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Der souveräne Präsident.

Mit der ersten Stunde des neuen Jahres ist derloyale Soldat", der Sieaer von Magenta und derglorreiche" Besiegte von Wörth eine Art von Souverän geworden. Die bisher wenigstens dem Namen nach,ouveräne Rational-Versammlung ist auseinander gegangen und Hai nur eine kleine Com­mission turückgclasten, deren Befugniß und Machtsphare nicht recht klar rst und die eigentlich nur während der Ferien ihrer Auftraggeberin eine Art von Be­deutung hatte, eine Permanenz-Commission, die aber ohnmächtig ist, da die gewählten Vertreter des Landes nicht mehr hinter ihr stehen und die dem sou­veränen Beliebe» der Regierung keinerlei Hinderniß in den Weg zu legen

Marschall Mae Mahon ist also, wenn auch nicht dem Namen nach, doch thatsächlich in diesem Angenblick und bis zum Zusammentritt der neu zu wählenden Depntirtenkammer und des Senats Souverän der Republik, wenn man diesen nicht eben eorrecten Ausdrnck gelten lasten will. Vielleichl empfin­det er in dem Bewußtsein solch ein Ziel erreicht zu haben, einen hohen Stolz vielleicht auch nicht; keinenfalls hat er unerlaubte oder verwerfliche Mittel an- aeweudet es zu erreichen. Der Marschall. Präsident darf getrost das Bibel rcotC Den Seinen giebt's der Herr im Schlaf", ans sich anwenden. Weder die Größe seiner militärischen Verdienste, noch di« Fülle seiner geistigen Gaben sind es, die ihn auf einen so hohen Plag gestellt haben, sondern, im Gegen theil ein gewistes Mittelmaß in allen Dingen, eine anständige Gesinnung obne große Talente. Er ist so recht der Mann der Situation; man achtet ihn einigermaßen, aber man übersieht ihn, er genirt Niemand, denn er über raflt Keinen. Frankreich brauchte eine Zeit lang kein Genie, nicht einmal ein Talent, es brauchte einen Mann, der von Weitem für einen Charakter galt, wenn er auch nicht gerade ein solcher war, mit Niemand füllte jemals unter allen denen, die seit der Restauration zur ersten Rolle in Frankr.ich berufen waren, seinen Platz so wobl aus, Niemand vermied so sehr alle eel,taute An­stößigkeit als derloyale Soldat", ter eben jetzt auf tem Gipfel seiner Macht sich befindet.

Daß die Signatur des Septennats in allen großen politischen Actionen das Ungeschick und die Schwäche ist, wer wollte es verkennen? Es arbeitet mit kleinen Mitteln und hat kleine Ziele im Auge. Aber vielleicht ist cs gut so, mindestens für die Erhaltung des Friedens, für eine fortschreitende Con- solidirung der inneren Verhältnisse. Charakteristisch für die Regierung des Marschalls Mac Mahon ist sein Verhalten zu der eben für immer geschiedenen National-Versammlung. Oer konservativen Majorität derselben verdankte er seine Wahl, der Uneinigkeit der monarchischen Parteien die Fixirung des Scp- tennats. Mit dieser National-Versammlung ließ sich's bequem regieien, Frank­reich hatte, abgesehen von den ersten Zeiten der Restauration, niemals eine loyalere und, trotz einzelner radicaler Elemente, die aber wie Fettaugen in einer Wassersuppe verschwanden, niemals eine conservativere Volksvertretung Es scheint denn auch, als sollte die eigentlich ad hoc, d. h. zum Zwecke des Friedensschluffes, gewählte Versammlung auch nach der Creirung der conftitu tionellen Gesetze, dem s. Z. für ihren Schluß in Aussicht genommenen Zeit- punkt, beisammen bleiben, ja, das Septennat begleiten wie ein Chorus in der antiken Tragödie die Handlungen der Heiden (sans comparaison!) Da. brach­ten die Neu- und Ergänzungswahlen dem linken Centrum einige Verstärkung, die Regierung mußte" fürchten, daß eine zufällige Majorität, ehe denn ihre Schutzmaßregeln getroffen, die Selbstauflösung beschließen könnte und sie brachte daher ihr Senatsgesetz ein, kündigte gleichzeitig ein neues Wahl-Gesetz an. Mit Aufwand aller Kräft brachte sie diese Gesetze durch. Allein bei den Wahlen zum Senat unterlag sie und damit ließ sie das jetzt versagende Werkzeug fallen und beschleunigte das Ende einer Volksvertretung, in der sich alle conservati- ven Elemente Frankreichs ein Rendezvous gegeben hätten und wie sie willsäh riger keine reactionäre Regierung wünschen konnte.

