Sonntag, den 4. März
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wird, weil das Deckerssche Grundstück in der Wilhelmstraße, welches an das Reichskanzler-Amt grenzt, über kurz oder lang für andere Reichszwecke nutzbar gemacht werden dürfte. Eine vielfach verbreitete Angabe will wissen, das besagte Grundstück sei für Zwecke der Reichspost angekauft.
Altona, 2. März. Bet der Neuwahl zum Reichstage erhielt nach den bisher vorliegenden Ergebnissen der Candidat der vereinigten liberalen Parteien Karsten (Fortschritts-Partei) 13,196 Stimmen, der Candidat der Social-Demo- kraten Hartmann 12,425 Stimmen. Aus zehn Wahlbezirüen fehlen noch die Berichte.
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.
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Berlin, 2. März. In der Deckersschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei ist allen Angestellten mitgetheilt worden, daß am 1. Juli d. I. die Anstalt in andere Hände übergehen wird. Nach hiesigen Blättern hat das Reich nach dem kürzlich erfolgten Ableben des Herrn R. v. Decker die schon früh r eröffneten Verhandlungen wegen des Ankaufs des Grundstückes und des Geschäftes so rasch in Fluß gebracht, daß sie nunmehr zu einem gedeihlichen Ende gebracht werden konnten. Falls der Reichstag zustimmt, wird die Druckerei unter der Bezeichnung: „Kaiserliche Geheime Reichs-Druckerei" in allerdings etwas beschränktem Umfange weitergesübrt werden, denn sie soll sich lediglich aus die Ausführung solcher Arbeiten beschränken, welche ihr von Reichswegen znfallen. Wahrscheinlich ist es auch, daß die Officin in ein anderes Gebäude verlegt
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Berlin, 1. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses j wurden tn dritter Lesung die Gesetz-Entwürfe bezüMch der Ausdehnung des I Fischerei-Gesetzes aus Lauenburg und der Grenz-Regulirung mit Hamburg angenommen. Anläßlich der Anträge der Abgg. Bernhardt und Meyer beschloß 1 das Haus, an die Regierung die Aufforderung zu richten, daß die Aufforstun- ' gen im Interesse der Wald-Cultur rascher, als bisher, erfolgen und über die > vorhandenen Forst-Ländereien, sowie die aufzuforstenden Strecken statistische Er : Hebungen angeordnet werden. Zum Bericht der Staatsschulden-Commission über die Verwaltung des Staatsschuldenwesens pro 1875 wurde ^Decharge er» theilt und gleichzeitig dem Commissions-Antrage gemäß gegen die Stimmen des Centrums und der Fortschritts-Partei folgender Beschluß gefaßt: Das Haus erklärt, daß der im Berichte der Staatsschulden-Commission dem Finanz-Mini sterium gemachte Vorwurf, wonach dasselbe tn Widerspruch mit den gesetzlichen ■ Bestimmungen an Stelle der Staatsschulden-Commission die Vorbereitungen zur Anfertigung von 100 Mill. Mark Schuldverschreibungen veranlaßt habe, nach Lage der Acten unbegründet und das Verhalten des Finanz-Ministers und der Hauptverwaltung der Staatsschulden durchaus gesetzmäßig ist, daß die in jenem Berichte enthaltenen Berechnungen über die noch offen stehenden Credit-Bewilli- gungen mit den Abtheilungen des Finanz-Ministers nicht übereinstimmen, daß endlich die Staatsschulden-Commission aufzufordern ist, ihrem nächsten Berichte eine Uebersicht über die noch offenstehenden Credit-Bewilligungen beizugeben. Im Verlaufe der Debatte über diese Angelegenheit legte der Finanz-Minister in längerer Auseinandersetzung die solide Basis der preußischen Finanzen dar, wohingegen Lasker, der im Uebrigeu die vom Finanz-Minister bei Geld-Operationen bewiesene Geschicklichkeit anerkannte, es als Streitfrage bezeichnete, ob diese Geschicklichkeit stets zum Segen des Volkes ausgeschlagen sei. — .Im Herrenhause wurde der Gesetz-Entwurf betreffs Anwendung gewisser Bestände für außerordentliche Bedürfnisse der Bauverwaltung im Etats-Jahre 1877/78, unverändert genehmigt und hierauf eine Anzahl Petitionen erledigt. Morgen stehen der Staatshaushalts-Etat und die Vorlage wegen der Berlin-Dresdener Eisenbahn zur Verhandlung.
Berlin, 1. März. Die russischen Abrüstungs-Gerüchte in erglischen Blättern, im Parlamente schon amtlich widerlegt, waren offenbar daraus entstanden, daß gegen Ende voriger Woche verlautet hatte, man sehe in Petersburg dem Rarhschlage Englands entgegen, der Türkei eine gewisse Frist zu bewilligen und inzwischen abzurüsten, wie das ja Lord Derby in seiner Rede im Parlament angedeutet hat. Dies stand auch keineswegs im Widerspruche mit der schon vorige Woche aus Wien und Paris telegraphirten Nachricht, die Türkei werde sich an die Mächte wenden, daß sie Rußland zur Abrüstung fcr wegen sollten, aber Rußlands Gegenforderung einer collectiven Garantie ist vorhergesehen. Jene Gerüchte sind daher um so problematischer für den Frieden, als das Verlangen der Abrüstung in ähnlichen Fällen die Lage nur verwickelt hat und die Mächte sich daher, wenigstens in osficieller Form, damit vorsehen werden.
