Ausgabe 
1.3.1877
 
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gültigste prüfen, um künftigen Etats-U-berschreitungen möglichst vorzubeugen, und dahin wirken, daß erheblichere Et-ls - Ueberfchreitungen rechtzeitig veran- fchlagt und in den nächstjährigen Etat aufgenommen werden. Im Lause der Debatte wurden die fortgesetzten Erat« - Ueberfchreitungen von Virchow und Lasker lebhaft gerügt; letzterer forderte für die Zukunft eventuelle Vorlegung eines Indemnitäts-Gesetzes. Bei der nunmehr weitergeführten dritten Lesung des Staatshaushalts-Entwurfes genehmigte das Haus den Justiz-Etat und den Etat des Ministeriums des Innern. Bei dem Etat des Eulius-Ministeriums nahm v. Schorlemer-Alst Gelegenheit, die Thätigkeit der «chulserwaltung zu krilisiren und unter anderen Maßregeln auch die Einsetzung von Staats-Pfarrern scharf zu fabeln ; derselbe ließ sich ferner aus über das immer mehr um sich greifende Denunciations - Wesen und Über die angebliche Corrumpirung des Nicktei-Standes. Diese «ussührungen wurden durch v. Sybel widerlegt, wel­cher das ganze Gewicht der Verantwortlichkeit für die heroorgehobenen Uebel- stände btr Centrums-Partei zur Last legte und das Vorgehen der Regierung rechtfertigte. Um 2 Uhr wurde die Fortsetzung der Debatte auf morgen vertagt.

Hesterrrich.

Wie«, 26. Februar. In einer Besprechung der bei Eröffnung des deutschen Reichstags gehaltenen Thronrede hebt bteMontags-Revue" hervor, die Zusicherung des deutschen Kaisers, daß die politische Unabhängigkeit Deutsch­lands zur Wahrung des Friedens, sowie zur Erhaltung und Befestigung der guten Beziehungen mit den befreundeten und verbündeten Mächten angewendet werden solle, habe speciell ihren unverkennbaren Werth für Oesterreich, das an dem Frieden ein so großes Interesse habe, wie nur irgend ein anderer Staat. Oesterreich muffe aber auch darauf bringen, daß seine indivibuellen Beziehungen zu den Fragen und den Verhältnissen des Orients gebührend gewürdigt würden, und könne bei Deutschland auf das eingehendste Verständniß seiner politischen Aufgaben und auf die wohlwollendste Unterstützung rechnen. Könne Deutschland seine Kraft einsetzen für die Erhaltung des Friedens, so könne es dies auch zum Schutze der conservativen Principien, auf welchen das Drei-Kaisvr-Bündniß aufgerichtet worden fei. Betreffs der orientalischen Frage könne die Bekräfti­gung dieser für die politische Gestaltung Europas wichtige Thatsache aus den Worten der Thronrede ohne Zwang und ohne optimistische Selbsttäuschung ge- folgert werden.

ArarrLreich.

Paris, 27. Februar. Man telegraphirt demNational" aus Konstan­tinopel, die Zurückberufung des Ex-Vezirs Midhat Pascha werde dementirt. Das Seraskierat verweigerte vorläufig, auf die Dienst-Anerbietungen polnischer und ungarischer Officiere einzugehen.

Versailles, 26 Februar. Die Deputirten-Kammer hat trotz des Wi­derspruches des Marine-Ministers mit 310 gegen 142 Stimmen den Antrag auf Wiederzulaffung von Deputirten für die Colonien Guyana und Senegal angenommen.

Luglimd.

London, 26. Februar. Im Unterhause kündigte Hanbury für morgen die Interpellation an, ob die Regierung sich noch fernerhin in Konstantinopel durch einen Geschäftsträger vertreten lassen wolle oder wieder Elliot oder einen anderen Diplomaten als Botschaster dahin zu senden gedenke. Kenealy kün­digte sodann für den 5. März eine Resolution an, welche sich unter Mißbilli­gung der Depesche Lord Derby's an Elliot vom 29. August 1876 zu Gunsten der Aufrechterhaltung der Integrität und Unabhängigkeit dec Türkei aussprtcht. Auf Anfrage Anderson's erwiderte der Unter-Staatssecretär im auswärtigen Amte, Bourke, die Regierung habe am 20. d. Mts. die Petition von Bewoh­nern Bulgariens erhalten, wie sie von den heutigen Morgen-Blättern veröffent­licht sei.