Das Wahl-Gesetz wird mittlerweile dafür sorgen, daß auch die bevor­stehenden Neuwahlen nicht gerade ein allzu liberales Resultat erzielen. Der Apparat, über den die Regierung verfügt, der Belagerungs-Zustand in den großen Städten sie werden dazu beitragen, einen Einfluß auf die Neu­wahlen geltend zu machen Allein wir glauben, daß trotzdem die demnächst zusammentretende Deputirtenkammer ein wesentlich auderes Gepräge haben wird, als die eben aufgelöste National-Versammlung. Die neue Kammer ist ohne Mitschuld an der Gründung des Septennats, sie wird daher voraussichtlich das Soll und Haben deffelben einer etwas genaueren Feststellung unterziehen, als das Seitens seiner Vorgängerin der Fall war. Zu welchem Resultat sie dabei kommen wird, kann unseres Erachtens nicht wohl zweifelhaft sein. Was seit dem Kriege in Frankreich für das Land Verdienstliches geschehen, führt seinen Ursprung noch auf Herrn Thiers zurück, einen Mann, der für uns, der für Deuschland wenig Sympathisches hat, dem man aber nachrühmen muß. daß er an einen schwierigen Platz in schwerer Stunde gestellt, in vollem Um­fang seine Pflicht gethan und eine Gewandtheit bekundet hat, die das Beste von seiner ferneren Geschäftsführung erwarten ließ. Herr Thiers war aber allen Parteien unbequem, weil er thatsächlich keine begünstigte, man vereinigte sich daher in dem Wunsche, ihn zu stürzen, er hatte außerdem seine Schuldig feit gethan, er konnte gehen Es galt nun Jemand zu finden, der das Be­gonnene weiter auszuführen und zu beenden geeignet erschien, und vor allen Dingen Jemand, der Niemand überragte, Niemand genirte. Der Marschall Mac Mahon wurde als der für einen solchen Posten Geeignetste befunden und er hat die Voraussicht seiner Gönner nicht getäuscht. Das kurze Jnterreguum, das ihm jetzt bevorsteht, dürfte aber vyraussichtlich, wie es den Gipfelpunkt seiner Macht bezeichnet, auch zugleich das Ende derselben bilden. Treten Senat und Deputirtenkammer zusammen, so wird auch seine Mission beendet sein. So lange die innere Organisation Frankreich beschäftigte, mochte eine Negie­rung genügen, die dieser ausschließlich ihre Aufmerksamkeit und ihre Thätigkelt znwandte, die aber bisher nach Außen hin sich begnügte, den bisherigen Zu­stand der Dinge aufrecht zu erhalten. Für die friedliche Entwickelung Europas war eine solche Regierung ein Segen, nur glauben wir nicht, daß sie unter veränderten Umständen Aussicht aus Bestand und Dauer hat. Ob der Mar­schall nur langsam und allmählig feinen eben jetzt erreichten hohen Standpunkt verlaffen wird, oder ob er den Weg bergab schneller zurücklegen wird, das läßt sich schwer voraussehen, aber mit einiger Sicherheit darf man annehmen,

daß er seinen Platz nicht bis an's Ende der vorauSbestimmten Frist rvird be­haupten können.

Deutschland.

Aus Nheinhessen, 6 Januar. Unter den inr Reduktion der Staats- Ausgaben durch Vereinfachung der Ätaats-Verwaltung und Verminderung des BeamteN'Standes in Aussicht genommenen Maßregeln ist die oft genug an­geregte, aber eben so oft wieder aufgegebene Aufhebung des Bezirks-Gerichts zu Alzey und deffen Wieder-Vereinigung mit dem zu Mainz nunmehr, wie wir aus guter Quelle vernehmen, fest beschlossen. Durch die gegen früher sehr er­leichterten Verkehrs-Verbindungen fällt der größte Theil der Gründe seiner Errichtung hinweg. Als Zeitpunkt des Vollzugs wird der Beginn der nächsten Finanz-Periode (1879) bezeichn ll, bis wohin die nöthigen Vorbereitungen in dem Personal-Status getroffen sein sollen. Alzey dürfte für den Ausfall durch ein Schullehrer-Seminar, von denen in jeder Provinz eines bestehen soll, und andere Anstalten entschädigt werden.

Köln, 6. Januar. DerKöln. Ztg " wird aus Wien gemeldet: Lord Derby hat sich bei der Entgegennahme der Circular-Note Audrassy's einen achttägigen Termin bis zum 12. Januar Vorbehalten, um dieselbe gründlich zu prüfen; Italien hat gleich zugestimmt.

Karlsruhe, 5. Januar. Pros Schultz in Heidelberg, welcher den vor nicht langer Zeit nach Straßburg übergesiedelten Prof. Holtzmann ersetzte, l>at, gutem Vernehmen nach, einen Ruf nach Göttingen angenommen. Von Pros Gribbeck, welcher einen Ruf nach Jena erhalten, ist es aber noch unbe­stimmt, ob er demselben folgen wird.

