Oesterreich.
Der orientalische Krieg.
Alsfeld, 30. October.
Die Abreise Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs er
trage zuzustimmen, der auf abzielt.
Die Kammern für Handelssachen können bei den Landgerichten, für deren Be- : )irke oder für örtlich abgegrenzte Thetle derselben gebildet werden, sie können ihren Sitz auch an Orten haben, für welche ein Landgericht nicht vorgesehen ist.
Soweit der Werth des Streitgegenstandes an Geld oder Geldeswerth die Summe von 300 nicht übersteigt, sind die Amtsgerichte und nicht die Kammern für Handelssachen in erster Instanz zuständig. Sämmtltche Mitglieder der Kammern für Handelssachen haben gleiches Stimmrecht. Das Amt der Handelsrichter ist ein Ehrenamt. Dre Handelsrichter werden auf gutachtlichen Vorschlag des zur Vertretung des Handelsstandes berufenen Organs für die Dauer von 3 Jahren ernannt; wiederholte Ernennung ist nicht ausgeschlossen- Zum Handelsrichter kann jeder Deutsche ernannt werden, welcher als Kaufmann oder als Vorstand einer Acttengesellschaft in das Han- delsreglfter eingetragen ist oder gewesen ist, das dreißigste Lebensjahr vollendet hat und in dem Bezirk der Kammer für Handelssachen wohnt. Personen, welche in Folge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt, können nicht zu Handelsrichtern ernannt werden. Die Handelsrichter sind vor ihrem Amtsantritt auf die Erfüllung der Obliegenheiten des ihnen übertragenen Amtes eidlich zu verpflichten; sie haben während der Dauer ihres Amtes in Beziehung auf dasselbe alle 'liechte und Pflichten richterlicher Beamten. Ein Handelsrichter ist seines Amtes zu entheben, wenn er eine der für die Ernennung erforderlichen Eigenschaften nachträglich verliert; die Enthebung erfolgt durch den ersten Eioilsenat des OberlandeSgerichtS nach Anhörung der Bethetltgten. Ueber Gegenstände, zu deren Beurtheilung eine kaufmännische Begutachtung genügt, sowie über das Bestehen von Handelsgebriuchen kann die Kammer für Handelssachen auf Grund eigener Fachkunde und Wissenschaft entscheiden.
Wird von der Civilkammer eine vor die Kammer für Handelssachen gehörige Klage zur Verhandlung gebracht, so ist der Rechtsstreit auf Antrag des Beklagten an die Kammer für Handelssachen zu verweisen. Ein Beklagter, welcher nicht in das Handelsregister eingetragen ist, kann den Antrag nicht darauf stützen, daß er Kaufmann sei.
Bei der Bedeutung unseres Platzes in industrieller und commercieller Beziehung dürfen rote uns der Hoffnung htngeben, datz mit dem Jnslebentreten der neuen Justiz« zesetze und der damit verbundenen Reorganisation auch die Einrichtung von Kammern ür Handelsachen in Gießen vorgesehen werde und erlauben wir uns an dieser Stelle Großherzogliche Regierung um Verwirklichung dieses Wunsches angelegentlichft zu bttten. (Fortsetzung folU )
solle zur Club-Frage gemacht werden, keinem An- Verschleppung der Berathung des Bank Statutes
Pesth, 30. October. Der Fmanzminister hat heute dem Abgeordnetenhause das Budget für 1878 vorgelegt. In dem Vortrage, mit welchem der Minister die Vorlage begleitete, wies derselbe nach, daß, außer den bereits in den Jahren 1876 und 1877 gemachten Ersparungen von 13 Mill. Gulden, im Jahre 1878 eine weitere Verminderung der Ausgaben im Belaufe von 3% Mill. Gulden eintrete. Die Einnahmen seien im Ganzen um 2y2 Mill, höher als im Vorjahre veranschlagt. Das Deficit pro 1878 betrage 153/5 Mill., wovon 89/10 Mill, auf die Amortisation der Staatsschulden kämen. Sonach beziffere sich das eigentliche Deficit auf 6y10 Mill., was gegenüber 1877 eine Besserung um 64/5 Mill. Gulden ergebe.
