Ausgabe 
17.2.1876
 
Einzelbild herunterladen

den Erfolg derselbenruhig in Gottes Hand" legen. Es ist nicht seine Sache die er treibt und zu treiben berufen ist, sondern die Sache der Christenh.it, des Vaterlandes, der Menschheit und darum Gottes.

Ueber den Inhalt dieser Schrift zu berichten ist um so weniger uöthig. als sie bei ihrem mäßigen Umfang sich durch große Übersichtlichkeit auszeichnet. Nur so viel sei hervorgehoben: daß hier nicht blos die vorgeblichen und die wahren Gründe des Cölibatgesetzes in erschöpfender Weise erörtert, sondern auch die Folgen desielben für den Klerus und die Kirche so sachgemäß und plastisch geschildert werden, daß kein Menschenfreund für den Fortbestand dieser Satzung wird stimmen können. Die Erziehung des Klerus ist dadurch in einen Widerspruch mit den Gesetzen der natürlichen Entwickelung des Menschen ge­bracht worden, welchen kein verständiger Pädagog billigen kann. Die sittliche Kraft der Priester wird auf Proben gestellt welche die wenigsten bestehen. Durch das BedLrfuiß sich durch audere Genüsse schadlos zu halten, ist der geistige Bildungsftaud des Klerus meist sehr gering. Wissenschaftliches Streben findet sich nur selten. Die Mehrzahl der Geistlichen hat außer einigen ultra­montanen Zeitungen und Predigtbüchern und vielleicht einigen Bohland'schen Romanen den charakteristischen Producten des Cölibats keine Literatur nöthig. Literarisch thätige Geistliche bilden ein verschwindendes Minimum. Die Sorge für die Oekonomie, der Besuch der Wirthshäuser, katholischen Ca­sinos und der HH. Confratres, Kartenspiel 2c. sind zum Abtödten des Fleisches wenig geeignet. Der körperliche Habitus bürgt bei vielen dafür das Fasten nicht ihre Sache ist..... Die weitere Folge davon ist daß sich der gastliche

Stand meist aus den niederen Volksklassen recrutirt. Der Bauer hat sogar gefunden daß der Priestercölibat ihm Vortheile bringt. Ist sein Hof verschuldet, so läßt er einen seiner Söhnegeistlich studiren;" der kann ihn unter Umstän- den wieder frei machen oder schafft der Familie wenigstens neuen Credit. Aber wie sinkt bei vielen Geistlichen wegen Mangels einer eigenen Familie die Sorge für die persönliche Erscheinung!Man muß oft schaudern," sagt D. Schulte, wenn man den Anzug und die Wäsche von Geistlichen mustert 2c." Daß die Ehe einen veredelnden Einfluß auf den Menscheu übt, sieht man an den katholischen Priestern nur zu oft durch die Wirkung der Ehelosigkeit bestätigt. Wie drückend sollte es dem Klerus seiu, daß er stets unter dem Verdachte schlechten Umganges steht!Vom Getstlichen glaubt das fromme Volk gleich alles." Welches Recht hat ein so gebildeter Klerus auf die Leitung der Sckuleu und der Volkserziehung? Wie läßt es sich zusammenreimen, daß die Ehe, die doch selbst zu der Würde des Sacraments erhoben ist, den Geistlichen verunreinige und ihn der Sacramentsverwaltung unwürdig mache?

Hr. v. Schulte scheut sich nicht, auf die Vortheile hinzuweisen, welche die protestantische Kirche durch die Aufhebung des Cölibats genießt. Er zählt eine ganze Reihe ausgezeichneter Männer auf, welche aus protestautischen Pfarr­häusern hervorgegangen sind. Möge ihn das nicht dem Verdacht aussetzen, als suche er den Altkatholicismus iu den Protestantismus hinüberzuleiteu! Möge man vielmehr erwägen, daß, wenn der Protestantismus allein durch die Aufhebung des Cölibats zu einem selbstständigen Kirchenwesen gelangen konnte, sein Beispiel dem Altkatholicismus zur Ermuthigung dieueu muß. Tritt der Altkatholicismus durch Aufhebung des Cölibats in ein Verhältniß zum deut' scheu Vaterlande, welches den Rückfall in den Ultramontanismus unmöglich macht, so hat der Protestantismus zwar alle Ursache, ihm seine aufrichtigen Sympathien zuzuwenden, aber doch durchaus noch keine ibn zu sich herüber­zuziehen. Was die Zukunft für beide Kirchen bringen wird, müssen wir vertrauens­voll in Gottes Hand legen: genug, wenn wir jetzt muthig unb treu das vollbringen, was die Gegenwart von uns fordert.

