Liste sehen ließ, auf der Ferry und Boucher, zwei höchst gemäßigte Republikaner, die Buffet bekämpfen will, sich befinden-
— Heute Abend kommt die Mitthcilung, daß die Streitigkeiten im Mini- sterrathe betgelegt sind und alle Minister bleiben. Der Marschall bestand darauf, da der Polizei-Präsekt Renault, den er für unentbehrlich hält, beim An-tritt Leon Say'S und Dufaure's nicht im Amte bleiben wollte. Buffet, der unter allen Umständen seine Stelle behalten will, gab klein bet.
— Heute Mittag von 2 bis 5 Uhr war bei dem neuen türkischen Botschafter osficieller Empfang des diplomatischen Corps und der hohen Staats- Beamten.
— Die katholische Universität von Paris ist heute feierlich eröffnet worden. Cardinal Guibert hielt eine längere Rede, worin er die Hoffnung aussprach, daß die Negierung bald die Initiative ergreifen werde, um den Universitäts-Unterricht vollständig frei zu geben.
Pari-, 10. Januar. Die Abendblätter bringen genauere Angaben über die Mißhelligkeiten, welche im Ministertum bei der Feststellung der bet den Wahlen zu befolgenden Politik ausgebrochen wären und angeblich die Demission Leon Say's und Dufaure's zur Folge gehabt hätten. Cs wird indeß bereits versichert, daß die Schwierigkeiten m einem heute Nachmittag abgehaltenen Ministerrath ihre Ausgleichung gefunden hätten; das Cabinet habe sich über das Programm für die Wahlen verständigt und werde demnach keinerlei Aen- derung erfahren.
Pari-, 11. Januar. Herzog Decazes ist im achten Pariser Arrondissement zum Senats-Candidaten aufgestellt. — Die „Agenee Havas" erfährt, daß der Herzog v. Decazes viel zur Ausgleichung der Differenzen im Ministerium beigetragen hat.
Italien.
Rom, H. Januar Die „Italienischen Nachrichten" versichern, daß ein deutscher Prälat demnächst in Rom erwartet werde, welcher vom Vatican beauftragt sei, mit den anderen Bischöfen die Mittel zu Herbeiführung einer Transaction zu erwägen, um die gegenwärtige Lage deS preußischen Clerus zu beendigen.
England.
London, 10. Januar. Die „Times" commentirt die Bekanntmachung der Regierung in der „Lond. Gazette", welche die britischen Schiffe auffordert, die von (artistischen Batterien besetzten Theile der Nordküste Spaniens zu vermeiden. Die „Times" bemerkt: „Die Regierung hat eine Angelegenheit leicht genommen, die doch ernst ist." Das Blatt weist zum Beweise dessen auf die Affaire mit dem deutschen Schiffe „Gustav" hin und verlangt, die britische Regierung solle Spanien verhindern, sich über die Verpflichtungen hinwegzusetzen, wonach sie das Leben und Elgenthum britischer Unterthanen sicherzustellen hat. England müsse Spanien für alle, britischen Unterthanen durch die Carlisten zugefügten Schäden verantwortlich machen.
Spanien.
Madrid, 10. Januar. Einer amtlichen Depesche zufolge haben spanische Kriegsschiffe im Sulu-Archipel innerhalb des von Spanten in Blokade- zustand erklärten Gebietes ein unter deutscher Flagge segelndes und Krlegscon-- trebande führendes Schiff aufgebracht und vor das Prisengericht geführt. (Wegen ähnlicher Ausbringung deutscher Schiffe in jenen Gewässern hat Spanien, wie erinnerlich, schon in zwei Fällen Genugthuung, beziehentlich Schadenersatz leisten müssen).
Serbien.
Belgrad, 11. Januar. In der Skupschtina wurde von 20 Abgeordneten der Antrag eingebracht, den früheren Kriegsminister wegen Verletzung der Verfassung durch Ausschreibung einer außerordentlichen Abgabe zur Erhaltung der Volksmiliz und für Lager-Uebungen in Anklagestand zu versetzen. Der Antrag wurde dem Ausschüsse zugewiesen. Die Skupschtina beschloß ferner, trotz der Einsprache der Regierung, die Besoldung der Staatsräthe auf 1500 Thaler herabzumindern.
Türkei.
