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Midhat Pascha war aber indessen nach seinem Besuch bei dem Grasen Andrassy zu Aleko Pascha gegangen, von welchem er erst um halb 4 Uhr zurückkehrte.

DiePresse" meldet: Mldhat Pascha wird 1012 Tage in Wien verbleiben. An der heutigen Fruchtbörse wurden 200,000 Zoll-Centner neuer Weizen für den Export nach Süd-Deutschland und der Schweiz genommen. DerPolit. Corresp." wird aus Belgrad, 28. Juli, gemeldet: Es ist unwahr, daß Serbien zwei Armee-Corps mobil mache; die Skupschtina hat den Kriegs- Minister nur ermächtigt, die bestehende Grenzbesetzung zu verstärken. Der hie­sige britische Consul ist gestern in einer angeblich wichtigen Mission seiner Regierung nach Kragujevac abgereist. Dieselbe Correspondenz berichtet aus Bukarest: Minister Bratiano war in Nikopolis anwesend, um bei dem Kaiser von Rußland die Beschleunigung des Donau-Ueberganges der rumänischen Trup­pen zu betreiben, und kehrte daraus in das Hauptquartier zu Tojana zurück, nachdem, wie versichert wird, die Bedenken gegen dieses Vorgehen beseitigt waren; daher wird voraussichtlich das Gros der rumänischen Armee nach Be­endigung des Brückenbaues die Donau überschreiten und die Positionen bei Nikopolis beziehen. Der Minister des Auswärtigen, Cogalniceanu, begibt sich vorerst nach Tojana und sodann nach Wien. Nach einem der nämlichen Correspondenz zugegangenen Telegramm aus Cettinje vom 28. Juli dauert die Beschießung von Nlksic fort. Die Montenegriner unter der Führung von Vu- kotic zerstörten abermals zwei Blockhäuser. Mehrere Gebäude von Niksic waren in Brand gerathen.

Wien, 30. Juli. Der bevorstehende Kron-Rath ist keineswegs iden­tisch mit einem sofortigen Eintritt Oesterreichs in die Action. Falls der Kron- Rath eine theilweise Mobilisirung beschließt, bleiben die Truppen vorläufig an der Grenze stehen. Die Maßregel bedeutet wahrscheinlich eine Mahnung gegen überwuchernde slavophile Tendenzen des russischen Krieges. Der Kron-Rath wird übrigens auch den Ausgleich und die Zollsrage behandeln. Midhat Pascha hat die Conferenz mit Andrasiy befriedigt verlassen. Es verlautet, daß die Entfaltung der Khalifen-Fahne unterbleibt. In mehreren Städten Un­garns haben Volks-Versammlungen die Pesther Resolution angenommen, welche gegen die russischen Greuel protestirt und eine Vermittlung verlangt.

Dänemark.

Kopenhagen, 28. Juli. Der König bewilligte heute die Demission des Generals Haffner und ernannte den General Dreyer zum Minister des Kriegs und der Marine.

Arankreich.

Paris, 28. Juli. Die Geranten der JournaleLanterne" undMot d'Ordre" sind anläßlich der Publication von Artikeln Rochesort's zu Geldstrafen von 5000 Frcs. verurtheilt worden.

