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reit, der Pforte eine Frist zu gewähren, wenn die Mächte im Mißlingmigs- Falle zwangsweise die Reform durchzuführen sich verpflichteten.

Berlin, 4. März. Bismarck äußerte gestern zu Abgeordneten: Die Mächte seien wenig geneigt zu activer Betheiligung an den orientalischen Wirren.

Der frühere russische Botschafter in Konstantinopel, General Jgnatieff, ist mit seiner Gemahlin heute früh hier eiugetroffen.

AuS Bayern, 1 März. DieMemminger Zeitung" theilt mit, daß die dortige Pulver-Fabrik einen Auftrag aus 17,000 Ctr. Kanonen-Pulver er­halten habe, sofort lieferbar an der polnisch-russischen Grenze.

München, 5. März. Zufolge einer Klage gegen die österreichischen Bahnen wegen Coupons-Zahlung in Silber wurden dahier 20 Wagen der Elisa­beth-Bahn gerichtlich beschlagnahmt. Nach Depontrung des Geld-Betrags wur­den die Wagen wieder freigegeben.

Leipzig, 3. März. Der Reichs-Disciplinarhof bestätigte heute als oberste Instanz das aus Dienstentlasiung des Grasen Harry Arnim, ehemaligen Botschafters zu Paris, lautende Urtheil der Reichs-Deputirten-Kammer zu Potsdam. Der Gerichtshof hielt hierbei den Retchsgrundsatz aufrecht, daß die Entscheidung des Strafrichters als thatsächliche Unterlage für den Disciplinat- richter zu gelten habe.

Oesterreich.

Pesth, 3. März. Auf eine Interpellation Nemeth's erwiderte in der heutigen Sitzung des Unterhauses der Minister-Präsident Tisza, Stadthaupt­mann Thaisz habe von glaubwürdiger Seite erfahren, daß gewisse Conventikel sich verabredet hätten, am 28. Februar sich vor dem Parlamente zusammenzu­rotten, um einige Persönlichkeiten zu insultiren; vorsichtshalber und um den Straßenverkehr nicht hindern zu lassen, sei die nothwendige Anzahl Polizeimann, schäften, wie dies auch in anderen Städten üblich sei, consignirt und in den Nachbarhäusern aufgestellt worden. An diese Mittheilung knüpfte der Minister- Präsident eine Warnung, solche Scandalsucht zu unterstützen; das Haus solle sich von Gasten-Demonstrationen fernhalten. Die Versammlung nahm diese Erklärung einstimmig und unter lebhaftem Beifall zur Kenntniß.

-«glas».

London, 3. März. Bezüglich der Abberufung des englischen Mittcl- meer-Geschwaders aus dem Piräus und dessen Rückfahrt nach Malta meldet Reuter's Bureau": Diese Maßregel sei angeordnet, weil an den Schiffen Reparaturen vorzunehmen, auch die Mannschaften theilweise nach Beendigung ihcer Dienstzeit zu entlasten waren. Außerdem bemerkt nochReuter'S Bureau", da» die politischen Verhältniste die Anwesenheit des britischen Geschwader- in den orientalischen Gcwästern nicht'mehr erforderlich erscheinen ließen.

Im Unterhause kündigte Courtney für den 23. März eine Resolution an, wonach das Haus erklären soll, daß England in Folge der Ungerechtig- keir, Corcuption und Grausamkeit des türkischen Regiments aller Verpflichtung flcn gegen die Pforte ledig und niemals verbunden sei, die Unabhängigkeit und Integrität der Türkei aufrecht zu erhalten. Auf eine Anfrage Mundella's er­klärte der Schatzkanzler Northcote, die Regierung habe das Verhalten des Legatious-Secrctärs Baring gebilligt; derselbe sei nach Konstantinopel zurück- gekehrt, weil er seinen Auftrag als erledigt angesehen habe. Teffoun Betz sei Mitschuldiger an den in Bulgarien begangenen grausamen Handlungen; auch acht andere türkische Beamte ständen nicht vorwurfsfrei da.

