Gehalt von 857 Jl. 14 H ; die Gemeinde-Schulstelle zu Nieder-Bessingen mit einem Gehalt von 762 62 Dem Fürsten zu Solms-Braunfels steht
das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.
i 1. Sterbesälle. Gestorben sind: am 26 August der evang Pfarrer Heinrich Kolb zu Raunheim; am 30. August der evang. Pfarrer Julius Ktßner zu Bellersheim.
Darmstadt, 1. October. Se. König!. Hoheit der Großkerzog haben allergnädigft geruht:
Am 20. Septbr. den ordentlichen Prosesior in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität, Dr. Anton Lutterbeck, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, mit Treue und Eifer geleisteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen, auch demselben das Ritterkreuz I. Klaffe des Philipps- Ordens zu verleihen.
Mainz, 30. September. Gestern Nachmittag wurde in der letzten geschlossenen Versammlung des Altkatholikeu-Cougresses die Discussion über Neubelebung der Agitation, insbesondere über Beschaffung der hierfür wie für die Seelsorge erforderlichen Geldmittel fortgesetzt. Ferner kamen mehrere Briefe von protestantischen Freunden der altkatholischen Bewegung zur Verlesung insbesondere von den Profefforen Holzmann in Straßburg und Bona Meyer in Bonn, sowie von Pfarrer Manschot in Bremen, welche ihr Nichterscheinen entschuldigten und ihre warmen Symnathien ausdrückten, zum Theil unter Hervor Hebung ihres abweichenden Standpunktes. — Abends 8 Uhr fand im Gartensaale der Neuen Anlage ein festliches Banket statt, bei welchem Präsident Schwarzmann den ersten Toast auf den deutschen Kaiser und auf Großheczog Ludwig von Hessen ausbrachte. Es folgten Trinksprüche auf den Vorsitzenden des Congreffes, auf Bischof Reinkens, dann von diesem auf bad Comitö, insbesondere dessen erster Vorstand Dr. Denk, von Dr. Struve aus die altkatholischen Frauen. Den officiellen Toasten folgte eine Reihe von humoristischen, welche den größten Theil der Versammlung noch lange fesselten. — Heute Morgen bot der große Saal des Schlosses den Anblick der Verwandlung in eine von Andächtigen dicht gefüllte Kirche. An Stelle der Tribüne war geschmackvoll und reich verziert ein Altar errichtet, an welchem Pfarrer Steinwachs von Offenbach ein Hochamt celebrirte, während Bischof Reinkens in engem Anschluß an die Worte des sonntäglichen Evangeliums und der Epistel die Festpredigt hielt. Der Mainzer Sängerkranz und der Wiesbadener altkatholische Kirchenchor wechselten mit der ganzen Versammlung ab in Gssäuzen zur Verherrlichung des Gottesdienstes.
Berlin, 29. September. Die nach Rumänien beurlaubten preußischen Militärärzte sind gestern (Donnerstag) Nachmittag nach ihrem Bestimmungsorte Bukarest abgereist. Die Führung des ganzen Commandos, welches aus Aerzten aller Armee-Corps gebildet worden ist, hat der Generalarzt des 9. Armee-Corps, früher Regimentsarzt des Kaiser Alexander-Gardegrenadier- Regiments der Armee Dr. Cammerer übernommen. Vom Garde-Corps sind nur drei Aerzte beurlaubt worden, nämlich der Oberstabs- und Regimentsarzt des Kaiser Alexander-Gardegrenadier-Regiments Dr. Hahn, der Stabs- und Bataillousarzt Dr. Stricker vom Füsilier-Bataillon desselben Regiments und der Stabs- und BataillonSarzt Dr. Vahl vom Gardepionier-Bataillon. Sämmt- liche Aerzte sind als tüchtige Chirurgen bekannt.
Berlin, 1. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt anläßlich der auf Polen bezüglichen Artikel der „Germania" und einer ultramontanen Wochenschrift : Daß die Thätigkett der Ultramontanen ganz direct auf die Wiederherstellung Polens gerichtet ist, bedarf danach keiner besonderen Ausführung; doch dürfte die in demselben Artikel gleich darauf folgende Glorificirung Mac Mahon's und seines Manifestes als charakteristisches Merkmal der Ziele jener Partei beachtenswerth sein.
Berlin, 1. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet aus Bukarest: An ein Zurückgehen der russischen Armee in Winterquartiere wird noch nicht gedacht, vielmehr steht im Osten oder Westen des Kriegstheaters ein entscheidender Schlag zu gewärtigen, von dessen Ausgange erst der eventuelle Rückzug abhängen dürfte.
Oesterreich.