Konstantinopel. Am 8. Januar hat das Beiramfest seinen Anfang genommen. Wie der „Polit. Corresp." geschrieben wird, hat der Großvezir nicht nur die Bewaffnung der in Bulgarien angesiedelten Tscherkessen mit Gewehren neuester Construction, sondern auch deren militärische Organisation angeordnet. Der Kriegsminister Namik Pascha hat zu diesem Zwecke einen vollständigen Organis^tionsplan veröffentlichen lassen, nach welchem 12 tscherkessische Bataillone von je 750 Mann gebildet werden sollen. Die Bataillons-Com- mandanten werden von der Regierung ernannt werden, dagegen bleibt die Wahl ihrer Subaltern-Officiere den Kaukasiern überlassen. Erst vor Kurzem ist aus Erzerum ein Transport von 1200 Mann Tscherkessen eingetroffen, welche die Cadres für das neu zu bildende tscherkessische Armee-Corps abgeben sollen. Wie verlautet, soll dieses Corps, dessen Orgainsirung ehestens bewerkstelligt sein muß, die Bestimmung haben, die Timokgrenze gegen Serbien zu besetzen. Einstweilen aber zittert die christliche Bevölkerung Bulgariens in Erwartung der Dinge, welche dieses militärische Aufgebot der Tscherkessen für sie zur Folge haben soll.
Amerika.
Washington, 11. Januar. Das Repräsentantenhaus hat über die Vorlage, betr. Die Amnestirung der an dem Aufstande der Conföderirten Be- theiligten, abgestimmt. Da die erforderliche Zwei-Drittel-Majorität nicht zu Stande kam, ist die Vorlage verworfen.
Lokal-Notiz.
Gießen, 12. Jan. In Nachstehendem lassen wir die Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordntten Donnerstag, den 13. Januar 1876, Nachmittags 4 Uhr, im Rathhautzsaale f ttgen:
1. Die Besetzung der siebenten Lehrerstelle an der höheren Mädchenschule.
2- Die Besetzung einer Spritzenmeistersiklle.
3. Fristgesuche auf Rückstände zur Stadtkasse pro 1875.
4. Gesuche um Befreiung von Zahlung des Schulgeldes.
5. Baugesuch des Maurers Johannes Wagner dahier.
6. Baugesuch deS Karl Euler dahier.
7. Die Kosten der Straßenbeleuchtung, hier Credit-Erweiterung. h. Decretur von Arzneckosten.
9. Decretur von Vermessungskosten.
Vermischte-.
M a i n z, 9. Jan. Ein verhängnißvoller Tausch erfolgte vorgestern in einem hiesigen Conditorei-Cafä, in welchem vorzugsweise Damen verkehren. Das Verhängnis wollte, daß auf einem Tische, an welchem zwei Damen saßen, zwei sog. Arbeltskörbchen von ganz gleicher Größe und Beschaffenheit standen. Als die eine Dame wegging, nahm sie das vermeintlich ihr gehörige Kölbchen zu sich und begab sich nach Hause. Bald darauf öffnete sie das Körbchen, fand aber za ihrer Uederraschung nicht den betreffenden gesuchten Gegenstand, sondern — zwei Briefe ihres Gatten an die Eigen- thümerin deS verwechselten Körbchens. Und der Inhalt dieser Briefe war für die Gattin so wenig erbaulich, daß zwischen den Eheleuten eine häusliche Scene ftatlfand. Aber auch die Briefempfängerin blieb nicht ungestraft Ihr Antlitz trägt heute noch sichtliche Spuren der bei dem zarten Geschlecht üblichen Waffe in Folge eines Besuch« der gekränkten Mefrau. M. Tagbl.)
— „Können Sie mir nicht auch dies Bouquet per Telegraph befördern?* mit dieser Frage trat ein junges hübsches Mädchen an den expedircnden Beamten eines Telegraphenbureaus. „Was? fragte erstaunt der junge Mann — das Bouquet?" — „Run ja!" — antwortete treuherzig die Schöne und übergab dem Frager einen allerdings n-.cht von theueren Blumen strotzenden, aber sehr niedlich arrangirlen, duftenden Strauß Von dem hübschen Mädchengesicht mit blauen Augen, viel schöner als die daS Bouquet zierenden Veilchen, wandte sich darauf der Blick des Beamten hernieder auf die ihm übergebene Depesche: „Meinem lieben guten Eduard zu seinem heutigen Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche Emilie" — so laS er — noch ein kurzes Besinnen, dann wandte er sich verbindlich lächelnd mit der Antwort an die vor ihm Stehende: „Gewiß mein Fräulein, auch das Bouquet soll mit befördert werden." — Er hatte nämlich bemerkt, daß das Ziel der Depesche der Besteübezirk selbst war, so daß das Telegramm diesmal nicht dem Draht, sondern nur seinem Boten zu übergeben war; sollte er da dem lieben Kinde nicht gefällig sein? hat doch der Gebieter aller Posten und Telegraphen im gesammten Deutschen Reich der weste Herr Stephan, extra besondere Zuvorkommenheit gegen Damen anempfohlen. — Und, galant, wie sein Vorgesetzer, übernahm denn auch der Bote mit der Depesche die Beförderung deS kleinen Strauße«. — Vielleicht hat, so meint die „R. V. Z.", der Empfänger seiner Freude über den sinnigen LiebeSgruß auch durch eine kleine Belohnung an den postillon d’amour Ausdruck gegeben. Das junge Mädchen aber, dem der Zusammenhang nicht aufgeklärt wurde, dürfte noch jetzt der Meinung sein, daß man auch per Telegraph Blumenbouquets befördern lassen kann. (Berl. B. E.)
