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IVo. 17L . Mittwoch, den 1. August 187».
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Amtlicher Hheit.
Bekanntmach u n g.
Der Kreistag des Kreises Gießen hielt am 29. Juni seine diesjährige regelmäßige Versammlung ab. In derselben wurde über folgende Gegenstände verhandelt, bezw. beschlossen: t L. f r.. . _ _ , ,x r. .
1. Zu Mitgliedern der Einschätzungs-Commissionen zur Veranlagung der Einkommensteuer wurden die sertherrgen Mitglieder und Ersatzmltglreder wieder gewählt mit der einzigen Ausnahme, daß statt des erkrankten Rechners Jung zu Grünberg der Kaufmann Eduard Groos daselbst zum Mitglied und an dessen Stelle der Kaufmann Karl Haberkorn zu Grünberg zum Ersatzmttglied gewählt wurden.
2. Der Verwaltungsbericht des Kreisausschusses für das Jahr 1876 wurde vorgetragen.
3. Die Rechnung der Kreiökasse Gießen für 1876 wurde geprüft und Nichts dabei zu erinnern gefunden.
4. Der von dem Kreisausschuß entworfene Voranschlag der Kreiskasse Gießen für 1878 wurde, den Anträgen des Ausschußes entsprechend, festgestellt. Insbesondere wurde die darin vorgesehene verzinsliche Anlage eines Betrags von 8800 JL ausdrücklich genehmigt.
5. Bezüglich der Bildung der Wahlbezirke für die Wahlen zum Kreistage genehmigte der Kreistag den Beschluß des Kreisausschuffes, wonach die seither gebildeten Wahlbezirke berbehalten werden sollen. ,
6. Dem Gesuch der Bezirksfeldwebel des Kreises Gießen um Verwilligung einer ständigen jährlichen Remuneration aus der Krerskasse Gießen wurve in der von dem Kreisausschusse beantragten Weise stattgegeben. CVY>. ,, . . _ . _ ,(r
7. Der Antrag des Kreistags-Abgeordneten A. Noll zu Gießen wegen Verwilligung von Diäten an die städtischen Mitglieder der Ersatz-Eommisfion wurde, ehe derselbe zur Abstimmung gelangte, zurückgenommen. r *_
8. An die Stelle des verstorbenen Mitgliedes des Kreisausschusses Körber wurde der Großherzogliche Hofgerichts-Rath Becker zu Gießen gewühlt.
Endlich wurde , , o , r k
9. Die Ausloosung der mit Ende 1877 austretenden Hälfte der Kreistags-Abgeordneten vorgenommen, wobei zum Austritt bestimmt wurden und
durch die Gemeindebevollmächtigten Gewählten:
1. Rechner Körber von Gießen,
2. Beigeordneter Görlach von Eberstadr,
3. Bürgermeister Jhring von Lich,
4. Beigeordneter Keller von Gießen,
5. Bürgermeister Lang von Wieseck,
6. Bürgermeister Otto von Beuern,
7. Bürgermeister Bramm von Gießen;
durch die Höchstbestenerten Gewählten:
1. Hofgerichts-Advocat Hirschhorn von Gießen,
2. Beigeordneter Heß von Gießen,
3. Fabrikant A. Noll von Gießen,
4. Hüttenbesitzer BuderuS von Lollar.
Es wird dies gemäß Art. 39 der Kreis-Ordnung zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, den 18. Juli 1877.
Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.
v. Röder.
politischer
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Deutschland.
Marburg, 30. Juli. Zur Feier des 350jährigen Bestehens der Universität Marburg prangt die Stadt im Festschmuck. Auf der Bahnhofstraße ist eine mächtige Ehrenpforte errichtet mit den Bildnissen des Landgrafen Philipp des Großmüthigen, Stifter der Universität, und des Kaisers Wilhelm. Heute findet die Begrüßung der etntreffenden fremden Gäste statt. Die Präsenz-Liste weist bereits 600 Theilnehmer auf, unter denselben eine Anzahl, die vor mehr als WO Semestern ihr Universitäts-Studium begannen.
