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Gichemr Aiyeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme SonntagS.
Expedition: Lanzletberg, ÖtL B. Nr. 1.
"Anzeige- und Amtsökatt für den Kreis Kiessen.
Nr. 277 ~ Mittiuoch den 26. November 1S73.
Deutschland.
ihm kiu Canbidat entgegengestellt wird, der ihm in
lautet,
Herzog
Wort-
(N. Frkf. Pr.)
Aus dem Großherzogthum Hessen, 23. November. Die in Aussicht genommene Landesoersammlnug von Lerkrauensmännern der hessischen
mit aller Entschiedenheit und Rührigkeit in die Wahlbewegung einzutreten. Nur wenn das geschieht, föniien wir einen günstigen Erfolg erwarten.
Aus Oberhessen, 22. November. Die bevorstehenden Wahlen zum Reichstag werden zwar vor der am 30. d. M. stattfiudenden Versammlung der Vertrauensmänner der Fortschrittspartei kaum eine bemerkbare Wahlbewegung veranlassen, sie bilden aber jetzt schon den Gegenstand vielfacher Besprechungen in kleineren Kreisen. In dem ersten oberhessischen Wahlbezirk — Gießen- Grünberg-Nidda — wird die Wiederwahl des seitherigen Abgeordneten, Freiherrn v. Rabenau — auf keinen Widerstand stoßen, da derselbe den Wahlkreis schon seit Gründung des norddeutschen Bundes vertritt und gegen seine Haltung vom nationalen Standpunkt aus nichts zu erinnern ist. Der zweite oberhessische Wahlbezirk — Friedberg - Vilbel - Büdingen — hatte seit 1866 schon vier Abgeordnete, Buff und v. Wedekind, und wird sich diesesmal nach dem fünften' umschen müssen, da Herr v. Wedekind, mit dessen Wirksamkeit im Reichstag der Wahlkreis alle Ursache hat, zufrieden zn sein, ein Mandat abzulehuen entschlossen sein soll. Eine von Darmstadt aus in Ihrer Zeitung erfolgte Hindeutung auf die Candidatur eines Landtagsabgeordileten des Bezirks ist in
letzterem selbst noch nirgends zur Erörterung gekommen und erscheint daher
mindestens verfrüht. Da in dem genannten Wahlkreis bei deir seitherigen
Wahlen ein lebhaftes Interesse herrschte, eine große Betheiligung der Wähler stattfand und die freisinnige Partei fest zusammen gehalten hat, so wird — wenn es gelingt, einen geeigneten Candidaten aufzustellen — kaum ein Versuch gemacht werden, ihr den Sieg streitig zu machen. Der dritte oberheisische Wahlkreis — Alsfeld - Lauterbach - Schotten — war zuerst durch den älteren Grafen Solms-Laubach und bann durch seinen Sohn, den jetzigen Besitzer der Standesherrschaft, vertreten. Die Wahl des letzteren wurde zwar vor drei Jahren bekämpft, aber erst in letzter Stunde und ohne den erforderlichen Nachdruck. Nachdem der Graf — über dessen unbedeutende Wirksamkeit im Reichstag die Wähler dieser Tage durch eine von demselben ausgegebene Flugschrift die erste stunde erhielten — durch sein orthodox-feudales Auftreten in der ersten hessischen Kammer sich selbst in den gemäßigten Kreisen des Wahlbeziiks unmöglich gemacht hat, denkt man ernstlich daran, diesesmal einen Mann nach Berlin zu senden, der bte politischen Ansichten der großen Mehrheit unserer Bevölkerung wirklich vertritt. In Vorschlag ist Herr Professor Dr. Onckeu in Gießen, ein junger, talentvoller Gelehrter von tüchtigem nationalen Streben und empfehlender Rednergabe. Derselbe wurde wegen des bekannten Streits des UnivcrsitätSsenatks mit dem Finanzausschuß von der Stadt Gießen in den Landtag gesendet, hat aber, auch nachdem er sich seines desfallsigen Auftrags entledigt, eine von der Fortschrittspartei abgesonderte Stellung beobachtet und es letzterer daher sehr erschwert, bei der Reichstagswahl für ihn cinzutrcten. Da es jedoch dem Einfluß gegenüber, den der Graf Laubach durch seine Be-
des Ausschusses des Altkatholikenvereins in Freiburg, Staatsanwalt v. Berg, als Solennitätszeuge anwohnen; dieser konnte jedoch, durch dienstliche Gründe verhindert, der Einladung nicht entsprechen.
