werde, sei tzonz und gar keine Rede. Der politischen Opposition gegenüber reise die Erkenntniß, daß die Entscheidung im nationalen Sinne zu geben sei. Preußen mache durch die Abtretung seiner eigenen Bahnen seine BundeSge- nosien zu Mitbesitzern der Machtmittel eines europäischen Groß Staates; wenn daher überhaupt, wo es Deutschland gelte, von Opfern die Rede sein könne, so sei das von Preußen dargebrachte Opfer jedenfalls das größte. — Der Kaiser hat heute die Fabrikanten Schlumberger und Köchlin aus dem Elsaß in besonderer Audienz empfangen.
Berlin, 8. März. Der römische Correspondent der „Germania" setzt auseinander, daß das körperliche Leiden des Papstes eine Folge der ungünstigen Lage des Vaticans sei. Der Papst sei aber auf den Vatican beschränkt, da man ihm den Quirinal-Palast geraubt habe. Der Correspondent knüpft daran seine Betrachtungen über die bekannte Finger-Gottes-Theorie. Der König sei dadurch, daß bie Revolution ihn gezwungen habe, nach Rom zu gehen, in bedrängte Verhältnisse gekommen und muffe — Wechsel ausstellen! Auch Gras Harry v. Arnim, der bekanntlich 1870 deutscher Gesandter in Rom und von den Clericalen beschuldigt wird, hauptsächlich den Angriff der Italiener auf Rom herbeigeführt zu haben, ist vom „ginget Gottes" getroffen. Der Correspondent schreibt wörtlich: ..Graf Arnim vagirr in der Welt umher, bereits zu Gefängniß verurtheilt und des Landesverrathes angeklagt. Ihn hat die rächende Hand schwer genug getroffen. Nach Berichten aus Florenz zweifelt man ernstlich an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit. In wahrhaftiger unvernünftiger und jedenfalls sehr unkluger Weise erzählt der „Diplomat" a. D- Jedem, der es hören will, daß der nahe Sturz des Fürsten Bismarck mit Sicherheit zu erwarten sei. Die am Ruder befindlichen Heiden und Juden sind in diesem Falle vielleicht, weil es ihnen opportun scheint, bereit, von einer ,Nemesis" zu sprechen. Wir aber wissen, aus welchen Gründen die strafende Hand Gottes eingegriffen hat."
Berlin, 8. März. Die von verschiedenen Seiten verbreitete Nachricht, der Kronprinz werde nach Italien reisen, ist völlig unbegründet. Eine solche Reise ist gar nicht in Frage gekommen.
Berlin, 9. März. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute den Rest des Eisenbahn-Etats ohne erhebliche Debatte; sämmtliche Positionen wurden genehmigt. Morgen wird der Etat des Cultus-Ministeriums berathen werden.
Berlin, 9. März. Der „Kreuz-Ztg." zufolge verlautet, daß das von der Familie des Grafen Arnim an den Kaiser gerichtete Gnadengesuch abschläg- lich beschieden sei.
Dresden, 8. März. Die erste Kammer beschloß heute ohne Debatte mit allen gegen eine Stimme, dem gegen die Erwerbung der deutschen Eisenbahnen durch das Reich gerichteten Anträge der zweiten Kammer beizutreten.
Arankreich.
Paris, 8. März. Einer Meldung der „Agence Havas" aus Ragusa vom 8. d. zufolge bat Ljubobratic, welcher wieder an der Spitze einer Jnsur- gentenbande steht, sich bei Gliubuski mit der Abtheilung unter Mucik vereinigt. — Viele flüchtige Carlisten kehren in Folge des Jndults nach Spanien zurück.
