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T¥o. 989. Mittwoch, den 12. December 1877
Kießener Mnzeiger
Anzeige- und Amtsdlutt für den Kreis Gießen.
Amtlicher Hßeil. Bekanntmachung.
stkhende ärSiSmaSreife9^» M°nakNumber öffentlich? 3ia,UM[Iei'iun9e" M» bewaffnete Macht im Frieden »-erden hiermit „ach.
Hafer 16,64 JL, Heu 6,40 «M. und Stroh 6,00 jt. per 100 Kilogramm.
Gießen am 11. Dezember 1877.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
_________________________________________Dr. B o e k m a n n.______________
An die Grvßht'rzoBchcn Bttrgcrincistcn'icn des Bezirks.
Gießen, 10. Dezember 1877.
Großherzoglichcs Stener-Commtssariat Gießen.
__ S ü f f e r t.
politischer HßeiL
Deutschland.
. , 8. December. Die „Hessischen Blätter", das Organ
der kurhessischen Agnaten und renitenten Pfarrer, theilen unter der Überschrift.- „Zur neuesten Geschichte des kurfürstlich-hessischen goldenen Löwen-Ordens" eine zwischen dem Prinzen Heinrich von Hanau und dem großh. hessischen Minister- Präsidenten von Starck geführte pikante Correspondenz mit, laut welcher der Prinz gegen die von dem Landgrafen Friedrich Wilhelm von Hessen verfügte Anordnung protestirt hat, daß den Rittern des kurfürstlich-hessischen goldenen Löwen-Ordens (der Prinz ist Ritter) fortan die Bezeichnung von Rittern des „großh. hessischen' goldenen Löwen-Ordens zukommt. Der Prinz erklärt zugleich daß er sich auch in Zukunft nur als Ritter des „kurfürstlich-hessischen" Ordens betrachte oaß er das Recht zu einer etwaigen Entziehung in dieser seiner Eigenschaft Niemanden etnräume: „es sei denn — nach der in Gottes Rath stehenden, von mir mit fester Zuversicht erhofften Wiederherstellung des Kurstaates — dem alsdann aus dem Throne seiner Väter sitzenden Kurfürsten von Hessen." Freiherr von Starck erwiderte darauf, daß er dem Proteste des Prinzen im Hinblick auf die durch die Vereinigung Kurheflens mit Preußen, dem Kaiser und König zustehende Dispositions-Befugniß über die vormaligen kurhesstschen Orden eine Wirkung nicht beilegen könne. Prinz Heinrich bittet darauf, man möge seinen Namen aus den großh. heff. Ordens-Listen ausstreichen, und der Minister-Präsident antwortet, daß er den Wunsch des Prinzen zur Kenntniß der großh. Ordens-Kanzlei gebracht habe.
Berlin, 8. December. Gegenüber anderweitigen Gerüchten, daß der österreichische Vorschlag auf eine sechsmonatliche Verlängerung des bestehenden Handelsvertrages dieffeits bereits abgelehnt sei, ist zu constatiren, daß die Verhandlungen derzeit noch schweben.
Karlsruhe, 10. December. In der zweiten Kammer wurde die Regierung vom Abg. Köpfer über ihre Haltung bezüglich der Zoll- und Handels- Politik und des deutsch-österreichischen Handels-Vertrages interpellirt. Staatsminister Turban erklärte es für unstatthaft, hier die badische Regierung über die Haltung der Reichsregterung zu interpelliren, das gehöre vor den Reichstag. Die Verhandlungen mit Oesterreich betreffend, sei die Ertheilung von Auskunft unthunlich, weil die Angelegenheit noch schwebe. Die Kammer wahrte daraus unter Zustimmung des Ministers ihr Recht, die Regierung über deren Haltung im Bundesrath zu interpelliren. Die weitere Berathung der Angelegenheit wurde auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen gesetzt.
Sondershausen, 8. December. Der Landtag genehmigte einstimmig den Staatsvertrag mtt Preußen wegen des Anschlusses von Schwarzburg-Sondershausen an dos Landgericht Erfurt und das Oberlandesgericht Naumburg und verneinte die Nothwendigkeit einer Aenderung der Verfaffung.
