zwei Admiralschiffe hier haben, da der „HerkuleS" die Flagge des Contre- admtralS Rice aufziehen wird. — Italien besitzt jetzt das größte und stärkste in Europa existirende Dampfschiff, „Duilia", genannt; dies ist ein Mißstand, welchen England nicht dulden kann, und schon ist ein noch größeres und stärkere- in Bau genommen worden. (A. Z.)
Kutzlasd.
Petersburg, 1. März. Die Nachricht der „Times" über eine angebliche Sitzung des Ministerraths unter dem Vorsitze des Kaisers, in welcher beschloffen wäre, nach Abschluß deS Friedens zwischen der Türkei und Serbien, sowie Montenegro die Armee zu demobilisiren, ist durchweg unbegründet; weder liegt ein solcher Beschluß vor, noch fand ein derartiger Ministerrath statt. Conseil-Sitzungen, wie fie in anderen Staaten zur regulären Organisation gehören, sind hier überhaupt nicht herkömmlich und könnten nur in Folge aus- nahmsweiser Berufung stattfinden. Ein Staats-Ministerium, welches reguläre Sitzungen hielte, exis.irt in Rußland nicht; das vorhandene Minister-Comitö ist etwas anderes und zählt auch andere Personen, als die Minister zu Mitgliedern. •
Türkei.
Konstantinopel. Die Wiener „Preffe" schreibt: „Die bei Täbris conceutrirte persische Armee beträgt 22,000 Mann Infanterie; 8000 Mann Kavallerie werden in nächster Zeit aus dem Innern in Persien eintreffen. — Ans verschiedenen Theilen des türkischen Reiches lausen Berichte über maffen- hafte Fälschungen der türkischen Banknoten ein. Die Regierung hat Special- Commissionen in die einzelnen Provinzen zur Untersuchung der Angelegenheit entsendet. — Seit zwei Monaten schon fällten im Auftrage der Behörden von Rustschuk 80 Arbeiter, die von einigen Aufsehern begleitet waren, Holz auf der Insel Guramnei, die zu dem Donau-Vilajet gehört und nie von der fürstlich rumänischen Regierung als ihr Gebiet beansprucht wurde. Diese Arbeiter wurden am 21. Februar von 50 Walachen unter Anführung eines Osficiers mit Pistolenschüssen angegriffen. Ein Gemeinderath und ein Arbeiter wurden ge- tödtet und darauf 13 Arbeiter als gefangen nach Giurgewo geschleppt."
Konstantinopel, 1. März. Das Friedens-Instrument ist heute vou dem serbischen Abgeordneten und dem türkischen Minister des Auswärtigen unterzeichnet worden. Die montenegrinischen Unterhändler treffen heute Abend hier ein. Heute haben auch die Deputirten-Wahlen stattgefunden.
Aurnänien
Bukarest, 1. März. In der Deputirten-Aammer gab der von der Regierung vorgelegte Gesetz Entwurf über das Staats-Rechnungswesen zu einer lebhaften Debatte Anlaß, bei welcher das Ministerium erklärte, aus der Annahme der Vorlage eine Cabinets-Frage machen zu wollen.
Kriechenland.
Aus Athen, 28. Februar, wird der „Agence Havas" telegraphisch gemeldet : „Die englische Admiralität hat der gesammten englischen Mittelmeer- Flotte den Befehl gegeben, sich sofort in Malta zu sammeln. Hier im Piräus bleibt nur der Research. Dieses Zurückgehen der englischen Flotte aus den türkischen und griechischen Gewäffern wird als die Folge einer Verständigung der Großmächte betrachtet."
Amerika.
Aew-Aork, 2. März. Der oberste Gerichtshof hat der Regierung die Vefugniß zur definitiven Regelung der Personen-Tarise auf den Eisenbahnen zugesprochen.
Washington, 1 März. ^>ayes ist heute von der Stadt Columbus nach Washington abgereist. Dec Senat hat mit Einstimmigkeit die gegen die Wahl-Certificate des Staates Vermont vorgebrachten Einwendungen zurückgewiesen.
Washington, 2. März, 4*/4 Uhr früh. In gemeinschaftlicher Sitzung beider Häuser der Congreffes wurde Hayes als mit 185 Stimmen gewählt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika proclamirt.
Lokal-Notiz.
Gießen, 3. März. Der derzeitige Rector unserer Landes-Universität, Professor Dr. Bürkel, ist beute Morgen fernen Leiden erlegen.