Versailles, 8. März. Die Befugnisse der ehemaligen National-Ver- sammlung wurden heute Seitens des Präsidenten derselben, sowie Seitens der Permanenz-Commission den provisorischen Bureaus der neuen Kammern übergeben. Herzog Audiffret-Pasquier hieß letztere in einer Begrüßungs-Rede willkommen und sagte: Frankreich hat soeben die republikanische Verfassung, welche das Werk der Versöhnung und Beruhigung ist, sanctionirt. Ihre Aufgabe wird sein, um die Regierung des Präsidenten Mac Mahon geschaart. die Aufgabe Ihrer Vorgänger, d. h. die Sicherung der dem Lande nothwendigen Ordnung, des Friedens und der Ruhe fortzusetzen und zu vertheidigen. Der Senats-Präsident Gauthier erklärte, der e>enat werde dem Präsidenten Mac Mahon seine Unterstützung zur Erhaltung der Ordnung, der Freiheit und des Friedens im Innern, wie nach Außen, angedeihen lasten. Minister Dufaure kheilte mit, daß der Marschall-Präsident ihn beauftragt habe, zu erklären, daß er mit Gottes Hülse und unter Mitwirkung beider Kammern gemäß den Gesetzen für die Ehre und das Beste des Landes regieren würde. Darauf erklärte Audiffret-Pasquier die Mission der National-Versammlung beendigt und übertrug sodann die Befugnisse auf die neuen Kammern.
Versailles, 8. März. Der Senat und die Deputirteu-Kammer haben beute die Verloosungen tu den Bureaux ^erledigt und werden morgen mit der Prüfung der Wahl-Vollmachten beginnen. Der Senat hat Gauthier als vorläufigen Präsidenten bestätigt; die Deputirten-Kammer wählte fast einstimmig Grevy zum vorläufigen Präsidenten und Rameau zum vorläufigen Vice- Präsidenten.
Atalien.
Rom, 8. März. Die Deputirten-Kammer wählte Picoli, Correnti, Peruzzi und Mancini zu Vice-Präsidenten und nahm ferner die Wahl der 8 Secretäre und 2 Quästoren vor.
England.
London. Dem letzten Wochenberichte des Times-Correspondenten zufolge hat der Prinz von Wales nunmehr Nepal verlasten und ist auf der Rückreise nach Allahabad begriffen. Hier wird er mit Lord Northbrook und Lord Napier of Magdala noch eine Zusammenkunft haben; den neu ernannten Vice- könig aber und den neuen Oberbefehlshaber der Armee von Indien wird er auf seiner Heimreise in Suez treffen und hier, an der Schwelle des Eingangs zum indischen Reich, werden schon Vorbereitungen zu dieser Begegnung getroffen, die durch die Vorgänge, welche sich seit der Abreise des britischen Thronfolgers vollzogen haben, eine ganz besondere Bedeutung gewinnt.
London, 8. März. Die heutigen Verhandlungen der Leichenschau-Jury in Povlar beschränkten sich auf die Vernehmung des französischen Lootsen und der beiden Leute am Ruder der „Frankonia." Die gemachten Aussagen fielen in jeder Weise günstig für die „Frankonia" aus, namentlich erklärte der Lootse, daß an Bord der „Frankonia" Alles ordnungsmäßig hergegangen sei und, bis der englische Lootse die Gefahr des Sinkens für dringend erklärt habe, Capitän Kenn alle Anstalten getroffen habe, um durch Herablasten der Boote die Leute vom „Strathclyde" zu retten. Morgen erfolgt wahrscheinlich der Schluß der Verhandlungen, nachdem zuvor noch zwei vom Tödtenbeschauer zur Besichtigung der „Frankonia" ernannte Sachverständige und die bereits in Deal vernommenen Bootsleute ihre Aussagen gemacht haben werden. Auf Antrag des Advocaten Cohen, des Anwaltes der „Frankonia," ist vom Tödtenbeschauer die Erlaubniß
»«geben. nach Vernehmung der Dealer Zeugen noch fernere Zeugen für di« „Frankonia" aufzurufen, da das Dajwischeutreten der Negierung, nachdem die Vertheidignng schon begonnen, gegen das übliche Verfahren verstoße.
London, 9. März. Einer Meldung des Reuter'schen Bureaus aut Ealcutta vom 8. März zufolge ist dort der Wechsel-Cour- auf da« Gerücht gestiegen, daß die indische Regierung wegen des Fallens des Silberpreeses und der Unmöglichkeit des Wechsel-Ankauf« beschlossen habe, in London eine Gold- Anleihe aufzunehmen.
