Gießen, am 24. December 1873.
Betreffend: Das Erscheinen eines der Tollwuth verdächtigen Hundes in Hausen und Garbentcich.
Das Groh6) c r mhj i i d) r Kreisamt Gießen an die Großher^oglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Nach Bericht Großh. Bürgermeisterei Garbenteich vom Heutigen hat sich gestern in Garbeitteich ein der Tollwuth dringend verdächtiger Hund gezeigt, und ist, nachdem er eine Frau und einen anderen Hund gebissen, nach Hausen gelaufen, wo er einen Knaben beschädigte. Von da ist er, ohne daß etwas Näheres über den Verbleib bekannt geworden wäre, entkommen. Wir fordern Sie daher auf, unverzüglich an uns zu berichten, sobald Ihnen etwas über das Vorkommen dieses Hundes, der von mittlerer Größe, dunkelbrauner Farbe ist, eine ausgeworfene Nase und kurze Ohren hat, bekannt wird.
v. Röder.
Gießen, am 23. December 1873. Betreffend: Servis - Liquidationen von einquartirten Truppen.
Das <6rai)I)rr;üijlid)t Kreissmt <6irI)en
an die Grolsher?oglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Insoweit die Quartierbescheinigungen von in diesem Jahr einquartirt gewesenen Truppen noch nicht eingesendet worden sind, bringen wir deren Vorlage unter Hinweisung auf unser Amtsblatt Nr. 15 vom 17 November 1869 mit dem Anfügen in Erinnerung, daß nach dem 16. k. Mts. einlaufende Bescheinigungen nicht mehr berücksichtigt werden können.
v. Röder,
politischer Lheil.
und die Kirche ist darüber nichr untergegangen. Der Vergleich mit der Ver
banden darin keine Gefahr für die Existenz der katholischen Kirche. Auch «sind die meisten und weitgehendsten dieser Rechte von den Päpsten selbst ^wiederholt in verschiedenen Ländern der Staatsregierungen zugestanden worden
Als Hauptursache alles Elends in der Welt betrachtet der Papst „die Freimaurer-Secten", sei es nun, daß sie diesen Namen führten oder andere; aus welchen Secten „die Synagoge des Satans sich bilde, welche gegen die Kirche ihre Truppen einübe, ihre Fahnen gegen sie entfalte und sie angreife." Je mchr Jemand von der heutigen Cwilisation und von der', treibenden Kräf-
scheinlicher, wie sehr der Wahrheit gemäß und mit Recht von Uns so oft erklärt und eingeschärft worden ist, daß die sacrilegische Usurpation Unserer weltlichen Gewalt vorzugsweise den Zweck habe, die Macht und Wirksamkeit des Primates des Pontifex zu brechen und schließlich, wenn's möglich wäre, die katholische Religion selbst zu vernichten." Allein es giebt noch eine andere Betrachtung der Dinge. Der Papst klagt also, er könne ohne „die Hülfstruppen und Werkzeuge" (praesidia et instrumenta), als welche die religiösen Orden ihm sich darböten, die Universalkirche nicht regieren. Darin hat er nach der
naturwüchsig aus der damaligen Zeit entstanden und nur künstlich zu Pflanzstätten von Ordensgeistlichen nachher umgeschaffen worden.
Pius IX. beschwert sich ferner darüber, daß die Schweizer Negierungen die Religionsfreiheit „gegen jede Norm der Gerechtigkeit und Vernunft" untergraben hätten, und erinnert sich nicht der von ihm unbeantwortet gelasienen aber urkundlich nie mehr verstummenden Klagen der ersten Bischöfe der Christenheit, daß auf dem vaticanischen Concil die Stimme der Gerechtigkeit und der Vernunft sich weder erheben dürfe noch könne; er wirft den Schweizern Vertragsbrüchigkeit vor, und doch ist es notorisch, daß in dem Handel mit Lachat und Mermillod der Vertragsbruch auf Seiten der Hierarchie war und daß die Päpste, was Pius IX. selbst documentirt hat, sich principiell an keinen Vertrag mit weltlichen Regierungen für gebunden erachten 1
Er tadelt die weltliche Obrigkeit, daß sie sich angemaßt, über Dogmen zu entscheiden, da diese doch ausdrücklich erklärt hat, sie urtheile nicht über die innere dogmatische Bedeutung der vaticanischen Decrete mit Beziehung aus Gottes Wort, sondern einzig und allein über die äußere Rechtsverbindlichkeit mit Bezug auf staatsbürgerliche Rechte.
