kehr in der engen Metzgergasse und oberhalb des Uhrthurms freizuhalten; einzelne Krakehler wurden verhaftet. Nach dreimaliger Aufforderung seitens des königl. Polizei-Commissärs Magnus, die Straßen zu räumen, säuberten die berittenen Gensd'armen mit flachen Hieben und auf die Menge einreitend die obere Marktstraße"]
Wiesbaden, 29. April. Die Ruhe ist wieder hergestellt. 28 Personen wurden verhaftet. Einige Mann sind schwer verletzt. Die Vernehmung der Verhafteten hat begonnen. Zu Demolirungen kam es jedoch nicht; namentlich sind keine Bierwirthschaften, sondern nur Bäckereien betroffen.
Aus der Nheinpfalz, 25. April. Die „Allg.Ztg." schreibt: „Die Deputation pfälzischer Tabakbauer und Tabakhändler, welche sich nach Berlin begeben hatte, um dort in den Kreisen des Bundesraths und Reichstags Vorstellungen gegen die Erhöhung der Tabaksteuer zu machen, ist von da mit der tröstlichen Ueberzeugung zurückgekehrt, daß nach den ihr gewordenen Ausschlüssen über die Ansichten der maßgebenden Kreise an eine Aenderung in Bezug auf diese Steuer nicht zu denken sei. Die Freude darüber ist in der Vorderpfalz, wo der Tabakbau nicht etwa blos für die großen Landwirthe, sondern namentlich auch für eine Menge kleiner Leute ein lohnender Erwerbszweig ist, begrerf- licher Weise sehr groß."
lldleiTcidj.
Prag, 24. April. Die „Politik" äußert: „Wir feierten gestern ein Jubiläum, das in seiner Art wohl noch nicht vorgekommen sein mag. Es war nämlich das Jubiläum der hundertsten Confiscation seit Beginn der Regierungsära Auersperg-Unger."
8chmeiz.
Basel, 29. April. Die „Vasl. Nachr." melden: Letzte Nacht starb in Bern an der Brustfell-Entzündung der Nationalrath Professor Walter-Mun- zinger, Bruder des Afrika-Reisenden Munzingcr Bey und bekannt in Deutschland als hervorragender Jurist und Vertreter der schweizerischen Altkatholiken am Münchener Kongreß.
Frankreich.
Paris, 26 April. Die Räumung Belforts beginnt am 25. Mai und wird am 26. Juli beendet sein. Während dieser Zeit geht alle zwei Tage ein Zug mit Kriegsgeräth ab. - Thiers fuhr heute um 11J/2 Uhr nach Versailles. Olozaga, der mit ihm vorher eine Unterredung hatte, soll ohne alle neuen Nachrichten aus Madrid sein. — Die Betheiligung an den Wahlen wird groß sein. Gestern Abend waren schon 40,000 Wahlkarten mehr abgegeben als bei den letzten Wahlen. Alle Parteien machen eine letzte Kraftanstrengung für ihre resp. Candidaten. Die Aufregung ist ziemlich groß, aber Ruhestörung keineswegs zu befürchten. Ueber eine Million Stimmzettel mit Barodet sind bereits vertheilt worden. Thiers' Abreise nach Lille ist jetzt auf den nächsten Dienstag festgesetzt. — Der Deputate Graf Auberjon ist in Toulouse gestorben.
Versailles, 27. April. Marschall Bazaine ist wieder einmal krank, diesmal läßt ihn kein Blatt sich vergiftet haben, Halsentzündung oder rheumatische Gliederschmerzen beherrschen den großen Marschall. Die bonapartistische Presse mag ganz Recht haben, wenn sie das Leiden Bazaine's auf den ungesunden Aufenthalt, der jetzt für ihn gewählt worden ist, zurückführt. Wir möchten dazu bemerken, daß man gerade kein Marschall zu sein braucht, um die Gesänguißluft nicht vertragen zu können.
