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und Steuer - Einrichtungen anderer Staaten bereitet werden. Auf dieses Ziel Wird die kaiserliche Regierung namentlich bei den bevorstehenden Unterhand­lungen über die Erneuerung von Handels-Verträgen hinzuwirken bemüht sein. Während der vergangenen Monate sind Sr. Majestät auf allerhöchst deren Reisen in verschiedenen Theilen des Reichs mannigfache Beweise der wärmsten Sympathieen von Seiten der Bevölkerung entgegengebracht worden. Von Sr. Majestät bin ich besonders beauftragt, an dieser Stelle allerhöchst deren Dank und innige Befriedigung darüber auszusprechen. Se. Majestät haben aus solchen Kundgebungen auf's Neue die freudige Gewißheit geschöpft, daß die durch das Reich begründete Einheit Deutschlands in dem Herzen der Nation tiefe Wurzeln geschlagen. Daß das Reich seiner verfassungsmäßigen Aufgabe, das Recht zu schützen und die Wohlfahrt des deutschen Volkes zu pflegen, sich immer mehr gewachsen zeige, daß es sich immer mehr als festes Bollwerk des Friedens nach außen und im Innern erweise, dazu werden, so Gott will, auch die Verhandlungen der bevorstehenden Session des Reichstags das ihrige beitragen.

Berlin, 30. October. Bei der in üblicher Weise vorgenommenen (Sr ösfnung des Reichstages waren etwa 180 Abgeordnete zugegen, unter ihnen die preußischen Minister, welche Mitglieder des Reichstages sind. In der Diplo- maten-Loge waren der schweizerische und der amerikanische Gesandte anwesend. Nach 1 Uhr erschienen die Mitglieder des Bundesraths. Der Präsident des Reichskanzler-Amts Hofmann verlas die Thronrede. Der auf die allgemeine Politik bezügliche Pastus wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt. Nach Ver­lesung der Rede erklärte Hofmann auf kaiserlichen Befehl den Reichstag für eröffnet, worauf der seitherige Präsident des Reichstages, v. Forckenbeck, ein dreifaches Hoch auf den Kaiser ausbrachte.

Reichstag. Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung um 2f/2 Uhr, beruft provisorische Schriftführer und theilt das Ergebniß der inzwischen statt­gehabten neun Ersatz-Wahlen, sowie die eingegangenen Vorlagen mit. Der hierauf vorgenommene Namens-Ausruf ergibt die Beschluß-Unfähigkeit des Hauses, da nur 184 Deputirte anwesend, aber 199 erforderlich sind. Nächste Sitzung morgen Uhr. Auf der Tagesordnung: Präsidenten-Wahl.

Karlsruhe, 28. October. Die General-Synode beschloß, entgegen den Anträgen mehrerer Diöcesan-Synoden, die bisherige Pfarrer-Wahl durch die Gemeinde beizubehalten.

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VRen, 27. October. ImJournal de St. Petersbourg" lesen wir, daß General Todtleben, der berühmte Vertheidiger von Sebastopol, in Odeffa angekommen ist, um in aller Eile Befestigungswerke auf der Rhede von Odessa anzulegen. Die neuen Hafen-Batterieen von Otschakow sind vollendet. 15,000 Arbeiter waren daran beschäftigt.

Ein Beweis für die Art, wie die Türken die ihnen von den Pesther Studenten octroyirte Culturmission befolgen, liefert die nunmehr wortgetreu vorliegende Rede, welche der Athener Professor Konstantin Paparygopulos in der Volksversammlung auf dem Pnyx gehalten hat. Er sagte unter Andern: Von Früherem zu schweigen, wurden in Chios vor wenigen Jahrzehnten 23,000 Griechen niedergemetzelt, 47,000 zu Sclaven gemacht; zu Kaffandra aber in Macedonien 10,000, andere 10,000 in Niausa und dem nahegelegenen Paläuron, unzählige in Epirus zu Kalarrytä, zu Syrakos, in Thessalien, zu Magnesia, auf Kos und Cypern, in Kydonia, Smyrna, Theffalonike, Kon­stantinopel. Mindestens 200,000 Griechen wurden so hingemordet in jener Zeit, welche wir Alle, die wir über 50 Jahre zählen, noch gar wohl im Ge dächtniß uns vergegenwärtigen; 200,000 Griechen, die Mehrzahl wehrlos und friedlich, wurden gemartert, aufgespießt, gebraten, zum Islam gezwungen und wie Vieh verkauft; schwangeren Frauen wurde der Leib geschlitzt, Jungfrauen geschändet, Kinder vor den Augen ihrer Eltern geschlachtet ; sehr Viele dagegen, um solcher Entehrung und Qual zu entgehen, stürzten sich von Felsen herab in die Tiefe oder suchten in den Wellen des Meeres ihren Tod. Und das sind keine erdichteten Märchen, keine veralteten Geschichten. Ich selbst, der ich jetzt vor Euch spreche, habe mit eigenen Augen meinen Vater und deffen Bru­der hängen, meinem Bruder und meinem Schwager das Haupt abschlagen sehen. Solches und noch viel Schlimmeres geschah gegen fünf Millionen Griechen."

