am Donnerstag von Rustschuk aus unternommenen Recognoscirung wurden die Rusten bei Kadikoi geschlagen und verloren 400 Mann. Die Türken haben unkerdesten eine ausgedehntere Recognoscirung in der Umgebung von Kesrowa gemacht. Bei Rasgrad wird ein Zusammenstoß erwartet. — Vom Schipka- Paß liegen bis jetzt feine neuen Nachrichten vor. Die beiderseitigen Verluste sind groß.
Petersburg, 2. September. Gorni-Studen, 2. Septbr. Unsere Verluste am 31. August bei Kadikoi beliefen sich auf 7 tobte und 30 verwundete Soldaten. — Bei Plewna wurden im Ganzen 30 Officiere und 1020 Soldaten kampfunfähig. — Der Verlust der Türken ist enorm. Bei dem Dorfe Pilischat wurden allein vorläufig 300 Leichen aufgezählt. — Bei dem am 31. August zwischen unseren Batterien in Giurgewo und denjenigen des Feindes in Rustschuk stattgefundenen Geplänkel hatten wir auf unserer Seite weder Verluste, noch Beschädigungen zu constatiren. — An dem nämlichen Tage näherten sich türkische Monitors Küstendsche, gingen aber bald darauf nach Varna ab. Am 1. Septbr., Morgens, drangen eine Menge Baschi-Bozuks und Tscherkesten in das Dorf Selenedrewo im Balkan ein, zerstreuten sich jedoch bei der Erscheinung unserer Truppen. Im späteren Verlaufe des Tages herrschte überall vollständige Ruhe.
London, 3. September. Der Correspondent der „Daily News" im Hauptquartier des Großfürsten Thronfolgers, welcher dem Kampfe bei Kha- rachassanskiöi beiwohnte, meldet aus Gngowo von gestern Abend : Der Kampf war keine Schlacht mit ziemlich gleichmäßigen Streitkräften auf beiden Seiten, sondern ein bloßes Treffen, in welchem eine kleine Streitmacht heroischen Widerstand leistete gegen eine gewaltig überlegene Truppenzahl. General Leonoff hatte nur 3000 Mann Infanterie, 500 Mann Kavallerie und 10 Geschütze zu seiner Verfügung. Die Türken dagegen griffen mit 12,000 Mann an und überflügelten beständig die Ruffen. Der Verlust der russischen Positionen ist nur von geringer Bedeutung, falls nicht die Türken nunmehr die von den Ruffen besetzten Höhen forciren werden. Die Verluste der Russen belaufen sich auf zusammen 500 an Todten und Verwundeten. — „Daily Telegraph" meldet aus Datum, 31. August: Die Türken räumen Sukhum-Kale wegen der Annäherung der Ruffen.
Wien, 3. September. Das „Tageblatt" meldet aus Belgrad : 25,000 Türken unter dem Cornmando von Salih und Zekki Pascha besetzten die bosnisch-serbische Grenze. — Fürst Gortschakoff hat die Bitte der Bosnier um russische Hülfe ablehnend beantwortet.
Lokal-Notiz.
Gießen, 3. Sept. Langsam aber in stetem Fortschreiten macht die freiwillige Feuerwehr auch auf dem Lande ihre Eroberungen. Den seit Jahresfrist in unserer Nachbarschaft gegründeten Feuerwehren von Lollar, Lich, Laubach und Allmdorf a. d. Lda. reiht sich jetzt auch eine Groß-Busecker Feuerwehr an. Am Vorabend des Sedantages wurde dieselbe unter Leitung des Ortsvorstandes und unter Beihülfe der hiesigen städtischen Feuerwehr gebildet. Die Anwesenheit auch vieler älteren Ortsbürger bekundete die allgemeine Theilnahme, deren sich die neue Einrichtung in der strebsamen Gemeinde erfreut und sichert derselben ein gedeihliches Ansehen. Es steht zu hoffen, daß auch die anderen größeren Gemeinden unseres Kreises, wie Groß-Linden, Grüningen und Heuchelheim rc. nicht länger zurückbleiben im Begriff der Wohlthat solch neuer Ordnung des LöschwesenS, daß es weder den Ortsvorständen an Einsicht, noch der Bürgerschaft an Thatkrast fehlen werde zur Gestaltung freiwilliger, geordneter, gehörig ausgerüsteter Feuerwehren. Engherzige Sparsamkeit im Löschwesen ist di- ärgste Verschwendung und ein schlimmeres Armuthszeugniß könnte sich eine Bürgerschaft nicht ausstellen, als wenn sie sich unfähig zeigte einen so gemeinnützigen Dienst zu übernehmen und einzurichten, wie der der freiwilligen Feuerwehren ist.
