Ausgabe 
9.8.1876
 
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Arankreich.

Paris, 4. August. Die Bonapartisten haben gestern wieder einmal ein Scandälchen in der Kammer angezettelt. Herr Dreolle bestieg die Tribüne, um gegen die verfassungsmäßige Erörterung des Armee-Budgets zu protestiren; er erklärte, es sei unpatriotisch, die Einrichtung des Heeres öffentlich zu be sprechen und zu bemäkeln,die Armee stehe über der Verfassung" u s. w. Gambetta erwiderte ihm mit einer donnernden und heiß applaudirten Verur- theilung des imperialistischen Systems, zu der die Rechte sich übrigens kühl verhielt. Große Ergebnisse liefert das Verfahren für keine von beiden Seiten: die republikanischen Blätter bringen triumphirende Artikel über die Niederlage ihrer Gegner; die bonapartistischen stellen ihren Angriff gegen die Republik als gelungen dar, das Publikum glaubt der Partei, zu der es neigt, und so bleibt Alles beim Alten. Höchstens auf dem Lande können die Imperialisten ihre Leistungen zur Agitation benutzen; aber ebenso kann Gambetta sich auf seinen parlamentarischen Erfolg stützen, wenn er demnächst seine Rundreise bei den Wählern antritt, um diesen gegenüber seine Opportunitäts-Politik zu recht­fertigen.

Paris, «6. August. Die republikanische Linke beschloß heute, daß wäh­rend der Ferien der Kammer das Bureau alle erforderlichen Maßregeln zur außerordentlichen Berufung der Kammer, im Falle es nöthig, ergreifen solle.

Paris, 6. Aug. DerMoniteur" erklärt das Gerücht für falsch, daß die französische Regierung geneigt sei, bei den Mächten den ersten Vorschlag eines Waffenstillstandes zu machen, um das Blutvergießen zwischen Türken und Serben zu verhindern. Laut der Estafette werden die Vorsitzenden der drei Gruppen der Rechten bei Mac Mahon Schritte thun, um ihm vorzustellen, daß die Candidatur Dufaure's ein Schritt des Mißtrauens gegen die conser- vative Majorität sei. Eugen Garnir, Soldat des 2. Genie-Regiments in Versailles, der einem Lieutenant einen Faustschlag versetzt und dann einen Ge freiten mit seinem Säbel verwundet hatte, ist vom Kriegsgericht zum Tode verurtheilt worden.

-agtand.

London, 5. August, Abends. Das Unterhaus hat in dritter Lesung das Unterrichts-Gesetz angenommen und die für die Mission Cave's nach Aegypten und für den weiteren Ankauf von Suez-Actien geforderten Credite bewilligt. Cave vertheidigte seinen Bericht und hob hervor, daß der Khedive bei sparsamer Verwaltung, wie er sie beabsichtige, immer seinen Verpflichtungen genügen könne, wenngleich die Schuldenlast Aegyptens mit Erstattung des Be­richtes sich abermals vermehrt habe. Dodson Löwe gegenüber, Der behauptete, Cave's Mission habe den ägyptischen, Kredit ruinirt, trat auch der Schatz- Secretär Sir Northcote für Cave's Mission ein.

