und 20 Mk. für englische Sovereigns. Schlösse sich der ganze Handelsstand diesem energischen Vorgehen an, so kämen mir rasch und leicht jur reinen Markrechnung, deren Wohlthat erst dann allgemein geschätzt werben wird, wenn die süddeutsche Münze mit ihrer peinlichen Umrechnerei verschwunden ist. — In Harxheim (Zellerthal) ist in der Neujahrsnacht die protestantische Kirche nie- dergebrannt. — Auch das Landgericht Homburg bat dieser Tage zwei Kaufleute wegen Verkauss gefälschten Pfeffers zu Geldstrafen verurtheilt. — Die Gemeinden Kalkofen und Windenborn in der Rheiupsalz, welchen in benachbarten Staatswaldungen verschiedene nicht unbedeutende Forstberechtigungen zugestanden, haben nunmehr diesen Walddistrict unter Verzichtleistnng auf ihre Rechte und gegen Herausbezahlung einer Summe von etwa 26,000 fl. vom Staat als Gemeindewald an sich gebracht.
München, 8. Januar. Die Rückkehr des Königs von Hohenschwangau nach München ist auf den 27. d. Mts. in Aussicht genommen. — Der Papst hat in den letzten Wochen gegen die vermeintliche Verletzung des mit Bayern abgeschloffenen Concordats, welche in der Einführung des Reichsgesetzes zur Beurkundung des Personenstandes, resp. der Civilehe liegen soll, feierlichen Protest erhoben, und diesen Protest nicht durch seinen hiesigen Nuncius der Regierung überreichen, sondern in Rom dem bei ihm beglaubigten bayerischen Gesandten, Grafen Paumgarten, zustellen lasten.
Hesterreich.
Wien, 8. Januar. Die amtliche „Wiener Ztg." veröffentlicht die Er- nennnug des Domherrn Romaszkan zum armenisch-katholischen Erzbischof von Lemberg. — Das „Fremdenblatt" kann auf Grund eingegangener Erkundigungen positiv versichern, daß die Sensations-Depesche des „Standard", wonach die Reserven der österreichischen Armee angeblich einberufen worden sind, jeden Grundes entbehrt. Es wurden, wie das „Fremdenblatt" hinznfügt, weder Reserven einberufen, noch Vorbereitungen zu einer etwa bevorstehenden Einberufung derselben getroffen.
Wien, 8. Januar. Die französische Regierung hat ihre bedingungslose Zustimmung zu der Note des Grafen Andrasty hier notificirt und ihre Gesandten in London und Rom angewiesen, in gleichem Sinne zu wirken.
Wien, 10. Januar. Die „Wiener Abendpost" ist ermächtigt, die Nachricht der „Times", daß der österreichisch-ungarische Botschafter in Konstantinopel der ortomanischen Regierung von dem Inhalte der Circular-Depesche vom 30. December vertraulich Kenntniß gegeben habe, für grundlose Erfindung zu erklären. Auch die „Polit. Corresp." bezeichnet die ganze Version als vollständig grundlos, denn der vereinbarte Reform-Entwurf konnte nicht von Oester- reich-Ungarn in dem Momente zur Kenntniß der Pforte gebracht werden, wo bezüglich destelben die diplomatische Action bei Frankreich, England und Italien eingeleitet worden sei.
Arankreich.
Paris, 8. Januar. Die „Agence Havas" meldet: Die Note des Grafen Andrasty ist der Türkei noch nicht officiell mitgetheilt worden; aber die Communication derselben wird wahrscheinlich sogleich erfolgen, wenn die Unterzeichner des Pariser Vertrages eine Uebereinkunft getroffen haben werden. Wenn sich Frankreich und England noch nicht officiell ausgesprochen haben, so scheint Diefe Verzögerung einzig und allein von der augenblicklichen Abwesenheit des Lord Derby von London herzurühren.