Aentschland.

Aus Oberheffen, 14. Februar. Auf eine an die Regierung ergan­gene Anfrage, wieweit Seitens der Oberhessischen Eisenbahn-Gesellschaft dem Uebernehmer des Baues der Eisenbahnen die für den vollständigen Ban und die Ausrüstung der Bahnen stipnlirt gewesene Summe in Actien im Nominal- Betrag von 25,849,750 fl. ausbezahlt worden und das Gesellschafts-Capital in Höhe von 81,143 Actien zu 350 fl. überhaupt verausgabt sei, ist die Ant- wort erfolgt, daß die sämmtlicheu 81.143 Stück Actien von der Gesellschaft ausgegeben worden feiui. Dieselben seien nach und nach von der Oberhessischen Eisenbahn-Gesellschaft an die Society anonyme dentreprise de chemins de fer, routes et conducts zu Brüssel nach den abgeschlossenen Verträgen für die Herstellung und Betriebs-Ausrüstung der Bahnen, sowie für Uebernahme der Verzinsung des Actien-Capitals während der Bauzeit ausgefolgr wordeu; nur 28,000 fl. seien Seitens der Eisenbahn-Gesellschaft zurückbehalten wegen rück­ständiger Arbeiten am Bahnhof zu Fulda.

Offenbach, 14. Februar. Zu einer neulichen Versammlung der socia- listischen Arbeiter-Partei wurde beschlossen, den Reichstags-Abgeordneten Lieb knecht aus Leipzig den Arbeitern und Bürgern des Wahlkreises Offenbach und Dieburg für die nächste Reichstags-Wahl als Candidaten vorzuschlagen.

Berlin, 13. Februar. Iu der Zeit vom 14 bis 24. Februar findet in diesem Jahre die erste statistische Ermittelung des Vriefverkehrs statt, weß- halb das General-Postamt an die Postanstalten die dringende Aufforderung richtet, die desfallsigeu Ermittelungen mit aller Sorgfalt vorzunehmen, damit Ergebnisse gewonnen werden, welche der Wirklichkeit so nahe wie möglich kom­men und bei Beurtheilung der mit dem Umfange des Briefverkehrs im Zu­sammenhänge stehenden wichtigen Fragen mit Vertrauen zu Grunde gelegt werden können.

Berlin, 14. Februar. Dr. Rudolph Meyer ist wegen Herausforderung des Abg. Bamberger zum Duell zu vierzehntäglger Festungshaft verurtheilt worden.

Berlin, 14 Februar. Das Abgeordnetenhaus Überwiks in seiner heu­tigen Sitzung die Uebersicht über die Staats-Einnahmen und -Ausgaben des Jahres 1874 an die Rechuungs - Commission, das Gesetz über die Ablösung der Real-Lasten im Regierungsbezirk Kassel an die verstärkte Agrar-Commission und das Gesetz über die veränderte Abgrenzung einiger Kreise an die Gemeinde- Commission. Der Rechenschafts Bericht über die Consolidirung der preußischen Staatsschulden wurde ohne Debatte erledigt. Nächste Sitzung morgen.

Berlin, 15. Februar. Die Reichs-Eisenbahnfrage, um uns dieses kur­zen Ausdruckes zu bedieneu, beschäftigt noch alle betheiligten Kreise lebhaft. Ist einmal im preußischen Staats-Ministerium dem Grundsätze zugestimmt, die Staatsbahnen an das Reich abzutreten, so wird sich die Zustimmung des Land­tages, des Bundesraths und des Reichstages wohl gleichfalls erwirken lassen.