— Der Marschall Mac Mahon hat angeordnet, daß drei Unterofficiere von jedem Bataillon den Telegraphen - Bureaux beigegeben werden sollen, um das Telegraphiren zu erlernen und für die Feldtelegraphie ein geeignetes Personal zu bilden. Im Artillerie-Departement herrscht die rührigste Thätigkeit; zu Bourges werden neue Versuche mit der Woolwichs-Kanone gemacht. Der Kriegsminister will die neue Uniform der Husaren wieder ändern; man findet die weißen Tressen an derselben unbequem, weil sie so schwer rein zu halten sind. Die Militarisirung des Personals der Eisenbahnen soll jetzt praktisch in's Werk gesetzt werden. Man hat gefunden, daß dieses Personal sich auf mehr als 110,000 Mann beläuft; man will nun daraus Bataillone bilden und die höheren Beamten sollen Osficiere derselben werden Die Ingenieure, Zugführer, Stationschess, Locomotivführer rc. sollen die Cadres bilden. Man legt dieser Organisation in den höheren Militärkreisen eine große Wichtigkeit bei
Dlalien.
Rom, 24. April. Die clericalen Zeitungen fallen in die gewohnte Aufschneiderei zurück, wenn sie behaupten, die Gesundheit des heil. Vaters sei vollkommen wieder hergestellt, nachdem sie früher die Unverschämtheit gehabt hatten, seine Krankheit in Abrede zu stellen. Als genesen kann man Pius IV. nicht betrachten, vielmehr ist seine Krankheit in ein chronisches Stadium eingetreten , welches noch längere oder kürzere Zeit, je nach seiner Lebenskraft, andauern kann. Allerdings steht Pius jetzt vor Mittag auf und bleibt vier bis fünf Stunden außerhalb seines Bettes, gibt auch Audienzen, wobei aber sein sehr verändertes Aussehen auffällt. Aber die Eiterung dauert in einem Maße fort, welche auf eine starke Zersetzung des Blutes schließen läßt.
Spanien.
Madrid, 26. April. Die Nachricht, daß Don Alfonso.am 23. d. mit seinem Generalstabe auf französisches Gebiet geflüchtet und daß die Bande von Saball's gesprengt sei, kam zuerst in einem Telegramm des Militär-Comman- danten von Manresa. Am 24. d richtete der Generalhauptmanu folgende Tagesordnung an die catalonische Armee:
Soldaten! Don Alfonso de Bourbon ist gestern um 7 Uhr Morgens nach Frankreich übergetreten. Saball'ö befindet sich auf der Flucht. Die Don, ihm commandirtc Bande ist gesprengt. Dieses Resultat verdankt man der Haltung der Armee, welche den Weg der Ehre und der Disciplin wandelt, und der unermüdlichen Verfolgung der carlistischen Bauden. Fahret fort zu gehorchen. Eure Chefs werden Euch alle auf die Bahn des Sieges führen! Wir werden alle zur Befestigung der Republik beitragen.
Ueber die diesem Erfolge vorausgehenden Umstände erfährt man: General Velarde war den 23. d. in Ripoll und nahm die energischsten Maßregeln, um dem Carlistenwcsen ein Ende zu machen. Alle Meiereien und Landhäuser in
Iden Bergen mußten geschloffen werden und die Bewohner sich in die Städte zurückziehen. Saball's hatte sich seine Bande in zwei Haufen getheilt. Der carlistische Officier Glass, ein Engländer, so berichtet man aus Perpignan welcher unlängst verhaftet wurde, ist nach Calais abgereist. Einer lcgitimisti- schen Zeitung zufolge hätte Herr Glass den Generalsecretär der Präfectur durch Huissier zur Zahlung einer Entschädigungssumme von 100,000 Frcs. für den Schaden, der ihm aus seiner Haft entstanden sein soll, belangt.
9Jtabrib, 26. April. Am Mittwoch sind die Carlisten in mehreren Treffen geschlagen worden. In einem einzigen verloren sie mehr als hundert Verwundete.
— Man spricht von einem Ministerwechsel: Figueras, Pi y Margall und Castelar würden bleiben und verschiedene vorgeschrittene Föderalisten, wie Contreras , Estebanez, Garcia Lopez rc., neu eintreten.
England.
Plymouth, 27. April. Der Dampfer „Tasmanian" überbrachte 686,919 Dollars. Derselbe brachte zugleich Nachrichten, wonach zu Mendoza in La Plata am 20. und 21. März ein Erdbeben stattgefunden hat und die Zerstörung von San Salvador sich bestätigt. Die Erderschütterungen in letzterer Stadt und deren Umgegend währten vom 4. bis zum 19. März. Die benachbarten Städte litten ebenfalls beträchtlich. — Der Congreß von Peru bewilligte eine Summe zur Heranziehung europäischer Lehrer.