Auch unserer Einwohnerschaft darf man übrigens noch gute Beispiele zur Nachahmung vorhalten. In Stuttgart, das neulich dem X. deutschen Feuerwehrtag seine 2 Löschbataillone vorführte, überzeugten wir uns, daß dort kein sonst befähigter Bürger von Anspruch und Ansehen ist, der nicht der freiwilligen Feuerwehr angehörte. So weit sind wir hier leider noch lange nicht, man zollt zwar der Feuerwehr alle Anerkennung, aber selbst in der jungen Bürgerschaft hält Trägheit und Dummstolz noch allzuoiele Kräfte vom Feuerwehrdienfte ferne, während die Ehre jedem jungen Mann verbieten sollte, Arbeit und Opfer, die auch ihm, wie Jedem zugut kommen, nur den Andern zu überlassen. t c „
Gießen, 4. Septbr. Der nationale Fest- und Jubeltag, das Sedanfest, wurde auch in diesem Jahre, verbunden mit unserem schönen Jugendfest, in unserer Stadt festlich gefeiert. Am Sonntag Mittag zog unsere liebe muntere Kinderschaar, Knaben und Mädchen, über 1500 an der Zahl, in den Philosophenwald und feierte da ein Fest, wie es eben nur in Gießen existiren und gefeiert werden kann, ein Iugendfest. Einen schöneren rührenderen Anblick kann es unseres Erachtens gar nicht geben, als diese lieblichen Kinder in munterem Zuge, geleitet von ihren Führern durch die Stadt ziehen zu sehen. Und dieser Festjubel im Walde! Kein Mißton störte die Feier. In ihren Kindern, reich oder arm, freuten sich die Eltern, welchem Stande sie auch angehörten und welcher Gesinnung sie auch huldigen mochten. Mit einbrechender Nacht wurde der Festplatz eben so wieder verlassen. Alles zog mit den Kleinen wieder nach Hause und wenn fremde, der hiesigen Verhältnisse Unkundige, diesen Festzug gesehen haben, werden sie es sich kaum zu erklären wissen, wie Alle einem inneren Triebe und Ordnung folgten. — Der Abend vereinigte dann noch diejenigen, denen die Last des Tages noch nicht genügte, zu einem fröhlichen munteren Bankette in Wenzel'S Garten, allwo viele Reden und Toaste der Weihe des Tages Ausdruck verliehen und von der hiesigen Regimentsmusik unter Leitung der Kapellmeister Krausse u. Wenzel muntere Weisen gespielt wurden.___
Eingesandt.
Staufenberg. Um irrigen Aeußerungen über die Anlegung und Ausführung der Wasserleitung für die Gemeinde Staufenberg entgegen zu treten, dürften einige Mittheilu..gen über unser in jeder Hinsicht gelungenes Wasserwerk von Interesse sein.
Srit über Vs Jahr erfreuen sich die hiesigen Bewohner der Zuführung vortrefflichen Trinü- und Kochwassertz, was früher für unsere Bewohner nur mit vieler Mühe und zu räi.i'zr8ieit mit großer Schwierigkeit verbunden war, das nöthige Trink- und Kochwass^ w,?t Fuß des Berges aus nach Staufenberg herauf zu schaffen.
Mcn renn sich daher leicht denken, daß es mit allgemeiner Freude begrüßt wurde, cl9 jahrelangem Umhersuchen und vergeblichen Projecten, auf Anrathen der höhern Verwaltungsbehörde der Gemeinderath endlich im September 1876 dazu kam einen desirUiven Vertrag mit dem Ingenieur Max Hefsemer aus Ems wegen der Sinter' eines Wasserwerks für die runde Summe von 27,000 JC abzuschließen.
M x Hessener, dessen Specialität die Ausführung derartiger Anlagen ist, und der uefcrivc Wasserwerke projectirt und ausgeführt hat, hat die an ihn gestellten zu unserer vollkommenen Zufriedenheit gelöst, sämmtliche Arbeiten
billigst itnb in gut'm Einvernehmen mit uns, derart rasch hergestellt, daß wir ihn in dankbare . 55nl. mken bchalten werden.