Die beiden letzteren Factoren dürften sich kaum durch das vom Abg. v. Meppen beliebte Argument, daß in dem Erwerb der Eisenbahnen der erste Schritt zur Abschaffung der Ein^elstaaten liege, irre leiten lassen. Die Einheit im Post, und Telegraphenwesen für das Reich, mit Ausschluß von Bayern und Württem berg, die Einheit auf dem ganzen Gebiete des Rechts sind mindestens ebenso bedeutende Stützpunkte der Festigkeit des Gesammtstaates. Au eine Erwerbung der Bahnen von Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden 2C. gegen den Willen denkt natürlich Niemand. Die Frage ist eine praktische, keine politische. Er­wirbt das Reick di.' preußischen Staatsbahnen und liefert den Beweis einer guten Verwaltung, io wird der Wunsch nach Erweiterung schon allgemein wer­den und den Aktionären der Privatbahnen eiiileud)ten, daß sie sich schließlich besser stehen würden beim Besitze von Reichs-Eisenbahn-Renten, als bei dem steten Wechsel des WertheS und Ertrages ihrer Actien. Die nächste gute Folge davon würde dann wohl eine größere Geneigtheit der Staaten sein, einem guten Eisenbahugesetze zuzustimmen. Wird das erreicht, wird ein einheitlicher Tarif für ganz Deutschland hergestellt, so wird die Industrie einen hoch anzu- schlageudeu Gewinn erzielen. Je eher das Reich in die Lage kommt, mitzu- reden, desto schneller dürfen wir hoffen, zu besseren und durchsichtigeren Tarifen und Frachtsätzen zu gelangen.

München, 15. Februar. Der Geueral-Capitän der Leibgarde, Gene­ral Lieutenant Freiherr La Roche, ist gestern Abend in Folge eines Schlagan­falles plötzlich gestorben.

Aekerreich.

Wien, 14. Februar. Bon unterrichteter Seite wird gemeldet, daß der Statthalter von Dalmatien, Feldzeugmeister v. Rodich, hierher berufen sei, um neue Instructionen betreffs der Greuzbcwachung zu erhalten; derselbe wird be- reits morgen erwartet.

Wien, 15. Februar. DieWien. Ztg/' veröffentlicht ein kaiserliches Patent vom 11. Februar, womit sämmtliche Landtage auf den 7. März eiube- rufen werden und Graf Wladimir Dzieduszycki zum Landesmarschall von Gali- zieu ernannt wird.

Pesth, 15. Februar. Bsschof Horvaty entwickelte gestern in einer Rede vor den Wählern der inneren Stadt sein politisches Programm und berührte namentlich die Zollfrage und die Civilehe; im Principe trat Redner für ein selbstständiges ungarisches Zollgebiet ein, zur Einführung desselbe müsse jedoch der praktisch günstigste Moment abgewartet werden. Ferner befürwortete er auch die Einführung der obligatorischen Civilehe, welche, wie Frankreich, Belgien und die Schweiz bewiesen, der Kirche durchaus keinen Eintrag thue.

Irankreich.

Paris, 13. Februar. Die jüngste Rede des Fürsten Bismarck ist hier überall sehr bemerkt worden, und das Urtheil darüber lautet im Ganzen da­hin, daß diese Rede beruhigen solle, obgleich hin und wieder noch einiges Mißtrauen durchschimmere; die Bestimmtheit jedoch, mit welcher der Reichs­kanzler erklärt, die Kriegsgerüchte seien beleidigend für ihn gewesen und seien es noch, lasse so wenig Zweifel über seine Absichten, daß selbst diejenigen, welche im vorigen Jahre große Besorgniß gehegt hätten, jetzt gezwungen seien, Vertrauen auf die ehrliche Friedensliebe der deutschen Regierung zu fassen. Es scheint demnach, daß die Erklärungen des Reichskanzlers hier für einige, und hoffentlich für geraume Zeit den in so unbegründeter Weise entstandenen Kriegs­besorgnissen ein Ende gemacht haben.

Paris, 14. Februar. DieRepnbl. Fran^aise" ist wegen eines Arti­kels, durch welchen Buffet beleidigt wird, zur gerichtlichen Verantwortung ge­zogen worden.