Rußland.
Petersburg, 25. April. Der Kaiser Alexander wird dem Kaiser Wilhelm in Gatschrna entgegenkommen. Festlichkeiten sind beabsichtigt: 27. April Familientafel im Winterpalais, 28. April Familientafel beim Großfürsten Thronfolger, 29. April Gala-Empfang, Militärparade und Familieudiuer im Wiuterpalais, Abends Zapfenstreich, 30. April Mittagstafel im Winterpalais und Ball in der Eremitage, 1. Mai Mittagstafel in Peterhof und Ball im Adelsclub, 2. Mai große Truppen-Revue und Abends Gala-Schauspiel für Militär, 3. Mai Lustfahrt nach Zarskojeselo, woselbst Mittagstafel, 4. Mai Parade des Kaluga-Regiments und Gala-Mittagstafel, 5. Mai Familientafel beim Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, Abends Ball beim Großfürsten Thronfolger, 6. Mai Militär Uebungen der Regimenter, deren Chef er ist, 7. Mai Rasttag.
Lokal-Notiz.
Gießen, 30. April. In den Sitzungen des Gcmeinderaths vom 10., 17. und 21. April d. I. wurde der Voranschlag der Stadt Gießen für da« Jahr berathen und der Gesammt- betrag der Einnahmen und Ausgaben auf 290,751 fl. 571, kr. abqeschlossen. Als Hauptvosten erscheinen in demselben:
A. Einnahm e.
1) Kasscvorrach nach der 1871er Rechnung 37492 fl. 30'4 kr., 2) Pacht von verliehenen Gütern 2931 fl., 3) Erlös für Gras 5975 fl. 9 kr., 4) für Holz- und Nebenbenutzungen aus dem Stadtwald 44934 fl. 44 kr., 5) Octroi 31681 fl, 6) Schulgeld aus sammtlichcn Schulen der Stadt 13034 fl., 7) neu aufzunehmende Kapitalien für den Neubau von Strüßen und für den Realschulbau 91000 fl., 8) Umlage auf das Gesammtsteuerkapital 48000 fl.
B. Ausgabe.
1) Landessteuer 1485 fl. 12 kr., 2) Kapitalzinsen 25685 fl 6' ? kr., 3) an Holzhauer- lohn und Culturkostcn 10676 fl., 4) an Kosten für Schulhäuscr und Schulen 7080 fl., 5) für Unterhaltung der Straßen, Brücken und Wege 6067 fl., 6) für Straßenbeleuchtung 5000 fl., 7) für Wasserleitungen und Brunnen 4366 fl., 8) für Octroiverwaltung und Rückvergütung 3572 fl., 9) für Unterstützung Hülfsbedürftigcr 6325 fl., 10) für Besoldungen sämmtltcher Diener der Stadt 50022 fl., 11) an Pensionen 1704 ft., 12) an zu tilgenden Passivkapitalien mit Rücksicht auf den Schuldentilgung-plan 17175 fl., 13} für den neuen Realschulbau, welcher 1873 theiiweise ausgeführt werden soll, sowie für dazu anzukaufendes Gelände als Bauplatz 49505 fl., <4) für den Neubau von Straßen 43351 fl.
Das Gesammtvermögen der Stadt berechnet sich auf 1,612,748 fl. 43 kr. Die Schul den betragen 567796 fl. 58'/-. kr.
Vermischtes.
Darmstadt, 21. April. Dieser Tage wurde hier folgendes Gcschichtchen erzählt: Ein Junge sollte Abends nach 9 Uhr noch Wecke holen, fand indessen den Bäckerladen bereits geschlossen; das hatte aber gar Nichts zu sagen, denn der Bäcker schob dem Jungen die Wecke durch's Schlüsselloch zu. Das Geschicktchcn zeugt jedenfalls von einer Art Galgenhumor, denn bei den immer kleiner werdenden Wecken dürfte ein so unwahrscheinlicher Fall immerhin einmal möglich werden. — Bei dieser Gelegenheit fällt uns ein guter Witz unseres trefflichen früheren Komikers Kronfeld ein, der s. Z., als die Wecke ebenfalls sehr klein waren, sich 2 Wecke al- Vörstecksnadeln fassen ließ.