Bourges, 28. Juli. Auf die Ansprache des Maires erwiderte Mar­schall Mac Mahon folgendermaßen: Nach Außen den Frieden zu erhalten, im Innern auf dem Boden der Verfaffung an der Spitze der Ordnungs-Männer aller Parteien vorzuschreiten, die Parteien nicht nur gegen zerstörende Leiden­schaften, sondern auch gegen ihre eigenen Ausschreitungen zu schützen, von ihnen zu verlangen, daß sie der Uneinigkeit Einhalt thun, um den Radicalismus, un­sere gemeinsame Gefahr, in Schranken zu halten: das ist mein Ziel, ich habe niemals ein anderes gehabt. Man hatte mich wegen meiner Absichten ange­klagt, man hat meine Handlungen entstellt von Gefährdung der auswärtigen Beziehungen, Verletzung der Verfassung, Bedrohung der Gewiffens-Freiheit, sogar von Wiederkehr der Mißbräuche des ancien r^gime und desPriester­herrschaft" genannten Einfiuffes gesprochen: dies sind Verleumdungen. Der gesunde öffentliche Sinn, in Frankreich sowie im Auslande, nahm sie als solche auf. Diese Verleumdungen entmuthigen mich nicht und werden mich nicht ab­halten, meine Aufgabe zu vollenden unter Mitwirkung der Männer, welche meine Politik unterstützen. Ich vertraue, daß die Nation meinen Ruf durch die Wahl ihrer neuen Mandatare beantwortet, auf daß der Kampf beendet werde, deffen Verlängerung den Interessen des Landes nur schaden und die friedliche Entwickelung seiner Größe aufhalten würde. Gegenüber dem Prä­sidenten des Handels-Tribunals erklärte der Marschall: Frankreich thut Alles, um den orientalischen Krieg zu localisiren; der Friede ist das erste Ziel der französischen Politik.

Bourges, 29. Juli. Marschall Mac Mahon hat heute große Truppen- Musterung gehalten.

England

London, 28. Juli. Die Kron-Jury entschied, daß der Angriff der englischen PanzerschiffeShah" undAmethyst" auf das peruanische Schiff Huascar" gerechtfertigt gewesen sei, da derHuascar" ein Piratenschiff und der Angriff im Interesse des Handelsstandes unternommen worden wäre.

Melgien.

Brüssel, 28. Juli. DasEtoile belg" erfährt aus guter Quelle, daß von dem angeblichen Rücktritt des Kriegs-Ministers in Wirklichkeit keine Rede sei; die Regierung beschäftige sich gegenwärtig durchaus nicht in hervorragender Weise mit der militärischen Lage des Landes und halte an den Erklärungen fest, welche vom Minister-Präsidenten und Kriegs-Minister vor Kurzem in der Kammer abgegeben seien.

Italien

Nom, 28. Juli. Nach Zeitungs-Meldungen conferirten am Donnerstag die in Rom anwesenden Minister. Dieselben billigten vollständig die Politik des Ministers des Aeußern, Melegari, in der Orient-Frage, kamen jedoch über­ein, erst dann einen definitiven Beschluß zu fasten, wenn die abwesenden Minimer eingetroffen wären. Letztere wurden eingeladen, nach Rom zurück zu kommen.

Rom, 29. Juli. DerCourr. d'Jtalie" meldet: Die italienische Re­gierung hat in den letzten Tagen den anderen Großmächten die ausdrückliche Zusicherung ihrer friedlichen Intentionen gegeben; dieselbe ist fest entschloffen, von ihrem Programm nicht abzuweichen.

Turin, 29. Juli. Prinz Amadeus hat sich gestern Abend durch einen Sprung von seinem Wagen, dessen Pferde scheu wurden, eine schwere Kopf- Verletzung zugezogen. Der hohe Patient hatte jedoch eine ruhige Nacht und ist jetzt in anhaltender Besterung begriffen.

Amerika.

New-Uork, 28. Juli. Der Bahnverkehr ist auf mehreren Linien des Westens wieder im Gange. Die Bundes-Truppen und die Miliz stellen heute den Verkehr mit Pntsburg auf der Eisenbahnlinie Baltimore-Ohio wie- oer her. In Pennsylvanien ist der Strtke der Gruben-Arbeiter im Zunehmen begriffen.

New-Uork, 28. Juli. Obschon der Eisenbahn-Verkehr noch zum Theil unterbrochen ist, so hat sich doch die Lage im Allgemeinen günstiger ge­staltet. Die Miliz von New-Dork ist entlasten. In Johnston (Pennsylvanien) sind 50 Unruhestifter verhaftet.____________________________________________________

Der orientalische Krieg.