Paris, 8. Januar. Der Cardinal-Erzbischof von Paris hat ein Rundschreiben seiner Diöcese erlasten, worin er sie auffordert, Beiträge zu den Kosten für die Gründung der katholischen Universität zu sammeln. Er sagt unter Anderem: „Es ist nothwendig, daß persönliche Schritte gethan werden bei solchen Personen, denen Gott die Vortheile und die Verantwortlichkeit eines großen Vermögens verliehen hat; man muß ihre Aufmerkamkeit hinlenken auf den Charakter einer solchen Stiftung, auf deren Bedürfnisse und Wohlthaten; das Maß und der Modus der verlangten Unterstützung muß mit voller Sach- kenntmß ergründet und festgestellt werden, andernfalls würde aller Grund da sein, zu befürchten, daß die Mittel, auf welche man rechnet, bei Weitem unter den dringendsten Bedürfnissen blieben." Der Erzbischof rechnet, daß für jeden Lehrstubl mindestens 100,000 Frcs. nöthig sind, und fordert nun seine Getreuen aus, möglichst üie( Geld zusammenzubetteln. Wer tausend Frcs. gibt, bekommt den Titel eines „Wohlthäters" der Pariser Universität; wer zehntausend gibt, wird „ausgezeichneter Wohlthäter"; wer hunderttausend gibt, wird „Gründer."
Paris, 9. Januar. Die heftigen Artikel des „Soir" und des „Fi- garo" gegen bett' Finanz-Minister Leon Say machen großes Aufsehen. Die „Debats" schweigen, der orleanistische „Soleil", kein Freund Leon Say's, fragt, ob der „Figaro", wie schon öfter, inspirirk-sei; das sei interestant zu erfahren, um Tragweite und Folgen dieser Angriffe ermesten zu können. Laut „Moniteur" hatte Leon Say gestern zwei Privat-Audienzen wegen der Figaro- Artikel. Das Ergebniß der betr. Unterredungen ist unbekannt. Eine Minister- Knsis wäre jedoch nicht unmöglich. Die Einigkeit im Cabinet ist keinenfalls groß, da, während Buffet Die officiellen Candidaturen entschlossen betreibt, Dufa.ire und Leon Say und jetzt auch der Unterrichts-Minlster Wallon ihre unter ihnen stehenden Beamten aufgefordert haben, sich einer jeden Betheiligung an der Wahlagitation zu enthalten.
— Dem „Moniteur" zufolge wird Prinz Napoleon in Ajaccio gewählt werden, da alle bouapartistischen Demokraten, die Republikaner und die con stitiitionellen Monarchisten aus Feindschaft gegen Rouher für ihn stimmen werden Da den Bonapartisten die hinreichenden Geldmittel aus Chiselhurst nicht zugegangen sind, so werden jetzt in ganz Frankreich Geldsammlungen zur Be- ftreitnnaen der Wahlunkosten veranstaltet.
Paris, 10. Januar. Das „Journ. des Debats" sagt, daß eine Minister Nrisi bevorstehe, da die Minister sich nicht darüber verständigen könnten, welche Candldaten von der Regierung bei den Wahlen zu unterstützen und welche Älltancen zu bewerkstelligen seien.
Belgien.
Brügel, 9. Januar. Die „Jndep. beige" meldet: Zwei Bataillone Carabliuer linb in verflossener Nacht nach Charleroi abgegangen, woselbst der Stuke fortdauert. Die Brüsseler Garnison erhielt den Befehl, sich bereit zu halten.
Brüssel, 10. Januar. Die „Jndep. belge" erwähnt unter ausdrück- Uchem Vorbehalte eines Gerüchts, wonach gestern Abend ernste Ruhestörungen in Coarleroi das Einschreiten des Militärs nothwendig machten, so daß es
mehrere lobte und Verwundete gegeben habe. Eine Schwadron Guiden ist von hier nach Charleroi abgegangen. 1
Italien.