Berlin. Zu dem hiesigen Standesbeamten Herrn v. E. kam dieser Tage in Hast ein schlichter Handwerksmann und meldete ein neugeborener Mädchen mit der Bemerkung an, der Herr Standesbeamte möge noch ein wenig zu Hause bleiben, eS kommen noch mehr. So war es auch. Der glückliche Vater kam noch zweimal angerannt und meldete den Zuwachs seiner Familie jedes Mal um einen Knaben an.
Berlin. Der au« der Lichtwehr'schen Fabel her bekannte Streit zwischen Ochs und Esel, welche sich „beide zankten um die Wette, wer am meisten Weisheit hätte" — gelangte dieser Tage aus dem Bereich der Fabel in den der realen und zwar höchst ergötzlichen Wirklichkeit, und wurde, obgleich, oder vielmehr weil .-er Ochs diesmal in der Haut eines Menschen stak, zu Gunsten — in vorliegendem Falle zweier Esel in sehr nachahmungSwerther Weise entschieden. Der Hergang war folgender: Ein Eselsgefährt, mit Braunkohle beladen, kam daS Lützower Ufer entlang, um sich feiner Last in der Schillstraße zu entledigen. Der Lenker des Gespannes, ein stämmiger Bursche von ungefähr siebenzehn Jahren, der mit seiner wcrthen Person die Last vermehren half, mochte wohl die etwas schwierige Kunst des Fahrens nicht im CircuS erlernt haben, denn beim Einbiegen in die Schillstraße nahm er die Wendung „so ungeschickt kurz", daß das eine Vorderrad an ben Wagen schleifte, und letzteren mit seiner für die schwachen Thiere ohnehin zu schweren Last zum Stehen brachte. Jeder mit nur einiger Verneinst ausgestattete Mensch hätte nun seine Ungeschicklichkeit damit gut gemacht, daß er absteigend und die Thiere beim Kopfe nehmend, durch Herumbiegen der Deichsel dem Vorderwagen die richtige Stellung zu ungehinderter Weiterfahrt gegebcnchätte. Anders dachte darüber unser Jüngling: die Esel mußten an seinem Ungeschick Schuld tragen, und so sauste denn die Peitsche in ungezählten Hieben auf die armen Thiere nieder, die dadurch natürlich immer confuser wurden. Aber auch die Langmuth eine« Esels hat bekanntlich ihre Grenze, und so geschah es auch hier, daß die Thiere, durch die brutalen Mißhandlungen zum Aeußersten getrieben, einen verzweifelten Seitensprung machten und dabei die Deichselstange wegbrachen. Jetzt war freilich der Lümmel gezwungen, von seinem Thron herabzusteigen und stand nun rathlos und bei den Umstehenden mit den Augen nach Hilfe suchend da, ohne jedoch von diesen etwas anderes verlangen zu können, als schadenfrohes Hohnlachen. Seiner Wuth darüber wollte er eben in erneuten Mißhandlungen an den Eseln Luft machen, als der Besitzer des Gefährtes und anscheinend der Vater des Burschen hinzukam, ihm die Peitsche auS der Hand riß, und dieselbe mit den Worten: „Du Ochs! ich will Dich lehren, die Esel, die mehr Verstand haben, als Du, für Deine Dummheit zu prügeln" — mit einer solchen ausgiebigen Geschicklichkeit auf dem Rücken des Thierquälers herumtanzen ließ, daß die Umstehenden ihm ihre Anerkennung nicht versagen konnten. Richt damit genug, hatte der Gestrafte auch^noch das Vergnügen, die Kohlen von der Unglücksstätte Korb für Korb einige hundert Schritte weit nach dem Orte ihrer Bestimmung tragen zu müssen.
