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Anlage zu Ar. 202 des Kießener Anzeigers, politischer Theis.
Deutschland.
Darmstadt, 28. August. Große Mißstimmung erregen allenthalben die Nachtheile, welche fast Jedermann durch die Verluste an den circulirenden Silbermünzen erleidet Zuerst brachten die holländischen Guldenstücke Verluste und jetzt erleidet der Kleinverkehr an den entwertheten österreichischen Gulden großes, Schaden, während eine Anzahl Bankiers erst durch die fässerweise Einfuhr dieser Münzsorten und jetzt wieder durch deren Rücksendung in die Hei- math beträchtlichen Nutzen zogen Es ist in der That hohe Zeit, daß diesem Uebelstande rasch abgeholfen wird, und Dies kann nur geschehen, wenn die Negierungen mit der Ausprägung der neuen Silbermünzen rasch vorgehen und die süddeutschen Gulden nicht eher einlöien, als bis neues Gold und Silber in genügender Menge in Umlauf gesetzt ist. Wir haben ja, um mit Manteuffel zu reden, heidenmäßig viel Geld im deutschen Reich, und doch kann kein Mensch den andern, ohne große Coursverluste zu erleiden, in courssähiger Reichsmünze bezahlen. Das ist denn doch ein arger Scandal, und hätten auch
'dieser wie in einer jeden anderen rein kirchlichen Sache die Competenz einer Anderen Behörde, als die des apostolischen Stuhles anzuerkennen, mir um des Gewissens willen unmöglich ist. Bad Salzschlirf bei Fulda, 1873. Christoph Florentius, Bischof von Fulda.
Braunschweig, 28. August. Der Obergerichts-Präsident Triebs ist heute von Sibyllenort nach Genf abgegangen, beauftragt, die Rechte des Herzogs Wilhelm auf die Hinterlassenschaft seines Bruders zu wahren.
Negensburg, 29. August. Gestern Abend 7y2 Uhr traf der Deutsche Kaiser, von Salzburg kommend, Hierselbst ein. Die dicht mit Menschenmassen bedeckten Straßen von Stadt a. Hof und Regensburg waren reich beflaggt. Der Kaiser nahm, wie gewöhnlich, Absteigequartier im Gasthof zum „Goldenen Kreuz." Heute früh 9 Uhr erfolgt die Weiterreise.
Utrecht, 28. August. Die auf heute anberaumie Wahl eines neuen jansenistischen Erzbischofs wurde verschoben, weil das Wahlcapitel über den zu Wählenden sich nicht einigen konnte.
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die Regierungen jedenfalls bessere Vorkehrungen treffen sollen, um die Nachtheile, welche der Uebergang zu einem neuen Münzsystem mit sich bringt, abzuwenden vder wenigsten zu mildern. (Hess- Volksbl.)
Berlin, 27. August. Wie die „Deutschen Nachr." melden, ist in der Ausführung des neuen Münzgesetzes eine, wenn auch nicht unerwartete Schwierigkeit in so fern zu Tage getreten, als der für die neuen Scheidemünzen erforderliche Nickel nur mit großer Mühe zu beschaffen ist. Die deutsche Regierung hat 11/2 Millionen Pfund Nickel, deren sie bedarf, das Pfund zu fünf Thaler, größtentheils bei englischen Geschäftsleuten bestellt. Norwegen, das Land, welches den meisten Nickel besitzt, hat doch nur vier Nickelwerke, Schweden hat deren zwei, von denen eins in die Hände eines Berliner Consornums tibergegangen ist. Außer in diesen beiden Ländern findet sich Nickel nur noch in Nord-Amerika, doch ist der dortige Gehalt sehr gering. Der Nickelbau ist an sich übrigens ungemein mühsam, was schon daraus erhellt, daß auf etwa iOO geförderte Tons etwa 2 Tons Nickel kommen.
— Die Ausrüstung der preußischen Cavallerie wird in Zukunft noch mehrfache Ergänzungen erfahren. So soll dieselbe nicht nur mit Dynamitpatronen, sondern auch mit Schraubenbrechern und Schraubenschlüsseln zur Abnahme und Zerstörung von Eisenbahnschienen versehen werden und ferner Hebel- bohrer und eiserne Klammern zum Erklettern der Telegraphenstangen behufs Abnahme der Leitungen erhalten.