Dr.s techr.Hche GuLuchten Großherzogl. Kreisbauamtes hebt die solide Ausführung der Ard ' arson'^rs hervor, welchen Eindruck die ganze Anlage auf jeden Beschauer ausübt.
Dc. i der am Fuße Staufenberg's circa 600 Meter entfernt gelegenen Quellen, u'r. ys ' em 3,5 Meter weiten und 8 Meter tiefen (Sammelbrunnen ausgenommen vul vermittelst einer Balancier-Damvfpumpe durch die 75 Millimeter weite DrrckrVerleitung nach dem 66 Meter hohen und oberhalb Der Straßen Stausenberg's unterirdisch angelegten 7 Meter langen, 3 Meter breiten und 2,5 Meter hohen gemauerten Reinwasserreserooir gepumpt, von wo es durch die 400 Meter langen 75 und
50 Millimeter weiten Fallrohrleitungen nach den an verschiedenen Punkten ausgestellten, den Verbesserungen der Neuzeit entsprechenden Ventilbrunnen fließt und daselbst beliebig entnommen werden kann.
Die Anordnung des Betriebs des Werks ist so getroffen, daß in 6 Stunden das Wasserquantum, welches die Gemeinde m 2 Tagen verbraucht, gepumpt wird und sind ür das jedesmalige Pumpen nur l1/» bis IV« Centner Steinkohlen erforderlich, was uns die Ueberzeugung gibt, daß alle Arrangements im richtigen Verhältniß zu einander berechnet sind.
Ist das Reservoir gefüllt und die Pumpen werden weiter in Betrieb gehalten, o läuft das Wasser durch den Unterlauf in die beiden Sammelweiher; auch ist eine Schiebevorrichtung angebracht, daß sämmtlicher Reservoir-Inhalt, nach dem einen oder dem andern Sammelweiher geleitet werden kann, was uns bei Feuersgefahr jeglichem Wassermangel enthebt.
Die Einsicht ist jedem gestattet. Vogel.
Der Milzbrand.
Jedermann kennt wenigstens vom Hörensagen die Krankheit des Milzbrandes und ihre schreckliche Ansteckungsfähigkeit. In der neuesten Zeit hat sie für die Medicin eine besondere Bedeutung gewonnen, als die erste der ansteckenden Krankheiten, von der man annehmen darf, das man ihrem Wesen ziemlich vollständig auf die Spur gekommen sei; die gewonnenen Resultare werden in der Geschichte der blutvergiftenden Seuchen jedenfalls eine große Rolle spielen und ind so interessant, daß wir sie unfern Lesern in Kürze vorlegen wollen. Sie sind hervorgegangen aus Pasteur s Untersuchungen über die Fortpflanzung der mikroskopisch kleinen Organismen.
Der Milzbrand ist in gewissen Gegenden endemisch, in andern tritt er, wahrscheinlich durch Einschleppung, sporadisch auf. Am häufigsten zeigt er sich bei Wiederkäuern und Schweinen, läßt sich aber auf alle Säugethicre, den Menschen nicht ausgeschlossen, übertragen. Die befallenen Individuen sterben an Blutzersetzung; das Blut wird schwarz, die rothen Körperchen, welche ihm im normalen Zustande seine Farbe verleihen, verfärben und verkleben sich, es bilden ich Anschwellungen, Pestbeulen :c. Die Milz wird schwarz und zerfließlich, meist unter starker Anschwellung; daher der Name der Krankheit. Ist einmal der Organismus ergriffen, so ist der Tod unvermeidlich. Berührung mit kranken Thieren steckt häusig an; Impfung sicher. Ein unmeßbar kleines Blutströpfchen, von einem kranken Thier in das Blut eines andern gebracht, überliefert dies dem Untergang und macht, daß sein Blut nach kurzer Zeit gleichfalls eine Giftquelle für andere Thiere wird. Die Fliege, welche an einem kranken Individuum gesogen hat, stirbt bald, aber wenn sic vor ihrem Tode ein zweites Thier ansaugt, theilt sie diesem die Krankheit mit. In solchen Fällen localer Einimpfung, wo das Gift nicht sofort in den Blutstrom gelangt, bildet sich häufig eine Beule an der verletzten Stelle, und wenn diese rechtzeitig ausgebrannt wird, kann Heilung erfolgen. Der Umgang mit Häuten rc. gefallener Thiere kann bei Menschen karbunkelartige An'chwAlungen und milzbrandige Erkrankung des ganzen Körpers herbeiführen. Die ansteckende Kraft des Milzbrandes ist so lange bekannt, daß die polizeilichen Vorschriften überall die Verscharrung der befallenen Thiere unter einer dicken Schicht von Kalk und Erde verlangen.