Gießen, 3. März. Bitte, Bitte! Das schwere Gewölk, welches uns am Dienstag Abend das himmlische Schauspiel der gänzlichen Mondve-finsterung öfters verhüllte, bat gleichzeitig Schneemassen herabgeschüttet, daß die gütige Erde wieder weit uno breit mit dem weißen Leichentuche bedeckt ist und die armen gefiederten Frühlinas- boten, welche dem Lenz-Prospekt des trügerischen Winters trauten, um ihr tägliches vrod sich gebracht seben. Die lieben kleinen Gesellen, welche so weite Reisen gemacht haben, um in unserer Brust die Hoffnung auf eine bessere Zeit zu wecken, sie müssen Roth leiden und kläglich enden, wenn ihnen die fürsorgliche Hand des Menschen nicht schleunig Hilfe bringt. Die Futtermagazme, die zu früh ihren Einzug bei uns gehalten, sie liegen unter dem Schnee und zwitschernd flehen die HunMigen: „Gedenkt unserer Roth und gebt uns Brod!"
«ießen, 2. März. In bet heute stattgehabten öffentlichen Sitzung Großherzog- liche,' Hofgerichts der Provinz Oderbessen wu?bcn bie Haupt- unb ErgänzunaS-Ge- schworenen für bie mit Montag den S. April, Vormittag- 9 Uhr, beginnenden Sitzungen be8 Schwurgerichts vom II. Quartal, für welches der Grotzherzoglicbc Hof genchtsrath Herr Dr. ftlein zum Präsidenten unb Großherzoglicher Hofgerichtsrath Herr von Herff zu dessen Stellvertreter bestimmt worben ist, in folgender Reibenfolae ausgeloost- ’ b
I. Ergänzungs-Geschworene.
1. Heinrich Michael Merz. Bauunternehmer,
2. Dr. Tuisko Lorey, Professor,
3. Wilbelm Reiber. Tapezierer.
4. Dr. August Streng, Professor,
5. Friedrich Textor, Bierbrauer,
6. Dr. Wilhelm Oncken, Professor,
7. Ernst Wallenfels, Bäcker,
8. Dr. Theodor Keim, Professor,
9. Dr. Hermann Hofmann, Professor,
10. Philipp vchlatter, Kurzwaarenhändler,
11. irrtedrich Vartb, Hofgerichts-Advocat,
12 Dr. Karl Mubl, Hofgerichts Advocot; sämmtlich in Gießen.
_ K Haupt-Geschworene.
1. Ludwig Kopp, Oeconom in Ossenheim.
2. Richard Westeruacher, Pachter in Lindheim
3. Heinrich Kasper, Landwirth in Altenburg.
4 Johannes Reibling, Landwirth in vrauerschwend.
5. Johannes Becker II., Landwirth in Ober-Ofleiden.
6. I. K. Brückmann, Oeconom in Dortelweil.
7. Johannes Specht, Landwirth in Leusel.
8. Philipp Schmidt I Müller in Holzhausen.
9. Moritz Stahl, Fruchkhindler in Friedberg.
10. Seligmann Bauer, Leberhändler in Scholten.
11. Emanuel Reis, Fruchthändler in Echzell.
12. Louis Wießler, Ellenwaarenbändler in Butzbach.
15. Heinrich Drcffrndach XI., Landwirlh in Berstadt.
14 Jean Beck-r, Elsenhänbler in. Lauterbach.
15. Karl Gross, Kaufmann in Homberg a. b £).
16. Heinrich Rühl I., Landwirth in Gettenau.
17. Johannes Hormann, Landwirth in Nieder-Ofleiden.
18. Heinrich Adam Brack, Landwirth in Düdelsheim.
19. Heinrich Fauerbach. Oeconom in Rieder-Wöllstadt.
20. Heinrich Muth IV., Bürgermeister in Gettenau.
21. Ioh. Heinrich Jhring, Bierbrauer in Lich.
22. Heinrich Kalbfleisch, Müller in Billertshausen.
23. Wilhelm E'k, Müller tn Nidda.
24. Jacob W'lhelm Otto, Oeconom in Büdesheim.
25. Heinrich Wilhelm Alles, Pochier in Nieder-Florstadt.
26. Friedrich Habicht, Branntweinhändler in Lauterbach.
27. Kar! Fried ich Wilhelm Keller, Oeconom in Ossenheim.
28. Karl Ludw a Zimmer II, Müller in Nieder-Be,fingen.
29. Georg Stoll vi., Landwirth tn Echzell
30. Adolph Schlaffer, Landwirth in Elpenrod.
Vermischtes.