London, 3. März. DemReuterffchen Bureau" wird aus Washington telegraphirt: Hayes ist um 9 Uhr Vormittags hier angekommen und von vielen Seiten beglückwünscht worden. Der Senat ist auf den 5. März zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenbcrufcn.

London, 3. März. In Launceston ist der Solicitor-General Giffard mit 392 Stimmen zum Unterhaus-Mitgliede gewählt; der liberale Gegen- Candidat Bollier erhielt 274 Stimmen. DemReuter'schen Bureau" wird aus Washington gemeldet, daß der Schatzsecretär die Einlösung von weiteren 10 Mill. 5/20er Bonds angekündigt hat.

Italien

No», 2. März. Die Deputirten-Kammer hat die Special-Berathung de^ Jncompatibilttäts - Gesetzes beendet; ein Antrag Dertani's, wonach das Gesetz gleichzeitig mit der Wahl-Reform in Wirksamkeit treten solle, wurde vom Minister Nikotera bekämpft und als Mißtrauen-.Votum gegen das Mini­sterium bezeichnet »nd darauf von der Kammer abgelehnt.

Rom, 3. März. Die DepuNrttn - Kammer hat mit großer Majorität das Jncompatibilitäts - Gesetz im Ganzen genehmigt- Die Regierung hat der Kammer die Äctenstücke betreffs der orientalischen Frage vorgelegt, welche dem­nächst zur Vertheilung kommen.

Petersburg, 3. März- Das Wiener Börsen-Gerücht von dem an­geblichen Versuch eines Attentats auf den Großfürsten-Thronfolger (worüber hier telegraphische Anfrage erfolgte) kann auf das Bestimmteste als leere Er­findung bezeichnet werden.

IÄrLei.

Koustuutiuopel, 3. März. Die montenegrinischen Abgeordneten haben den Großoezir und den Minister des Aeußern besucht. Bei den heute begonne- nen Verhandlungen werden von beiden Seiten versöhnliche Gesinnungen bekun­det. Dem Vernehmen nach würde nach Abschluß des Friedens mit Montenegro ein hoher türkischer Beamter mit einer außerordentlichen Mission bei den eure Päischen Cabineten betraut werden. Die serbischen Abgeordneten werden vor- ai.-sichtlich am Dienstag von hier abreisen.

Konstantinopel, 4. März. Durch ein Seitens des Fürsten von Serbien an den Großvezir gerichtetes Telegramm werden die vereinbarten Friedens-Bedingungen und Zusicherungen der serbischen Unterhändler ratificirt. Zugleich wird darin constatirt, daß in Folge der in dem Friedens.Dertrag ent­haltenen Bedingungen des Status quo ante bellum alle früheren Rechte und Privilegien für Serbien aufrecht erhalten blieben, welches dafür seinerseits die aus den verschiedenen Firmans sich ergebenden Verpflichtungen auf sich nehme. Dergestalt sind nunmehr die Beziehungen zwischen der Türkei und Serbien wieder hergestellt.

Kriechenland.

Athen, 4. März. Das britische Geschwader hat, wie angekündtgt, heute früh den Piräus verlaffen, um nach Malta zu segeln.

Men.

Calcutta, 3. März. Sir Dung Bahadur ist am 25. Februar gestorben-

Amerika.

Washington, 2. März. Den Beschlüffen des Congreffes, durch welche Hayes als Präsident und Wheeler als Vice-Präsident proclamirt wurden, gingen lebhafte Debatten voraus. Die Verkündigung des Beschlusses erfolgte ohne irgendwelche weitere äußere Kundgebung.

Washington, 3 März. In dem Berichte, welcher von der Majo­rität der Münz-Commission erstattet ist, wird die Wledereinführung der Dop­pelwährung ohne Beschränkung der Silber- und Gold-Ausprägung befürwortet, da die Rückkehrung zur Metallwährung nur auf diese Weise durchführbar sei. Der republikanische Gouoerueur von Louisiana, Packard, hält noch das Regierungs-Gebäude besetzt und hat sich in demselben verschanzt.