Wir haben es beim Milzbrand offenbar mit einem „Gift" zu thun, welches von einem Körper auf den andern übergeht und sich in jedem befallenen Thier auf's Neue erzeugt, so daß dieses zu einer neuen Giftquelle wird. Welches ist nun dieses Gift? Im Jahre 1850 entdeckten Naver und Davaine im Blut der milzbrandkranken Thiere kleine fadenförmige Körper ohne Bewegung, etwa doppelt so lang wie die Durchmeffer der Blutkörperchen. Sie sind selbstständig lebende Wesen, und haben den Namen Bacteridien erhalten. Sie vermehren sich einestheils durch Spaltung; man findet sie in allen Stadien der Theilung, von der einfachsten.Zelle bis zu dem Zustande, wo gerade ein neues Wesen sich vom alten trennt Anderntheils können sie, wie Koch entdeckt hat, sich unter gewissen Umständen in kleine, glänzende Körperchen verwandeln. — Aehnliches ist für andere niedere Organismen bekannt —, welche offenbar ihre Keime alS Eier darstellen, sehr dauerhaft sind und wahrscheinlich von einem Jahr zum andern übergehen können, ohne zu sterben, welche also die Erhaltung der Gattung unter schwierigen Verhältnissen vermitteln Der Gedanke liegt nun nahe, daß diese Bacteridien die Ursache des Milzbrandes sind. Die kleinen Wesen dringen in das Blut der kranken Thiere ein, vermehren sich, erzeugen dort eine Gährung, welche daS Blut vergiftet, und machen dieses Blut, indem sie es mit Ihresgleichen bevölkern, zu einer neuen Giftquelle. Damit ist die Art der Verbreitung des Milzbrandes augenscheinlich erklärt. Aber der Beweis, daß die Bacteridie, und nur sie, wirklich die Krankheit verursacht, muß erst in aller Schärfe beigebracht werben
Das ist, hauptsächlich durch die Arbeit von Pasteur und Joubert, neuerdings geschehen Ihre Begründung setzt sich auS folgenden Beobachtungen zusammen:
1) Es ist constatirt, daß das Blut aller milzbrandkranken Thiere bis zur Zeit ihres Todes von lebenden Bacteridien wimmelt.
2) Das kranke Blut enthält keine andere Organismen. Entzieht man es dem Körper vorsichtig und bewahrt es so auf, baß es nicht mit Der Luft in Berührung kommt, so entwickeln ich in ihm keine Jnfusionsthiere, keine Viberionen, und es fault eben so wenig, wie gesundes Blut unter denselben Verhältnissen.
3) Die Bacteridien kann man aus dem Blut herauslesen und sie in eine Flüssigkeit irgend welcher Art bringen, welche geeignet ist, niederen Thieren als Nahrung zu dienen, Eiweißlösung, Augenflüssigkeit, Urin, Aufgüsse rc. Dort vermehren sie sich und gedeihen durch Hunderte von Generationen.
4) Ein Tröpfchen einer solchen Flüssigkeit, in welcher man die Bacteridien cultivirt, unter die Haut eines lebenden Thieres, z. B. eines Meerschweinchens, gebracht, erregt bei bicem alle Erscheinungen des Milzbrandes und töntet dasselbe. Nach Der Erkrankung findet sich fein Blut mit Bacteridien angefüllt, und diese können aufs Neue in andern Flüssigkeiten cultivirt werden, ohne etwas von ihren gefährlichen Eigenschaften zu verlieren.