Pesth, 30. October. Heute Nachmittag findet hier unter Vorsitz des Kaisers eine gemeinsame Minister-Berathung in Betreff der Beziehungen zu Deutschland statt. — Der „Lloyd" dementlrt auf's Entschiedenste die gestrige Mittheilung der „Wiener Montags-Revue": Oesterreich und England hätten vor Ausbruch des Krieges mit Vorwisten Deutschlands dem Fürsten Gortschakoff gegenüber erklärt, die Einverleibung auch nur eines Quadrat-Zolls des türkischen Gebiets in Europa wäre ein Kriegsfall.
Araukreich.
Paris, 30. October. Nach dem Ergebniß des heutigen Ministerraths erscheint es sicher, daß vor dem Zusammentreten der Kammern keinerlei Modl- fication im Cabinet vorgenommen wird. Man glaubt hier, daß in dem Falle, daß sich der Marschall-Präsident zur Politik der Transaction entschließen sollte, der Senats-Präsident Herzog Audiffret Pasquier berufen werden würde, eine derartige Politik vorzubereiten. — Der „Moniteur" will erfahren haben, daß in, heutigen Ministerrathe der erste Schritt zur Anbahnung einer versöhnlichen Politik gemacht sei. — Der „Franyais" bezeichnet die Gerüchte, wonach der Marschall-Präsident, ohne seiner übernommenen Verpflichtungen eingedenk zu sein, die seit dem 16. Mai angestellten Beamten opfern werde, als unbegründet und erklärt, die Conservativen könnten darauf rechnen, daß der Marschall alle seine Versprechen halten werde.
, 31. October. Grevy ist zum Kammer-Präsidenten ausersehen. Em^ Cabinet Pasquier, Renault, Sah und Waddington gilt als ein möglicher
Wien, 30. October Die „Polit. Corresp." veröffentlicht eine osfi ctelle rumänische Depesche, welche, entgegen den Mittheilungen der ausländischen Preffe, die Gesundheit der regierenden Fürstin von Rumänien, trotz der größten durch die Pflege der Verwundeten verursachten Mühseligkeiten, als vortrefflich bezeichnet. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Cettinje, daß Fürs Nikolaus nach Orjaluka abgereist sei, und der Wiederbeginn der montenegrini- schen Operationen bevorstehe.
Wien, 30. October. Der Club der Linken hat mit Majorität den Antrag Süß angenommen, es solle zur Club-Frage gemacht werden, keinem An-
D»e Regierungs-Kreise schweigen darüber. Der gestrige außerordentliche Krieas. rath berieth über die letzten Depeschen aus Plewna und Orhanie. Es geht das Gerücht von Gefechten in der Nähe von Rasgrad. — Aus Asien wird gemeldet, daß die Rusten in Olti eingetroffen sind.
.. “ Hansi Pascha, der neuernannte türkische Botschafter bei der sranzöst«
lchen Regierung, hat sich in Marseille ausgeschifft und wird morgen in Paris eintreffen. ° v
30. October. Suleiman Pascha meldet vom 29. d.: Die russische Abteilung auf der Insel gegenüber Slobozia ist zurückgewiesen worden. — Das Feuer auf Rustschuk thut keinen Schaden. — Russische Ka« vallerie und Infanterie besetzte Bourza, zwei andere Regimenter Culchwo bei so^nlb - Reuf Pascha telegraphirt aus Schipka: Am 24. d. griffen etwa 33u[flaren bie Befestigungen bei Maraguedix an, wurden aber rurückge- wlesen. Ein tscherkessischer Reitertrupp, zur Rccognoscirung des Turpan-Paffes 2nn9croUft' "»-^00 Bulgaren unter Tschkaovassi. Die Bulgaren verloren 600 Mann, die Tscherkeffen erbeuteten 1120 Stück Vieh.
Petersburg, 30. October. Der „Golos" veröffentlicht eine Depesche aus Kurukdara vom 30. d., welche meldet: In dem von den Rusten besetzten Kaglsman ist die russische Verwaltung eiageführt. — Die Verhandlungen mit RarS sind abgebrochen, die Stadt ist blockirt und das Bombardement wieder ausgenommen worden.