London, 5. August. Eines der großen Werke zur Erleichterung des Verkehrs, welche nach Vollendung des Suezcanals unserer Zeit als Aufgaben bleiben, geht nun auch seiner Verwirklichung entgegen. Es ist der Tunnel zwischen England und Frankreich. Diejenigen, welche nicht an die Ausführbar­keit eines solchen gewaltigen Unternehmens, an die unterseeische Ueberwindung des von Horaz gefürchteten oceanus dissociabilis glauben konnten, werden schon durch die seit einiger Zeit begonnenen Vorarbeiten eines Andern überzeugt worden sein, und eine jetzt veröffentlichte parlamentarische Urkunde beweist von Neuem, daß der Plan mit Ernst in die Hand gefaßt wird. Dieses Schrift­stück enthält eine Denkschrift, welche von Der gemischten Commission als Grund­lage des zwischen England und Frankreich abzuschließenden Vertrages über den Canal-Tunnel empfohlen wwd. Danach würde die Grenze zwischen Eng­land und Frankreich halbwegs zwischen dem niedrigsten Wafferstandszeichen an der englischen Küste und dem an Der französischen Küste sein. Diese Grenze wäre von einer Commission zu bestimmen, die aus drei von England und drei von Frankreich zu ernennenden Mitgliedern bestehen würde. Die französische Abtheilung der unterseeischen Eisenbahn würde nach französischen, die englische nach englischen Gesetzen gebaut und erhalten werden. Innerhalb der fün Jahre vom 2. August 1875 an müßte die französische Gesellschaft mit einer englischen einen schriftlichen Vertrag schließen und umgekehrt. Jede Gesellschaft hätte jährlich ihrer Regierung Abrechnung vorzulegen. Streitigkeiten würden von der internationalen Commission entschieden werden. Ein Tarif der höchsten Sätze wäre festzustellen. Jede Gesellschaft wäre für den Zustand der au: ihrem Landesgebiet gelegenen Eisenbahn verantwortlich. Die Concession würde auf 99 Jabre von Eröffnung der unterseeischen Eisenbahn an lauten; später übernimmt die bezügliche Regierung alle Rechte der Gesellschaft. Die Er­forschungs-Arbeiten hätten im Laufe eines Jahres vom 1. Juli 1876 an zu beginnen und innerhalb der fünf Jahre vom 2. August 1875 an hätte jede Gesellschaft ihrer Regierung zu erklären, ob sie die Concession behalten will. Zwanzig Jahre vom Tage dieser Erklärung an würden für die Vollendung der Eisenbahn und ihrer Eröffnung für den öffentlichen Verkehr zugestanden. Wenn nach Anfang der Arbeiten die Gesellschaften für ein Jahr ohne triftigen Grund dieselben einstellen, oder wenn die Eisenbahn in den 20 Jahren nicht eröffnet wird, oder wenn die Gesellschaften ohne triftigen Grund für sechs Monate nicht an der Eisenbahn arbeiten, so erlischt die Concession. Zu irgend einer Zeit nach Ablauf von 30 Jahren, welche auf die Eröffnung Der unter­seeischen Eisenbahn folgen, soll jede Regierung das Kaufrecht erlangen. Jede Regierung soll das Recht haben, die Arbeit an der Eisenbahn und den Durch­gang durch den Tunnel, wenn sie es im Interesse ihres eigenen Landes für nothwendig hält, einzustellen.

London, 6. August.Reuter's Bureau" wird aus Belgrad vom 5. August gemeldet: Die österreichische^ Behörden verhinderten in Werschatz die Verladung von Effecten für die verwundeten Serben. Die ungarische Re­gierung befahl der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft, keinerlei Munition und keinerlei Effecten für die Verwundeten in Serbien zu transportiren. Heute ist in Belgrad eine Anzahl gefangener Tscherkessen eingetroffen. Es verlautet, daß die Kämpfe bei Saitschar, Mramor und Knjasevatz fortdauern. Reuter's Bureau" wird aus Semlin vom 6. d. gemeldet: Die 2000 Frei­willigen der Drina-Armee, welche in Bosnien eingedrungen und 20 Kilometer weit vorgedrungen sind, sandten zwei Telegramme in das Hauptquartier des Fürsten von Serbien, worin sie sich über den Mangel an tüchtigen Officieren beklagen und den Oberst Despotovitsch als Oberbefehlshaber erbitten. Oberst Tscholak Antitsch schlug gestern die von Sienitza nach Novibazar marschirende ägyptische Division vollständig.

Außlarrd.

Nachdem der tu rchnimlung der Obc

Keröien.

Belgrad, 5. August. Die Serben verfolgen die bei Knjasevatz total geschlagene türkische Avantgarde. Der türkische Operationsplan scheint vollstän. dig gescheitert zu sein. Mehrere Forts von Nisch sind gestern von den Serben angegriffen worden. In Belgrad herrscht große Begeisterung.

Belgrad, 6. August. Officiell wird gemeldet: Oberst Horvatovitsih vertheidigte in einem fünftägigen Kampfe die Höhen von Tresibabas gegen den überlegenen Feind; aber erschöpft von den fortwährenden Kämpfen, mußten sich seine Truppen zurückziehen. Dieselben haben die Defil6en zwischen Knjasevatz und Banja besetzt. 2000 Türken machten am 3. August von Sienitza anä einen Ausfall gegen unseren linken Flügel, wurden aber zurückzeworfen und ließen 150 Todte zurück.

Belgrad, 7. August. Der Präfekt von Alexinatz meldet: Die Türken haben das von den Serben verlassene Knjasevatz, sowie die in ihren Besitz ge­langten Dörfern an beiden Ufern Des Timor angezündet.

Semlin, 6. August. Ueber das Ende des Kampfes bei Mramor herrscht in Belgrad amtlich Schweigen. Auf der Tresibaba sind die Serben nach hie­sigen offi ielleit Berichten zum Rückzüge gezwungen worden, dagegen sind die Türken bei Sienitza ohne Erfolg vorgegangen.

Türkei.

Numänien.

Bukarest, 6. August. In der Zusammensetzung des neuen Cabinets ist insofern eine Aenderung eingetreten, als der Minister-Präsident Joan Bra- tiano das Finanz-Portefeuille und Sturdza das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten übernommen hat.

