Die Rheinüberschwemmung.
Bericht eines Augenzeugen. Darmstadt, 13. März.
Die Wassersnoth unserer Nachbarorte bewegt alle Gemüther und täglich bringen die Bahnzüge Viele in die bedrängten Rheinstädte, um sich durch eigenen Augenschein ein Bild von dem Stand der Dinge zu machen. Diesem Zuge um eigene Ueberzeugung folgte auch Ihr hiesiger Korrespondent, indem er die Orte Mainz und Stockstadt gestern besuchte. Auf der Fahrt von hier nach Mainz bietet zunächst die Gegend vor Nauheim das Bild eines mächtigen Sees mit ansehnlichen Wellen, die sich an dem Eisenbahndamm brechen. Soweit das Auge rechts und links reicht: Alles ein Meer! Doch bald wird das Wasser wieder sichtbar seichter, höher liegende Aecker und kleine Baumbestände strecken ihre dunkeln Arme in den See hinein, es kommen größere Inseln zum Vorschein, noch einige lange Seezungen bespülen weithin das Feld, das nach und nach, wenn auch hier und da noch mit einzelnen Tümpeln besät, als fester Boden zum Vorschein kommt, um in der Gegend von Bischofsheim ab wieder mit Seegebilden in raschen Wechsel zu treten. Weithin rollen da schon die gelben Nheinwellen, der Holzlagerplatz steht unter Wasser, das die dortigen schwarzen Bretterbauten sichtbar hin- und herbewegt. Auf dem erhöhten und trocknen Bahngeleise bringt uns der Dampfzug nach Mainz. Der dortige Darmstädter Bahnhof ist nicht, wie vielfach irrig gemeldet wird, vom Rhein überspült, denn bis dahin fehlt noch viel! sondern ist vollständig trocken. Aber nur wenig Schritte und unfern Augen entrollt sich ein anderes Bild: Rechts der gewaltige Strom, der mit seinen mächtigen Wogen eben die obersten Stufen der dortigen Steintreppen bespült und in seiner Flut anonyme sichtbare Gegenstände wälzt, von denen Niemand weiß, was sie sind, woher sie kommen und wohin sie gehen! Links der Eingang zur Stadt: der alte Holzthurm mit seinem Durchlaß zur Holzzaffe, geradeaus die Rheinstraße! Doch eines nach dem Andern. Altgewohnte Holzgasie, welchen Anblick bietest Du heute dar? An die Stelle der Fahrbahn, der Trottoirs ist ein stehender Bach getreten, der seine kräuselnden Ringe mit dem schaumigen Inhalt der Kellergeschosse der Häuser mischt. Die Kellerläden sind nicht zu; zu was auch, denn die Erdgeschosie dieser Häuser waren vielleicht eher gefüllt, als das aus dem Rheine durch das Erdreich zurückcretende Wasser zwischen dem Pflaster durchdringend die Straße in einen See verwandelte. Links ist aus Balkenwerk mit überlegten Brettern ein schmaler Steg für die Passanten constrnirt. Ein Hinabfallen von Personen, sogar vorkommende Arm- und Beinbrüche flößen uns die Ueberzeugung ein, daß dieses Machwerk bester sein könnte und Mainz eben — nicht stolz aus diese Erfindung zu sein braucht. Die Mitte der Straße hat ihren Charakter als Fahrbahn behauptet — denn man fährt noch immer dort, freilich theils mit Nachen, aber auch mit sonstigem Fuhrwerk, namentlich mit Droschken, wobei die Pferde bis an den Leib im Wasser gehen und der Droschkenkasten eben noch grade die Oberfläche des Wassers berührt. Nimmt der Wasserstand zu, muß diese Art Pastagier-Beförderung aufhören. D>e Gaslaternen brennen auch bei Tage, natürlich nicht zum Schutz gegen das Hinabfallen in's Wasser, da dies auch ohne Gaslicht geschehen kann, sondern weil der Laternenwärter eben nicht gut herbei kann. Das ist das Bild der Holzgasse und diese Beschreibung
neuen Ministeriums über die von ihm einzuhaltende Politik verlesen. Letztere ist nach dieser Erklärung eine sehr republikanische und Mei conservative. Die Erklärung sagt : Die Republik ist mehr als jede andere Regierungsform gehalten sich aus die heiligen Gesetze der Religion, der Moral, der Familie und des Eigenthums zu stützen. Die Regierung werde kriegerische Abenteuer vermeiden ; die Beziehungen der Republik nach Außen feien gute und die Regierung hoffe auf gute Resultate von den Bemühungen zur Beruhigung im Orient; sie ist erfreut über die Beendigung des Bürgerkrieges in Spanien; sie kündigt die Vorlage von Gesetzen an, betr. die Zusammensetzung der Municipal-Behörden und die Modification des Gesetzes über den höheren Unterricht. Zwar steht die Regierung Schwierigkeiten voraus, allein sie hofft, daß dieselben überwunden durch das Vertrauen der Kammern, durch den gemeinsamen leidenschaftlichen Wunsch, Frankreich durch Ordnung, Freiheit und Frieden wieder aufzurichten.