Der Papst behauptet, die kirchenpolitischeu Gesetze in Preußen zielten auf den totalen Ruin der katholischen Kirche ab. Denn er schreibt: „Damit nichts fehle, wodurch die katholische Kirche gänzlich (penitus) unterdrückt werde" ; und wiederum: „Die neuen Gesetze haben den Zweck, zu bewirken, daß sie nicht existiren könne." Und er nennt sie „höchst grausam." Aber die gefeierten Kaiser Constantin d. Gr., Justinian und Karl d. Gr. haben nach allen Richtungen hin mehr Rechte, als diese Gesetze dem Staace wahren, über den Clerus und über die Bischöfe ausgeübt, und selbst die römischen Bischöfe
Resultat seiner mehr als 27jährigen Regierung als „Papst-König" gezogen hat.
Das Resultat ist nad) dem Bekenntnisse der Encyclica (Etsi in ulla) dieses: erstens hat der Papst den Kirchenstaat — sein Königreich von dieser Welt — auf immer verloren, und man darf erklärend hinzufügeli: durch die politische Unfähigkeit seiner Regierung, welche in dem Non possumus einen so drastischen Ausdruck gefunden hat; zweitens blutet die Kirche aus tausend Wunden, überall verletzt und leidend, so daß sie sterben müßte, ivenn sie nicht Unsterblichkeit besäße.
Der Papst eröffnet nun sein Rundschreiben mit der Klage, seit dem Anfänge seines Pontificates sei es ihm beschiedeu gewesen, viel Trauriges und Bitteres zu dulden, und er habe die verschiedenen Ursachen davon in seinen häufigen Rundschreiben auseinandergesetzt; aber er scheint die irächste und erste Ursache nie erkannt zu haben Bei so furchtbar verantwortlicher Stellung und Macht dürfte auch der gewaltigste Mensch vor seiner Größe beben und ob des eintretenden Jammers zitternd fragen: habe ich denn tu keinem Punkte gefehlt und trifft mich kein Schatten von Schuld? Pius IX. bekennt zwar im Allgemeinen in allen seinen Schreiben, daß er es nicht verdiene, der Statthalter Gottes zu sein (Nos — licet immerentes), aber in jedem Einzelfalle, wo er Unheil und Leiden beklagt, umgiebt er seine Person mit der Strahlenkrone einer unnahbar göttlichen Wahrheit und Gerechtigkeit, und führt er eine Sprache den von ihm Bekämpften gegenüber, als hätte er stets das Wort auf Der! Zunge: „Wer aus euch kann mich einer Sünde zeihen?"
ten in unfern Culturstaaten Keuntniß hat, desto vcrwttnderter wird er eine und die Kirche ist darüber nicht untergegangen. Der Vergletch mit der Versuche Aeußerung aus dem Munde des Hauptes einer so großen Kirche ver-.folgung unter den heidnischen Kaisern, welche nicht die Namen der anzunehmen. I stellenden Geistlichen erfahren wollten, um zu wissen, wem sie Rechte und
Doch es ist nothwendig, einzelne Klagen der Encyclica zu erwägen — Privilegien einräumten, sondern die Verleugnung des Namens Jesu und einen Theil derselben, denn alle auch nur kurz zu prüfen, müßte man Bücher Götzenopfer forderten, ist unpassend.
Die Encyclica mißversteht es auch, wenn der Staat sonverain in der
fürchtetste und irdisch glänzendste Papst, den es je gegeben, — Junocenz III. —, verwarf die englische Magna Charta, verdammte sie, beschwor Himmel und Erde dagegen, schlug sie and) nieder mit Bann und Jnterdict; aber sie ging nichr inner, sie machte das Volk Englands groß, und dieses hat das Christenthum nicht verloren. Jnnocent X. hat durch die Bulle Zelus Doinus Dei in allem Zorne den westphalischen Frieden bezüglid) der nach seiner Ansicht der Kirche widersprechenden oder schädlichen Bestimmungen verworfen und für durchaus nichtig erklärt, so daß er ohne allen Einfluß und ohne Wirkung sein sollte für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; noch im Jahre 1789 versicherte Papst
Gruß in dem Herrn! als göttlichen Ursprungs anerkennt, indem er sagt: „Wenn Jemand behauptet,
Es ist die Erwartung Vieler, die treu im Glauben der Väter beharren, es gebe in der katholiichen Kirche keine Hierarchie durch göttliche Einsetzung,
mir kund gethau worden, daß ich ans die Encyclica des römischen Papstes welche besteht ans Bischöfen, Presbytern uut) Ministern (Diaconen), der sei
Pius' IX. vom 21. November d. I. mich amtlich äußern werde. Das soll im Bann" (Sess. 23, can. 6.) Man nennt diese Hierarchie jetzt Weltclems.