Konstantinopel, 30. October. Gestern fand bei dem Patriarchen Hastun eine Notabelen-Versammlung von katholischen Armeniern statt, zu dem Zwecke, eine Verständigung zwischen der kupelianistischen und hastunistischmPartei herbeizuführen.
folgte heute früh in Gießen um 6 Uhr 20 Minuten; bereits gegen 7‘/2 Uhr hatte der E^trazug das Ziel crrricht. Seine König!. Hoheit fuhren in Begleitung des Hofmarschalls Oberst von Westerweller und des Major von Rabenau. Hier am Bahnhof in Alsfeld hatten sich der (^roßh. Krcisratb und der Bürgermeister Ramsveck zur Begrüßung eingefunden. Nach kurzem Aufenthalt in dem Bahnhofsgebäude fuhren Seine Künigl. Hoheit im offenen Wagen in die Stadt ein, die in der Anlegung eines würdigen Festschmuckes das ihrige gethan hatte. Namentlich bot der Marktplatz einen farbenreichen Anblick. Auf dem Wege vom Bahnhofe nach dem Marktplatze hatten sich die Schulen der Stadt, Spalier bildend, aufgestellt, die denn, nachdem der Großherzogliche Wagen pasfirt hatte, auf den Marktplatz zogen und dort Aufstellung nahmen. Hier war inzwischen der Grcßherzog im Gasthaus „zum Schwanen" abgestiegen und empfing zunächst den Gemeinderath mit dem Bürgermeister, die Beamten, die Geistlichkeit und Lehrer der <Ltadt Alsfeld. Die Schuljugend sang währenddem einige patriotische Lieder. Nach dem Empfang der Beamten u. s. w. trat Seine Königliche Hoheit nochmals unter das Portal des Hauses und nahm zwei Bouquets dankend entgegen, welche ihm zwei Schülerinnen (Minna Bellinger und
Italien
Nom, 30. October. Die Gerüchte von einer bevorstehenden Ersetzung des Ministeriums Depretis durch ein solches unter Crispi's Leitung werden von unterrichteter Seite als unbegründet bezeichnet.
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Novbr. Der Jahresbericht der Großh. Handelskammer zu Gießen f.r? 1^6 'st soeben erschienen. Wir verfehlen nicht, wie in früheren Jahren, unseren Lesern das Wlssenswertheste auS demselben mitzutheilen.
s 187k b/n bdben vorhergegangenen Jahren in Fortsetzung
der Geschaftsstille und Geschäftsunlust an und auch für das Jahr 1877 haben sich bi« Mt noch keine besseren Aussichten eröffnet. Konnte auch bei unseren größeren Fabriken von wesentlicher Beschränkung des Absatzes und Einschränkung der Production nicht die Rede sein, so waren doch die Wirkungen der andauernden GeschLftSkrisis in allen Verhältnissen unseres Platzes durch daS allgemein sich äußernde Bestreben, den Consum zu beschranken, wahrnehmbar. Immerhin sind jedoch die Creditverhältnisse unserer Stadt normal geblieben, indem Zahlungseinstellungen nur in wenigen Fällen vorkamen, ebenso war auch die Lage der Arbeiter eine günstige zu nennen, da zu Enlassungen oder erheblichen Herabminderungen der Löhne fast nirgens geschritten wurde.
!. Gutachten, Ansichten und Wünsche.
1. Handelsrecht und Handelsrechtspflege.
Auf dem Gebiete der Gesetzgebung begrüßen wir vor allem die neuen Justiz« gesetze, durch welche dem deutschen Reiche eine einheitliche Rechtspflege gesichert ist, als die hervorragendste Errungenschaft des verflossenen Jahres.
Was speciell die Handelsgerichte betrifft, so hat sich unsere in unserem vorigen Jahresberichte ausgesprochene Hoffnung, daß dem deutschen Handelsstande diese Institution erhalten resp. neugeschaffen werde, nicht erfüllt, der Reichstag hat sich vielmehr für die Bildung von Kammern für Handelssachen entschieden. Die Zusammen« etzung dieser Kammern auS einem rechtsgelehrten Mitgliede des Landgerichts und zwei Handelsrichtern ist die nämliche, die für die Handelsgerichte in Aussicht genommen war. Wenn wir auch mit Befriedigung den Beschluß deS Reichstages begrüßen konnten, daß durch die Anordnung dieser gemischten Commissionen dem Handelsstande eine Einrichtung geschaffen wurde, welche ihm bei Beurtheilung seiner streitigen Angelegenheiten die Mitwirkung technisch sachkundiger Elemente sichert, so müssen wir doch wiederholt unser Bedauern darüber aussprechen, daß die Competenz dieser Kammern nicht auf alle Wechselprozesse und Handelsstreittgkeiten im Interesse der Gleichberechtigung für alle Rechtssuchenden ausgedehnt, daß die Selbstvertretung der Betheiligten ausgeschlossen und der Anwaltszwang eingeführt wurde.