waltig geändert und namentlich hat der frische Luftzug, der von der Hauptstadt des Reichs, wie der unseres engeren Vaterlandes herweht, doch selbst in den früher vom Ultramontanismus ganz umstrickten Gegenden vielen Bewohnern die Augen und Herzen für die wahren Interessen des Reichs wieder geöffnet.
Fortschrittspartei wird am Sonntag den 30. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, zu Frankfurt im Gasthaus zum „Landsberg" stattfiuden. Gegenstand der Be- rathung bilden vor Allem die Reichstagswahleu, ev soll sich aber, so weit es die Zeit gestattet, auch eine Besprechung der hessischen Verhältnisse anreihen. Nach der an die einzelnen Vertrauensmänner ergangenen Einladung sind dieselben ermächtigt, auch andere zuverlässige und erprobte Parteigenossen mitzubringen, da specielle Einladungen an jeden (Stilreinen unmöglich sind. Den eingeladenen Landtagsabgeordileten ist insbesondere empfohlen, ihre Wahlmän ner zum Besuch der Versammlung einzuladen. Allem Anschein nach werden die Verhandlungen wegen der ReichstagSwahlen dieses Mal von besonderem Interesse sein, da wie Sie bereits berichtet, von den bisherigen Reichstags- abgeordneten eine ganze Reihe eine Wiederwahl nicht aruuhmen zu wollen er klärt haben. Von den Candidaten der Ultramontanen verlautet noch gar
(N. Frkftr. Pr.)
Friedberg. Der „Oberhess. Anzeiger" schreibt: Im Hauptblatte der „Frankfurter Presse" vom Sonntage, 22. November, findet sich unter „Handel und Verkehr" eine Notiz, welcher die an der Main-Weser-Bahn gelegenen Stationen, besonders Vilbel, Friedberg, Bad-Nauheim, Butzbach und Gießen in hohem Grade interessirt. Die Frankfurter Handelskammer hat danach auf eine Anfrage des königl. Polizeipräsidiums, hinsichtlich der bestehenden Absicht, ten 10 Uhr 50 Minuten Abends von Frankfurt a b - gehenden Courierzug der Main-Weser-Dahn wegsallen zu lassen, ein Gutachten zu geben, in ihrer Sitzung vom 15. November beschlossen, zu erwidern, daß das Bestehen des genannten Zuges vom geschäst- licken Standpunkte aus zwar als eine große Amuhmlichkeit betrachtet werden müsse, eine Nothwendigkeit der Beibehaltung desselben jedoch nicht vorliege. Verhält die Sache sich wirklich so, so finden wir diesen Beschluß ebenso bedauerlich als einseitig. Ist fraglicher Zug vom geschäftlichen Standpunkte aus eine große Annehmlichkeit, so begreifen wir nicht, wie eine Handelskammer die doch vor Allem dazu berufen ist, das Interesse der Handelsund Geschäftswelt zu mehren, Anstand nimmt, die Beibehaltung desselben auf das Wärmste zu befürworten. Je gleichgültiger sich die Frankfurter Handelskammer in ditser Angelegenheit zugt, um so mehr Grund haben die Einwohner der Stationen Vilbel, Friedberg, Bad-Nauheim, Butzbach und Gießen diejenigen Schritte zu thun, welche den Fortbestand des 10 Uhr 50 Nachtzuges zu sichern geeignet erscheinen. Es ist unnöthig, hier ausemander- zusetzen, wie viel wir durch das Eil gchen dieses Zugs verlieren müßten. Von ten Glmeinte-Vertretungen genannter Orte, deren Handelsvereinen dürfen wir noch zunächst erwarten, daß sie ohne Zeitvers äu mniß an die Direction der Main-Weser-Dahn in Cassel Petitionen behufs Beibehaltung des betreffenden Zugs richten. Sollte er in der That eingehen, ohne daß die an seinem weiteren Bestehen interessirten Gemeinde Vertretungen in ähnlicher Weise wie die Handelskammer in Frankfurt gehört worden wären, so würde hiermit bewiesen sein, daß auch bei der Main - Weser-Bahn nicht die Rücksicht auf das Publikum, sondern tie Frage der Rentabilität schließlich den Ausschlag giebt.