Washington, 4. März. Die demokratische Majorität der Re- präsentanten-Kammer hat eine Resolution angenommen, worin erklärt wird, daß Tilden und Hendricks, die 190 Stimmen erhalten, als gewählter Präsident, bezw. Vice-Präsident hätten proclamirt werden muffen. Deßgleichen hat eine Versammlung von Demokraten eine Adresse an das Land gerichtet, welche gegen die Wahl von Haycs und Wheeler Einspruch erhebt. Das Repräsentanten-Haus hat sich vertagt.

L o k a l - R o t i z.

Glesien, 6. März. Wir lassen nachstehend die Tagesordnung der Stadl- verordneten-Sitzung am Donnerstag den 8. März 1877, Nachmittags 4 Uhr, in dem Sitzungssaale der alten Realschule folgen:

1. Die Gehalte der Gehülfen des Stadtrechners.

2. Die Vergebung der Krug'lchen Stiftungszinsen.

3 Die Wechselmorgen betr.

4. Gesuch des OrtSdienerS von Hochelheim um Erhöhung der Bekanntmachungs- Gebühren von städtischen Versteigerungen.

5. Expropriationsproceß betr.

6. Gesuch um Fristbewilligung für Eommunalrückstände auS dem Jahr 1876.

7. Decretur von Parcellenvermessungskosten.

8. Gesuch wegen käuflicher Ueberlassung eineS Bauplatzes.

9. Gesuch um Bürgeraufnahme.

10. Gesuch des Gießener Braunstein-Bergwerks wegen Verlegung eines Feldwegs.

11. D>e Festsetzung des Kaufpreises für die von der Stadt abzugebenden Bau­plätze an der Grünberger und Sicher Chaussee.

12. Gesuch wegen Ueberlassung eines städtischen Platzes zur Niederlegung von Bauholz.

13. Wasserablettung in der Stephansmark.

Vermischtes.

Cassel, 2. März. Das Kreisgericht hat heute eine hauftrendeftünftltrti* welche einer hiesigen Frau für Geld, Kleider, Goldsachen rc. ein Mittel (Salz, Wurzeln und ein mit Knoten versehener Bindfaden) gegen sie zuvor als nahe .«ahrgesagtenE schweren Krankheiten velkauft hatte, wegen Betrugs m drei Wochen Gesängnitz verur- theltt- Der Stderg^rube ist leider noch immer nicht fort.

Gütersloh. (Unmenschliche Eltern.) Dem «Wächter* wird geschrieben: Seit einigen Tagen wird hier eine Geschichte, die sich in der Nachdarstadt Wiedenbrück zu- getragen haben soll, kolporttrt: dieselbe war jedoch so ungeheuerlicher Art, daß wir Anstand nahmen, sie weiter zu verdreiten. Da dieselbe uns jetzt von zuverlässiger Seite bestätigt wird, mögen die Einzelheiten der unerhörten Thatsache hier folgen: Schon seit einiger Zeit hattest dortige Bürger aui ihrem Nachbarhause ganz eigenthümlibe Stimmen und Laute vernommen und dieses dem Gknsd'armerte-Wachtmeifter mitge- theilt, so daß dieser Veranlassung nahm, in dem bezeichneten Hause eine HauSsuchu g oorzunehmen. Er fand nun in einer Kiste auf dem HauSboden den erwachsenen blöd­sinnigen Sohn der Hausbewohner, der dort schon seit Weihnachten seinen Aufenthalt gehabt haben soll, ohne daß die Kiste und der Unglückliche gereinigt worden war, fa daß deren elender Zustand ein unbeschreiblicher gewesen sein muß Die Kiste stand zum Theil über der Bodenluke, so daß sie bei einiger Bewegung des Blödsinnigen herunter stürzen konnte. Was die Raben Eltern veranlaßt hat, so mit ihrem Kind zu verfahren, ist schwer zu e'rathen, da dasselbe sehr williger Natur, wie der folgende Vorfall zeigt, gewesen. Einstens wurde der Sohn von seinen Eltern auf den Acker geschickt, um auf diesem zu graben, und nicht eher heimzukomrnen, bis die Arbeit vollendet, obgleich diese mehrere Tage und Nächte in Anspruch nahm Die Ueberführung deS Unglücklichen in daS katholische Krankenhaus ist sofort angeordnet worden, woselbst er sich, nachdem er körperlich gercinigt und mit neuen Kleidern versehen, außerordentlich wohl und be- haglich fühlen soll.