Die Zuständigkeit ist im großen Ganzen dieselbe geblieben, wie sie im Entwurf des Bundesraths vorgesehen war.
Konstantinopel, 29. October. Amtlich wird qcmeldet: Suleiman Pascha ist gestern nach Rasgrad zurückgekehrt und hat die Garnison von Ba- jardschik verstärken, auch gegenüber voraussichtlichen Angriffen von der Dobrudscha her Vertheidigungs-Werke errichten lasten. In den Rasgrad umgebenden Ortschaften wurden Kavallerie-Vorposten stationirt. — Am Freitag wiesen die Vorposten vor Rustschuk russische Angriffe zurück. — Weder von Orkhanie noch von Plewna sind neuere Nachrichten veröffentlicht worden. — Mukhtar Pascha, durch Ismail Hakki Pascha's Truppen verstärkt, hat sein Hauptquartier nach einem Ort zwischen Köprikoi und Zewin verlegt; derselbe trifft Vorkehrungen, um die Rusten, welche Erzerum bedrohen, aufzuhalten.
Petersburg, 30. October Eine Depesche des „Golos" aus Win- siköi vom 29. d. meldet: General Heymann hat sich mit General Tergukasoff vereinigt. Beide setzen die Verfolgung Ismail Hakki Pascha's fort und haben de, Hastankaleh ein Bivouac bezogen.
Pet>ersburg, 30. October. Officiell wird aus Bogota vom 28. d. gemeldet: Sechs Colonnen haben am 24. d. die feindliche Stellung hinter dem Lom-Flnffe nach Bastarbowo und Jovantschiftlik, boii Joschawa nach Kadikiöi, von Tabatschka nach Niffowa, von Kazeljewo nach Solenika und über Gerowitza nach Constanza recognoscirt. Bei Bastarbowo stießen die Rusten auf einen heftigen Widerstand; bei Jovantschiftlik jedoch wurden die türkischen Vorposten auf das rechte Lom-Ufer zurückgedrängt Hierbei fiel Prinz Sergei von Leuchtenberg. Die Kugel drang nahe der Kokarde durch den Mützenrand und durch- bohrte den Kopf. Der Tod trat sofort ein. Bei Koschawa überschritten die Rusten den schwarzen Lom und besetzten, mit den Türken plänkelnd, das linke Ufer, wobei in Gegenwart des Großfürsten Sergei Alcxandrowitsch durch Gra- natsplttter^ein Munitions-Kasten explodirte. Bei Nistowa wurden die Vorposten und die Lchützen-Kette der Türken zurückgedrängt. Bei Solenika wurden die türkischen Vorposten allarmirt, und es wurde den ganzen Tag geplänkelt. Aus Gerowitza wurden die türkischen Vorposten herausgedrängt und bis Konstanra i*'IU «rotnCü‘ ®cr Ezarewitsch beritt persönlich die Vorposten vor der feind- Ilchen Aufstellung. Sobald die Stärke des Feindes hinlänglich aufgeklärt war, e„’£prc" ?!c $rfuye" zurückzugehen. Der Gesammt-Verlust der Rusten beziffert sich auf 4 Osficlere und 300 Soldaten. Die Haupt-Verluste sande» bei Bastarbowo, Jovantschiftlik und Koschawa statt. '
s 30- October. Die „Agence Hav«s" meldet: Chri-
e'rDer Pascha eine Depesche der serbischen Regierung mit,
L $altun8 Serbiens rechtfertige nicht die Klage der Pforte. ®er6len8 bezweckten einzig und allein den ®ren)= h -lC>te bw Hoffnung auf Erhaltung der guten Beziehungen „10 rLr 10 9<n„„ „ad, »„ -i",
1'7 - Die türkischen Zeitungen behaupten, Schefket Pascha halte eine qün- st^ge Position auf d-r Straße von Orhanie nach Plewna besetzt. Officielle Bestätigung fehlt, zedoch spricht man von einem bedeutenden Kampfe bei Plewna