Italien.
Rom, 14. März. In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß der Vertrag über Ankauf der lombardischen Bahnen trotz der steigenden Opposition gegen einen allgemeinen staatlichen Betrieb der Eisenbahnen doch schließlich die Majorität finden werde.
Türkei.
Cairo, 14. März. Der Khedive empfing heute auf dem Bahnhof den Großfürsten Alexis von Rußland.
Amerika.
New-Uork, 13. März. Der Union League Club, der bedeutendste republikanische Verband der Stadt, hat auf einer Versammlung Resolutionen gefaßt, in denen eine Untersuchung aller Zweige des Staatsdienstes verlangt wird. Dieselben enthalten zugleich eine Erklärung gegen die Leitung der Partei durch Personen, welche Staatsämter bekleiden, und eine Aufforderung. einen solchen Candivaten für die Präsidentschaft aufzustellen, der mit den Jrrthümern und Mißbräuchen, die das Land in Schande gebracht haben, weder direct noch indirect etwas zu thun hat-
Washington, 12. März. Die Untersuchung gegen den weiland Kriegs-Minister General Belknap stößt aus große Schwierigkeiten. Nach dem Berichte, den der Bezirksanwalt Wells letzt dem General-Staatsanwalt erstattet hat, läßt sich die Anklage ohne das Zeugniß des entflohenen Marsh nicht erheben. Jrn Repräsentantenhause tobte vorgestern wieder ein langer und unerquicklicher Streit über die Frage, wer die Verantwortlichkeit dafür zu tragen habe, daß dem unentbehrlichen Zeugen, der zugleich Mitschuldiger ist, die Möglichkeit gegeben wurde, aus Washington und dem Bundesgebiete zu entkommen. Der neue Kriegs-Minister Taft hat sein Amt schon angetreten.
— In Folge der Nachrichten von der mexikanischen Grenze hat die Regierung dem Militär-Commandanten in Texas Befehl ertheilt, alle revolutionären Bewegungen auf dem dieffeitigen User des Ri^ Grande, militärische Expeditio nen zur Unterstützung der Empörer und Neutralitäts-Verletzungen zu verhindern, sowie alle aus Mexiko herüberkommenden Bewaffneten zu verhaften, zu entwaffnen und zu interniren..