Wien, 28. Juli. Meldungen des Tageblatts": Athen: Auf Kreta fand bei Rethymno ein blutiger Kampf statt. Der Aufstand gewinnt an Aus­dehnung. Ragusa: Der Fall von Niksic wird als nahe bevorstehend betrachtet.

Wien, 29. Juli. DerNeuen Fr. Pr." werden aus Nikopolis vom 25. d. folgende Details über den Kampf bei Plewna berichtet: Nach der Nie­derlage ihrer Avantgarde am 20. d. erhielten die Rusten eine Brigade Verstär­kung, ergriffen die Offensive und eroberten die türkischen Stellungen am rechten Crivis-Ufer. Allein am 22. d. schritten die Türken, durch aus Widdin kom­mende Truppen auf 28,000 Mann verstärkt, zum Angriffe und zwangen die Rusten, nachdem diese mit Verlust von 2000 Mann aus ihren Positionen ge­worfen waren, zum ungeordneten Rückzüge, auf dem sie von den Türken mit dem Bajonnet verfolgt wurden. Nachdem nunmehr das vierte russische Corps und eine Brigade aus Nikopolis bei Plewna eingetroffen sind, stehen dort 25,000 Russen und 28,000 Türken einander gegenüber, und wird demnächst ein Zusammenstoß erwartet. Osman Pascha, besten Hauptquartier in Plewna ist, soll neuerdings noch verstärkt worden sein.

DasTageblatt" meldet aus Schumla: In dem Gefecht bei Turlak in der Nähe von Rasgrad, wo Aziz Pascha fiel, wurde noch ein zweiter türki­scher General schwer verwundet.

Konstantinopel, 29. Juli. Die Festung Silistria setzt den russischen Angriffen Widerstand entgegen. Die in der Richtung auf Varna marschirende Colonne der Rusten wurde in Basardschik aufgehalten. Bei Rasgrad haben die Rusten schwere Verluste erlitten; die Türken ihrerseits hatten 100 Tobte und 200 Verwundete.

Bukarest, 29. Juli. Die vierte Division der rumänischen Armee unter General Manu hat die Donau überschritten, um Nikopolis zu besetzen, wo bereits die Fahne des fünften Regiments entfaltet ist.

Lokal-Notiz.

Gießen, 31. Juli. Wir lassen nachstehend die T ag e ö ordnung für die Sladt- oerordneten-Sihung am Donnerstag den 2. August 1877, Nachmittags 4 Uhr, im Sitzungssaal des alten Realschulgebäudes, folgen:

1. Die ärztliche Untersuchung der auf Grund des § 28 deS Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz um Hospitalpflege nachsuchenden ortsfremden Personen.

2. Den Voranschlag der Armenkasse und der Plockischen SttftSkasse für daS Jahr 1878.

3. Aufrücken von Lehrern an der Vorschule der Realschule in höhere GehaltS- klassen.

4. Die Erweiterung des StadtbauolanS.

5. Die Anlegung einer Straße zwischen dem Gartfeld und dem Asterwea.

6. Gesuch des Friedrich Rosenbaum von Gießen um Bauerlaubnitz.

7. Gesuch des Theodor Lony um Bauerlaubnitz.

8. Gesuch des Karl Lony um Erlaubnitz zur Vornahme von Bauver­änderungen.

9. Gesuch der I. PH. Fillmann's Wtttwe um Erlaubnitz zur Anbringung von Abweissteinen an ihrem Wohnhaus.

10. Gesuch des Bauunternehmers Otto Minner von Frankfurt a. M- um Erlaubniß zur Anlegung einer Ueberbrückung nach einem Grundstück in der Schwarzlach.

11. Gesuch des Metzgers Otto Luft um Erlaubnitz zur Anlegung einer Schlächterei.

12. Die Gestndeordnung betr.

13. Den Bedarf von Brennmaterial für die städtischen Schulen.

14. Gesuch des Th eodor Haubach um Erlaubnitz zur Anlegung von Licht- einfallgittern auf dem städtischen Trottoir.

Vermischtes.