Paris, 14. Februar. Der Ball auf der deutschen Botschaft war sehr glänzend; Marschall Mac Mahou, mit dem Schwarzen Adler-Orden geschmückt, seine Gemahlin, der Herzog von Nemours, der Fürst von Joinville, die Kö­nigin Isabella von Spanien und in deren Begleitung die Prinzessin Louise von Bourbon und die Herzogin von Valencia, Nichte von Narvaez, das ganze diplomatische Corps mit Ausnahme des Fürsten Orlow, der noch in Trauer, und des Grafen Apponyi, der krank ist, alle Minister mit ihren Frauen, der Gouverneur von Paris, andere hohe Staatsbeamten und die Auswahl der französischen und fremden vornehmen Gesellschaft von Paris waren erschienen. Gegen 1 Uhr begann das Souper, nach welchem der Cotillon getanzt wurde, der bis 3 Uhr währte. Marschall Mac Mahou und Gemahlin verließen um Mitternacht den Ball, die Königin Isabella und ihr Gefolge blieben bis nach 1 Uhr. Fürst Hohenlohe und Fürstin Hohenlohe entwickelten ihre bekannte große Liebenswürdigkeit, und das Fest war jedenfalls eines der schönste», die Paris diesen Winter gesehen.

Das bonapartistische BlattL'Aigle" in Ajaccio wird gerichtlich ver­folgt, weil es die Wilhelmshöher Proclamation Napoleons mit heftigen An­griffen gegen die Regierung veröffentlichte.

DasUnivers" fährt fort, bischöfliche Briefe zu veröffentlichen, worin Gebete angeordnet werden, damit die Wahlen am 20. d. Mts. im Sinne des Vaticans aiisfallen.

Paris, 14. Januar. Der Papst hat dem Bischof von Montpellier ein Belobiguugs- und Ermuthigungsschreiben zugehen lassen, weil derselbe einen Professor als Darwinisten dennucirt und in einem Sendschreiben an die Pro­fessoren von Montpellier den Grundsatz vertheidigt hat, seine bischöfliche Stellung gebe ihm das Recht, die Orthodoxie der Universität zu überwachen.

Italien.

Nom. Wie dieJtal. Nachr." sagen, ließ der Papst, nachdem er den Cardinal Hohenlohe empfangen, den Staatssecretär Antonelli rufen, mit dem er eine lange Unterredung hatte. Hierauf wurden die einflußreichsten Cardi- näle zu einer Berathung nach dem Vatican beschieden, über deren Ergebniß nichts Weiteres verlautet, als daß man im Vatican gegen den deutschen Car­dinal sehr eingenommen zu sein scheint. Die Nachricht, Cardinal Hohenlohe habe Herrn v. Keudell einen Besuch gemacht, erwies sich als unrichtig. Der Cardinal weilt auf seiner Villa in Tivoli und empfängt Niemanden. Der Papst weigert sich bis jetzt beharrlich, die ihm durch das Garantiegesetz zuer­kannten Summen anzunehmen, und diese figuriren daher nur auf dem italieni­schen Finanzbudget. Im laufenden Jahre würden aber die Wirkungen der Ver­jährung eintreten, und man ist daher sehr gespannt, was die Regierung und das Parlament rhun werden. Das Wahrscheinlichste ist wohl, daß man die Frage der Verjährung vor der Hand gar nicht anregen wird.

London, brf bl'.

Brüssel/ tfi *

Kit dkl 'M

* oteI I

London

Mknzle-

| als Beirath eip ggfltToleuT der übrigens in 9G:

Madri! geuer in dem ö für nothwendig pinen zu * raumer Zeit die Basilewski einer $enn nun der . so hat dies ber Wahlbewegn Die Zeitungen als Kandidaten Bezirk Loja der der Gouveruem dann zurück, i

Madri, 207 Cortes-De Hoffnung auch das Werk der ' Neuem in Ang'

Konstai l tau hat das Jr Audraffy enthalt i Vertretern der j der türkischen Ri den. Der in di ' der in den ins silbst betritt, Sultan hat fni . von Server Pa tere wurde ans zum Minister de

Wastin lj' grzm 86 SchahsemtSr H die SBaatja

.Schorn

S hic

9 k ~ '®nt C blt vor eine,

W skÜ dm U WMjen vollen Mm, liebe? Ä und furch! Me knalisch, ®k«nferir(nf0

?°Mag war es -«'M*« SSt an deis/r wi

itr S ..-den, .

feen föelb

1?

'M»