Berlin. Hiesige Blätter erzählten neulich eine pikante Geschichte vom jetzigen türkischen Großvezir Edhem Pascha, der eine schmucke Berliner Bäckerstochter angeb­lich sich habe nach Stambul nachkommen lassen, um sie seinem Harem einzuverl-iben. Wie wir nun aus zuverlässiger Quelle erfahren, hak die Geschichte nur einen Fehler, den nämlich, nicht wahr zu sein. Auf der hiesigen türkischen Botschaft hat man sogar einen Augenblick lang daran gedacht, die hübsche Erfindung als solche zu bezeichnen und mit einem Dementi zu beehren. Schließlich aber ist man davon abgekommen, weil man meinte, daß die erzählte Geschichte an sich für einen Muselmann überhaupt nichts Verletzendes enthalte, und so ließ man sie auf sich beruhen. Bei dieser Ge­legenheit wollen wir unseren Lesern rtn einschlägiges Histörchen mittheilen, daS sich jüngst in einer «bendaesellschaft bei einem diesigen reiche, Bankier abgespielt. Ein tüikischer Diplomat saß bei Tische an der Seite einer entzückenden, jugendfrischen Blon­dine, mit der er sich ous'S herzlichste unterhielt. Die Unterhaltung streifte auch die po- litifchen Tagetzfragen. .Ich war sehr erstaunt", sagte der Backfisch, .in den Protokollen her Conferenz fsnen inbignirten P.otest zu finden gegen das Recht, welches sich Ihre r'andsleule anmaßen, mehr als eine Frau zu nehmen!* ,,G»ädigeS Fräulein" entgegnete rr.it Würde der Türkewären die abendländischen Herren so aufrichtig in ihren HcrzensangelegcnhLiten wie wir, fo würden Sie längst erkannt haben, daß jene in dieser Beziehung alle Muselmänner sind!"

(Parlaments-Witze ) v- LuciuS soll geäußert haben, wenn LaSker so lange wäre, wie seine Reden, könnte er sich vom Manne im Monde eine Prise geben lass.'». - Als Most gefragt wurde, wann die Socialdemokraten mit der Revolution anfangen würben, flüsterte er dem Frager leise in5 Ohr:So wie das Petroleum billiger wird."

Ein rührenderAkt der Großmuth" spielte sich vor einigen Tagen, rote die ,,N. B- Landesztg." meldet, auf dem Mannheimer Markte ab. Mit verstörter M>ene rannle ein Pfätzcr Gutsbesitzer auf und ab, fragend; ob Ntemand eine Biiestafche -.e- fundm habe? Da trat dem Manne eine arme Krau freudigen Blickes entgegen und überreichte ibm die vermißte Brieftasche. Bedächtig zählte der Pfälzerseine Lieben" in der Brieftasche und sieb' es fehlte kein einziges der 100 Mark-Schein-Häupter, es waren im Ganzen 90 solcher hübscher Dinger. Vergnügt schmunzelnd griff nun ^er Mann in die Hosentasche, zog einen ledernen Geldbeutel hervor und nahm au8 diesem ein Fünf-Pfennigstück, dasselbe huldvollen Blickes der redlichen und armen Finderin überreichend l Schade, daß man den Namen deS Großmüthigen nicht ermitteln konnte. v