Rom, ?0. Januar. Die „Agencm Stefani" meldet: Die Note Andraffy s ist dem Munster,um am 4. d. Mts. mitgetheilt worden. Die italienische Regierung hat erklärt den von Deutschland und Rußland unterstützten Anschauungen beä Grafen Andrassy beizt,treten. Alles läßt hoffen, daß die Uebereinstimmung der sechs Garantie-Mächte die türkische Regierung vermögen werde, Rathschläge anzunehmen, welche ihre Würde nicht verletzen um auf solche Art eine ernsthafte nnd feste Bürgschaft für den europäischen Frieden zu gewähren. u
England.
e. < 7* Januar. Epiphanias wird hier zu Lande kaum als ein
kirchlicher Feiertag begangen, indeffen spielt sich an diesem Tage in der Hofcapelle zu St. James eine historisch ganz intereffante Scene ab. Seit langer Zeit — seit wie lange, scheint, schwer zu ermitteln — bringen die Könige oder Königinnen von England, dem Beispiel der heiligen drei Könige folgend an biefem Tage eine Gabe von Golb, Weihrauch und Myrrhen dar. Früher geschah das hochfeierlich in Person, mit Begleitung des ganzen Hofstaates. Seit der Zeit Georgs des Vierten schon geschieht das Opfer — in steter Abwesenheit des Landesfürsten — durch Stellvertreter aus dem Hofstaate. Gestern leitete der Bischof von London, in seinem Amte als Decan der königlichen Capellen, den Gottesdienst und nahm von zwei Hofbeamten das Namens der Königin dargebrachte Opfer in einem rosa Atlastäschchen entgegen. Dazu sang ber Chor das Lied: „Alle Könige sollen vor Ihm niederfallen, und alle Völker sollen Ihm dienen."
„ London, 10. Januar. Die Regierung richtet, der Genfer Convention geniäß, ein Linienschiff zum dauernden Hospitaldienst ein. — Sir Anthony Rothschilds Begräbniß hat gestern unter außergewöhnlicher Betheiligung statt- gefunden. — Im Auftrage des Kriezsamtes beräch eine Officier-Commission, der schleunige Erledigung anbefohlen ist, über die Recrutirungs- und Militär- Pensionsverhältnisse, um dem Mangel an Mannschaften abzuhelfen.
London, 10. Januar, Einer Depesche aus Philadelphia zufolge wird in amerikanischen Regierungskreisen in Abrede gestellt, daß die Concentrirung der amerikanischen Flotte in Port-Royal eine Aenderung der Politik in Bezug auf Cuba bedeute; es gelte vielmehr die Ausführung des alten Projects, statt des ungesunden Hafens von Kevwest, Port-Royal zur Marine-Station zu machen.
Amerika.
New-Aork, 9. Januar. Die Journale wollen wiffen, daß in Port Royal (Süd-Carolina), welches von der Regierung zur Haupt-Station des im nördlichen Theile des atlantischen Oceans stationirten amerikanischen Geschwa- ders ausersehen ist, Kriegsschiffe concentrirt werden, um, wie die Journale meinen, allen aus der Cuba-Angelegenheit hervorgehenden Eventualitäten zu begegnen.______________________________________
Lokal-Notiz.
Gießen, 11. Jan. Zur Berichtigung des in Nr. 8 dieses Blatter unter „Vermischtem" abgedruckten Artikels über die Führung der statistischen Register durch die Standesbeamten, welche darin irriger Weise als Errungenschaft des neuen Civilstands- gesetzes dargestellt werden, erlauben wir uns, Ihnen den darauf bezüglichen Passus ver Verhandlungen des Reichstages zuzusenden. Der Abgeordnete Miquel, Mitglied der parlamentarischen Centralcommission für Statistik sagte damals unter anderem Folgendes:
w - Es wurden damit die Fragen, welche das statistische Bureau stellen wollte, als obligatorisch von den Standesbeamten zu beantwortende Fragen in der Centralcommission der Statistik geradezu abgelehnt ....