hiermit geschehen, obgleich ich mit Grund voraussetze, daß der ernste Katholiken den drei ersten Jahrhunderten, d. h. in der Glanzperiode der Welterueue- sein Urtheil sofort gebildet hat, ohne der Belehrung zu bedürfen. Nur beur- rung diirch die Kirche Gottes, gab es keine Ordensgeistlichkeit. Ueberdies sind die Klöster im dritten und vierten Jahrhundert als Laiengemeinschaften gleichsam
schreiben , Die Encyclica mißversteht es auch, wenn der Lttaat fonverain ui der
Nachdem der Papst die italienische Negierung geschildert hat als bestehend Gesetzgebung auf seinem Gebiete zu sein verlangt. Das heißt nicht, die staat- aus Meusd)en, die „Verächter des Rechts und Feinde der Neligion" seien, be- lid)en Gesetze seien überhaupt „die höchste Gewissensnorm", wie das Rund- schwert er sich Über die Aufhebung der Klöster, denen er jüngst selbst die Ver- schreiben vorgiebl.
folgung der Strafe für ihre Sünden gedeutet hat. Diese Klage soll die Ka- Es erregt Verwmidernug, wenn der Papst sich rühmt, daß er mit seinen tholiken aller Länder gegen den König von Italien aufregen und zu einem Bischöfen stets die Pflicht des Gehorsams gegen die weltliche Obrigkeit im Kreuzzuge zur Wiedereroberung des Kirchenstaates entflammeli durch folgende Panlinischen Geiste Hochhalte, da er doch gleichsam mit demselben Äthern die Worte: „Indem man Uns so durch verruchte Künste die Hülfstruppen und wichtigsten Gesetze, unter dem Vorwande, sie seien gegen Gottes Gebot, mit Werkzeuge, durch welche Wir die Universalkirche zu regieren und zu leiten ver- heftigen Worten verdammt, für null und nichtig und unverbindlich im Gewissen mögen, allmählig alle entzieht, so wird es wohl hinreichend klar, wie weit erklärt und somit die Unterthanen von der Pflicht des Gehorsams entbindet, jene Behauptung von der Wahrheit abweicht, daß dadurch, daß man Uns die ja die Gesetzesübertreter ermuntert und mit den Bekennern und Märtyrern ver- Stadt entrissen, die Freiheit des römischen Pontifex in der Ausübung des gleicht! Fruchtlos stehen freilich diesmal die Negierungen dein gegenüber. Das geistlichen Amtes und in allen Handlungen, welche fick) auf den katholischen Bewußtsein, eine sittliche Idee in der göttlichen Weltordnung zu repräfentiren, Erdkreis beziehen, in nichts vermindert sei; und wird es zugleid.) täglid) äugen- zeigt ihnen ihre Pflicht, und die Geschichte macht sie unerschrocken. Der ge-
kunden will ich für die Nachwelt, was die treuen Katholiken über ein Rundschreiben wohl denken, in welchem ein Greis auf dem päpstlichen Stuhle das
Hirtenbrief des Bischofs Neinkens <K<KH die Cncy- daraus, daß diese Art, die Universalkirche durd) einen Universalbischof zu clica Pius' IX. vom 21. November 1873. not^e‘lbiä 3=^ Ehnstus j- sonst einen Ordens-
z , r , , clerus gestiftet haben wurde, oder durd) die Apostel hatte begründen lassen.
Joseph Hubert Neinkens, katholischer Bilchof, den im alten Nun hat Er aber, wie allbekannt, nur ein Vorstehcramt eingesetzt, das in der katholisd)en Glauben verharrenden Priestern und Laten des apostolisd)en Kird)e sich entwickelt hat in einer Hierarchie von Bischöfen, Pres- Dentschen Reiches. 'bytern und Diaconen, welche Einsetzung and) noch das Concil von Trient allein
Beschaffenheit dieser Regierung und der römischen Curie, wie sie jedoch erst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; nock) im Jahre 1789 versicherte Papst nach dem Concil von Trient eingerichtet worden ist, gewiß Recht; aber es folgt Pius VI. den deutschen Erzbischöfen, daß die Kirche jenen Frieden niemals ge-