Schlüchtern. In diesen Tagen cirkulirte nach dem »Schl. Krbl" unter der hiesigen Bürgerschaft eine Petition um Aufhebung der Frohnden. Es hat sich nämlich sonderbarer Weise unsere Stadt ein altes Herkommen erhalten, wonach jeder Bürger jährlich einen Haufen Chausseesteine zu zerschlagen hat. Natürlich verrichteten nur die weniger bemittelten Bürger diese Arbeit selbst, während die bemittelteren solche für ca 2 Jt von den Steinklopfern versehen ließen. Es bildeten diese Frohnden sonach eine — und erfreulicher Weise in Schlüchtern die einzige — Art von Lommunalfteuer Da nun aber die Nichtbürger (ein nicht unbeträchtlicher Theil der hiesigen Einwohnerschaft) von der Frohnde befreit waren, so wird tn der erwähnten Petition um der Gleich, ftellung willen Abschaffung derselben verlangt.
— Aus der Oberpfalz wird die Copie deS folgenden Leumunds- und VermSgens- zeugnisses mitgetheilt, welches unlängst ein dortiger Dorfbürgermeister einem Ortsein- wohner ausgestellt hct, der Anstellung im niederen Bahndienst sucht: „Sein Leumulh ist talentvoll unb bctragenswerth. Vermögensoerhältnisse besitzt er keine. Doch lebt er in Contumaziam." (Csncubinat ist gemeint).
— In Paris fiel neulich eine wirlich einzige, eben so galante als tragische Kuß, geschichte vor. In einer lustigen Gesellschaft von Herren unb Damen Sußerie Jemand, er wolle, wenn es eine Wette gälte ferner Geliebten in zwei Stunden 500S Küsse geben. Ein Engländer hört dies unb fühlt seinen Instinkt sich regen; er wettet um t00 LouiS- d'or auf das Gegentheil. Der Kußtapfere macht sich mit Bewilligung seiner lachenden Geliebten an das Werk, aber bringt eS höchstens auf 1600 Küsse. Unb habet haben sich beide Iheile so angestrengt, daß er den Lippenkrampf, sie eine starke Ohnmacht unb ber Engländer bie 100 Louisb'or baoon trägt.
— Die Sternwarte von Cambridge verbittet sich die Nachbarschaft einer Eisenbahn. Es wird in dem Berichte derselben darauf hingewiesen, daß die Great-Northern Eisenbahn-Gesellschaft die Erlaubniß des Parlaments zur Anlage einer Bahn nachsuche bie nicht mehr als 520 Meter von der Sternwarte entfernt sei. Eine derartige Nachbarschaft würde die Genauigkeit ber Beobachtungen ernstlich schädigen ober sogar völlig verloren gehen lassen. Die Oberfläche bes Quecksilbers werde oftmals von einem Elsen- bahnzuge, ber 1V» Kilometer von einer Sternwarte entfernt sei, beeinflußt, noch ehe man das Geräusch des Zuges vernehme. Auch werde die Lage der Instrumente durch die Schwingungen geftBrt, daS Schlagen der Uhr durch den Lärm und das Pfeifen der Locomotioe unhörbar gemacht. Die Behörde empfiehlt daher eine Gegenpetition an das Parlament durch die Universität Cambridge.
— Aus Appenheim häufen sich die Klagen über Zuchtlosigkeit der Schuljugend. Neuerdings wird uns berichtet, daß bei einer Tanzmusik am Fastnachtsonntage die liebe Jugend so stark vertreten war, daß, nachdem bereits die Lichter angezündet gewesen, vom Orchester herab geblasen unb verkündet wurde: „Eben gibts einen Tanz für die Schulkinder!" worauf dann in der That die Klänge einer Ealoppade mit obligatem Text die gesammte Jugend in Bewegung gesetzt hatten. Man könne sogar bet jeder Tanzmusik noch um Mitternacht Schulkinder lärmend herumlausen ober schlafend tn den Ecken sitzen seben. Unser Correspondent bezweifelt, ob dies auch in anderen Orten vorkomme (leiber ja!) und ob daS neue Schulgesetz solches zulasse. Gewiß nicht; mir sinb jedoch ber Meinung, daß dem Unfug radikal gesteuert werden könnte, sofern die Ortspolizeibehörde, wozu sie das Recht hat, nur einigermaßen energisch einschritte.
