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nehmigl habe, und siehe da! die gegenwärtigen deutschen Bischöfe, welche nunmehr so Eins sind mit dem Papste, daß dieser sie betrachtet alsein Schauspiel für die Welt, für die Engel und für die Menschen, bewaffnet mit dem Panzer der katholischen Wahrheit", sie haben am 20. September 1872 in einer officiellen Denkschrift ihre vermeintlichen Rechte gegen und über die (5e^ setze hergeleit.t aus eben demselben westphälischen gruben, in welchem sie den unverrückbaren reügiöö-kirchlichen Rechtszustand Deutschlands anerkennen, d. h. also alle feine kirchen-politischen Bestimmungen, welche die Päpste mehr als zwei Jahrhunderte hindurch so eifrig verdammten! Und noch mehr ,! Pius IX. hat am 22. Juni 1868 die österreichischen Staatsgrundgesetze als abscheulich und als einen in der That unaussprechlichen Greuel verurtheilt und für un­gültig und nichtig erklärt, unter Drohungen gegen Alle, die dazu mitgewirkt, und im Jahre 1873 hat derselbe Papst, um den Minister Stremeyr in seiner staatsmännischen Klugheit zu beiiegeu, den Jesuiten zu Jnitsbruck er­laubt, sich durch einen Recurs zu verpflichten, den abscheulichen, unaussprech­lich greuelhaften Gesetzen den Gehorsam zu leisten.

Was die Encyclica von unserem erhabenen Kaiser, dessen wir mir mit Danksagungen gegen Gott gedenken können, der erstaunten Welt sagt, ist so schnurgerade aller Wirklichkeit, Wahrheit und Gerechtigkeit zuwider, daß Pie­tät auf der einen und Schonung auf der andern Seite uns Stillschweigen hier auferlcgen.

Schweigen darf ich aber nicht über die grundlosen Angriffe gegen die v o rvaticauische katholische Kirche, der wir dem Glauben der Väter getreuen Katholiken anzugehören in Gott uns freuen, der wir den Frieden mit unferm Gewissen verdanken, in welcher wir Hoffnung haben für das ewige Leben.

Die Anklage derLächerlichkeit" widerlegt sich durch den bitteru Ernst der Encyclica selbst.

Wenn uns nun ferner,so viele ungeheuerliche Jrrthümer (tot erroris monstrosi) gegen die Hauptprincipien des katholischen Glaubens" vorgeworfen werden, so bedauere ich, daß nicht ein einziger Jrrthum genannt wird. Der Hauptprincipien des katholischen Glaubens (praecipua catholicae fidei prin- cipia) sind aber, wie sie noch das Concil von Trient anerkannt hat, zwei: das erste ist die Schriftauslegung nach dem christlichen Gemeingeiste aller Jahr­hunderte und insbesondere nach der einstimmigen Auffassung der Väter, wo solche vorhanden ist; das zweite ist das berühmte katholische Traditionsprincip, welches Tertullian entwickelt und Vincenz von Lerin so deutlich gefaßt in den Worten:was immer, was überall und was von Allen geglaubt worden", nur dieses nämlich kann Dogma sein ; welches Traditionsprincip das Trien­ter Concil dann noch schärfer formulirt und Möhler so geistvoll erläutert hat. Diese Hauptprincipien des katholischen Glaubens hat der Papst im Jahre 1870 auf dem vatikanischen Concil unter Klagen und zu den Urkunden uiedergesetzten Protesten von mehr als 100 Bischöfen umgestoßen, mit Füßen getreten und hernach die Widerstrebenden wie eine willenlose Heerde über die zertretenen hin weggetrieben. Denn gegen den Gesammtsinn der Kirche, nachweisbar während eines Zeitraums von anderthalb Jahrtausend, und im offenen Widerspruch gegen die übereinstimmende Deutung der Väter hat er eine berühmte Schrift­stelle (Luc. 22, 32), die von der persönlichen Betätigung der Glanbensgesin- nuug des Apostels Petrus handelt, dahin verdreht, daß sie ein göttliches Privilegium für die Bischöfe von Rom weissage und enthalte, welches darin bestehe, daß diese unfehlbar und mühelos in Glaubens- und Sittenlehren nach eigener Grenzbestimmnng allezeit und zu jeder Stunde, im Bewußtsein, die Universalhirten der ganzen Christenheit zu sein, die Wahrheit, ohne die Zu­stimmung der Kirche zu sagen vermöchten! Und die Tradition, das andere Hauptprincip des katholischen Glaubens, verachtete er also, daß er sich selbst an ihre Stelle setzte, die Bischöfe der größten Diöcesen der Welt unter Pro­test vor der feierlichen Concilssitzung abreiseu ließ und am 18. Juli 1870 das­jenige, was nach dem wiederholten Zeugnisse der gelehrtesten und mächtigsten Bischöfe weder immer noch auch in der Gegenwart überall und von Allen ge­glaubt wurde, zum Dogma erklärte. Erst nach Beseitigung dieser Haupt­principien des katholischen Glaubens wurde es möglich,die ungeheuerlichen Jrrthümer" des 18. Juli 1870 auszusprechcn und mit Gewalt den Christen aufzudrängen.