— Heute Morgen fand aus dem Tegeler Schießplatz ein Versuchsschießen mit dem verbesserten Mauser-Gewehr (Modell 71) statt, welches ganz vortreffliche Resultate lieferte. Auf eine Distanz von ungefähr 1500 Meter ergaben sich von 480 Schuß 299 Treffen gegen fünf hinter einander aufgestellte Scheiben, auf eine Distanz von 1400 Meter kamen auf 480 Schuß 460 Treffer.
Königsberg, 28. August. Der am 2. September stattfindenden Nationalfeier halber beschloß das Vorsteheramt der Kaufmannschaft, wie die „Hartung'sche Zeitung" meldet, an diesem Tage die Börse auszusetzen. — Die Cholera-Epidemie ist seit einigen Tagen im Steigen, die Durchschnittszahl der Erkrankungsfälle betrug gestern und heute 70.
Posen, 28. August. Der Erzbischof Ledochowski, welcher in dem heutigen Audieuztermin vor der Criminaldeputation des Kreisgerichts nicht erschienen war, wurde in contumaciam wegen der gesetzwidrigen Anstellung des Geist tichen Arndt in Filehne zu 200 Thalern Geldstrafe verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte mir Rücksicht auf die schroffe staatsfeindliche Haltung des Angeklagten 500 Thaler, event. 4 Monate Gefängniß beantragt. — Wie die „Ostd. Ztg." aus sicherer Quelle bestätigend mittheilt, hat der Erzbischof beschlossen, die Anstellung der in diesem Jahre geweihten Priester ohne Rücksicht auf die Kirchengesetze bis zum 1. September durchzuführen.
Marburg, 28 August. Gestern Abend zwischen 8 und 9 Uhr entlud sich über hiesige Stadt ein schweres Gewitter. Starke Hagelkörner fielen nieder; jedoch nur wenige Minuten lang, und der Blitz schlug in zwei Gebäude ein, erst in die neu und massiv erbaute Jäger-Caserne durch das Fenster in das Zimmer eines Sergeanten, ohne denselben zu verletzen und ohne zu zünden, und kurz darauf in das Wohnhaus einer in der Nähe des Schlosses gelegenen Gartenwirthschaft, den sog. „bunten Kitzel", in dessen Saal in der Regel die Studenten-Paukereien stattfinden, und setzte dieses Gebäude in Flammen. Da wegen der hohen und isolirten Lage desselben Wasser nur äußerst schwierig dahin zu schaffen war, so konnten keine Spritzen angewandt werden und mußte die Löschmannschaft deshalb ihre Thätigkeit auf Rettung der Mobilien und Niederreißen des brennenden Gebäudes beschränken.
Fulda, 26. August. Der Bischof Kött hat bekanntlich auf die Vorladung vor das Kreisgericht wegen Uebertretung des Gesetzes über die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen ablehnend geantwortet, worauf das Gericht in contumaciam zu verfahren beschloß. Das Antwortschreiben des Bischofs hat nach der „Presse" folgenden Wortlaut:
Dem königlichen Kreisgericht, Abtheilung für Strafsachen zu Fulda, erlaube ich mir, in Erwiderung auf die Verfügung vom 16. d. Mts., ergebenst mitzutheilen, daß ich mich nicht veranlaßt sehen kann, der Vorladung Folge zu leisten, indem ich dem Staate und seinen Organen, gestützt auf mein gutes Recht, dle Competenz in dem vorliegenden Falle absprechen muß. Die meinerseits vorgenommene canouische Institution des Pfarrers Helferich zu Dipperz uud des Domcaplans Weder zu Fulda charakterisirt sich lediglich als ein kirchlicher Act, zu dessen Vollziehung ich in meiner Eigenschaft als approbirter Diöcesan-Bischof nicht allein berechtigt, sondern vornehmlich auch verpflichtet bin. Unter höflicher Bezugnahme auf die auch von mir aus innerster Ueber- zeugung unterzeichnete Collectiv-Eingabe des gesummten preußischen Episcopats tut das hohe Staatsministerium vom 26. Mai d. I. betone ich daher, daß in
Wien, 26. August. Die Ultramontanen scheinen wieder jene Prügeltaktik aufzunehmen, die sie in den letztverflossenen Jahren in Ober-Oesterreich, Steiermark und Tvrol mit wechselndem Glücke zur Anwendung gebracht haben. Diesmal ist der Schauplatz der katholischen Excesse das im südlichen Theile Mähxens gelegene Kallendorf. Nach dem der „Deutschen Ztg." zugegangenen telegraphischen Berichte überfiel eine Bauernrotte, der die Predigt des hochwürdigen Pfarrers Stara die Waffen in die Hände gedrückt, die Liberalen, welche eine Volksversammlung veranstaltet hatte.,, und brachte ihnen eine Katzenmusik. Der Pöbel ließ sich weder durch die Autorität des Regierungs-Com- missars noch durch das Einschreiten der Gensd'armerie in seinem gottseligen Beginnen stören und ging bereits zu Thätlichkeiten über, deren Fortsetzung nur durch Schluß der Versammlung hintan gehalten werden konnte.