Straßburg, 8. December. Der Landes-Ausschuß wurde heute eröffnet. Der Ober-Präsident sagte nach Erwähnung der Berathungs-Gegenstände in seiner Rede: „Meine Herren! Die neue Formel, unter welcher Ihnen diese Vorlagen zur Besä lußfassung überreicht werden, bezeichnet eine neue Phase in der politischin Gestaltung dieses Landes. Ihre Beschlüsse über eine Gesetz- Vorlage baden fortan eine andere Bedeutung als in den früheren Sessionen. Das Gesetz, betr. die Landes-Gesetzgebung von Clsaß-Lothringen vom 2. Mai d. I., erhebt den Landes-Ausschuß von der Strafe einer begutachtenden Versammlung zu einem wirklichen Factor der Gesetzgebung, eine Frucht der ersten positiven Mitwirkung der elsaß-lothringischen Abgeordneten im Reichstage und ein huldvolles Zeichen landesväterlichen Wohlgefallens an der fortschreitenden politischen Entwicklung Elsoß-Lothringens, welches Se. Majestät der Kaiser die besondere Gnade hatte, selbst dem Lande zu überbringen, als er im Frühjahr seinen fröhlichen Einzug in Straßburg hielt. Die hauptsächlichsten Berathungs- Gegenstande sind Vorlagen über den Beitrag zu den Kosten der Hochschule und Verlegung des Etats-Jahres." Die Antwort des Alters-Präsidenten gedachte des Kaiser-Besuches mit den wärmsten Worten und hob hervor, daß die
huldvolle Aufnahme des Landes-Ausschuffes die Hoffnung gewähre, daß die von ihm vorgetragenen Wünsche Erfüllung finden würden. Die Rede bezeichnete weiter das inzwischen erlassene Gesetz über Erweiterung der Befugniffe des Landes-Ausschuffes als einen Fortschritt von großem Werthe für das Land. Der Landes-Ausschuß, werde seinen bisherigen Grundsätzen der Ruhe und Mäßigung und der Freimüthigkett, welche zur Herbeiführung eines so schätzenswer- then Fortschritts beigetragen haben, nicht untreu werden, und damit sei die Hoffnung begründet, daß Elsaß-Lothringen in nicht ferner Zeit aus der untergeordneten politischen Stellung, in der es sich befinde, eine den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechende Verfassung erlange und gleichberechtigt in die Reihe der Staaten eintrete, welche das deutsche Reich bilden.
Hesterreich.
Wien, 7. December. Der „Polit. Corresp." wird aus Athen mitge- thetlt: Der griechische Gesandte in Petersburg, Bra'üas, ist mit wichtigen Eröffnungen der russischen Regierung in Athen eingetroffen. Gleichzeitig wird darauf htngewiesen, daß sich in den politischen Kreisen Athens eine sehr sympathische Stimmung für Italien mantfestire, was nicht ohne Zusammenhang mit der angeblich sehr freundlichen Haltung dieser Macht gegenüber den nationalen Aspirationen Griechenlands sein soll.
Arankreich.
Paris, 7. December. Die „Agence Havas" veröffentlicht nachstehende Note: Der Präsident der Republik hatte Dufaure mit der Bildung etneS neuen Cabinets betraut. Die von dem ehrenwerthen Senator aufgestellten Bedingungen waren vom Marschall angenommen worden, welcher seinerseits als einzige Bedingung das Verbleiben der Minister des Kriegs, der Marine und des Auswärtigen gefordert hatte. Es schien in Bezug auf diesen Punkt keinerlei Schwierigkeit entstehen zu können, denn unter allen früheren Ministerien hatte man zugegeben, daß die genannten Refforts im Jnteresie des Landes uud der Armee außerhalb der Parteien stehen sollten. Im letzten Moment aber sind auch diese drei Portefeuilles von dem in Aussicht genommenen Minister reclamirt worden. Der Marschall konnte indeß nicht seine Zustimmung geben zu einer solchen Modification, die ihm im Widerspruch erscheint mtt der guten Organisation unserer militärisches Kräfte und dem Geiste der Folgerichtigkeit in unseren diplomatischen Beziehungen. Die bezüglichen Besprechungen sind daher abgebrochen und Dufaure der von ihm übernommenen Mission entbunden worden. Datbie wurde in den Elysöe-Palost berufen und beauftragt, das neue Cabinet zu bilden.
Paris, 8. December. Tie Journale bringen bezüglich der mißlungenen Cabinets Bildung Dufaure's folgende Einzelheiten: Schon von der ersten Unterredung mit Dufaure an erklärte der Marschall, daß er die Portefeuilles des Aeußern, des Krieges und der Marine außerhalb der parlamentarischen Strömungen erhalten wolle. Dufaure erhob dagegen keine Einwendungen. Die Discussion wandte sich dann auf andere Punkte, namentlich die Frage der Ministlrial-Beamten. Der Marschall gab in allen diesen Punkten nach. Man hielt den Erfolg für sicher, als die Forderungen der Linken bezüglich der drei Portefeuilles den Abbruch der Unterhandlungen herbeiführten. Dufaure theilte dem Marschall gestern Abend den Nichterfolg derselben mit. «peute erklärt eine Note des leitenden Comitss der Linken, daß es mit Dufaure anläßlich seiner Aufgabe, ein Cabinet zu bilden, keinerlei Unterhaltung und keinerlei direkte oder indirecte Beziehung gepflogen habe. — Der Senat dtscutirt den „Code rural" ; aber die Senatoren der linken Gruppen suchen Dufaure auf die Tribüne zu bringen und ihm ein Mittel zu liefern, um Aufschlüffe über den Zwischenfall zu geben. — Die Kammer hat die Wahlprüfungen wieder ausgenommen. — Batbie fährt in seinen Unterredungen wegen Bildung eines Cabinets fort.
Paris, 10. December. Das „Journal officiel" veröffentlicht ein De-