Wien, 1. October. Die Putsch-Affaire wird abgeschwächt. Compro- mittirt sind zwei Pesther Abgeordnete und einige Szekler Gutsbesitzer. Die Volks-Masse blieb ziemlich unbetheiligt. Einige Verhaftungen sind vorgekommen. Buttler Johnston hat 2000 Pfund gespendet. Das übrige Geld für die Türken ist aufgebracht. Angekaust waren 1000 Martini-Gewehre und 50,000 Patronen. — Am Mittwoch wird im Reichstag zu Pesth wegen des Putsche- eine Interpellation gestellt werden. — Das „Fremdenblatt" berichtet: Montenegro hat die weitere Offensive eingestellt und wird das occupirte Terrain vertheidigen.
Frankreich.
Pari-, 30. September. Der „Soir" dementirt die Nachricht, wonach der Prinz Louis Napoleon alsbald ein Manifest veröffentlichen werde.
— Die „Agence Havas" meldet: Der Graf v. Chambord wird Frohs- dorf verlassen, um nach Ober-Oesterreich zu gehen. Ein Manifest desselben ist nicht in Vorbereitung.
Pari-, 1. October. Privat-Nachrichten aus Pesth melden, daß in Folge neuer Vorstellungen Rußlands das Eingreifen Serbiens als gewiß zu betrachten sei. Es seien Contrakte für große Lieferungen Getreide abgeschlossen. Die erste Klasse der Milizen sei eingerufen.
Pari-, 2. October. Ein Schreiben des republikanischen ComitCs des neunten Arrondissements, bei welchem Gambetta den Vorsitz führt, richtet sich mit Ausdrücken des Vertrauens und der Zuneigung an Grövy, um ihn in förmlicher Weise als Denjenigen zu bezeichnen, der berufen sei, Thiers als Haupt der französischen Demokratie und als Führer der Majorität der 363 ehemaligen Deputirten zu ersetzen.
Retzien.
Brüssel, 2. October. Die „Etoile" versichert, daß der exkaiserliche Prinz, statt nach England, nach Paris gereist sei, wo er sich noch in diesem Augenblick befinde.
Statten
Rom, 30. September. Der Erzbischof von Neapel, Cardinal Riario Sforza, ist gestorben.
Nußland.
Petersburg, 29. September. Der „Agence Russe" bezeichnet die Nachricht der „Morning Post", daß General von Kotzebue zur Armee berufen sei, um an die Stelle des Großfürsten Nikolaus zu treten, für unbegründet. In dem kaiserlichen Hauptquartier ist von einer derartigen Maßnahme nichts bekannt.
Numänieu
Bukarest, 2. October. Statescu ist zum Justizminister ernannt worden. Campineanu bleibt Finanzminister.
Der orientalische Krieg.
Konstantinopel, 30. September. Suleiman Pascha meldet aus Schipka vom 27. d.: Wir haben die ganze Nacht ein Bombardement unterhalten. Unsere Artillerie hat den Feind von drei Seiten einzeschloffen. — Aus Orchanie wird vom 28. d. gemeldet: Die Russen setzen das Bombardement von Plewna fort. In Folge der Regengüsse sind die Ebenen von Sofia und Orchanie überschwemmt. — Der Commandant von Basardschik meldet vom 27. d.: Tscherkeffen und Aegypter mit zwei Kanonen und einem Bataillon Türken schlugen ein russisches Detachement auf dem Wege von Balschik nach Karaklias. Der Feind zog sich nach Karagatsch zurück. — Das Bomb irde- ment von Rustschuk hat wieder begonnen. De Türken erwidern das Feuer.
Bukarest, 30. September. Der Czar ist leicht erkrankt gewes n, aber bereits wieder ans dem Wege der Besserung. — Der Fürst von Rumänien in- spicirte gestern die Redoute von Grivica und kehrte hierauf in das Hauptquartier zurück. Eine stärkere rumänische Recoznoscirungs - Abthellung hat gestern unweit Plewna 80 türkische Mnnitionswagen weggenommen.
Wien, 30. September. Die „Presse" meldet aus Bukarest vom 29. d. : Die rumänischen Truppen setzen trotz des Regens die Belagerung der Grivica- Redoute fort. Die vierte Parallele ist begonnen und befinden sich die Rumänen bereits in der unmittelbaren Nähe der Redoute.
Wien, 1. October. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 1. Octbr.: Die Angaben über Kämpfe, welche in den letzten Tagen zwischen den Armeen des Großfürsten - Thronfolgers und Mehemed Ali stattgefunden haben sollen, entbehren der Begründung. Von Kalafat aus haben die Rumänen am 30. Septbr. vor Widdin ankernde türkische Transportschiffe bombar- dirt. Aus S'listria entsendete türkische Abheilungen stellen auf zum rumäni' scheu Territorium gehörigen Donau-Inseln die im Jahr 1854 von den Russen errichteten Verschanzungen, aus denen letztere W.ddin bombardirten, wieder her. — Aus Belgrad, 1. Octbr , berichtet dasselbe Organ: In officiellen Blättern wird auf das Entschiedenste der Nachricht widersprochen, daß Serbien den Eintritt in die Kriegs-Action bereits beschlossen habe, indem man bemerkt, daß die endgültigen Entschlüsse der serbischen Regierung vor Allem von dem Ausfall der Mission des so eben hier eingetroffenen neu ernannten rnssischen Agenten Persiani abhingen.
