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Mo. 65. Freitag, den 17. März «87«.
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AMP- und AmiÄlatt fit den Kreis Gießen,
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
(Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark S0 Pf.
erwehr.
Die Reconstruction in den Südstaaten hat dem Präsidenten Grant ein besonderes großes Beamtenheer nothwendig gemacht und, wie wir eben ausgeführt, die Schamlosigkeit bei Besetzung dieser Stellen, die Bevorzugung von Verwandten und sonstigen Creaturen des obersten Beamten der Vereinigten Staaten überstieg alles bisher Dagewesene. Verwaltung und Justiz haben sich Jahre lang vortrefflich verstanden und einander in die Hände gearbeitet. Der gesunde Sinn des amerikanischen Volkes ist nunmehr in seinen Vertretern in Washington erwacht, das Repräsentantenhaus har die Monstre-Untersuchung in die Hand genommen und wird sie hoffentlich im Geiste der edlen Gründer der Union, der Washingtons und Jefferson's durchführen. Ulyffes S- Grant aber muß in Folge der neuesten Vorgänge, sobald sein Präsidentschaftstermin um ist, beschämt und compromittirt das Weiße Haus verlaßen. Der Traum von der dritten Präsidentschaft — vielleicht hat sein republikanischer Geist sogar einen kühnen ging nach der Kaiserkrone genommen, — der schöne Traum tst vorbei. — Erwachen mit moralischem Katzenjammer ist das Ende des berühmten Generals als Staatsmann.
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Die Korruption in den Vereinigten Staaten.
Das Repräsentantenhaus in Washington ist jetzt an einer furchtbar un- saubern Arbeit, die schmutzige Wäsche der Grant'schen Administration wird vor den Augen der ganzen Welt gewaschen; das Repräsentantenhaus hat etwa ein Dutzend Criminalausschüsie niedergesetzt, welche sich mit Betrügereien und Un- terschleisen, verübt von Beamten der Vereinigten Staaten, zu befassen haben. So ist am Sonnabend vor acht Tagen der wohl noch nicht dagewesene Fall vorgekommen, daß zehn verschiedene Commissionen an ein und demselben Tage mit dieser schmutzigen Materie beschäftigt waren. Die Corruption der Grant'» scheu Verwaltung, die Verderbniß innerhalb der Reihen der republikanischen Parteien ist ja schon seit Jahren weltbekannt. Während aber bis zur jüngsten Zeit meistentheils nur kleine republikanische Diebe an den moralischen Galgen kamen, werden nunmehr auch vornehme Diebe zur Rechenschaft gezogen, wenigstens ist der Versuch zu einem energischen Vorgeben auch gegen die dem Präsidenten am nächsten stehenden Kreise unverkennbar. Gegen General Schenck, den bisherigen Gesandten der Vereinigten Staaten in London wird der Proceß eingeleitet, sobald er amerikanischen Boden betreten hat. Der allerdings von den Geschworenen freigesprochene General Babcock ist durchaus noch nicht über alle Berge, da das Repräsentantenhaus sein Justiz-Comit6 beauftragt hat, zu ermitteln, ob ein Regierungs-Beamter oder irgend eine andere Person durch Bestechungen oder sonstige unerlaubte Mittel versucht hat, die Justiz in den Gerichtshöfen des Districts Columbia zu schädigen. Der General-Staatsanwalt ist nämlich durch die Presse beschuldigt worden, die von Seiten der Regierung abgegebenen Aussagen den Anwälten Babcock's mitgetheilt und versucht zu haben, sich ungebührlich in den wider den General eingeleiteten gerichtlichen Proceß zu mischen. Das Mariue-Comit6 des Repräsentantenhauses hat gegen den Marine-Secretär eine Untersuchung begonnen wegen angeblicher Betrügereien, welche auf den Schiffswerften von Philadelphia und Long-Jsland vorgekommen sein sollen.
