Rußland
keine Ent
gehalten werden.
schloß mit innerhalb
Belgien.
Antwerpen, 9. Januar. Ein hiesiges bedeutendes Haus der Türkei einen Vertrag wegen Transportes von Kanonen-Röhren 3 Tage ab.
Türkei.
Konstantinopel, 3. Januar. Midhat Pascha hat an sämmtliche General-Gouverneure das folgende Rundschreiben gerichtet:
^Jedermann kennt die ebenso schwierige als gefährliche Lage, in der sich der Staat durch die Fehler der Vergangenheit befindet. Wir haben die feste Ueberzeugung, daß wir mit dem Beistände des Allerhöchsten und der Unterstützung der Nation in unserer Zeit diese Schwierigkeiten überwinden werden. In dieser Lage ist es von höchster Wichtigkeit für die ottomanische Nation, daß wir in den Augen der Welt die nationale Ehre bekräftigen und unseren Patriotismus beweisen. Daher muffen alle Bürger, groß und klein, mit völliger Selbstentsagung in Eintracht und Uebereinstimmung sein und ihre Gesinnungen durch Thaten bekunden. Se. Majestät der Sultan hat in seinem Edelmuthe das Land mit neuen Einrichtungen ausgestattet, welche in vergangener Woche der Oeffentlichkeit mitgetheilt worden sind. Durch dieselben wird die Verwaltung umgeftaltet und werden die alten Unterschiede unter der Bevölkerung abgeschafft werden. Alle Unterthanen des Reiches, welcher Religion sie auch angehören mögen, heißen Ottomanen. Geleitet von demselben Gesetze und regiert durch dieselben Organe, sollen sich alle Bewohner aneinanderschließen, die Freiheit, die Sicherheit und die Rechte des Einzelnen beschützen und hochachten. Die Kinder desselben Vaterlandes sollen die Nothwendigkeit begreifen, mehr als je ihre Pflichten als Bürger zu üben, weil die Feinde den abnormen Zustand der Lage benutzen, um Zwietracht zu säen. Die Urheber jeglicher Unruhe, die irgendwo aus religiösen Ursachen entstehen könnte, werden als Verbrecher an der Nation und dem Daterlande betrachtet. Wir bitten euch, in unserem Namen der ganzen Bevölkerung diese Beschlüffe mitzntheilen und alle Maßregleln zu ergreifen, um die öffentliche Ruhe aufrecht zu erhalten.
Hohe Pforte, 17./29. Decbr. 1876.
Konstantinopel, 8. Januar, Abends. In der heutigen Sitzung der Conserenz widerlegte der italienische Vertreter, Graf Corti, die in der vorherige!'. Litzung^ von Savfet Pascha entwickelten Argumente und wurde hierbei vom Marquis Lalisbury unterstützt. Demungeachtet verzichteten die türkischen Ver- ■ । -■ - . j'iMi . aeiriilcr bereits anaeanater Punkte, betheiligten
SuglarrL.
London, 7. Januar. In einem Artikel über Deutschland, der durch die Militärische Gedenkfeier des Kaisers Wilhelm veranlaßt ist, spricht Saturday Review sich wie folgt über Deutschlands auswärtige Politik aus r „Daß die auswärtige Politik Deutschlands bei jedem Schritt beeinflußt wird durch das Bewußtsein, über die beste und am wirksamsten organistrte Armee der Welt verfügen zu können, ist so klar wie das Tageslicht. Aber es ist nicht nur die Stärke der Armee, sondern auch ihre außerordentliche Kostbarkeit, welcher Fürst Bismarck bei seinen Verhandlungen mit fremden Mächten beständig eingedenk ist... . Der Gedanke, Menschenleben und Geld rein für militärischen Ruhm wegzuwerfen, auszuziehen und Leute mederznschießen, nur um in Hauptstädte im Triumph einziehen zu können, liegt dem Geiste des Fürsten Bismarck eben so fern, als dem eines jeden anderen Deutschen. Kein Volk ist sich so vollkommen dessen bewußt, was Krieg bedeutet, als das deutsche. Es weiß, daß Krieg beständige, lebenslange Vorbereitung für den Krieg bedeutet; und zugleich weiß es vollkommen, daß Krieg die Zerstörung werthvollen Menschenlebens und unersetzlichen Geldverlust bedeutet. .. . Seine Streitkräfte so lange als möglich in Reserve zu halten und dann, wenn er sie brauchen muß, einen so schweren Schlag zu führen, als möglich, wird immer die Politik Deutschlands sein. . . . Durch Befolgung dieser Politik controlirt Fürst Bismarck seine Nachbarn. . . . Wenn er ein Bundesgenoffe ist, so ist seine Aufgabe die, dem Elfer seiner Freunde eher Schranken zu setzen, als sie vorwärts zu treiben." DaS Blatt führt dann aus, wie sich das während des letzten Jahres gezeigt habe. Rußland sei die Warnung ertheilt worden, sich nicht zu Schritten hinreißen zu lassen, die Oesterreich beeinträchtigen könnten, und Oesterreich sei zu einer Billigung gemäßigter Forderungen Rußlands im Orient bewogen worden. „Es ist wahr, daß ohne die Neutralität Oesterreichs Rußland die Donau nicht würde überschreiten können, und eben so wahr, daß Oesterreich nicht aufhören kann, neutral zu sein ohne Deutschlands Billigung. Rußland ist es bekannt, daß es seinen Sieg nicht weiter würde ausnutzen können, als Deutschland zugeben könnte.... Wenn so der Friede bewahrt wird, oder die Ausdehnung des Krieges begrenzt, so wird der Erfolg zum. Theil zweifellos England zuzuschreiben sein, aber auch im großen Maße Deutschland."