Petersburg, 1. October. Officiell wird aus Karajal vom 28. Sept, gemeldet: Ismail Pascha eröffnete am 27. Sept, den Angriff auf der ganzen Linie der Stellungen Tergukasoff's. Unser rechter Flügel wurde von 12 Bataillonen bei Tscharuchischi angegriffen; nach längerem Kampfe wurden die Türken durch ein kubanisches Regiment zurückgeworfen und 17 Werst weit verfolgt. Die türkischen Verluste sind sehr groß. Unsererseits wurde verwundet: General-Lieutenant Dewell, der Commandeur des kubanischen Regiments. Ka- benin, und 6 Officiere, 4 Officiere wurden contustonirt, 16 Soldaten sind lobt, 148 verwnnbet und contusionirt.
Wien, 2. October. Das „Tageblatt" enthält folgende Nachrichten.- Aus Bukarest. Das Corps des Generals Zimmermann in der Dobrudscha hat bedeutende Verstärkungen erhalten. Die von dem Ingenieur-General Panker construirte Etsenbahnbrücke für die Strecke Simnitza-Sistowa ist per Eisenbahn an die Donau befördert. — Aus Schumla. Nachdem die Verwrltungs Behör- den des Vilajets hierher verlegt worden sind, hat nunmehr auch die Uebersied- lung der Consuln aus Varna hierher stattgefunden. Die Russen haben die Brücke bet Bochtna abgebrochen.
Lvkal-Stotiz.
Gießen, 3. Oktbr. Auszug aus den Sitzungsprotocollen der Großherzoglichen Handelskammer in Gießen vom 29. August und 24. September 1877.
Anwesend: Sämmiliche Mitglieder.
Die Eingänge werden theils den Acten und der Bibliothek Überwiesen, theil- zur Circulation bestimmt.
Der Entwurf des Jahresberichts pro 1876 wird verlesen, festgestellt und genehmigt.
Gemäß eines Rescripis Großherzoglichen Ministeriums des Innern, betreffend Austausch statistischer Publicationen mit der Kaiser!. König!. Oesterreich-Ungarischen statistischen Centralcommission in Wien und eines Ersuchens der Oirection der deutschen Vereinsbank zu Frankfurt a. M. sollen die Jahresberichte der Handelskammer fortan beiden Stellen zugetheilt werden.
Der Vorsitzende referirt Namens der gewählten Commission über die in der Eisenbahnfrachttariffcage angestellten Erhebungen. Auf Vorschlag desiclben wurde be- schloffen, eine Eingabe an Großherzogl. Ministerium des Innern zu richten, in welcher um geeignete Maßnahmen für die Abstellung der Schädigungen durch die neuen Larifirungen unter besonderer Berücksichtigung und Declaration derjenigen, welche den hiesigen Bezirk spcciell berühren, dringend gebeten wird. Diese Eingabe soll zugleich auch dem König!. Preußischen Handelsministerium, dem Reichseisenbahnamt und dem bleibenden Ausschuß des deutschen Handelstags zur Berücksichtigung bezw Unterstützung mitgetheilt werden.
Der Handelskammer in Halle an der Saale wird in Erledigung ihrer Mittheilungen und Anfragen betreffend die neuen Eisenbahnfrachttarife von den diesseits geschehenen Schritten Kcnniniß gegeben und geantwortet, daß man bereit sei, jedes weitere Vorgehen im Interesse des Handelsstandes in dieser Angelegenheit zu unterstütz n.
Vermischtes.
— Ein lästiger Reisegefährte quälte einen Coupenachbar mit indiScreten Fragen, und hörte auch nicht auf, als der Augeredete sich in die Wagenecke zurückzog. Alles über sich ergehen ließ, und nur noch mit stummem Kopfnicken antwortete. Zuletzt riß dem Gepeinigten die Geduld und sich in Positur setzend, sagte er: .Jetzt ist die Reihe an mir und ich darf erwarten, daß Sie meine Fragen mit gleicher Ruhe entgegen nehmen, wie ich die Ihrigen: Wann sind Sie geboren? War Ihr Vater ein Barbier? Hat Ihre Mutter Eier und Gemüse verkauft? Sind Sie vorschriftsmäßig geimpft? Haben Sie Kinder, seit wann sind Sie verheirathet? Wollen Sie demnächst wieder eine Reise thun? Beabsichtigen Sie auch dann zweiter Classe zu fahren? Trifft man Sie stets im Rauch Coupe? Wie lange dauern Ihre Geschäftsreisen? Wann wollen Sie sich ins Privatleben zurückziehen und wann gedenken Sie sich endlich begraben zu lassen?
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