— In einem der New-Yorker Polizeigerichte trug sich dieser Tage folgender Fall zu: Der erste Arrestant, der dem besonders gut gelaunten Richter Smith oorgeführt wurde, war ein Deutscher Namens Chr. Kahn. Er hatte als alter Unionssoldat eben feine Pension erhoben und zur Stärkung zwei Gläschen Bier getrunken, die ihm tn den Kopf gestiegen waren und bie ihn verhindert hatten, seine« Weg nach Hause zu finden. Nach Anhörung des Thatdestandes erklärte der Richter, sein wohlwollendes Gesicht in ernste Falten zwingend: „Ich vergebe Ihnen, daß sie betrunken waren; aber daß Sie als Deutscher nicht mehr als zwei Glas Lagerbier vertragen können, Haden Sie mit zwei Dollars zu büßen!"
(Doch erwischt!) Er kam sehr spät in der Nacht nach House und war augenscheinlich in einem Zustande schwankender Gemüthsftimmung. Nachdem er eine Viertelstunde lang an dem Schlüsselloch berumgearbeitet und schließlich die Thür geöffnet hatte, sprach er leist zu sich selbst: , Ich muß ver — verdollt leise sein, damit ich Me «ölte nicht aufwecke". Cr schlich sich wie ein JltiS aus seinen Kleidern heraus und gratulirtc sich selbst zu seinem Erfolge, als er im Bette lag, ohne daß seine OeGahlrn aufgewacht war. Schon mochte er ungefähr fünf Minuten an ihrer Seite geruht haben und war dem Entschlummern nahe, da sprach zu ihm eine ruhige, klare und scharfe Stimme: „Wie, mein Liober, willst Du wirklich Deinen Cylinderhnt über Nacht auf« behalten?"
— Ein Franzose, ber längere Zeit in Deutschland gelebt hatte unb etwas Deutsch verstand, machte einst folgende drollige Verse:
Wie die Knosp am Rosenstock
Abbeißt, auffrißt Ziegenbock, So der Tod das Mensch frißt auf Nach sein kurzes Lebenslauf.
— Ein weiser Mann, von welchem der König Salomo hatte lernen können, ist Richter Duffy in Newyork. Vor ihm erschienen jüngst, gegenseitig sich bett Diebstahls anklagend, zwei achtbare Bürger, John Koler und Paul Kan.tz, und der Gegenstand ihrrtt Strcites war ein gewaltiger N<nfundländer, den ein Policeman vor den Auaen des Gerichtshofes an ber Leine hielt. Die Beweisgründe des Mr. Koler erschienen schlagend, die Einwendungen des M Kanitz unwiderlegbar. In dem einen Augenblick waren sämmtliche Anwesenden der felsenfesten Ueberzeugung, daß der prächtige Hund nur Mr. Koler gehören könne, um im nächsten Moment d-hin belehrt zu werden,' daß das Thier zweifellos des ehrenwerthen Mr. Kanitz Eigenthum sei. Der Richter, daran verzweifelnd, auf beut Wege beo gewöhnlichen JnquisitoriumS die Wahrbeit zu erfahren beschloß, in ber Sache den Hunb selber zu vernehmen. Ett wurde betzhalb Mr. Koler zur Rechten und Mr. Kanitz zur Linken des hohen Gerichtshofes ausgestellt und in der Mitte zwischen Beiden postrne sich ber Policeman mit dem Hunde. „Sobald ich bis bret gezählt habe", sagte Richter Duffy zu bem Policeman, „lasten Sie den Hund von der Lewe und Sic meine Herren, bie Sie sich um den Besitz des ThiereS streiten, haben die Gute gleichzeitig pfeifen zu wollen. Derjenige, besten Pfiff der Hund folgt, soll den letzteren behalten." Nachdem unter großer Spannung bett Auditoriums alle Anordnungen getroffen roarer., erschallte daS Commando „Drei" unb die geheiligten «äume deS Genchtsho eS ertönten von bem durchdringenden, lungenzersprengenben ^fe," der beiden Gemlemen Watt aber that ber Neufundlänber? Sobald er sich frei suhlte fnnrrte er recht« Mr. Koler an, zeigte links Mr. Kanitz die Zähne ur.d verschwand alttdaon durch bie offenstehende Thüre in ber Mitte. „Ich hab' mirtt gleich
te ber JRi$ter Duffy vor sich hin, „baß ber Hund gestohlen war. — Gerichtttschretber rufen Sie eine andere Sache auf!"