Petersburg, 9. Januar. Auch die letzte Conferenz brachte scheidung; es zeigt sich immer mehr, daß die Pforte in der von ihr promul- girten Verfassung eine Abwehr gegen die Forderungen der Mächte sucht. Diesseits ist jedoch die Grenze der zu machenden Concessionen erreicht. Ebenso erklärten die übrigen Mächte ihr Festhalten an dem Programm. Die Pforte wurde nicht gedrängt und wird auch gegenwärtig nicht gedrängt; aber an den in die mäßigste Form gebrachten Forderungen der Großmächte wird streng sest-
Aerrtschland.
Darmstadt, 8. Januar. Der Finanz-Ausschuß der zweiten Kammer lehnt es nach dem vom Abg. Theobald erstatteten Bericht im Einverständniffe mit dem Beschlüffe der ersten Kammer ab, eine Erhöhung der Pensionen der vor dem Jahre 1872 in Ruhestand getretenen Volks-Schullehrer bei der Regier rung zu befürworten. So gerne der Ausschuß bereit sei, auf die Verbesserung der Lage der älteren pensionirten Schullehrer hinzuwirken, so stünden doch die bereits in erster Kammer geltend gemachten Bedenken zu gewichtig entgegen, — Die zweite Kammer hatte bezüglich ^er von den Abgg. Jöckel und Ellenberger beantragten Verlegung der Halte-Stellen Mittel-Gründau und Ranstadt beschlossen, die Regierung zu ersuchen, mit den genannten Gemeinden und etwaigen sonstigen Jntereffenten wegen Aufbringung der zu dieser Verlegung erforderlichen Mittel in Verhandlung zu treten. Die erste Kammer lehnte dagegen ein Eingehen an die Verlegung jener Halte-Stellen ab, wollte vielmehr nur die Mittel zur Erhebung zu Güter-Stationen gewähren, wenn die Gemeinden erklärten, die Zufuhrwege ordnungsmäßig. Herstellen zu wollen. Wie aus dem Bericht des Finanz-Ausschuffes der zweiten Kammer hervorgeht, befürwortet dieser jetzt Beitritt zum Beschlüffe der ersten Kammer.
Berlin, 7. Januar. Die heutigen kirchlichen Wahlen fanden eine ver- hältnißmäßig reiche Theilnahme. Es mögen durchschnittlich 50 pCt. der Wahlberechtigten gestimmt haben. Im Allgemeinen siegten in fast sämmtlichen Gemeinden die Liberalen mit zwei Drittel-Majorität, während die extremen Parteien nur in wenigen Kirchspielen ihre Canbidaten durchsetzten.
Berlin, 7. Januar. Das fremde diplomatische Corps, welches in Berlin ansässig ist, besteht gegenwärtig aus 5 Botschaftern, 12 Gesandten, 8 Geschäftsträgern und 18 Consuln, resp. Geueral-Consuln. Von den deut-
Nachdem im Budget des landwirthschaftlichen Bezirksverein Gießen bekufs Veröffentlichung nützlicher Mittheilungen aus dem Gebiete der Landwirth- schaft der Betrag von 250 Mark vorgesehen worden ist, so hat sich die Redaction des „Gießener Anzeigers" bereit erklärt, wöchentlich eine Spalte dem Verem für diese Mittheilungen zur Verfügung zu stellen. Der Verein ist hierdurch in den Stand gesetzt, seinen Mitgliedern ein weit reicheres Material an MtttheUungen zu bieten, als wenn, tote dies früher in Aussicht genommen war, solche mittelst Extrabeilagen zum Anzeiger zur Veröffentlichung gelangt
Indem ich die verehrlichen Mitglieder des Vereins von dieser in den nächsten Tagen ins Leben tretenden Einrichtung in Kenntniß setze erfncbe ick namentlich die Herrn Bürgermeister des Kreises, auf diesen landwirtbschaftlichen Theil des Anzeigers in ihren Gemeinden aufmerksam an machen
Gießen, den 9. Januar 1877.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.