5chmeiz.
Genf, 28. August. Der Große Rath hat das Gesetz über den katholischen Cultus mit Abänderungen im liberalen Sinne in dritter Berathung angenommen.
Frankreich.
Paris, 27. August. Der „Moniteur" sagt, Bayern habe die Abberufung des Kanzlers der französischen Gesandtschaft in München verlangt, und zwar wegen der heftigen Sprache, welche derselbe über die das Lied von Mac Mahon spielenden Badenser geführt habe.
— Von 2200 Wählern haben 1600 die Entlassung des Ministers Broglie aus dem Generalrath des Eure-Departements verlangt. Die betreffende Pe- tion wurde ihm beim Präfecten-Diner überreicht.
— Laut „Gaulois" soll der Prozeß Bazaine's jetzt in Versailles stattfinden.
— Wie „Bien Public" wissen will, hätten die Royalisten, falls die Fusion nicht gelingen sollte, die Absicht, den Herzog von Aumale zum Präsidenten der Republik zu ernennen, und diesen so lange im Amte zu halten, bis Chambord tobt sei (!), um alsdann den Grafen von Paris als legitimen Nachfolger auf den Thron zu berufen
Spanten.
Madrid, -8. August. Ein Bevollmächtigter der Regierung ist gestern nach Alicante abgegangen, um mit den britischen Behörden den Ort festzusetzen, wo die im britischen Besitz befindlichen spanischen Fregatten der Madrider Negierung znrückgegeben werden sollen. Der Post- und Packetschiffsdienst zwischen Santander und Bayonne beginnt heute wieder. — General Martinez Campos rückt Cartagena näher. — Der Admiral Lebo ist mit einer Flottille nach Port-Mahon in See gegangen.
Madrid, 29. August. Der „Correspondencia" zufolge würde die Einlösung der fälligen Schutzcoupons im September beginnen und heute eine Berathung des Schatzgläubiger-Syndicats bei dem Finanzminister stattfiuden. — Die Insurgenten-Fregatte „Numancia" ist heute nach Cartagena zurückgekehrt. Man hofft, die inländischen Schiffe werden ein Wiederauslaufen nicht gestatten. — Admiral Lobo ist mit der Flottille nicht nach Port Maadn, sondern nach Gibraltar in See gegangen. — Der Angriff auf Cartagena sollte heute beginnen.
Jliißlnnö.
Petersburg, 28. August. Die Cholera ist dem Vernehmen nach auch hier, obschon bisher nur in sehr mäßigem Grade, zum Ausbruch gekommen.
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9tew - Uork, 26. August. Amerikanische Zeitungen bringen ausführliche Nachrichten über das große Treffen, welches zwischen den Pawnees und den Sioux stattgefunden hat. Die Pawnees, welche 300 Mann stark waren und mit Frauen, Kindern und 600 Ponies der jährlichen Büffeljagd im Republi- can Valley in Nebraska oblagen, wurden von 1500 Sioux unter Befehl von „Jung Fleckschwanz" überrascht. Während die Uebersallenen nur mit Bogen, Pfeilen und Revolvern bewaffnet waren, hatten die Sioux sich mit vorzüglichen Henry-Gewehren versehen. Die Sioux begingen die schauderhaftesten Grausamkeiten, scalpirten die Weiber, tödteten die Kinder, indem sie dieselben erdolchten und dann in's Feuer warfen. Der Kampf dauerte zehn Stunden und erstreckte sich über 25 Meilen. Die Pawnees verloren 100 aus ihrem Stamme, darunter ihren Häuptling mit Weib und Kind.
Acht japanesische Juristen befinden sich gegenwärtig in San Francisco, wo sie eine Jnspectionsreise durch die Gerichthöfe u. s. w. machen.