paßt auf alle anderen folgenden Querstraßen. In die Wirthschasten und Läden ind Bretter und Balkenwerk gelegt, so daß mm seinen Schoppen bei Horn z. B. nur nach Passiren einer Holzstiege trinken kann, die des Abmds durch eine Pechfackel beleuchtet wird. Gehen wir die Rheinstraße hinab und bald bietet sich unfern Augen ein andres Bild dar. Die Rheinstraße vertieft sich und an der Strecke, die links die Firma Hänlein und rechts die Güterspedition der Naffauer Bahnen zeigt, fängt der Rhein an, über seine Ufer hinaus seine graugelben Wellen zu spülen. Wir treten der Dampfbootstation "hinaus: an der Lagerhausfronte ihrer ganzen Länge nach brechen sich die Wogen! Eine dortige Gartenrestauration zeigt nur noch die Platten der feststehenden Naturtische. Ein Eisenbahnsignal richtet unsre Blicke abwärts, der Binger Zug kommt — aber nicht mit Sturmesgewalt, sondern langsam und bedächtig, Schritt für Schritt — denn er geht bis an die Räderaxen im Wasser und das Rauschen der daran brechenden Wogen ahmt das Schnauben seiner Schwester, des Dampfschiffs, nach. So bieten sich dem erstaunten Blick der wechselvollen Bilder mancherlei. Doch wir vermögen nicht dabei zu verharren, die Zeit drängt zur Rückkehr, um auch Stockstadt einen Besuch abstatten zu können. Es ist Sonntag Nachmittag und der Zug. der 2 Uhr 56 M. von Darmstadt nach Stockstadt gehen soll, steht bereit. Es ertönt das Signal und die Warteiäle ergießen einen schwarzen Strom von Menschen, die der niederfallende Regen an ihrer vorhabenden Tour nicht abzuhalten vermag Wohin, wohin! Nach Erfelden, Stockstadt, Gernsheim; Alle wollen das Waffer sehen! Es muffen 2 Wagen noch emrangirt werden und fort geht's der Rheinebene zu. Kaum hinter Griesheim belehren uns lang hinziehende Silberstreifen in Furchen stehenden Waffers, daß Felder und Wiesen bis an die Oberfläche mit Wasser gesättigt sind. Bei Wolfökehlen zeigen bachähnliche Vorboten, daß sich die Ebene merklich nach dem Rheine zu neigt, bald kommen kleine Seen rechts und links, wieder einige höher liegende Aecker und das Bild der Niederung kehrt wieder und wieder, wohin der Blick streift: Waffer und wieder Wasser! Ein tief grollendes Rauschen macht sich dann und wann bemerkbar, wir kommen nach Stockstadt an's Ufer des mächtigen Rheinstroms! Kaum in den Ort eingetreten, sehen wir, daß sich die rechts hinführende Hauptstraße in einen stehenden Bach verwandelt hat und zwar auf eine unabsehbare Länge. Aber auch hier ist für eine Passage gesorgt, wenn auch für keine kunstsinnige, so doch für eine naturwüchsige! Es sind eben Weiden- und sonstige Reisigbündel einfach in die Straßen gelegt und über diese je 3 oder 2 Bretter gefügt. Wo diese Bündel auf festem Boden noch liegen, hat Alles noch gute Wege. Das steigende Waffer hat diese Anstalt aber zu einer schwimmenden Batterie verwandelt und vor dieser stehen jetzt circa 200 eben mit der Bahn gekommene Schaulustige, um die Wanderung auf der Hühnersteige anzutreten. Also vorwärts! Eins, zwei, drei machen den Anfang und im Gänsemarsch bewegt sich der Zug. Alle 3 Schritte ein Manu, denn wenn 2 oder 3 auf einem Brett etwa zusarnmeukommen, beginnt sich die Stiege zu neigen und das Waffer fangt an, an den Stiefelschasten in die Höhe zu steigen, indem im Untergehen unsere Füße hoch überspült werden. Also nur Vorwärtsgehen hilft, Rückkehr ist unmöglich wegen der Hunderte von Nachfolgern! Ich sagte soeben: alle 3 Schritte ein Mann, ich muß das verbeffern, denn auch unsre liebe Damenwelt ist hier und da vertreten, auch sie hat sich von dem Drange nach eigner Ueberzeugung verleiten lassen und die gefährliche Wanderung angetreten. Aber bei dem Bau der Stiege hat die Galanterie nicht mitgewirkt, denn auch die Damen theilen das allgemeine Schicksal, wo die schwimmende Stiege sich neigt, gehen die rücksichtslosen Wellen weit über ihre Füßchen und Knöpfstiefelchen hinaus und nur flüchtige Schritte entführen sie größerer Noth. Die eigne Vorsicht gebietet, daß man ständig die Augen auf den schwimmenden Steg gerichtet hält und es tritt eine Täuschung mit immer wachsender Ueberzeugung ein, als befände man sich schwimmend auf rascher Strömung und beginnender Schwindel mahnt, in eine Seitengasse abzuzweigen, die auswärts steigend wieder festen Boden zeigt, oder Schutz in einem hochgelegenen Haus zu suchen. Doch wohin auch, die gefährliche Passage geht soweit Häuser reichen, dann kommt die Aussicht auf geradezu offenes Meer! Rechts und links neugierige Blicke aus den Häusern, und aus manchem mag wohl die Begierde geleuchtet haben, sich an einem Fall in's Waffer zu gau- diren! Und richtig — plumps — ein stangenlanger Passagier hat ein nasses Bad genommen. Rasch einige helfende Arme, noch Einer fällt von feinem Brett, Geschrei und unterdrücktes Gelächter und wieder vorwärts geht's! — Endlich also eine Abzweigung auf festen Boden! Es wird der Kalkofen erfliegen mit seiner Aussicht auf Schmidshausen. Der beginnende Orkan peitscht die gelben Wellen, die die Köpfe der aus der Wasserfläche starrenden Wcidenbäume benetzen. Die Hofgebäude des Guts sind von Waffer bespült, die Insel zeigt noch einzelne hervorragende Dämme, alles Andere ist gelbes Meer! Aus den Fenstern sehen effectiv Ochsenköpfe. Pferde und Rindvieh/ das aus den Stallungen in die Stuben gerettet wurde! Wohin ist der schöne Rehstand, die vielen Hunderte von Fasanen? Wohl alle hat das nasse Element verschlungen.