Türkei.
Ragusa, 9. März. In Folge von kleinen Scharmützeln, die in bei Nähe von Lubuska stattgefunden haben, wurden 30 Mann Türken auf österreichisches Gebiet gedrängt, wo dieselben ein Haus verbrannten und einen österreichischen Untertanen erschossen. Achmed Mukhtar Pascha ist mit be- deutender Truppenzahl von Trebinje aufgebrochen, um die Festung Nicfic zu verproviantiren. Die Insurgenten hatten die Absicht, die Proviant-Colonne anzugreifen. Nach Cettinje sind russische Couriere abgegangen.
Afrika.
Cairo, 8. März. Nachdem dem Khedive die Erklärungen der englischen Regierung und des Parlaments osficieü mitgetheilt waren, hat derselbe die hiesigen General-Consuln der fremden Mächte davon unterrichten lasten, daß er gemäß seinem Wunsche, allen Standesgläubigern Aegyptens vollständige Sicherheit für ihre Forderungen zu gewähren, nunmehr bereit sei, die Befugniffe der zu bestellenden englischen, französischen und italienischen Commistäre den Absichten der bezüglichen Regierungen entsprechend zu regeln.
Amerika.
New-York, 9. März. In dem Proteste der Stadt New-York gegen Tweed erkannte die Jury zu Gunsten der Stadt auf eine Entschädigungs- Summe von 6,537,117 Dollars.
Washington, 8. März. Die Untersuchungs-Commission des Repräsentantenhauses hat in der Sache gegen den früheren Kriegs-Secretär Belknap abgelehnt, der Requisition des Polizei-Gerichts zu entsprechen, weil dadurch ein Präjudiz für die von der Commission selbst geführte Untersuchung entstehen könnte.
Washington, 9. März. Belknap hat sich dem Gerichte gestellt, wurde aber gegen eine Camion von 25,000 Dollars freigegeben. Da der Hauptbelastungs-Zeuge Marsh verschwunden ist, so beschloß die Repräsentanten- Kammer, die gerichtliche Verfolgung Belknap's auf unbestimmte Zeit zu verta- gen. — Die Commission zur Vorberathung der Credite für die Executiv-Gewalt und die Legislative beschloß, erhebliche Reductionen vorzuschlagen, wodurch eine Ersparniß von über 10 Mill. Dollars herbeigeführt werden würde. — Der Senat lehnte die Aufnahme des in Louisiana zum Senator gewählten Negers Linchback mit 32 gegen 29 Stimmen ab.________
Lokal-Notiz.
Gießen, 10. März. Gestern Nachmittag wurde unsere Stadt durch eine amtliche Bekanntmachung, daß wir Hochwasser zu erwarten hätten, in Aufregung versetzt. Bei dem ohnehin schon seit Wochen s ehr hohen Stande der Lahn noch mehr Wasser war allerdings ein Grund, Keller und Parterre der am Wasser gelegenen Gebäude zu räumen. Und die Wassermassen kamen denn auch. Von 4 Uhr Nachmittags an stieg die Lahn und steigt bis zum Augenblick (11 Uhr Vorm.) noch fortwährend. — Ueber die Ursache des hohen Wassers ist in den Telegrammen nichts enthalten. Von dem Niederfallen eines oder mehrerer Wolkenbrüche, wie behauptet woroen, ist nichts bekannt. Wir lassen hier die Telegramme folgen:
1) Marburg, 9/III. 3 Uhr 26 Min. Nachm.
Grotzh. Hess. KreiSamt Gießen. Nach Mittheilung deS K. Lsndrathsamtes zu Biedenkopf ist die Lahn sehr hoch und im raschen Steigen begriffen.
Landrath, I. V: Keller.
2) Biedenkopf, 9/IIL 7 Uhr 45 Min. Nachm.
An Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Lahn ungewöhnlich hoch, stieg heute rasch um einige Fuß und ist noch im Steigen. Morgen gebe weitere Nachricht. Der Landratb: Seyberth.