5) Man nimmt eine Quantität der bacteribienhaltigen Flüssigkeit oder auch von milzbrand- krankem Blut und preßt sie durch eine Filter von Gyvs, welches die Bacteridien zurückhält. Die durchgcgangene Flüssigkeit ist vollkommen unschädlich; die Emimpfung derselben ruft keine Erkrankung hervor Das tödtliche Agens steckt also nicht in der flüssigen Masse, sondern bloß in den organisirten Theilen, d. i. in den Bacteridien.
6) Läßt man milzbrandkrankes Blut faulen, oder entnimmt man das Blut einem feit längerer Zeit gestorbenen Thiere, so verschwinden die Bacteridien aus-ihm ; sie sterben und lösen sich auf. Dennock ist solches Blut giftig; aber es erzeugt nicht den Milzbrand, wenn es cin- qeimpft wirb, sondern eine ganz andere Krankheit, die Blutfäule. Diese Blutfäule tritt eben jo ein, wenn man gewöhnliches Blut faulen läßt und einimpft. Sie ist früher wohl mit dem Milzbrand verwechselt worden und diese Verwechslung ist der Erkennung deS wahren Thatbe- standes lange hinderlich gewesen. . ,
So weit schließen sich, wie der Leser ohne Schwierigkeit sieht, die That,achen völlig zusammen zum Beweise, daß die Bacteridien wirklich Die Ursache des Milzbrandes sind. Da kam aber vor Kurzem ein Experiment des Physiologen P. Bert und machte anscheinend einen dicken Strich durch die schöne Rechnung. Bert hat vor längerer Zeit gefunden, baß verdichteter Sauerstoff ein tödtliches Gift für alle Thiere ist. Er schloß nun: Wenn die Bacteridie wirklich den Milzbrand verursacht, muß das milzbrandkranke Blut unschädlich werden durch längeren «ufenh halt in verdichtetem Sauerstoff; denn durch diesen stirbt Die Bacteridie. Er stellte Den Versuch an und brachte das kranke Blut in Sauerstoff von zehnfacher Dichtigkeit. Die Bacteridien starben in der That, aber das Blut blieb giftig und erzeugte bei Der Einimpfung nach tote vor ächten Milzbrand. Ja, er ging noch weiter: aus Den giftigen Flüssigkeiten konnte er durch Weingeist weiße Flöckchen abscheiDen, welche, eingeimpft, Den Milzbrand Hervorrufen. Somit sah es plötzlich schlimm aus um die Bacteridientheorie und es hatte den Anschein, als ob neben den Bacteridien noch ein besonderes, lebloses Milzbrandgift existirte, welches vielleicht von den Bacteridien erzeugt werden, jedenfalls aber getrennt von diesen existiren könnte. Indessen bei geduldigem Nachsuchen klärt sich alles auf, und auch diese Schwierigkeit wurde, theils von Pasteur und Toulot, theils von Bert selbst glücklich ins Reine gebracht. ... .
Wir haben nämlich schon oben bemerkt, daß die Bacteridien die Fähigkeit haben, sich m glänzende Keimkörperchen zu verwandeln, und daß diese Keimkörperchen sehr widerstandsfähig sind. Sie überdauern Angriffe, welchen die reifen Thierchen sofort unterliegen. Letztere sterben schon bei geringer Erwärmung; die glänzenden Körperchen behalten bas Leben und die Fähigkeit, neue Bacteridien zu erzeugen, selbst bei kurzer Erhitzung auf 100 ®taD; sie können wahrscheinlich auch, wie so viele andere Keime, eintrocknen unb getrocknet umherfliegen; (te ertragen Den comprimirtcn Sauerstoff und einen mäßigen Alkoholrausch. Bei näherem Nachsuchen fanD sich, daß in den giftigen weißen Flöckchen, welche Bert erhalten hatte, einzelne glänzende Keime eingeschlosien waren; entfernte man diese, so waren die Flöckchen unschädlich. Nahm man eine Flüssigkeit, die bloß erwachsene Bacteridien enthielt, und setzte sie dem verdichteten Sauerstoff aus, so verlor sie ihre giftigen Eigenschaften; mit der Bacteridie starb auch ihre ansteckende
Hiernach darf man sagen: es ist bis zur Gewißheit wahrscheinlich, daß der Milzbrand nichts Anderes ist als eine Schmarotzerkrankheit, wie die Krätze, hervorgebracht durch ein besonders lebendes Wesen, die Bacteridie, welches sich im Blut der höheren Thiere ernährt und Die» ses verdirbt.


