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Vtt. v. Sfr 1
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
Nr 22.
Montag den 27. Januar
1873
Amtlicher T h e i l.
Gießen, am 24. Januar 1873.
Betreffend: Die Schullehrer-Bibliothek im Greift Gießen.
Die Großherzogliche Kreis-Schul Commisslon Gießen
an die Schulvorstande deö Kreises Gießen, mit Ausnahme derjenigen von Albach, Alt-Buseck, Bersrod, Dorf-Gill, Eberstadt, Holzheim, Lang-GönS, Lich, Münster, Ober-Lessiugen, Rödqen, Steinbach und Treis a. d. Lda.
Wir erinnern Sie an die Erledigung unserer Beifügung vom 10. Januar 1873 binnen 8 Tagen.
v. Röder.
Das Reichogesetzblalt Nr. 1, ausgegeben den 13. Januar 1873, enthalt:
(Nr. 901) Postvertrag zwischen Deutschland und der österreichisch-ungarischen Monarchie. Pom 7. Mai 1872.
Güßen, den 24. Januar 1873. Großherzogliches Kretsamt Güßen.
v. Röder.
Bekanntmachung.
Von Seiten der Französischen Negierung sind unter Andern die Todesscheiye der nachstehend verzeichneten, angeblich Großherzoglich Hessischen Staats- angehörigen mitgetheilt worden, deren GeburtS- beziehungsweise Heimathsort bis je|* nicht constatirt werden konnte, indem derselbe in den betreffenden Todes- scheinen offenbar irrig bezeichnet ist.
Da eine Bekanntmachung der Namen vielleicht zu weiteren Ermittlungen führen könnte, so wird das fragliche Derzeichniß andurch unter dem Aufügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß, falls die Todesscheine nicht innerhalb sechs Monaten bei Großherzoglichem Ministerium des Großherzoglichen Hauses mb des Aeußern reclamirt werden sollten, deren Rückgabe an die Französische Regierung angeordnet werden wird.
Gießen, 23. Januar 1873. Großherzogliches Kreis amt Gießen.
v. Röder.
1. Christine Schiller, verwittw. Abel von Mainz, alt 65 Jahre, gest. am 1. Sept. 1869 zu Milianah in Algerien. (Tochter des Friedrich Schiller und der Philippine Vetroch, beide verstorben.)
2. Johann Wolf von Mainz, alt 25 Jahre, gest am 22. Oct. 1869 zu Bona in Algerien. (Sohn des verst. Wilhelm Wolf und der Catharine Muck.)
3. Michael Finck von Darmstadt, Taglöhner, alt 37 Jahre, gest. am 17. März 1870 zu Guelma in Algerien. (Sohn des Peter Finck und der Catharine Fischer, beide verstorben.)
4. Catharine Fischer von Darmstadt, Haushälterin, alt 64 Jahre, gest. am 7. Jan. 1871 zu Guelma in Alger. (Tochter des Ferdinand Fischer und der Catharine Wairoldt, beide verstorben.)
5. Anna Marie Mougin von Nackenheim, alt 66 Jahre, gest. am 9. Jan. 1871 zu Paris. (Tochter des Jacob Mougin und der Anna Marie Garon, beide verstorben.)
6. Carl Ludwig von Fritzberg (?), alt 38 Jahre, gest. am 20. Jan. 1871 zu Tory.
7. Catharine Druck, Ehefrau des Heinr. Wehrum von Darmstadt, Taglöhnerin, alt 28 Jabre, gest. am 28. Sept. 1871 zu Paris. (Tochter deS Christian Bruck.)
8. Elisabeth Finck von Darmstadt, aft 35 Jahre, gest. am 29. Novbr. 1871 zu Guelma in Algerien. (Tochter des Adam Finck und der Cath. HarSler.)
9. Balthasar Schmidt von Suß (?), Grubenreiniger, alt 54 Jahre, gest. am 6. Februar 1872 zu Paris. (Wittwer von Marg. Turner.)
10. Ludwig Mousson von Ham(?), Taglöhncr, alt 69 Jahre, gest. am 14. Februar 1872 zu Paris. (Sohn des Claude Mouffon und der Elisabethe Guerthner, Ehemann von Elisabethe Clame.)
Po t it i f ch
Die Fusionsbestrebungen
scheinen unmittelbar nach dem Tove Rapole n's einen kräftigen Aufschwung nehmen zu wollen. i)fr Gedanke lag ja auch nahe, das Verschwinden des einen Prätendenten von der Bühne zu raschen Eriolgen der allmonarchischen Sach, auszunutzen. Um aber überhaupt auf positive Erfolge rechnen zu können, mußten Vic Anhänger der beiden Dynastien sich vor Allem zuerst über ein gemeinsames Ziel vereinigen, d. h. sie mußten den ost gescheuerten Versuch einer Fusion de» Dynastien und ihrer Ansprüche erneuern. Erst wenn tiefer Versuch pelungen »ar, mußte der Eiuwavk der Gegner verstummen, daß die monarchischen Fractionen nur in der Negation, in der Bekämpfung der Republik, einig seien, daß sie dagegen unfähig seien, ctxae Anderes an der Stelle der von ihnen be- kämpften republikanischen Verfassung zu sitzen.