Cisleben, 6. Januar. Bei der heutigen LandtagS-Wahl wurde Gneist wiedergcwählt.

Hesterreich.

Wien, 6. Januar. Von Italien ist bereits die Erklärung eiugelaufen, es sei bereit, sich Audrassy's Reform-Projekt in Konstantinopel im Vereine mit den Nord-Mächten anzuschließen.

Wien, 7. Januar. Die ungarische Negierung hat ein Programm ihrer Handels-Politik entworfen, welches, freihändlerisch gehalten, keine Zoll Erhöhung zngestebt und die jetzigen Zoll-Sätze als Maximal-Tarife ansieht. Sollte Oesterreich die Wünsche der Schutz-Zöllner ausschließlich zur öcouomischen Richt- chnur nehmen, dann werde Ungarn auch gegen Oesterreich Schutz-Zoll-Linien errichten. Oesterreich soll zugegeben haben, die Zölle für Eisenwaaren und Maschinen nicht zu erhöhen, wogegen es an der Erhöhung des Tarifs für Baumwolle und Wollwaaren sesthält.

«Holland.

Haag, 6. Januar General Klerck ist zum Kriegsminister ernannt worden. Laut Meldungen aus Atschin vom 2. Januar haben die Atschinesen Bital, Lamterir und die Verschanzung Tökonanta geräumt.

Arankreich.

Paris, 5. Januar. Der deutsche Botschafter hat dem Herzog Decazes mitgethrilt, er sei von feiner Regierung beauftragt, die Andrassy'jchen Vor- chläge bei der französischen Regierung zu unterstützen.

Paris, 6. Januar. DieAgence Haoas" meldet: Die Nachricht der Times", daß die französische Regierung der Note Andraffy's ohne Vorbehalt zugestimmt habe, ist zum mindesten verfrüht. Die Verhandlungen in dieser Angelegenheit werden in Konstantinopel fortgesetzt.

Paris, 6. Januar. Die republikanischen Blätter critifiren den Rund- Erlaß Buffet's über die Ausführinig des Preß Gesetzes. Sie behaupten, es sei nur auf Beseitigung des Amendements Janzs's abgesehen, welches den Ver­waltungs-Behörden die Befugniß entzogen hat, den Straßen-Verkauf der Zei­tungen zu verbieten.

Paris, 6. Januar. Martin Beloa, Marquis von Cabra, ist heute, mit Vollmachten des Königs Alphons versehen und mit einer geheimen Mission bei der Königin Isabella beauftragt, in Paris angekommen. Man glaubt,, daß seine Sendung Bezug auf gewiffe ernste Vorfälle der letzten Zeit hat, daß er die Bedingungen festsetzen soll, unter welchen die Königin in Znkunst in Spa­nien refibiren soll.

LautBien Public" wurde der italienische Gesandte Nigra beauf­tragt, der französischen Regierung fieundschastliche Vorstellungen zu machen, falls dieselbe geneigt sein sollte, den dem in Marseille commandirenden Gene­rale Espivent vom Papste wegen der seiner Sache geleisteten Dienste verliehenen Grafentitel anzuerkennen.

Paris, 6. Januar. DasUnivers" eifert wie auf Parole gleichzeitig mit den Wiener und TyrolerKatholiken" für die Glaubeuseinheit der Völker, welche die politische Einheit schiffe und befestige und die Völker vor Zersplitte­rung bewahre; die Gesellschaft verfalle ohne Gott nothwendig wieder in den Stand der Wilden. Aber dasUnivers" vergißt hinzuzufügen, daß auch der Fanatismus und der Anspruch der Kirche, deren Haupt Unfehlbarkeit beansprucht und deren Priester den weltl chen Gesetzen Hohn sprechen, die Staaten zum Verfalle führt oder sie zwingt, den Ansprüchen auf Glanbenseinheit mit dem Schwerte des Gesetzes entgegenzutreten. DasUnivers" hat bei seiner Glau­benseinheit aber entschieden praktische Zwecke: es will um diese Fahne die Wähler schaaren, welche für die Zwecke der Jesuiten und des Vaticans zu den Wühlereien geleitet werden sollen. Glaubeuseinheit, Nationalruhm, Vorherr­schaft Frankreichs in der katholischen Welt und Herstellung auch der äußeren Gewalt der Kirche sind die Grundzüge des Programms, das dieseKatholiken" zum Siege führen Möchte. Die Regierung geht ihnen dabei redlich zur Hand.

England.

London, 6. Januar. In China soll, derOverland China Mail" zufolge, eine neue Verwickelung mit Deutschland drohen. Der Regierungs- Beamte an dem Ort nahe Foochow, wo die Piraten aus derAnna" Zuflucht genommen haben, soll sich weigern, dem deutschen Kriegsschiffe Cyklop zur Habhaftwerdung der Seeräuber die nöthige und verlangte Unterstützung zu ge-