Wien, 28. October. In dem Steuerreform-Ausschuffe des Abgeordne­tenhauses beantragte Heidelberg, die Berathung der zur Verhandlung stehenden Vorlagen zu vertagen, bis das jüngst in Frage gestellte Recht der Volksver­tretung, die Verausgabung der Steuergelder zu beeiufluffen, vollständig aner­kannt und dem schwer geschädigten Ansehen der Volksvertretung Genugthuung geworden sei. Der Antrag wurde mit 21 gegen 3 Stimmen angenommen.

Aus Erklärungen, welche die Obmänner des Clubs der Linken und des Fortschritts des Abgeordnetenhauses in den heutigen Club-Sitzungen abge­geben haben, geht hervor, daß das Ministerium sich gegen jede verletzende Aus­legung ihre Antwort auf die Interpellation in der Orient-Frage verwahre und zu diesbezüglicher Erklärung bereit sei.

Wien, 30. October. Der Kaiser ist gestern hier eingetroffen. Der Presse" zufolge ist Seitens der Obmänner der verfassungstreuen Clubs der Abg. Herbst betraut worden, mit der Regierung eine Vereinbarung dahin zu erzielen, daß letztere eine Erklärung betreffs des Schlußsatzes der Interpella­tions-Beantwortung in der orientalischen Frage abgebe. Herbst hat sich bereits dieser Mission entledigt, und ist nach derPresse" nicht daran zu zweifeln, daß Aufklärungen in entsprechender Form erfolgen. DasTageblatt" vernimmt, der Sultan habe an den Kaiser von Rußland ein eigenhändiges Schreiben ver­söhnlichen Inhalts gerichtet. Im Proceß der Phosphatdünger - Gesellschaft sind sämmtliche Angeklagte freigesprochen.

Pesth, 28. October. In Folge energischer Maßregeln der Negierung haben keine weiteren Straßen-Tumulte stattgefunden.

Schweiz.

Schaffhausen, 30. October. DasSchaffh. Tageblatt" schreibt: Die katholische Genossenschaft von Schaffhausen hat mit großer Mehrheit die Bildung einer Gemeinde beschlossen. Eine Commission soll wegen Anschlusses an das National-Bisthum berichten.

Belgien.

Brüssel, 29. October. Das JournalLe Nord" meldet aus Peters­burg, das Gerücht, daß der Finanz-Minister die Herabsetzung des Wechsel- Disconts der Reichsbank in Petersburg herbeigeführt, werde formell dementirt;

man hoffe, die Valuta werde auch ohnehin sich beffern; die Gespanntheit der Lage hat nachgelaffen, das Drei-Kaiser-Bündniß sei befestigter als je; man habe die Ueberzeugung, daffelbe könne durch keine Eventualität erschüttert wer­den. Allenfalls eintretende Zwischenfälle würden die drei Kaiser-Mächte fest entschlossen finden, sich darüber in gemeinsamem Einverständniß zu einigen. Die Verleihung höherer Officiers-Grade an die jüngsten Söhne des Kaisers Alexander durch den Kaiser von Oesterreich sei die indirekte Antwort auf die Manifesta­tionen der Pesther Studenten und gewiffer österreichischer und ungarischer Journale. Von der Conserenz-Frage könne erst nach Erledigung der Waffen­stillstands-Frage die Rede sein. So viel aber scheine sicher, daß Rußland, wenn die Conferenz zusammentrete, das Pacifications-Programm, wozu Eng­land die Initiative ergriffen, energisch unterstützen werde.

England.

London, 28. October. Die politischen Aussichten lasten sich hoffnungs­voller an; Rußland scheint einzulenken. Grund hierfür sind die letzten Nieder­lagen des serbischen Heeres, die Steigerung der antirussischen Stimmung in Europa und die Furcht der russischen Regierung, daß die Slavenpartei des eigenen Landes ihr über den Kopf wachse. DieMorning Post", welche Be­ziehungen zu der türkischen Botschaft pflegt, hofft auf einen Compromiß betreff- der Waffenruhe und auf einen Conferenzmodus, wodurch die Pforte bei der Conferenz betheiligt, wenngleich nicht stimmfähig wäre. Die Operationen des türkischen Heeres gegen Deligrad sind auch gestern durch Regen verhindert worden. Die Stimmung im serbischen Heere ist gedrückt, Selbstverstümme­lungen, um dem Kriegsdienste zu entgehen, kommen mastenhast vor. Glad­stone hatte gestern eine Unterredung mit Granville und Hartington, und kehrt heute nach Hawarden zurück-

London, 30. October.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel, daß der Sultan in der dem General Jgnatieff am Samstag ertheilten Privat- Audienz in bedingungslose Annahme des sechswöchentlichen Waffenstillstände- gewilligt habe.

N«ßla«d.

Moskau, 28. October. (Proceß Strousberg.) Der heutige Tag wurde durch die Aussagen der Zeugen, welche von Aufsichts-Räthen in unbe­fugter Weise veräußerte Actien gekauft hatten, ganz in Anspruch genommen.