Crefeld, 7. Jan. In letzter Zeit waren hier mehrere Seidendiebstähle verübt worden, und man hegte den festen Verdacht, daß die gestohlene Seide an einige Händler in einem benachbarten Städtchen verkauft worden. Um die Hehler abzufassen, setzte man sich mit dem Bürgermeister des betreffenden Städtchens in Verbindung, und als ein neuer Diebstahl vorgekommen war, telegraphirte man ihm: er möge die und die Händler averttren (nämlich davon, daß die Hehler wahrscheinlich demnächst mit der gestohlenen Waare cintceffen werden). Am Weihnachtsabend langte daS Telegramm an, aber unterwegs hatte sich das Wort: „aoertiren" in ein böses: „arretiren" verwandelt, wodurch es sich ereignete, daß die betreffenden Herren, welche zur Festnahme der Hehler Mitwirken sollten, nunmehr selbst festgenommen wurden und mehrere Stunden brummen mußten, ehe sich der Jrrthum auiklärte. (Elb. Z )
— Heber Ernst Eckstein's fünfacliges Lustspiel „Der russische Diplomat", das am 4. Januar im k. Landestheater zu Graz mit durchschlagendem Erfolge über die Brette ging, berichtet die „Grazer Zeitung", wie nachstehend: „Der russische Diplomat ist vor Allem ein wirkliches Lustspiel — eine Gattung, die von Tag zu Tag seltener wird; er ist hauptsächlich für das gebildete Publikum geschrieben, was in unserer Zeit der Herabzerrunq der dramatischen Muse nicht gar zu oft oorkömmt; er ist ein distinguirtes Bühnenwerk von feinem, gentlemanlikem Humor." Am Schluß de» Stückes war der Applaus und das Hervorrufen so stürmisch, daß — der genannten Zeitung zufolge — der Vorhang fünf Mal in die Höhe gehen mutzte. — Im Berliner Residenz-Theater wird der „Russische Diplomat" die nächste Novität fein nach Bictorim Sardou'S „Ferreol".
— Heber einen dieser Tage in Thorn in Scene gesetzten Schauspieler-Strike berichtet die Th. Ostd. Z. unterm 3. d. M.: „Im Stadtheater hatte gestern die angekündigte Vorstellung ,Robert und Bertram" ein zahlreiches Publikum versammelt. Das Orchester spielte einige Piecen, schon war es y28 Hhr geworden, daS Publikum wurde allmählich ungeduldig, doch wollte der Vorhang noch nicht in die Höhe gehen. Hinter den Coulissen ging es unterdeß sehr lebhaft zu. Mchr-ren Bühnenmitgliedern, welche die ihnen vom Director gesandten Rollen zurückgeschickt hatten, waren am 1. Januar bei AuSzahlen der Gagen die hiefür nach den Contracten verwirkten Strafen abgezogen worden, und nun erklärten die Schauspieler am 2. Januar Abends kurz vor der Vorstellung, nicht spielen zu wollen, wenn die abgezogenen Beträge nicht ausgezahlt würden. Der eben vom Krankenlager aufgestandene Director Bastö verweigerte dies. Selbst den Bemühungen des herbeigerufenen Polizei-Commissarius gelang es nicht, Frieden zu stiften, und so blieb denn dem Director nichls übrig, als dem Publicum von der Bühne aus mitzutheilen, daß die Vorstellung wegen der Zwistigkeiten nicht Statt finden könne, daß Jeder an der Casse das Eintrittsgeld zurückerhal- ten werde, daß er aber demnächst Opernoorstellungen zu geben beabsichtigte, zu welchen die am Sonntag gelösten BilletS Gültigkeit haben würden. Kaum hatte Herr Bast6 geendet, so sprangen auch mehrere Schauspieler auf die Bühne, erklärten die Behauptungen des Directors bezüglich der Zwistigkeiten für unrichtig und erboten sich, „aus Gefälligkeit gegen daS Publikum, nicht gegen den Director" zü spielen. Mittlerweile
„ t htr Mb""
Ml ?tr bimste' öffentlich oor Eurova E ^cher. Vcrsch ebun« en)al
ÄffE .EiM --
Aesonde« KkkMIll
Mg ! festgesetzt, und M., 2Z.Donnechgden j 24. Samstag « Die Messenten gefordert, die Zahlun in Empfang zu nehmen leinunfl derbchuMe
Zugleich wirb dem Donnerstag fallender Interessenten der öl die übrigen Zahltage bestimmt sind.
Die Herren Bürger dieses in ihren Senn Weise bekannt mache, Gietzen, am 28. Nc
Der Rechner der C Se
Aecheig
Mam-W' Verkauf alter
Samstag be . ’ Wadjmittatf. soll in bem Mai zunächst der Lahnhüt ausrangirter Bahns Bahnmeisierrien I u bietenden veüach n Gießen, den 12.
Der Ba
Ger
lm Gießener
Montag den 17. i.rr , °°n Vorntttta, KJ“1 Gießener § DHcte Unterhag n
nwbtV
ns; • ■ •
9. B
"‘"'«iu,.
lii: f T
"an