Wir habe* die Natur in ihren Schrecken gesehen und wenden uns dem Heimweg zu. Das war den Nachmittag, und hören wir nachträglich, daß den Abend noch durch Sturmgeläute die ganze Bevölkerung auf den drohenden Damm gerufen wurde. Gott möge es bald zum Bestem wenden! (D. Ztg.s
Lokal- Rotiz.
Gießen, 16. März. In dem von der Btadtverordneten-Versammlung festgesetzten und bezüglich des Ausschlags von Großh. Ministerium des Innern genehmigten Voranschlag der Stadt Gießen für das Jahr 1876 beziffern sich die Gesammt-Einnahmen auf 614,972 M. 67 Pf. und mit dem in 17,000 M- bestehenden Betriebsfonds erreichen d'e Ausgaben die Höbe der Einnahmen. Die Haupteinllahmeposten in demselben sind: Ueberschuß aus der Rechnung von 1874 51,191 M- 82 Pf., Miethe von Gebäuden 3,789 M- 43 Pf., Pacht von verliehenen Gütern 4,551 M- U Pf., Erlös für ®ral und andere Naturalien 10,572 M- 51 Pf, Ertrag des Stadtwaldes 87,986 M. 4 P', Narktstandgelder 2,500 M-, Octroi 58,448 M-, Schulgelder 42,295 M- 64 Pf., Hundesteuer 1.933 M. 33 Pf., zurückzuempfangende Kapitalien 60,428 M 57 Pf., neu auf zunehmende Kapitalien 131,473 M-, Von verkauften Häusern und Gütern 11,089 M- 45 Pf, und Umlagen 127,656 M. 55 Pf.
Die Hauptausgabeposten sind: Landes- und Provinzialsteuecn 2300 DL, Com- munalsieuern 3000 M-, Kapitalzinsen 56,964 M. 67 Pf., für Unterhaltung der geinein- hcitlichen Gebäude 3,065 M., für Unterhaltung der Gemeindeguter 3,857 DL 65 Pt-, für Kosten der Stadtwaldungen einschließlich der Holzhauerlöhne 25,481 M. 53 Pf-, für Kosten der Schulhäuser und Schulen 16,608 M 79 Pf., für Unterhaltung der Straßen, Brücken und Wege 10,630 M 95 Pf., für Reinigung der öffentlichen Plätze 2,569 DL. für Straßenbeleuchtung 10,600 DL, für Wasserleitungen und Brunnen im Ort 5,899 M-, für Feuerlöschanstalten 7,155 DL, für Octroiverwaltung und Rückvergütung 8,461 M- 43 Pf, Unterstützung Hülisbedürftiger 11,402 M- 35 Pf., Einquar- ttrungsgelder 10,400 M-, Beitrag zur Kreiskaste 4,190 M-, Besoldungen 144,520 M 88 Pf., Bureaukosten 2,624 M-, Betriebsfond und indisponibler Ueberschuß 54,332 Dl-
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