Derselbe Marine-Secretär ist vom Präsidenten zum stellvertretenden Kriegs -Secretär ernannt; bekanntlich wurde vor Kurzem der Kriegs - Secretär Babcock seines Amtes entsetzt, der Mitwiffenschaft an den betrügerischen Manipulationen angeschuldigt, welche die Frau Secretär mit Herrn Marsh von New-Iork betrieben hatte. Herr Marsh zahlte nämlich an die Frau des Mr. Belknap eine jährliche Rente dafür, daß ihm dieselbe behülflich zur Erlangung verschiedener Armeelieferungen gewesen war. Die Einleitung der Untersuchung gegen Mr. Belknap wurde mit großem Geräusch und Applomb in Scene gesetzt, doch der hinkende Bote kam bald nach, der seiner Functionen enthobene Kriegs-Secretär wurde unter eine mäßig hohe Caution gestellt. Nun ist derselbe zwar nicht selbst verschwunden, dagegen hat der Hauptbelastungszeuge, eben jener Mr. Marsh von New-Aork, den Boden der Vereinigten Staaten zu heiß befunden und soll sich gegenwärtig in Montreal (Canada) aushalten. Unter dem 9. März hat das Repräsentantenhaus zu Washington nach Anhörung des Berichts seines betr. Ausschusses aus Mangel an Zeugen es für unmöglich erklärt, gegen den ehemaligen Kriegs-Secretär Belknap die Staatsanklage zu beantragen; gleichzeitig, vielleicht damit im Zusammenhänge stehend, nahm das Haus einen Gesetz Entwurf an, welcher den Zeugen betreffs ihrer Aussagen Schutz zu gewähren und sie im Falle der Flucht zu bestrafen bestimmt ist.
Alle diese scaudalösen Enthüllungen liefern den Beweis, daß in Washington kein Mangel an den vornehmsten Dieben ist, Minister und der General-Staatsanwalt sind schwer compromittirt. Und der Präsident der Vereinigten Staaten? Kann derselbe sagen, „ich bin der einzige ehrliche Beamte in den Vereinigten Staaten?" Es ist notorisch, daß Mr. Grant noch keine Pferde gestohlen hat. Schon seit Beginn des zweiten Präsidentschaftstermins hat Mr. Grant es nicht mehr für nöthig erachtet, bei Vergebung der Stellen die genommenen Rücksichten auf seine zahlreiche Verwandtschaft zu verheimlichen. Die Zeitungen haben sich oft die Mühe genommen, spaltenweise die Ernennungen zusam- menzustellen, die nur dem Grant'schen Nepotismus ihren Ursprung verdankten. Ulysses S. Grant war im Jahre 1868, als seine erste Candidatur auftauchte, der gefeiertste Mann in den Vereinigten Staaten, der biedere Soldat und vor allen Dingen der Wiederhersteller der durch die Rebellion zerrissenen Union. Und heute? Ein von der eigenen Partei in vielen Stücken anerkannt schuldiger Mann, von der Gegenpartei gehaßt, als ein unberufener Prätendent für einen dritten Präsidentschaftstermin.
Es kann nicht geläugnet werden, daß die politischen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten leicht zur Corruption verführen, daß sie auch einer längeren Dauer derselben Vorschub leisten. In einer idealen Republik ist die Wählbarkeit aller Beamten, sowohl der Verwaltungs- als auch der Justizbeamten ein gutes Ding. Wie die Dinge in der großen Republik jenseits des Oceans aber in Wirklichkeit liegen, ist der Mange! an jeder intellectuellen und sittlichen Schulung für die Beamtenlaufbahn sehr verderblich. Bei jedem Regierungs- wechskl wird mit dem ganzen Beamtenpersonal aufgeräumt und die freigeworbenen Stellen als gute Beute an die Agitatoren der siegreichen Partei vertheilt.,
Deutschland.
Berlin, 13. März. Vier prachtvoll gearbeitete Kanonen sind dieser Tage aus Esten als Geschenk des Herrn Krupp für den Kaiser hier eingetroffen. Dieselben werden gegenwärtig auf dem Vestibül links vom Hauptportal im königlichen Schloß ausgepackt und aufgestellt. Die Ausführung dieser Kanonen ist, wie gesagt, eine prächtige. Die Lafetten sind aus Mahagoni- und Palisanderholz gefertigt, die Beschläge vergoldet.
