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Mittwoch, den 1. November

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KHener Anzeiger

Alljtigk- Mii Amtsblatt für ben Kreis Gießen.

Erscheint tLZttch wat AuSuabm« M Montag». «rpO-ittonr Schulst,«ß«, ÄL B. Nr. 18.

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Prei» viert^hlktich 8 Mark 20 Pf. mit BrinKrrlohn. Durch die Post fct^ogen vierteljährlich 1 Mark W Pf.

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Gießen, den 28. October 1876.

Betreffend: Rechenschaftsberichte der Wiesenoorstände für 1876.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Allendorf a. v. Lda., Annerod, Beltershain, Beuern, Geilshausen Gießen, Göbelnrod, Grüningen, Harbach, Hausen, Heuchelheim, Hungen, Lauter, Londorf,- Mainzlar, Rieder-Bessingen, Odenhausen Rabertshausen, Ruttershausen, Saasen, Treis a. d. Lda., Watzenborn und Wieseck.

Wir erinnern Sie an Erledigung der Verfügung vom 9. October 1876 (Nr. 238 des Anzeigers) binnen 8 Tagen.

v. Röder.

äiißliche Rente cus fann bis zu 150(1 Klleiellassen Gerdt eckickimi, aus dt Leibrenten.

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sowie aus Weit!

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Gießen, am 30. Octoder 1876.

Betreffend: Die Feststellung und Erhaltung der inneren Grenzen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Mit Bezugnahme auf unser Ausschreiben Nr. 9 vom 12. August 1867 fordern wir Sie auf, die Grenzbegebungsprotocolle der Feldgeschwornen baldigst an uns einzusende«. Sie wollen sich hierbei zugleich nach Vernehmung Ihrer rcsp. Gemeinderäthe und wo es sich um gemeinschaftliche Gemarkungsgrenzstetne handelt nach Be­nehmen mit den betreffenden Orts-, bezw. Gemarkungsoorständen über die Wahl desjenigen Geometers I. Classe äußern, welchem die Wiederherstellung der fehlenden Grenz­steine zu übertragen sei.

F o t i t i f di

Smtfdifanh-

Berlin, 29. October. Aus Petersburg, 25. Octbr., wirb derPost" geschrieben:Dor 14 Tagen wurden 32 Studenten der medicinisch - chirurgi­schen Akademie verhaftet. Sie hatten heftig gegen die Regierung agitirt, die Absetzung des Kaisers, Einführung einer Volksvertretung und andere Dinge verlangt. Man hat sich damit begnügt, die unerfahrenen, zum Theil von älteren Demagogen verführten jungen Leute zu relegiren, einige für drei, vier Jahre, andere für immer."

Aus guter Quelle wird derKöln. Ztg." geschrieben:Aus türki­schen Kreisen kommen Klagen über neue Jntriguen Rußlands in Konstantinopel. Man führt die letzte Verschwörung auf russischen Einfluß zurück, weil Mahmud Pascha der alte Freund Jgnatieff's und Schützling der Ruffen sei. Auch klagt m.rn, daß versucht werde, das orthodoxe Volk, sowie die türkisch-conservativen Kreise gegen die Midhatisten aufzuwiegeln, Zwietracht unter den leitenden Per- sonen zu säen und dadurch die von der Partei Midhat's beabsichtigten Refor men schon im Keime unmöglich zu machen. Damit wäre denn der Erholung der Türkei auch für den Fall des vorläufigen Friedens vorgebeugt."

Berlin, 29. October. Laut einer am 19. d. Mts. ergangenen Ver fügung deS General-Postmeisters sollen vom 1. November ab die Landbriesträger aus ihren Botengängen von dem Publikum Telegramme zur Beförderung an die betr. Telegraphen-Anstalten unter näher festgesetzten Bedingungen vorläufig versuchsweise übernehmen. Die Verpflichtung erstreckt sich auf diejenigen Land- briefträger, an deren Wohnsitz sich eine Reichs-Telegraphen-Austalt befindet oder welche eine solche auf ihren Botengängen berühren. Telegramme nach dem Auslände sind von dem Landbriefträger nur dann anzunehmen, wenn er über den Betrag der Taxe nicht im Zweifel ist oder wenn Sicherheit dafür besteht, daß der Absender das etwa Fehlende nachzahlen wird. Auf die Zustellung von Telegrammen darf der Briefträger höchstens fünf Minuten warten. Für die Beförderung jedes einzelnen Telegramms zum Telegraphen-Amte kommt außer der vom Absender zu entrichtenden Telegraphirungs-Gebühr ein Zuschlag von 10 Pfg. zur Erhebung. Diese Zuschlags-Gebühr soll zur Hälfte der Reichs' kaffe, zur Hälfte dem zutragenden Landbriefträger zusallen. Letztere sollen ins­besondere auch mit der Anwendung namentlich des inländischen Tarifs bekannt gemacht werden, damit sie den Aufgebern auf Verlangen Auskunft geben kön­nen. Die Ober-Postdirectionen sollen bis zum 1. Juli k. I. berichten, ob sich die neue Einrichtung bewährt hat, in welchem Umfange von ihr Gebrauch ge­macht worden ist und ob, beziehentlich welche Unzuträglichkeiten bei der Aus­führung zu Tage getreten sind.