3) Marburg, 10/III. 9 Uhr Vorm.
Die Lahn ist seit gestern Abend 8 Uhr um circa 1 Fuß gestiegen, ein Fallen noch nicht bemerkbar. Landrath, I. V.: Keller.
4) Biedenkopf, 10/IIL 10 Uhr Vorm.
Großb. Bürgermeisterei Gießen.
Lahn um 30 (Zentimeter gefallen. Sey bcrth, Landrath.
Von Seiten der Bürgermeisterei sind alle erforderlichen Schritte geschehen, so u. N- auch die Schließung des Viaducts an der Schwarzlach.
Vermischte-.
Mainz, 7. März Seit einiger Zeit ist die öffentliche Meinung durch einen Conflict innerhalb unsere? Feuerwehrcorps in Anspruch genommen, der von langer Hand datirt und nur eines an und für sich geringfügigen Anlasses bedurfte, um hell aufzulodern und — unheilbar zu werden. Das Wesen eines freiwilligen Hülfscorps total verkennend, batte man e5 schon vor geraumer Zeit für gut befunden, in dasselbe den Geist militärischer Hierarchie zu tragen; neben dem Brand-Director funqtrten außer dem Verwaltungsrath noch ein Adjutant mit Dienstschärpe und Schleppsäbel und zwei Ober-Brandmeister als „Stabsoffiziere", und immer schärfer bildete sich an Stelle guter Kameradschaft auch in außerdienstlichen Angelegenheiten das Verhältniß zwischen Vorgesetzten und Untergebenen heraus. War Dies schon an und für sich geeignet, böses Blut zu machen, so wurde etz noch ärger, als das „Offiziercorps" anfing, Dinge, die mit dem Dienst nicht das Allergeringste zu schaffen hatten, vor sein militärisches Forum zu ziehen und disciplinarisch zu bestrafen. So wurde denn auch vor Kurz m eine gelegentlich eines Corpsballes vorgefallene Schwatzerei, die mit dienstlichen Angelegenheiten außer allem Zusammenhang steht, vor einem Disciplinargericht verhandelt, das Corps zusammengerufen unt ihm das Urtheil dieses hohen Gerichts verkündigt. ES ging dahin, daß der Feuerwehrmann M-, der sich erkühnt hatte, eine auf daS ä part-6ouper der Herren Offiziere bezügliche (übrigens ganz harmlose) Aeuß-rung zu machen, auf 6 Monate suSpendirt werden sollte. Als einige Mitglieder des Corps sich zum Worte meldeten und ihnen erklärt wurde, in dieser Angelegenheit habe Niemand mehr das Wort, da machte sich der Unwille der Versammlung in energischer Weise Luft- Vorstand und Stabsoffiziere entfernten sich, und am Samstag den 19. Februar hielt das Corps unter sich eine Versammlung in der 140 Mitglieder erschienen und eine Anzahl Resolutionen beschlossen, von deren Unterzeichnung sich nur 5 Mitglieder ausschlossen. Die Versammlung erklärte darin, daß fie vor wie nach bet Bränden ihre Schuldigkeit thun wird, die despotische Sprache und Handlungsweise des Vorstandes aber zurückweisen muß Sie verlangt, daß die drei „Stabsoffiziere" aus dem CorpS ausscheiden, daß die unzeitgemäße Dienstordnung, welche das Statut bildet, umgeändert werde rc- Im Falle die Bürgermeisterei diesen gerechten Wünschen nicht entsprechen sollte, so würden die Unterzeichner der Beschlüsse aus der Corporation austreten und Jeder, der seiner Unterschrift nicht getreu bleibe, erkläre sich selbst für ehrlos. Trotz dieses Mißtrauensvotums, wie es cclatanter nicht sein kann, fallen die Herren „Vorgesetzten", um deren Austritt es sich handelt, mit dem Brand-Director, der sich mit ihnen solidarisch erklärt bat, trotzdem das Corps ihn persönlich hors de cause gelassen, der Ansicht fein, der Bürgermeister werde das Corps auflösen und ein neues unter
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