Stuttgart, 26. Juli. (X. deutscher Feuerwehrtag.) In erfreulicher Weise zeigte sich die Theilnahmc der Stuttgarter Bevölkerung an dem Gelingen des bevor­stehenden Festes auch dadurch, daß eine Masse Freiquartiere dem WohnungS-Ausschuß angeboten wurde. Auch sonst wird von allen Setten das Fest gefördert und für einen angenehmen Aufenthalt der Festgäste Sorge getragen. Das köntgl- Oberhofmeisteramt ist den Gästen in liberalster Weise entgegengekommen und hat die Besichtigung des köntgl. Residenzschlosses sowie der kgl. Landhäuser Rosenstein und Wilhelms gestattet, nicht minder die Direktion der Kunstsammlung des k. Raturalienkabinets, sowie der Centralstelle für Gewerbe und Handel. In jüngster Zeit ist es durch das freundliche Entgegenkommen des Vorstandes des Museums der vaterländischen Alterthümer, Herrn Professor Dr. Haakh, gelungen, den Gästen eine im Museum bevorstehende Ausstellung von Aquarellen zu bieten, die u. A- eine Feuerwehr au« dem Anfang des gegenwärtigen oder Ende des vorigen Jahrhunderts (in einem württembergtschen Landstäotchen) dar- stellen, und deren Zahl sich auf 32 beläuft. Daß auch die Regierung die hohe Be­deutung des Feuerlöschwesens und den Werth des bevorstehenden Feuerwehrtages wür­digt, ersehen wir daraus, daß an jedes auf dem letzteren vertretene Korps die auS An­latz der Brüsseler Ausstellung für Gesundheitspflege und R.ttungsweien Dem Mini­sterium des Innern herauSgegebene Denkschrift:Das Feuerlöschwesen im Königreich Württemberg" in zwei Exemplaren vom Ministerium gratis abgegeben wird. Die für die Feuerwehrmänner besonders interessanten und wichtigen Waffer-Reserooirs auf dem Hasenberg u s. w. werden die Gäste unter der bewährten Führung deS Herrn Ober­bauraths v. Ehmann besichtigen. Bon nicht minder hohem Werthe dürfte eine Aus­stellung von Feuerwehrmodellen der Krupp'schen Feuerwehr in Essen sein, deren Auf­stellung von einem besonderen Beamten der Krupp'schen Werke geleitet wird. Dieselben werden am 2. September von Kaiser Wilhelm anläßlich eines Besuches in Essen be­sichtigt werden. Sic enthalten: In */4 der natürlichen Große: 1) 1 Mannschasis-Ge- räthewagen nebst Spritze, Bespannung und vollständiger Ausrüstung; 2) 2 Requisiten­wagen mit Ausrüstung; 3) 2 Hydrautm; 4) 1 Steighaus mit 36 Figuren, 1 Alarm­station; 5) 1 Leiterstation. In natürlicher G öße: 6) 1 Feuerwehrgürtel; 7) 1 Tasche mit Rettungs-Apparat; 8) 2 reparirte Hanfschläuche; 9) 21 Photographien und ver­schiedene Drucksachen.

Wurzen , 18. Juli. Ueber die hier vorgekommenen Erkrankungs- und Todesfälle in Folge Genusses milzbrandigen Fleisches erfahre ich:Ein Rittergutspächter in der Rahe von Wurzen bot einem Fleischer aus der Stadt eine kranke Kuh, die schon seit längerer Zett vom Thierarzte behandelt worden war, für den Preis von 180 JC jum Berkaus an. Derselbe kaufte das kranke Stück Bi h für 75 JL, schlachtete es im Verein mit zwei anderen Fleischern, und vorigen Samstag und Sonntag kam das Fleisch, untermischt mit Fleisch von gesundem Vieh, meist als Bcessteakfleifch zum Berkaus. Allein schon I unmittelbar nach dem Genüsse desselbeu stellten sich Erkcankungssälle ein, die unzwei-