Berlin, 13. März. Die heute früh durch die „Köln. Ztg." hier bekannt gewordene Nachricht von der Gefangennahme des Insurgenten > Cbefs Ljubobratic auf österreichischem Boden hat Aufsehen gemacht und gezeigt, daß es Oesterreich mit der Behinderung des Aufstandes von seinen Grenzen auS Ernst ist. Haben es die österreichischen Behörden früher vielleicht an der nöthigen Energie in dieser Beziehung fehlen lasten, so ist nicht zu übersehen, daß damals die Türkei noch nicht die erforderlichen Concessionen gemacht hatte und eine ernstliche Pacification daher unmöglich war. Die Verhaftung des genannten Führers erinnert übrigens an die des Fanarioten Ppsilanti Anfangs der zwanziger Jahre, der auch im Oesterreichischen gefangen wurde.
Berlin, 14. März. Das Abgeordnetenhaus genehmigte heute nach einer vierstündigen, vom Centrum veranlaßten Debatte die ersten fünf Titel des Capitels 124 des Cultus - Etats. Die Fortsetzung der Berathung erfolgt morgen. Vorher findet die Behandlung der Interpellation in Betreff des Bergrutsches in Caub statt. Neu eingegangen sind der Gesetz-Entwurf über die Provinz Berlin und über die Erhöhung der Notariats-Gebühren im Bezirke des Appellationsgerichts Köln.
Berlin, 14. März. Dem „Reichs-Anz." zufolge haben heute die Con- ferenzen des Justiz-Ministers mit verschiedenen Justiz-Beamten, welche zu gleichem Zwecke bereits im Juni vorigen Jahres hierher eingeladen waren, über die Beschlüsse der Neichs-Justiz-Commissiou zum Gerichtsverfassungs-Gesetze und zur Strafproceß-Ordnung begonnen.
Oesterreich.
Wien, 13. März. Bei Beginn der heutigen Sitzung des dalmatinischen Landtages verlas Abgeordneter Monti ein Schriftstück, worin erklärt wird, daß, nachdem Präsident Ljubissa sich von dem Vorwurfe, bei Vergebung der Dalmatiner Bahnen ohne Gegenleistung eine Summe Geld empfangen zu haben, nicht gereinigt, der Redner und seine Gesinnungsgenossen an den Sitzungen des Landtages überhaupt nicht Theil nehmen werden, so lange sie nicht von dem Vice-Präsidenten oder einem andern von der Krone neu zu ernennenden Präsidenten berufen werden. Obwohl der Präsident auf Grund der Geschäftsordnung die Verlesung obiger Erklärung verbot und Monti das Wort entzog, so setzte dieser doch, wenn auch unter großem Lärm, die Verlesung fort, so daß schließlich der Präsident die Sitzung für geschloffen erklärte.
Wien. Feldzeugmeister Rodich soll nach Wien berichtet haben, es vermöchten weder Zureden, noch die Zusicherung von Geldbeträgen die Flüchtlinge zur Heimreise zu bewegen. Einige Häuptlinge bitten um österreichische Militär- escorte zur Abwehr von Gewaltthaten Seitens der Türken. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt, wohl aber werden neue Geldsendungen abgeschickt. Im Ganzen sind bisher 1,050,000 fl. für die Flüchtlinge aufgewendet worden.
Irankreich.
P«ris, 14. März. Aus Pera wird der „Agence Havas" gemeldet: Muktar Pascha wird an der Grenze mit General Rodich zusammentreffen, um mit diesem geeignete Maßregeln zur Beruhigung der infurgirten Provinzen zu erörtern.
Versailles, 14. März. Kammer der Deputirten, Nachmittags 4 Uhr 35 Min. In der Kammer und im Senate wurde heute eine Erklärung des
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