Aber der Papst spricht auch vonso vielen Sacrilegien", welche in um ferm Gottesdienste verübt würden. Hätte er Gelegenheit, unferm Gottesdienste beizuwohnen, er würde einer Andacht begegnen, wie er sie in St. Peter nie erlebt. Sacrilegium verübt nicht, wer beharrend in der Wahrheit der Lehre Jesu Christi am Altäre steht. Paulus beging fein Sacrilegium in seinem Got­tesdienste, weil er dem Petrus, da er zu tadeln war, indem er nicht festen Fußes nach der Wahrheit wandelte, in's Angesicht widerstand (Gal. II, 1114.) Aber sacrilegisch stehen am Altäre diejenigen, welche ihre Auctorität mißbrau­chen, um durch Vorenthaltung der Sacramente und durch Nachtheil an der Habe und der Ehre die Gläubigen zu zwingen, statt der Wahrheit die Lüge als Gottes Wort zu bekennen, und Diejenigen, welche selbst am Altäre mit dem Munde bekennen, was der innere Mensch verwirft. Freilich, die Lehre der römischen Curie ist eine andere. Während das ganze christliche Alter- thum lehrte, daß die ungerecht verhängten Strafen der kirchlichen Oberen auf deren eigenes Haupt kommen, herrscht jetzt in der Hierarchie Roms das in der Bulle Unigenitus vom Jahre 1713 zur Geltung gebrachte unsittliche System, wonach der Untergebene aus Furcht vor der angedrohten Excommunication mit klarer Erkeuntniß seine Pflicht nicht erfüllen, d. h. Sünde thun und die er­kannte Wahrheit preisgeben soll (num. 91 und 92.) Darnach hat man daun die gottesdienstliche Handlung jedes auch mit noch so himmelschreiendem Unrecht suspendirten oder excommunicirten Priesters fürsacrilegisch" ausgegeben. Aber Gottes Wohlgefallen ist an die Behauptungen der römischen Curie nicht gebun­den. Athanasius der Große fühlte seine priesterlichen Functionen nicht gefesselt, als der Papst von Rom und gegen 600 Bischöfe ihn excommunicirten, weil er die Gottheit Christi nicht leugnen wollte.

Dieso zahlreichen Aergemiffe schwerster Art" (tot gravissima scan- dala) unddas Verderben so vieler durch das Blut Christi erkaufter Seelen", derer nämlich, welche aus Furcht vor der ungerechten Excommunication und aus andern Besorgnissen der Stimme ihres Gewissens nicht folgen, fallen auf das Haupt jener, welche die Verfassung der Kirche gebrochen, den alten Glauben gefälscht, die Hauptprincipien des katholischen Glaubens umgestoßen haben und deren Rede zu dem Volke Ja uud Nein geworden ist. Und hier­mit weise ich auch die Beschuldigung zurück, daß ichnotorisch vom katholi­

schen Glauben apostasirt fei Apostasie bedeutet übrigens bis dahin in der Kirchensprache nur den Abfall zum Heidenthum, Judenthum oder Muham- medanismns.