Trier, 23. April. Die Tr. Ztg. schreibt: „Wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgr- theilt wird, hat sich vorgestern auf der Strecke von Dicdenhofcn und Luxemburg ein gräßliche- Gsenbahnunglück ereignet. Eine von der Station abgelassene leere Locomotive stieß in einer Curve auf einen daherkommcnden Passagierzug mit solcher Gewalt, daß dieser sofort entgleiste, die Waggons zum größeren Theil zertrümmert wurden und in Folge dessen die darin befindlichen Paffagiere die schrecklichsten Verstümmelungen erlitten haben. Zerbrochene Arme und Beine, so wie die gefährlichsten sonstigen Contusioncn waren ein nur zu häufiges Vorkommniß. Der eine Loeomotivführer hat beide Arme und Beine gebrochen, der Zugführer ist ebenfalls verwundet, und die Zahl der verstümmelten Passagiere soll 40 übersteigen."
Rostock, 21. April. Der Senator l)r. Wendt hat die ihm angetragene Professur als Rechtslchrer an der Universität Gießen zu Michaelis d. I. angenommen.
Jülich, 23. April. Wie weit die derartige Zersplitterung des Civilrcchts in Deutschland geht, mag ein vereinzeltes Bespiel illustrirev, welches die deutsche Ztg. der bayerischen Statistik entnimmt: „Durch Decret des Appellationsgcrichts von Mittelfranken, 28. April 1837, wurde ausgesprochen, daß in der Hälfte des Hauses Nr. 10-< in Gollhofen limburgisches, in der anderen Hälfte würzburgisches Recht gelte. Ueber die Frage, welches Recht in den Häusern Nr. 23 und 24 zu Dambacb, dem Hause Nr. 137 in Obernbreit, in dem Hause Nr. 20 in Was- sercrbendorf, in dem Hause Nr. 9 in Ermreuth gelte, waren die Gerichte weitläufige Untersuchungen anzustellen genöthigt, und es wurde zum Theil in dritter Instanz darüber gesprochen. Dagegen haben die bisherigen Untersuchungen noch kein bestimmtes Resultat darüber ergeben, welches Recht in Hausnummer 3 und 7 in Frickendorf, Hausnummer 5 in Himmerstall, Hausnummer 5 in Neundorf, Hausnummer 5 in Enzlar gelte, und so in zahlreichen anderen Fällen. Das Recht des Deutschen Ordens in der Ballai Franken gilt nach Veißl'S Statistik für eine Bevölkerung, die etwa 12,500 Einwohner beträgt. Diese Bevölkerung ist in 17 Landgerichten in Mittclfranken, 3 in Schwaben und 1 in der Oberpfalz zerstreut, und in einem Landgericht gilt dieses Civilrecht nur in einem Hause, in einem anderen in drei Häusern. Dabei ist dieses angebliche „Recht" jetzt auf wenige kaum ncnnenswerthe Rcchtssätze reducirt und hat in dem einen Theil der Landgerichte das gemeine Recht, in dem anderen das preußische Landrecht als subsidiäre Rechtsquelle. Diese Duplicität des subsidiären Rechts nach Gegenden sinder sich noch bei sieben qnderen in Bayern geltenden (Statuten, nämlich Bamberg, Würzburg, Eichstädt, Nürnberg, Eastell, Schwarzenberg und Papvenhcim. In diesen Rechtsgebictcn, welche ursprünglich dem Bereiche des gemeinen Rechts ausschließlich angebörtcn, giebt es einzelne, theils größere, theils kleinere Bezirke, in welcbcn das preußische Landrecht an die Stelle des gemeinen Rechts als subsidiäres Recht getreten ist. So gilt in dem Gebiete des Nürnberger Rechts mit einer Bevölkerung von 142,000 Einw. für 68,0' 0 Einw., in dem Gebiete des Eichstädter Rechts mit einer Bevölkerung von 62,000 Einw. für 19/>00 Einw., daS Preußische Landrecht, für die übrigen das gemeine Recht als subsidiäres Recht. Ja, cs giebt sogar einen kleinen Bezirk, in welchem das Preußische Landrecht die subsidiäre Quelle des bayerischen Landrechts bildet "
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