Berlin, 1. März. Die Schließung des Landtags wird dem Verneh. men nach am Sonnabend, 2 Uhr Nachmittags, durch den Vice-Präsidenttn des Ministeriums, Finanz-Minister Camphausen, stattsinden.
- Wie die „Post" vernimmt, wäre die Berufung Maybach's zum Unter- Staatssecretär im Handels-Ministerium auf die specielle Initiative des Handels- Ministers zurückzusühren, der dem ersteren schon vor der ebenfalls auf seinen Vorschlag geschehenen Berufung zum Präsidenten des Reichs-Eisenbahnamtes den Posten als Unter - Staatssecretär im Handels-Ministerium in Aussicht ge-
Pari-, 1. März. Der Deputirte Marquis de Castellane, der, wie die hiesigen Blätter melden, unter gerichtliche Vormundschaft gestellt worden, ist ein so rasender Spieler, daß er eines Tages 18 Stunden lang hintereinander spielte, obgleich er zuletzt so ermüdet war, daß er sich die Karten von einem Bedienten halten ließ. Eine bekannte Dame des Faubourg St. Germain wurde ebenfalls unter Vormundschaft gestellt. Dieselbe spielt zwar nicht um Schätze dieser Welt, aber um Schätze des Himmels, denn sie gab ungeheure Summen an die Geistlichkeit. Trotzdem sie unter Curatel steht, erschien sie doch wieder auf der Liste der Dupanloup'schen D^fense für die Militär-Geistlichen mit der Summe von 200 Franken.
— In Dünkirchen verweigerte die katholische Geistlichkeit die Einsegnung eines jungen Mädchenö katholischen Glaubens mit einem Israeliten. Man war in Rom eingekommen, aber es erfolgte eine abschlägige Antwort.
Knglaud.
London, 1. März. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Washington telegraphirt : Im Repräsentantenhause haben aufgeregte Debatten stattgefunden, da die Demokraten Verzögerungen bei Prüfung der Wahl-Stimmen herbeizu- führxn suchten. Hayes ist aus seiner Reise von Columbus nach Washington in Ohio mit Ovationen gefeiert worden. — Die Schuld der Vereinigten Staaten hat sich im Februar um 2,704,000 Doll, vermindert; im Bundesschatz befinden sich 90,264,000 Doll, in Gold und 9,123,000. Doll, in Papiergeld.
London, 2. März. Bei der Parlaments-Wahl in Oldham siegte der liberale Candidat Hibbert.
Malta, 27. Februar. Bekanntlich ist vor 18 Monaten der Oberst Baker des 10. englischen Husaren-Regiments wegen Beleidigung einer jungen Dame aus einer Eisenbahnfahrt des Dienstes entlassen worden. Nach ausge- ftandenem einjährigem Arrest nahm er Dienste in der türkischen Armee und erhielt letztlich das Obercommando der Kavallerie. Nun haben sich jetzt durch seine Vermittelung 150 auf Halbsold stehende englische Officiere dem Sultan erboten, bei ausbrechenöem Kriege mit Rußland in türkische Dienste zu treten; der Antrag wurde mit Wohlgefallen ausgenommen, und schon hat Oberst Baker 6 Officiere kommen lassen, von denen jeder das Kommando eines Kavallerie- Regiments erhalten soll. — Mittlerweile hat sich jetzt die englische Flotte in der Levante zerstreut; ein Theil ist in Athen geblieben, mehrere Schiffe sind in Coifu, Smyrna und anderen türkischen Häfen. Der Viceadmiral Drummond mit feinem Flaggenschiff „Herkules" wird hier erwartet, und der Prinz Alfred, Herzog v. Edinburgh mit seiner Fregatte „Sultan" ist vor einigen Tagen angekommen. Seine Gemahlin, die russische Prinzessin Alexandrowas, ist mit dem Kanonenboot .Helicon" von Athen zurückgekehrt. Drummond ist zum Admiral avancirt und geht nächstens nach London ab. Zu seinem Nachfolger wurde der Viceadmiral Hornby ernannt, und dieser ist schon unterwegs mit einer neuen, noch größeren Fregatte, der „Alexandra." Wir werden somit
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Hesteneich.
Wie«, 1. März. Die „Polit. Corresp." enthält eine Meldung auS Belgrad, wodurch bestätigt wird, daß das Friedens-Instrument die drei Punkte in sich begreift: Status quo ante bellum, allgemeine Amnestie und Rückzug der beiderseitigen Truppen hinter die alten Grenz-Linien binnen 12 Tagen. Bon Garantieen findet sich, wie ebenfalls bekannt, in dem Document keinerlei Erwähnung.
Pesth, 2. März. Das Unterhaus hat in zweiter und dritter Lesung das Gesetz angenommen, wodurch die. mit der Südbahn abgeschlossenen Verträge theilweise abgeändert, bezw. ergänzt werden.
ArauLreich.
Lehrer-Conferenz der Conferenzbezirke Gießen, Großen Linden, Lollar. Samstag den 10. März, Anfang 10 Uhr, in Gießen (Caf6 Ebel.) Gießen, den 2. März 1877.
Büchner, Kreisschulinspector.