Es ließ daher auch von vorn herein vcrmuthen, daß ter Tod Napoleon s die Hoffnungen der Fusionisten frisch beleben und den Anstoß zu neuen Der- bandlungcn geben werde. Die Verhandlungen wurden jedenfalls m r großem Eifer befrieden, mit so großem Eifer, daß einer der eifrigsten Freunde des FufionSgedankenS, der Herzog von Larochefoucault - Bifaccia, sich bereits für be rechtigt hielt, die Fusion als ein vollendete Thatsache zu prcclam'ren. Aber der optimistische Herzog bat in seiner lebhaften Phantasie offenbar mcht genau zwischen Wünschen und Thatsachen unterschieden, er hat aus der Aeußerung, die der Graf von Paris gegen ihn gethan hoben soll: „Fortan giebt es nur noch Eine Monarchie in Frankreich", Schlüffe gezogen, welche die Orleans nicht ohne Weiteres wollen gcltn laffen. W.nn auch tu Aeußerung des Grasin von Paris genau dem vom Herzog von Larochefoucauld angegebenen Wortlaut entiprechtn sollte, so ist es doch eben nur eine der zweideutigen, in keiner Hinsicht bindenden Retensarlen, wie sie den Orleans geläufig find.
Daß von Seiten des Grafen von Paris ein entgegenkommender schritt beim Grafen von Ehambord nicht gethan ist, geht aus der Art und Weise h-r» vor, wie das anerkannte Organ der jüngeren Linie, das „Journal de Parts ,
den ihm offenbar wenig angenehmen Zwischenfall bespricht. Da« Journal gesteht zu, daß in der Thal eine Unterredung zwischen dem Grafen von Paris und Herrn von Larochefoucauld stattgefunden habe, aber es erklärt zugleich, daß die Sprache d.s Prinzen nicht von derjenigen abwich, welche er stets bei ähnlichen D-ranlaffungen geführt hat. Die P.-inzen von Orleans machen keine dynastische Milbewerbung geltend, es giebt unter ihnen keine Thronpratendenten. Wenn einst die Monarchlc wieder hergestellt werden sollte, so könnte das nur durch den freien Willen der Nutten und auf der dreifachen Grundlage der bürgerlichen Gleichheit, der politischrn und kirchlichen Freiheit und der verfaffungSmäßigen Garantien geschehen. In diesen Grenzen wäre der Aelteste von den Prinzen deS Hauses Frankreich ter natürliche Vertreter der monarchischen Idee, auf alle Fälle xürte er in seiner Familie keinen Mitbewerber finden. Diese Geflnnungen, fügt da« Blatt hinzu, seien nicht nur diejenigen des Grasen von Paris, sondern auch des Herzogs von Aumale und aller Prinzen von Orleans.
Auf dem hi r einäenommenen Standpunkte ist aber eine Fusion äugen» cheinl'ch nicht möglich. Allerdings erkennen die Orleans den Grafen von Eham- tord als Haupt der Familie und, innerhalb gewiffer Grenzen, als den Vertreter cer monarchischen Idee an, dem gegenüber sie auf die Rolle von Mitbewerbern otrzichlen. Aber wenn sie demgemäß auch jeder dynastischen Rivalität entsagen, so betonen sie um so entschiedener den principiellen Gegensatz, in dem sie zum reinen Legitimismus stehen. Sie halten an der alten pri-cipiellen Bedeutung des OrleaniSmuS eben so fest, wie der Graf von Chambord seine Sache auf da» historische Recht, auf die Legitimität, stellt. Wenn es sich nur um die dynastische Frage handelte, so würde eine Ausgleichung der entgegenstehenden Ansprüche ver- hältnißmaßig leicht sein, da ja die Kinderlosigkeit des Grasen vom Ehambort den Weg »orgezeichnet, auf dem eine Versöhnung ber beiden Linien sich ohne Mühe erzielen ließe. Aber die Principis'nfrage, welche die legitlmistische von der orleanistlschen Partei trennt, läßt sich durch eine dynastische Fusion gar nicht lösen. Die Möglichkeit ihrer Lösung würde zur Voraussetzung haben, daß ent- I weder die legitimistlsche oder die orleanistische Partei unbedingt ihren Principien