DemReuter'schen Bureau" wird aus Washington telegraphirt: Ungeachtet der Einwendungen von demokratischer Seite find die Wahl-Stimmen von Pennsylvanien und Rhode-Island als für Hayes abgegeben erklärt wor- den. Disraeli ist von einem Gicht-Anfall heimgesucht.

Lyndon, 27. Februar. Bei der Debatte über den bereits angekündig- len Antrag Lord Stratheden's im Oberhause trat Lord Grey demselben ent­gegen , weil er ein Mißtrauens-Votum gegen die Regierung involvire; die tür­kischen Provinzen würden zwar durchweg schlecht verwaltet, seien aber auch nicht fähig zur Selbstregterung. Ebenso unerwünscht sei die Ucbertragung der Regierung über dieselben an Rußland, da das russische Regierungs-Lystem dem Fortschritte und der confessionellen Gleichberechtigung noch weniger förderlich als das türkische sei. Hierauf wies Lord Derby darauf hin, daß es ganz nutz­los gewesen wäre, formelle Neutralitäts-Erklärungen von den einzelnen Mächten zu verlangen. In die Friedens-Bedingungen sei die Reform-Frage hineingezogen worden, weil, wenn vielleicht Serbien in den Frieden auch ohne Rücksicht auf die Reform-Frage eingewilligt hätte, es doch Personen in Serbien gab, die einem Frieden, in dem die aufständischen Provinzen nicht berücksichtigt worden, nicht zugestimmt hätte«. Die Phraselocale oder administrative autonome Maß­regeln" bedeute nicht, daß die Administration der genannten Provinzen von der­jenigen der anderen türkischen Provinzen verschieden sein solle. Das Wort Controle", welche von einer internationalen Commission ausgeübt werden solle, sei un engen beschränkten französischen, nicht im englischen Sinne zu verstehen. Nachdem schließlich Derby nochmals betont hatte, daß für England die Ver­träge noch bindend seien, wurde der Antrag Stratheden's ohne Abstimmung abgelehnt.

Amerika.

Washington, 26. Februar. Präsident Grant äußerte sich in einer Unterredung mit den Korrespondenten derAffocieted Preß" dahin, er glaube, daß die Wahl seines Nachfolgers verkündet werden könne, bevor seine Amts- Periode als Präsident zu Ende sei. Die gegenwärtigen Regierungen der Süd- Staaten würden, wenn sie sich nicht aus eigener Kraft zu behaupten vermöchten, anderen Platz machen müssen; seiner Ansicht nach sei die Bevölkerung es sicherlich müde, diese Regierungen nur mit Hülse von Militärgewalt aufrecht- zucrhalte«.__________________________________

Lokal-Notiz.

Kiepen, 28. Februar. Sämmtliche Regierungen bei deutschen Reichs sind dahin übereingekommen, daß im schriftlichen Verkehr särnrntlicher Reich-- und Staatsbehörden, unbeschadet der für Briefpapier, Tabellen und in etwaigen sonstigen Ausnahrnssällen

üblichen andern Formate, ein einheitliches Papierformat von 33 Zentimeter öofrt und 21 Zentimeter Breite zur Annahme kommen soll. Dieses Format ist demnach auch bet Eingaben von Privaten an die Behörden, soweit solch- nicht auf Dimension^ Stempel­papier geschrieben sind, in Anwendung zu bringen.

Vermischtes.

Darmstadt. Der Frühjahrs-Pferdemarkt zu Darmstadt naht heran und zeigt es sich immer mehr, welches Vertrauens sich das zeitgemäße Unternehmen erfreut Die Loose für den Frühjabr-maikt sind in ollen Tbeilen des Landes verbreitet, die Be­tellungen nehmen, da vom nächsten Monat an die Loose nur in feste Rechnung abgegeben werden, regelmäßigen Fortgang, so daß bereits 16,000 tioofe abgegeben sind. Bei diesem so dankenswerthen allseitigen Entgegenkommen ist es zu wünschen, daß die Looseauf- träge bald zur Kenntnis des Comilä kommen, damit sie alle berücksichtigt werden können.

Der Pferdezucht kann bei den allseitigen Erfolgen nur gratulirt werden für diese günstige Aufnahme unseres Marktes.

Darmstadt, 26. Februar. Von den 4 Feuerwehrmännetn, welche bei dem Brande im Hanauer Hof Verletzungen davon trugen, sind zwei wieder vollständig her- gestellt, die beiden anderen befinden sich jedoch noch in ärztlicher Behandlung und dürfte deren vollständige Heilung immerhin noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Offenburg. Der Engländer Withe, der einer Anzahl Jaadliebhabern aus Rache ihre zum Theil werthvollen Hunde vergiftete, wurde zu zwei Zähren Gesängniß und 1735 Schadenersatz verurtheilt.