Berlin, 29. October. DaSBerl. Tagebl." meldet aus Paris: Der bedauerliche Zwischenfall, nämlich die schimpfliche Behandlung eines jungen Deutschen durch seine Mitschüler in derEcole" des Beaux-Arts, veranlaßte einen höflichen Meinungs-Austausch zwischen dem deutschen Geschäftsträger Grafen Wesdehlen und dem Herzog Decazes. Letzterer versprach dem gekränk­ten Deutschen den wirksamsten Schutz und sprach die Hoffnung ans, daß der Zwischenfall Deutschland in Hinsicht auf die Ausstellungs-Frage nicht ungünstig beeinfluffen werde.

Berlin, 30. October. Der Reichstag ist vom Präsidenten des Reichs­kanzler-Amts, Hofmann, mit folgender Thronrede eröffnet worden: Geehrte Herren! Se. Maj. der Kaiser haben mich zu beauftragen geruht. Sie bei be­ginnender vierter und letzter Session der laufenden Legislaturperiode Namens der verbündeten Regierungen zu begrüßen und zugleich das lebhafte Bedauern

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Sr. Majestät darüber auszudrücken, daß es Allerhöchstdemselben nicht möglich gewesen ist, die anfänglich gehegte Absicht, den Reichstag persönlich zu eröffnen, in Ausführung zu bringen. Die Angelegenheiten, welche in der beginnenden Session der Erledigung harren, sind nicht zahlreich, aber an Wichtigkeit werden Ihre bevorstehenden Verhandlungen hinter den Verhandlungen früherer Sessionen nicht Zurückbleiben. Hauptsächlich wird Ihre Thätigkeit durch die Berathnng der Gesetz-Entwürfe über die Gerichts-Verfaffung, das Verfahren in bürger­lichen Rechtsstreitigkeiten und in Strafsachen, sowie des Entwurfs einer Concurs- Ordnung in Anspruch genommen sein. Mit gerechtfertigter Spannung sieht die Nation der Entscheidung der Frage entgegen, ob es gelingen wird, dieses für die einheitliche Nechtsentwickelung Deutschlands so bedeutsame Gesetzgebungs­werk, an welchem seit einer Reche von Jahren schon gearbeitet wird, vor dem Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode zu Stande zu bringen. Die Schwierigkeiten, welche sich einem solchen Gelingen in den Weg stellen, sind nicht gering. In zahlreichen und zum Theil sehr wichtigen Punkten weichen die Anträge der von Ihnen eingesetzten Commission, insbesondere zu dem Gerichts-Verfassungs-Gesetze und zu der Strasproceß-Ordnung, von den Be­schlüssen der verbündeten Negierungen wesentlich ab. Wenn die verbündeten Regierungen gleichwohl an der Ueberzeugung festhalten, daß eine glückliche Lösung der großen Aufgabe, welche der beginnenden Session hinsichtlich der Justizgesetze gestellt ist, möglich sei, so geschieht es in dem Vertrauen, daß Sie, geehrteste Herren, bei Berathnng jener Entwürfe das Interesse einer sichern und unbebinderten, das allgemeine Wohl wirksam schützenden Ausübung der Rechtspflege im Ange behalten werden. Die verbündeten Regierungen dürfen hoffen, daß der Reichstag dem, was in der soeben bezeichneten Richtung für unerläßlich gehalten worden war, seine Zustimmung nicht wird versagen wollen. Die in der vorigen Session beschlossene Verlegung des Etatsjahres für den Reichshaushalt macht die Feststellung eines besonderen Etats für die Zeit vom l. Januar bis 31. März 1877 nöthig. Dieser Etat, bei welchem der des laufenden Jahres im Wesentlichen zum Anhalte gedient hat, wird Ihnen vor­gelegt werden. Beklagenswerthe Unfälle, von welcher deutsche Schiffe in neuerer Zeit häufiger als sonst betroffen worden sind, haben das Bedürfniß einer ge­schlichen Regelung des bei Untersuchung von See-Unfällen zu beobachtenden Verfahrens wachgerufen. Ein hierauf bezüglicher Gesetzentwurf wird Ihnen zugehen. Die auswärtigen Beziehungen Deutschlands entsprechen, ungeachtet der augenblicklichen Schwierigkeiten der Lage, Dem friedfertigen Character der Politik Sr. Majestät des Kaisers. Das angelegentliche Bestreben Sr. Majestät ist unabänderlich darauf gerichtet, gute Beziehungen mit allen Mächten und insbesondere mit den Deutschland nachbarlich und geschichtlich näherstehenden zu pflegen, und auch unter ihnen den Frieden, sofern er bedroht sein sollte, durch freundschaftliche Vermittelung zu erhalten. Was aber die Zukunft auch bringen möge, Deutschland darf sicher sein, daß das Blut seiner Söhne nur zum Schutze seiner eigenen Ehre und seiner eigenen Interessen eingesetzt werden wird. Der Druck, welcher auf Handel und Verkehr nicht blos in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Ländern schon seit geraumer Zeit lastet, ist Gegenstand der unausgesetzten Aufmerksamkeit der verbündeten Regierungen. Eine unmittelbare und durchgreifende Abhülfe liegt bei der Allgemeinheit der obwaltenden Uebelstände und nach der Natur derselben nicht in der Macht eines einzelnen Landes, wie lebhaft immer der gute Wille und die Bethätianng desselben bei Denen sein mag, die an seiner Spitze stehen. Wohl aber wird es als die Aufgabe der deutschen Handelspolitik zu betrachten sein, von der heimischen Industrie Benachtheiligungen abzinvenden, welche ihr durch die Zoll-