v. Röder.
schen Staaten unterhalten nur noch Baden, Bayern, Heffen, Mecklenburg, Sachsen und Württemberg besondere Gesandte für Preußen. Deutschland wird im Auslande vertreten durch 11 Gesandte, 6 Botschafter, 8 Geschäftsträger und eine große Schaar von Consularbeamten, welche sich in 626 Städten über die ganze Erde verbreiten. (Trib.) ■
Berti», 8. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Uefccr die diesjährige Indienststellung von Kriegsschiffen der kaiserlichen Kriegsmarine ist Folgendes angeordnet worden: ES wird ein Uebungsgeschwader gebildet, bestehend aus den Panzerfregatten Kaiser, Deutschland, Preußen und dem Aviso Falk. Daffelbe soll am 7. Mai 1877 zusammentreten. Zu Uebungszwecken werden zum 11. April d. I. ausgerüstet: die Segelfregatte Niobe als Cadetten- schulschiff, die Glattdeckscorvette Medusa, die Segelbriggs Nover und Musquito, alle drei zur Ausbildung von Schiffsjungen. Als Schulschiffe für das Maschi- nenpersoual treten am 15. März die gedeckte Corvette Arcona und der Aviso Preußischer Adler in Dienst. Zu Vermessungen sind die Kanonenboote erster Klaffe, Drache und Delphin, vom 4. April ab bestimmt. Auf die auswärtigen Stationen begeben sich am 1. October: die gedeckte Corvette Leipzig mit den See-Cadetten des zweiten Jahrgangs und die Glattdeckscorvette Freya nach Ostasien, die Glattdeckscorvette Ariadne nach der Südsee, das Kanonen- boot^Albatros ebenfalls nach Ostasien und die gedeckte Corvette 'Hertha für den Fall, daß die Gazelle nicht von der Mittelmeer-Station zurückgezogen werden kann, nach Westindien.
Posen, 8. Januar. In der katholischen Pfarrkirche in Kosten, in welcher der staatsfreundliche Pfarrer Brent Gottesdienst hielt, brach gestern ein großer Tumult des ultramontanen Pöbels aus. Aus Posen requirirte Gensd'armen und Polizei-Beamte verhafteten 8 Rädelsführer und 2 Missionare, Bonczkowski und Bielski.
Hesterreich.
Wien, 8. Januar. Die Nachricht von einer gemeinsamen Sommation gegen die Pforte ist unbegründet. Jgnatieff stellte einen derartigen Antrag, aber ohne Erfolg. Die Gewährung einer bestimmten Frist zur Durchführung spontaner Reformen wird immer wahrscheinlicher; der Abbruch der Verhandlungen ist vorläufig ausgeschloffen.
Wien, 8. Januar. In Triest ist die ungarische Studenten-Deput-tion, welche den Ehrensäbel für den türkischen Generalissimus Abdul Kerim Pascha überbringt und sich am Samstag mit dem Llvyd-Dampfer einschiffen wollte, der Gegenstand einer türkisch - feindlichen Kundgebung geworden. Die V^lkö- menge pfiff und warf faule Früchte, die Matrosen bliesen Nebelhörner, Slaven und Griechen riefen Morte ai barbari. Der Dampfer mußte vorzeitig die Anker lichten; die noch fehlenden Paffagiere und der Nest der Postpakete mußten nachträglich auf Booten eingeschlfft werden, damit Thätlichkeiten vermieden wurden. Der österreichische Consul auf Korfu ist von diesen Vorgängen benachrichtigt und angewiesen worden, die ungarische Deputation daselbst nicht ans Land gehen zu laffen.
WEen, 8. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: ' ^te fickten, daß die Lage eine günstigere Wendung nehmen werde, sind ; noch nicht besser geworden. Die Pforte verweigert sogar beharrlich die Ein- fetzung der internationalen Ueberwachungs-Commission, ebenso auch den vorge- < Ernennungs-Modus der Gouverneure von Bosnien, der Herzegowina und Bulgarien, obwohl die Conferenz-Machte die Forderung der Zurückziehung der türkischen Truppen in die festen Plätze und Hauptorte der genannten Pro- l vinzen aufgegeben baben. General Jgnatieff hat sich dahin ausgesprochen, daß . neue Zugeständnisse unmöglich seien. Marquis Salisbury hat den Lloyd- : Lamvler ..Aauila" für fick gemietM. ,
Gießen, 10. tin vollständiq tnln den worden ist.
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