Cannstatt, 19. Febr. Seit gestern herrscht Bestürzung unter der Einwohner­schaft; die Bücher der Gewerbedank sind gerichtlich versiegelt und man spricht von einem durch falsche Buchungen etststandenen Deficit von einigen hunderttausend Mark.

DieK. Z." meldet: Seit einiger Zeit sind auf Fr. Krupp'fchen Gruben zu Harzberg bei Oberlahn, sow'e zu Tiefenbach bei Stockhausen Drahtfeilbahnen, auch Luftbahnen genannt, im Betrieb, welche mit Recht in industriellen Kreisen Aufsehen erregen- Diese vo» Leipziger Ingenieur Bleichert erbauten Drahtseilbahnen befördern von den betreffenden Gruden Erze nach entfernt gelegenen Lagerplätzen resp. Bahnffa- tisuen mittelst kleiner eiserner Wagen, welche einseitig mit zwei Rädern au eine, aus Drahtseilen oder Rundesten gebildeten Laufbahn hänge-, und die omch ein zweites schwächeres Drahtseil ohne Ende, das sogenannte Zugseil, fortgefüört werden, welche an den beiden Endpunkten der Bahn über große horizontale Seilscheiben geführt ist und durch Dampfbetrieb in fortwährender Bewegung gehalten wird. Die Lauffeile sind auf hölzernen Unterstützungen gelagert, und zwar so hoch über dem Erdboden, daß her landwirthschastliche Betrieb unterhalb der Bahn in keiner Weise behindert wird; diese Unterstützungen sind in Entfernungen von etwa 25 Meter ausgestellt. ES macht einen eigenthümlichm Eindruck, zu sehen, wie in der Luft hoch über dem Erdboden die Förderwagen sich ruhig auf den Seilen fertbereegen. Wie uns mttgdbeilt wurde, ist bte Anlage auf Grube Harzberz ungefähr 2200 Meter lang und befördert täglich 1500 bis 2000 Ctr. Erze mit einer Betriebskraft von 34 Pferdestärken; die Bahn zu Stock­hausen, welche nur 315 Meter lang, ist aus eine tägliche Leistung von 3000 Ctr. be­rechnet, und namentlich dadurch interessant, daß sie die Lahn in bedeutender Höhe über­schreitet.

AuS Ostheim wird ein Fall geistlicher Anmaßung gemeldet, der viel Aufsehen erregte. Bei der Beerdigung eines iunten Mannes, welcher den Feldzug gegen Frank­reich mitgemacht, wollte der Pfarrer nicht dulden, daß der an der vegräbnißfeierlichkeff theilnehmende Kriegerverein die üblichen Ehrensalven abfeuere. Ö18 aber hierauf be­standen wurde, verbot der Pfarrer das Grabgeläute und Singen und begab sich, ohne fein Amt zu verrichten nach Hause. Der Berstorbene mußte daher ohne geistliche Bei­hilfe beerdigt werden. Die Gemeinde ist darob sehr aufgebracht und Hai bei der Re­gierung Beschwerde erhoben.

Literarisches.

Scheu und voller Argwohn nahmen wir das in diesen Tagen in Leipzig im C. A Koch'schen Berlage erschienene Heftchen:Die Weltgeschichte in sangbaren W i- sen" I. Theil, Griechische Geschichte in die Hand. Wir vermutheten wieder einmal jene Art geift- und witzloser Prodncte, deren einziger Zweck ist, unsere Jugend um ihr Taschengeld zu bringen, ein Zweck, der leider nur zu oft erreicht wird. Doch wir freu­ten uns von ganzem Herzen, daß wir uns so sehr getäuscht hatten Karl Reophilus weiß uns die Griechische Geschichte in zum Theil allerliebsten und witzigen Verslern vorzutragen und die Melodien, welche der Musikdirektor A rg. Wagner für sie ausge­sucht hat, stad in äußerst angemessener Weise dem Text ungepaßt. Wir wollen darum mit unserer lobenden Anerkennung nicht zurückhalten; möge sich nun Jeder unterer Leser das Heftchen zu eigen machen.