In Moskau hat Samarin, der Bruder des berühmten, verstorbenen Publicisten, 300,000 Rubel demselben Zwecke gewidmet und begiebt sich mit seiner Fran in's serbische Lager zur Pflege der Verwundeten. (Ag. Russe.)

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Petersburg, 4. August, Abends. Die Bewegung im Innern unseres Landes zu Gunsten der unglücklichen Opfer des Krieges wächst mehr und mebr und nimmt großartige Proportionen an. Aerzte sammeln Geld, verlosten ihren « und begeben sich auf den Kriegsschauplatz; Damen aus asten

Gesellschartsklaffen verlaflen unter dem Schutz der Armbinde mit dem rotbk« Kreuz Haus und Herd, um den Verwundeten zu helfen; Beamte verzichten auf die Dauer des Krieges auf einen Th-il ihres Gehaltes zu Gunsten der Lazaretbe; Kaufleute und Bauern steuern Geld.

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Lokal-Stotiz.

Jahr

Die katholische Confessions-Schule betr.

Die Faßeichanstalt betr.

Die Handhabung der Friedhofsordnung.

Herstellungsarbeiten in dem Realschulgebäude betr.

Den Anstrich der Stadtkirche betr.

Decretur verschiedener Rechnungen.

Die Verwendung von Linden- und Obstbäumen aus dem städtischen Pflanz- dte Stadt.

Gesuch des Weißbindermeisters Georg Mo hl wegen Bauveränderunguk Die Rechtssache des Heinrich Becker I. von Rödgen gegen die Stadl

Gesuch des Tapezierers Heinrich Beppler um Ueberlassung von Sand. Die Verbindung deS Reichensand mit der Reustadt.

ÄHch sich auflös Wial bekannt gemai chGst in Liquidat lti Allgemeinen deutj hitkin die Gläubiger

®iefeen, Den 8. \

Konstantinopel, 6. August. Nach einer officielleu Meldung nahmen Die Türken am 5. August nach zweitägigem Kampfe die Stadt Gnrgossovatz (Knyarovatz ) Die Stadt wurde von den Freiwilligen eingeäschert. Die Ver­luste, welche die Serben in dem Kampfe erlitten haben, ftnD beträchtlich.

Konstantinopel, 7. August. Die Regierung hat am 6. August die LU der Affaire von Salonichi an Deutschland unD Frankreich zu leistende Ent­schädigung mit 40,000 türkischen Pfund bezahlt. Ein Gouverneur und drei

Gießen, 8. August. In Nachstehendem lassen wir die Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 10. August 1876, NuchurtttogS 4 Uhr, im Ratbbaussaale folgen:

1 Der Voranschlag der Armenkasse und der Plockischen Stiftung für >ai

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Gießen.

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Amerika.

Washington, 5. August. Die Repräsentanten-Kammer nahm ent Bill an, durch welche der Artikel des Gesetzes über die Wiederaufnahme ter Baarzahlnngen, welcher einen bestimmten Termin für die Wiederaufnahme ff setzte, aufgehoben wird. Sodann wurde eine Resolution angenommen, wellt ausspricht, daß eine Commission zu ernennen sei behufs Prüfung der allgewei- nen Lage, um die Wiederaufnahme der Baarzahlungen zu erleichtern.

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Commandanten werden nach Salonichi abgehen, um daselbst das Urtheil gegen die Schuldigen vor den Truppen verlesen zu lassen.

Nagusa, 5. August. Die Mukhtar Pascha drohende Katastrophe unausbleiblich. Ein abermaliger Ditrchbruchsoersuch ist mißglückt; in Trebinje ist Mangel an Lebensmitteln, die Mnnition ist ausgegangen , Drei Tabor, dir von Serajewo zur Unterstützung heranrückten, wurden von Den Montenegrinm geschlagen. Fürst Nicolaus will eia rasches EnDe machen, da er fürchtet, daß die Türken verzweifelte Anstrengungen machen werden, um vom Süden htt in Montenegro einzudringen und Mnkhtar Pascha zu degagiren.

Zara, 6. August. Der Jnsurgenten-Chef Luka Petkovic wurde gestm in Ragusa angehalten und der Militär-Behörde übergeben. Derselbe war im Begriff, sich nach Grahovo zu begeben.

Griechenland.

Athen, 4. August, 7 Uhr Abends. Das Ministerium Commonduio- hat beschlossen, gleichzeitig mit Der Circnlarnote an die Mächte, in welcher es aus die blutige Verfolgung Der Christen an den nördlichen Grenzen Grieche lands hinweist, und Die DaDurch hervorgerufene Aufregung Der Bevölkerung W vorhebt, eine sehr energische Note an Die türkische Regierung zu richten, m welcher sie Die Abstellung Der Greuelthaten in Thessalien, unD Die fo fertigt Zurückziehung Der türkischen Truppen von Der griechischen Grenze »erlangt.

(D. A. C.'

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