Pius IX. behauptet daun, es fei jüngst von mireine gottlose und äußerst unverschämte Schrift" veröffentlicht worden (scriptum impium et im- pudentissimum.) Von meinen Schriften kann Pins IX. ein Urtheil ans eige­ner Anschauung nicht gewinnen, da er die deutsche Sprache nickt versteht. Authentische (Übersetzungen in's Italienische sind nicht vorhanden. Wie darf er nun ex cathedra eine Schrift von mirgottlos und äußerst unverschämt" nennen ? Die Dolmetscher des Umfanges der päpstlichen Unfehlbarkeit sagen : der Papst ist auch in der Censur von Büchern unfehlbar, deren Sprache er nicht versteht; denn wenn er eine solche Schrift verurtheilt, so offenbart seine Unfehlbarkeit sich darin, daß er unfehlbar erkennt, daß seine Beamten ihm den Inhalt richtig mittheilen, von welckem Inhalte er nämlich nichts weiß I Nur Eine Schrift habe ich in diesem Jahre herausgegeben; sie führt den Titel:Die Lehre des heil. Cyprian von der Einheit der Kirche.' Außerdem sind nur Reden und ein Hirtenbrief von mir gedruckt worden. Der Papst scheint diesen letzteren zu meinen. Aber jene Schrift von der Einheit der Kirche, die gar nicht meine Ansichten, sondern einfach die Lehredes heil. Märtyrers Cyprian" enthält, des berühmten Bischofs von Carthago, um die Mitte des dritten Jahrhunderts, den der römische Clerus damals ebenso richtigBea- tissime ac gloriosissime PapaGlückseligster und glorreichster Papst" an- redete, wie Andere cen Bischof von Rom, der diesen Titel keineswegs allein führte, kennt man auch in Rom, die einzige von allen meinen Schriften, welche man, und zwar vor Kurzem, auf den Index gesetzt hat. Sie zeigt un­zweideutig, daß die in meinem Hirtenbriefe vom 11. August d. I. vorgetragene Lehre über die Jurisdictionsgewalt keine andere ist als die des heil. Cyprian. Und diese Lehre besteht darin, daß nur die Einzelkirche jedes Bischofs mit sei­ner Gemeinde eine juristische Einheit bilde, daß es keinen Universal-Bischof, keinen ..Bischof der Bischöfe", der Jurisdiction über diese hätte, gebe, und daß dies t7 nordafricanische Bischöfe zu Carthago auf einer Synode bezeugten, daß die Einheit der Gesammtkirche aber nur eine Einheit im Geiste, im Glau­ben und in der Liebe sei, indem jeder Bischof für seine Verwaltung keinem andern Bischöfe, sondern Gott allein (soll Deo) Rechenschaft schuldig sei, da er auch von keinem Andern die Jurisdiction empfangen habe, als von Gott. Diese Lehre besteht ferner darin, daß es keinen rechtmäßigen Bischof geben Imme, der nicht frei durch dasjenige Volk und denjenigen Clerus, dem er Bischof fein sollte, gewählt worden, und daß deshalb eben Novatian ein Ein­dringling sei, weil er sich zum Bischöfe von Rom auswerfen wolle, da doch vor ihm Cornelius durch die Mehrheit der Laien und Geistlichen der römischen Gemeinde legitim gewählt worden. Von einer Bestätigung der Bischöfe in der ganzen Kirche durch den Bischof von Rom weiß der heil. Cyprian abso­lut nichts.

Wenn also die Encyclica in verblümten Redensarten doch deutlich genug behauptet,die Anfangsgründe der katholischen Lehre schon machten es klar" (vel ipsa catholicae doclrinae rudimenta declarant), daß Keiner für einen le­gitimen Bischof gehalten werden könne, der nicht durch den Papst von Rom bestätigt sei, und dadurch von ihm einen Theil der in ihm vereinigten Univer- sal-Jurisdiction erhalten habe, so sind das falsche Anfangsgründe einer katho­lischen Lehre, die das christliche Alterthum nie gekannt hat. Ich weise darauf hin, und zwar wiederholt, mich berufend auf das Zeugniß der Kirchengeschichte, daß Milliarden Christen im Laufe der Jahrhunderte der Segnungen des Evau- geliums und der Erlösung sich erfreut haben, deren Bischöfe der Papst von Rom nicht einmal dem Namen nach je gekannt hat. Dieser hatte, zur Zeit als es noch gegen 6000 katholische, in der Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe, in der wahren Einheit stehende Bischöfe gab, von allen diesen nur eine kleine Anzahl in einem Theile von Italien als Patriarch zu bestätigen, eine größere Zahl aber der Pariarch von Alexandrien in seinem Patriarchate. Seine Macht über die abendländische Kirche hat er gegen das ursprüngliche Recht nur mit Hülfe der weltlichen Gewalt und unter stetigen Kämpfen mit den Bischöfen als der Stärkere erlangt. (Schluß folgt.)

Deutsch land.

Berlin, 26. Dccember. Das Befinden des Kaisers ist zufriedenstel­lend; die katarrhalischen Erscheinungen sind in stetiger Abnahme begriffen.

Berlin, 27. Dccember. Die katarrhalischen Beschwerden, an denen der Kaiser zu leiden hatte, haben abgenommen. Der Kaiser hat heute außer den Mitgliedern der königlichen Familie mehrere hochgestellte Militär-Personen und auch den Chef des Militär - Cabinets zu einem geschäftlichen Vortrage empfangen.

«franfuTtdj.

Versailles, 26. December. Bazaine ist gestern Abend 8 Uhr von hier abgereist und wird heute Abend aus St. Marguerite eiutreffeu.

Spanien

Madrid, 26. December. Eine Depesche des Generals Moriones mel­det , daß er seine Armee gestern Abend bei Santona ohne Zwischenfall ansge- chifft hat. Die Belagerungs-Armee vor Cartagena hat in das den Hafen beherrschende Fort San Julian Bresche geschossen und scheint die Einnahme desselben bevorzustehen. Der neu gewählte Gemeinderath ist suspendirt worden.

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