Auf den ebenso mannigfaltigen als intereffinten Jnhast des soeben erschienenen zehnten Heftes des neunzehnten Jahrgangs vonlieber Land und Meer* (Stuttgart, Ver­lag von Eduard Hallberger) machen wir untere tiefer durch nachfolgende Inhaltsangabe aufmerksam. ~

Text: Der mich liebt und den ich liebe. Novellete von E-M Vacano. Prinz Wilhelm von Württemberg und Prinzessin Marie von Waldeck. Notizblätter Bo» der Politischen Warte. Don Benno Reden. II. Liebe und Politik- Novelle doiv Marie Coldan. Goethe's Euphrosyae. Von C- Conrad. Orientalische Zuku ffts- inustk. Von W- v. Dünheim. L Der Kriegsschauplatz 1. Die Donaulinie. 2 Das Balkangebirge. Briefe unseres Spez alkorrespondenten. Peter Qrubam'4 Rhnn- fahrt. %tne Dichtung in zwölf Gesiuzen. Von Gerhard von Amyntor. Miniatur- bilder. Erinnerungen an berühmte Tondichter von Mosenthal. 6. Goldmark.- Die Konferenz in Konstantinopel. Dec Liebesbrief. (Kopie der kleinen Oelfarbendruck- prämie dieses Jahrgangs.) General der Infanterie v. Schwarzkoppen. Bllder aus dem Kosakenleben. Vor der Maiinäe. Von R--B- Das kaiserliche Paris. Von Leo Wahren. 11. Der Kaiser- Ein Wettrennen um's Leben- Aus meinen Ka- drttenjahrrn. Lose Blätter vo-i Johannes van Dewall. 20. Der erste Ausgang. Zur Charakteristik der Berliner Posse. Von G. Laurentius. Zeitchronik. Vom Bücher­markt. Schach. Bilderräthsel. Rösselsprung. Sylbenräthsel. Briefmappe.

Illustrationen: Wilhelm, Prinz von Württemberg, und seine Braut, Prinzessin Marie von Waldeck. Originalzeichnung. Vor der Kathadrale in K scheneff nach dem Te Deum zur Feier des Namenstags des Großfürsten Nikolaus. Nach einer <äri^e unseres Specialzeichners. Konferenzsttzung im A>miralität8-Palast (TerS-Haneh) in Konstantinopel. Das Hauptquartier des Großfürsten Nikolaus N kolajewffich in Kischeneff. Originalzeichnung von G- Broling. Am russisch-rumänischen Grenzbaon- hos Ungheni. Nach einer Sknze unseres Specialzeichner». Der Liebesbrief. Ge­mälde von O. Erdmann. (Kopie der kleinen Oelsarbenbruckprämie dieses Jahrgangs ) Aus unserer humoristischen Mappe. Sechs Bilder. v. Schwartzkoppen, komman- dirender General des XIII. (fgl roürttemb.) Armeekorps. Bilder aus dem Koiaken- leben. Ori.tinalzeichnung onn I. Schönberg. Vor der Matinäe. Gemälde von 28. Amberg. Nach einer Photographie au8 dem Verlage der Photographischen Getellichast in Berlin. Moldauisches Gespann. Ein rumänischer Bojar auf der Reise. Nach einer Skizze unseres Specialzeichners. Prooiantkolonne in einer Straße von Kische­neff. Nach einer Skizze unseres Specialzeichners. Ein von Wölfen verfolgtes Wa­piti. Zeichnung von I. Wolf. Botanisches Allerlei. Nach Skizzen von Hermann Hederich. Aus meinen Kadettenjabren. Von Johannes van Dewall. Fünf Bilder.

Mittheilung.

Franzöfische Mühlsteine werden hiermit den Herren Mühlbesitzern aus der Fabrik aus Nordhausen zu entnehmen empfohlen, wo ihnen die drei- biS fünffache Dauer derselben gegen die Accord-, oder gar der feilen f r a nz ö f i s ch e n Herstellung garantirt wird. Das beste Elistirende bietet denn auch wirklich das größte aller Lager, das größer ist, als die einzelnen Lagervorräthe der Bruchbesitzer in Frankreich und dem alle Brüche steuern, namentlich die von Süd-Frankreich, die das feurige, starke Gestein liefern. Wir empfehlen so aus Ueberjeugung und aus Dankbarkeit für unsere in einer ungekannten Mahlt üchtigkeit uns erfreuenden und die größt­mögliche Dauer versprechenden Steine, nachdem wir Alle der meist aus Frankreich bezogenen Mühlsteine nach nur kurzer Benutzung verlustig gingen. Wende k i n d s Fabrik bietet uns in Nordhausen bequem die Prüfung unserer Mühlsteine ohne Deckt und im Rohbau. Und dazu rathen wir. Man weiß feine guten Steine bann auch von der inneren Sorgfalt und Güte, also der wohlthätigen Beständigkeit.

Die Namen der Einsender und Referenzen sind in der Exp- b. Zig zu erfahren-