, daß die Begegnung des Grafen Andrassy mit dem Fürsten Bismarck zwischen dem 14. und 17. Septbr. in Galzburg stattfinden soll, steht nicht im Widerspruch mit anderen Andeutungen, denen zufolge dem Eintreffen Bismarcks zu Berlin in der zweiten Hälfte der nächsten Woche kütgegenzusehen ist.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." reproducirt die Erklärung, welche der Leneral-Superintendent Büchse! in der „Kreuz-Ztg." veröffentlicht hat, und bemerkt dazu ihrerseits: Von anderer Seite werde gutem Vernehmen nach in Erwägung gezogen, ob gegen einzelne Redner der August-Conferenz nicht disci- plinarisch eingeschritten werde« solle. Die Entscheidung hierüber dürfte nach her bevorstehenden Rückkehr des Präsidenten des Oberkirchen-Raths erfolgen.
Berlin. Die Regierungsbehörden veröffentlichen einen von zuverlässiger Zelte eingegangenen Bericht über die Auswanderung nach Neu-Seeland. In Verfolg der seit dem Jahre 1873 von der Colonial-Regierung eingeführten Icftenfreien Beförderung von Einwanderern nach Neu-Seeland hat in den letzten Jahren eine sehr erhebliche Einwanderung daselbst stattgefunden, zu welcher mich Deutschland ein namhaftes Contingent gestellt hat. Während die zuerst daselbst angelangten Deutschen fast ohne Ausnahme ein gutes Fortkommen gesunden haben und in gedeihlichen Verhältniffen leben, ward später durch den unverhältnißmäßig gesteigerten Zuwachs neuer Einwanderer deren Unterkunft und Fortkommen erheblich erschwert. Indem die südlichen Provinzen Neuseelands sich überhaupt weigerten, irgendwelche Ausländer aufzunehmen, konnte für letztere auch in den übrigen Theilen des Landes nicht ausreichende Arbeit gefunden werden. Namentlich haben auch die deutschen Ankömmlinge in Folge der Unkenntniß der englischen Sprache und weil sie deßhalb geringeren Lohn rchielten, mit den äußersten Schwierigkeiten zn kämpfen und gerieten zum Theil in große Noth und Unterstützungsbedürstigkeit, so dafl die Gesuche derselben um Rücksendung nach Deutschland wegen Arbeitslosigkeit seit längerer Zeit sich bäufen. Neu-Seeland kann daher zur Zeit als ein günstiges Feld für deutsche Einwanderung nicht betrachtet werden. Die Besorgniß einer weiteren erheblichen Auswanderung dorthin ist zwar dadurch vermindert, daß schon seit Anfang vorigen Jahres die kostenfreien Beförderungen solcher Per- Ionen, welche dem britischen Unterthaneuverbund nicht angehören, Seitens der Eolonial-Regierung wieder eingestellt worden ist. Dennoch erscheint es im Jnt-ereffe der betreffenden Auswanderungslustigen erforderlich, die oben rnitge- teilten Thatsachen zu möglichst allgemeiner Kenntniß zu bringen und das Publikum auf die Gefahren dieser Auswanderung aufmerksam zu machen.
Hesterreich.
Wien, 10. September. Das „Tageblatt" meldet aus Belgrad: Fürsts Zeretleff ist am Sonntag von hier in das russische Hauptquartier abgereist; derselbe ist Ueberbringer der Abmachungen mit der serbischen Regierung. Gleichzeitig hat sich auch Fadejeff nach Moskau zurückbegeben.
AranLreich.
Paris, 10. Septems - Die Mitglieder der Linken des Senats haben an Thiers' Wittwe eine ? ,i^' gerichtet, um derselben für ihren Muth und
Patriotismus zu danken; Jaris habe dem Verewigten einen ihm würdigen Triumph bereitet; sein Leben lehre Mäßigung,-Beharrlichkeit, bürgerliche Pflichterfüllung und berechtige zu dem Vertrauen, daß die Sache der Freiheit und des Gesetzes siegm werde.
Paris, 11. Septtmber. In der heutigen Sitzung des Zuchtpolizei- Gerichts , in welcher die Anklage gegen Gambetta zur Verhandlung kommen sollte, ist Letzterer, unter der Erklärung, daß sein Vertheidiger krank sei, nicht erschienen. Der Gerichtshof verurtheilte hierauf Gambetta wegen ungehorsamen Ausbleibens zu drei Monaten Gefängniß und 2000 Frcs. Geldstrafe.
Bordeaux, 10. September. Auf die Ansprache des Maires erwiderte der Marschall-Präsident: Als ich vor zwei Jahren die Nachbargegend Ihrer Stadt besuchte, war ich erstaunt über den Geist der Ordnung und Arbeit, welche die Bevölkerung beseelte. Jetzt finde ich in dieser schönen großen Stadt dieselbe Thätigkeit, dieselben verständigen Gesinnungen. Ich stimme den Gefühlen bei, welche Sie mir soeben im Namen der Stadt ausgesprochen haben. Seien Sie versichert, der Friede, welcher das nothwendigste Bedürfniß für Sie ist, wird nicht gestört. Menn das Land auf meine Berufung geantwortet hat, wird die Verfaffung, an der Sie festhalten, über welche ich als treuer Hüter wachen werde, ohne Hinderniß functioniren, um die vollständige Entwicklung der nationalen Wohlfahrt zu sichern.
Italien
Rom, 9. September. Die „Agenzia Stefani" meldet: Die Nachricht der „Times" aus Belgrad, daß Italien die Betheiligung Serbiens am Kriege billige, wird in hiesigen politischen Kreisen alS absolut grundlos betrachtet. Die italienische Regierung hat nie aufgehört, Serbien zur Besonnenheit zu rathen, und niemals ihre versöhnende Haltung au,gegeben.
Türket.
Konstantinopel, 9. September. Der deutsche Botschafter Prinz Reuß nebst Gemahlin machten gestern beim Sultan Besuch. Aus Bulgarien wird gemeldet: Die Ruffen sind nach drei Tage währenden ernsten Kämpfen über den Kara-Lom zurückgegangen, haben Popkiöi geräumt und sich in der Richtung nach Bjela zurückgezogen. — Achmet Mukhtar Pascha berichtet über ein Gefecht auf den Höhen von Kisiltepe zwischen türkischer Auxiliar-Kavallerie unter dem Sohne Schamyl's und einer aus mehreren Dragoner-Regimentern, zwei Bataillonen Infanterie und einer Batterie bestehenden russischen Abth-ilunz. Letztere wurde nach mehrmaligem Avanciren und Retiriren mit 60 Mann Verlust geschlagen und zum Rückzug in ihr Lager genöthigt. Der türkische Verlust war ganz unbedeutend. Für die Ruffen treffen von Alexandropol täglich Verstärkungen an Artillerie in Kurukdara ein.
Pera. Ans der Pforte herrscht große Bestürzung in Folge einer Note, die vom deutschen Botschafter, Prinzen Reuß, und dem französischen Geschäftsträger, Grafen Mony, überreicht worden ist und welche die Auslieferung der Verbrecher von Salonichi verlangt, da die Türkei nicht im Stande sei, für die Ausführung der festgesetzten Strafe Bürgschaft zu leisten. Es soll festgestellt sein, daß drei dieser Mörder, welche zu 5 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt worden, von dem Gouverneur von Widdin aus dem dortigen Gesängniß ent» laffen wurden und augenblicklich frei in Salonichi herumspaziren. Auf Grund dieser Vorstellungen soll dem Vali von Salonichi die strenge Weisung zugegangen sein, die Verbrecher sofort festzusetzen.