Berlin, 27. Juli. Die Verfälschung der Lebensmittel, wie sie in neuerer Zeit wieder sestgestellt worden, wird vermuthlich die Reichsgesetzgebung demnächst beschäftigen, und wenn auch von der Reichsregierung in dieser Beziehung die Initiative nicht ergriffen werden sollte, so wird es an darauf bezüglichen Anträgen von Reichstags-Mitgliedern nicht fehlen, so daß die Gesetzgebung sich doch mit der überaus wichtigen Angelegenheit befassen wird. Zu wünschen wäre nur, daß thatkräftige Mittel zur Beseitigung des furchtbaren Uebelstandes ergriffen würden, der besonders da übel wirkt, wo gesundheitsgefährliche Surrogate die Fälschung herbeiführen, während gleichgültige Surro gate eine mildere Beurtheilung verdienen. In England hat die Gesetzgebung bisher im Wesentlichen auch noch nicht viel erreicht.
Berlin, 28. Juli. Die Besetzung Gallipolis durch England ist noch unentschieden, eventuell wird sie höchstens zeitweise und zwar aus die Dauer des Krieges stattfinden. — Der Gesetz-Entwurf über die Feststellung des Feingehaltes der Gold- und Silberwaaren ist fertig gestellt und dem Bundesrath zur Berathung nach den Ferien zugegangen.
Homburg, 29. Juli. Der erste Lord der britischen Admiralität, Ward Hunt, ist hier gestorben.
Homburg, 30. Juli. Der Tod des britischen Marine-Ministers Ward Hunt erfolgte gestern Vormittag halb 11 Uhr in Folge eines Schlaganfalles. Die Beerdigung findet am Dienstag Abend statt.
Hesterreich.
Wien, 28. Juli. Midhat Pascha tritt äußerst bescheiden auf, verkehrt
indeß lebhaft mit der Diplomatie. Einige behaupten, er werde erst nach London reisen und dann erst heimkehren, Andere lassen ihn seine directe Fahrt nach Konstantinopel schon morgen Abend antreten. Die Dauer seines Aufenthalts ist indeß von der Gestaltung des diplomatischen Verkehrs abhängig. — Molli- nary's angebliche Abdankung macht großes Aufsehen. Ein Gerücht bringt dieselbe mit einer bevorstehenden Mobilisirung in Zusammenhang. Mollinary soll ein Corps-Commando erhallen.
Wien, 29. Juli. Die „Neue Freie Presse" schreibt: Ueber die Dauer des Aufenthaltes von Midhat Pascha in Wien ist nichts Definitives bekannt. Es ist gewiß, daß derselbe die Reise nach Wien auf Wunsch des Sultans unternommen hat und weitere Information aus Konstantinopel erwartet. Eine Zurückberusung M'dhat's nach Konstantinopel ist bisher noch nicht erfolgt. Ebenso sind die Meldungen über seine Abreise nach London oder Brnrdlfi verfrüht. Gestern Nachmittag verweilte er mehrere Stunden bei dem türkischen
— Die „Montags-Revue" schreibt: Finanz-Minister v. Prelis nebst den ungarischen Ministern B. Tisza und B. Szell. welche hierher berufen sind, nehmen gemeinschaftlich mit den Minister» Fürst Auersperg, Graf Andrassv, c. Hofmann und Graf Bylandi an einem Minister-Conseil Theil, welcher in Erwägung ziehen wird, ob nicht der Augenblick gekommen sei, aus der bisherigen Passivität heraus,nlreten und durch eine wenigstens theüweise Mobilisirung der Armee die militärische Bereitschaft Oesterreich-Ungarns herzustellen. Graf Andrassy, welcher diesen Schritt für nothwendig erachtet, denkt dabei mcht an eine Aenderung der österreichischen Politik, welche nur auf dw Wahrung de, Interessen der Monarchie Bedacht nimmt. Die Anwesenheit Midhat Pasch» s hängt in keiner Weise mit den bevorstehenden Maßnahmen zufammen Die österreichische Politik perhorrescirt jeden Occupations-Gedaukeu - kann aber me- mals zugeben, daß eine neue Ordnung der Dmge ohne ihr Hmzuthun o gegen die von ihr geltend gemachten Interessen geschaffen werde.
— Midhat Pascha besuchte heute Nachmittag um 1 Uhr den Grafen Andraffv und confertrte eine halbe Stunde mit ihm. Später erschien Gras Andraffy im Hotel Metropole, um den Besuch Midhat Paschas zu erwide