Wei.

Konstantinopel, 27. October, Abends. Ein gestern gehaltener Mini' sterrath beschäftigte sich mit dem von Jgnatieff überreichten Vorschläge eines sechswöchentlichen Waffenstillstandes, welcher eventuell verlängert werden könne. Eine Beschlußfassung ist vermuthlich noch nicht erfolgt, doch scheint die Pforte zur Annahme geneigt zu sein. Die Vertreter Oesterreichs, Deutschlands, Ruß­lands und Italiens sind zur Berathung zusammengerreten. Ein von auswär­tigen Aerzten unterzeichnetes Gutachten erklärt neuerlich, der entthronte Sultan Murad werde seine Geisteskräfte nicht wiedererlangen. Die Verhaftung der Herausgeber mehrerer amerikanischer Zeitungen wurde aus Anlaß von Beschul­digungen, welche dieselben gegen Behörden von Trapezunt erhoben, verfügt; sie sind nach Trapezunt abgeführt, um daselbst zur Untersuchung gezogen zu werden.

Konstantinopel, 29. October. DieAgence Havas" meldet: Die Botschafter Deutschlands und Frankreichs haben Instruction dahin empfangen, den sechswöchentlichen Waffenstillstands-Vorschlag zu unterstützen. Man hoffe, daß Rußland und die Türkei sich über die Formel des Waffenstillstandes ver­ständigen werden.

Ragufa, 29. October. Ueber die serbische Stellung bei Alexinatz und Deligrad meldet ein von dort hierher zurückgekehrter Berichterstatter: Das serbische Centrum unter Despratovich hält die Höhen von Djunis besetzt, der rechte Flügel unter Horvatovich steht hinter Siljegovatz, der linke unter Popo- vich ist in Alexinatz; die ganze Armee ist in hohem Grade entmuthigt. Tscher- najeff forderte die Bewohner von Deligrad auf, die Stadt zu verlaffen. In Betreff der Belagerung von Niksic geht das Gerücht, Mukhtar Pascha habe 8000 Mann mit dem Auftrage detachirt, Niksic zu entsetzen und vollständig zu verproviantiren.

Servier».

Belgrad, 29. October, Abends. Bei Djunis fand gestern eine Kano­nade statt; die Serben hielten ihre Positionen fest und zerstörten eine ganze Batterie der Türken.

Lokal-Notiz.

Gießen, 31. Oct. In der Sitzung der Stadtverordneten vom 26. October wurde Folgendes zur Verhandlung gebracht:

1. Der Stadtoorstand. welcher der am 22. d. Mts. stattgehabten Uebung der freiw. städtischen und Gail'schen Feuerwehren beiwohnte, hat die Leistungen derselben als ausgezeichnet erkannt und deshalb beiden Corps in der heutigen Sitzung seine Anerkennung und Befriedigung ausgesprochen.

2. Die Löber'sche Stiftsrechnung für die Zett vom 12. Juli 1875/76 wurde heute dem §. 17 des Testaments entsprechend in Gegenwart des Herrn 1. Stadtgeist- lichen Dr. Seel abgehört und dieselbe mit 46,378'M. 58 Pf. Vermögen abge-

3. In besonderer Vorlage des StadtbauamtS wurden weitere 500 M. ßrebft für den Ueberzug in die neue Realschule und ebenso für Umänderung von Schul­bänken die Bewilligung der nöthigen Mittel beansprucht. Die 500 M- für den Ueberzug wurden bewilligt, dagegen soll die Umänderung der Schulbänke unter­bleiben, da diese Arbeit bis zum Bezüge der neuen Realschule doch nicht fertig zu stellen ist. _ , ..

4. Die Gesuche der Herren Steueraufseher Bertling und Johannes Schn etd er II. wegen Errichtung von Hintergebäuden bei ihren Wohnhäusern im Gartfeld und am Wieseckerweg sollen befürwortet werden.

5. In einem früheren Beschlüsse war sich gegen die von Herrn Peter Hubeier beab­sichtigte Errichtung eines Anbaues an dem ehemals Nolti'scheu Hause aus­gesprochen worden, bet welchem Beschlüsse auch jetzt noch beharrt werden soll; dagegen soll bei dem weiteren Gesuch wegen Erbauung einer Remise nichts ein­gewendet werden.

6. Der kürzlich ausgegebene Winterfahrplan der Main-Weser-Bahn gab Veranlas­sung zu einer Diskussion in der Stadtoerordneten-Versammlung, weil nach dem­selben der des Morgens von Frankfurt kommende erste Zug keinen directen Anschluß mit den Oberhesstschen Bahnen hat. Bei dieser Gelegenheit hat sich aber die Ansicht dahin geltend gemacht, daß diese Etntheilung die Interessen der Stabt nicht beeinträchtige und es ist deshalb der von dem Großh. Bürger­meister gestellte Antrag:zur Tagesordnung überzugehen" angenommen worden.

7. Ein Gesuch der Actienbrauerei Gießen wegen Erbauung eines Glühofens bet

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