Ich muß dabet allerdings erwähnen, daß das, was das Bureau wünscht, bis dahin in Preußen üblich war, daß unsere Kirchenbücher, welche von den Geistlichen bis dahin geführt wurden, das Betreffende beibrachten, (NB Bei uns in Hessen wurden auch die erwähnten statistischen Register von den Geistlichen bisher obligatorisch unter strengster Controle öer Kreisämter geführt) und daß eS höchst bedauerlich ist im Interesse der Statistik, daß wir zur Zeit keine Mittel haben, auch zwangsweise solches zu fordern."
Derselbe Redner fügt allerdings hinzu:
„Ich hoffe, daß da, wo es sich um bloße Statistik handelt, die Standesbeamten den mit ihren Verhältnissen möglichst verträglichen guten W'llen haben werden"; während der Abgeordnete Lasker mit Bezug auf die in Preußen den Standesbeamten angemutheten Arbeiten bemerkt: „Die Aufgaben, die im statistischen Interesse vorgeschrieben sind, gehen über die Befugnisse ber Verwaltungsbehörde hinaus; und wenn eine Ordnungsstrafe angedroht worden, so ist dies nahezu ein Amtsrnißbrauch." Man sollte demnach doch die Geistlichen, die bisher ohne Murren all' das gethan haben, was hier den Standesbeamten gegenüber als eine unzulässige Ueberbüroung bezeichnet wird, nicht noch schlechter behandeln, als den Mohren im Fiesko, d:m man doch, a(5 man ihn gehen hieß, anerkannte, daß er seine Schuldigkeit gethan. Aber freilich: Undank ist der Welt Lohn! — Q —
Vermischtes.
— Allabendlich bet der Schließung der T»ore des Londoner Towers inbet eine wunderliche Formalität statt. Der Tow.'rwärter, bie Schlüssel in der Hand und von zwölf Mann unter dem Commando eines Sergeanten und eines CorporalS begleitet, geht von Thor zu Thor. „Wer da?" ruft natürlich die Wache die Vorüber- kommenben an. „Die Schlüssel!" Welche Schlüssel?" „Die Schlüssel ber Königin Victoria*. „Schlüssel der Königin Victoria, passirt!" erwidert der Posten und die Schlüsselwache geht weiter. In Spur-Gabe stellen sich ber Sergeant und feine Mann- chaft in Reih und Glied, und piafentiren vor den Schlüsseln das Gewehr. Der Lowerwärter entblößt fein Haupt und spricht: »Gott segne die Schlüssel der Königin Victoria!" „Amen!" erwidert die Mannschaft und die Zeremonie ist zu Ende. Vor einiger Zeit wurde ein schismarischer Grenadier auf drei Tage in Arrest gethan, weil er bei der Gelegenheit nicht hatte Amen sagen wollen. Zu seiner Vertbeidigung sagte der Grenadier: „Der Königin Victoria wünsche ich's von Herzen, daß sie Gott segnen wolle, aber was die Schlüssel des Towers mit dem Segen anfangen sollten, das weiß ich nicht."
— Es kommt wohl öjters vor, daß man sich auf die Jagd nach lebenden Hühnern begiebt: eine „gebratene Hühn erjagd" dürfte indeß zu den Seltenheiten gehören; und doch war ein Haus in der Landsbergerstraße in Berlin dieser Tage Zeuge einer solchen. Einer jener braunen Söhne Slavoniens, welche als geborene tfanbe aller Mäuse und Ratten, Fallen feilbietenb die Welt burchziehen, wollte näm- ila) im besagten Hause sein Heil versuchen. Eine Corriborthür in ber zweiten Etage offen finbenb, trat er in dieselbe und einem ihm entgegenströmenden Dufte folgend, fand er den Weg in die Küche. Wer beschreibt aber feine Empfindung, als, auf dem seinen Blicken sich ein riesiger Vutenbraten darbietet, saftig, braun, ein rostllches Aroma ausdampfend, und — von keiner menschlichen SeAe bewacht. „Wie," so philosophirte er, „hat die Natur in diesem irdischen Jammerthal nicht auch mir ein Anrecht au| Putenbraten gegeben?" „Ja wohl", mochte die Antwort lauten, denn er