Berlin. Das General-Postamt hat folgende Bekanntmachung, betr. den Postverkehr mit den Vereinigten Staaten 'Amerikas, erlassen: „Vom 1. Deecmber d. I. ab beträgt das Porto sür Postkarten (Correspondenzkarten) nach sämmtlichen Orten der Vereinigten Staaten Amerikas auf den Wegen über Bremen, Hamburg oder Stettin einen Groschen, bezw. vier Kreuzer. Frankirung erforderlich." Welchen Culturfortschritt birgt diese kleine Mitthei-
• . .... - Gesetz, welches zum Zweck bat, dem Marschall Mac Mahon,
chen schon jetzt gelegentlich der Landtagsverhaiidluugen das Mögliche leisten, von Magenta, die Execntivgewalt sür sieben Jahre anzuvertranen. gefaßt machen. . Dieses Mal wird ihnen aber sicherlich ein Erfolg noch weni- Die Nationalversammlung hat das Gesetz angenommen, dessen ger, als bei früheren Wahlen znfallen. Die Zeiten haben sich beim bock) ge- laut folgt:
— Aus Veytaux am Genfersee ist bie traurige Nachricht von bem ba- selbst vorgestern erfolgten Tobe des Professors ber Geschichte in Freiburg, Dr. v. Kern, eingetroffen, welcher sich seines Brnstleibens wegen vor einigen Wochen dahin begeben hatte. Er war ein tüchtiger Lehrer und strebsamer Arbeiter, auch eine biedere, liebenswürdige Persönlichkeit. Da Prof. Dr. Mendelssohn-Bartholdy seine Entlassung genommen, so verliert die Universität Freiburg fast gleichzeitig ihre beiden Historiker.
— Prinz Friedrich von Hohenzollern (dritter Sohn des Fürsten Karl Antoni hat am 15. b. seine Reise nach bem Orient angetreten.
Jranümdj.
jungen unb ®er5inbinigen Sn^nÄg Ä Vielleicht m,ch
ihm tin Candidat entgegengestellt wird, der ihm in anderen Beziehungen über- L9cl JD,tD U " bu “ ^"^richt den eisten Schritt zu einem einheitlichen legen ist, nnb ba Herr Ducken jebenfalls gern bereit sein wirb, ben Wählern on re
über seine Stellung im Reichstag bestimmte Erklärungen zu geben, so wäre zu 1 ' ^^mber. Die Entschließung bes Großherzogs aus
wünschen, daß eine Verständigung zu Gunsten der Candidatur desgenanntenAnerkennung des Professors Dr. Re-akens Herrn zu Stand- käme. Dann .st ei aber auch Pflicht der f mfüinigei, greift 1 X ®LC Verengung und Uebergabe der
des Bezirks, insbesondere der größeren Orte, ihre Kräfte z.i vereinige» und ®l'er^*ln“n88'Utfunbe findet nächsten Samstag, den 29. d., dahier vor dem mit aller Entschiedenheit und Rührigkeit in die Wahlbeweauna einrntreten. t- $?em feierlichen Acte sollte der Vorsitzende
Paris, 23. November. Der Unterrichts-Minister Batbie hat zur Feier der Verlängeritng ber Amtsgewalt Mac Mahon's angeorbnet, baß am - —, u 24 b., an welchem Tage bas betr. Gesetz im offlciellen Blatt erscheint, alle
nichts, man würbe aber irren, wenn man aus dieser Stille einen Schluß auf Schulen Frankreichs geschloffen werben.
völlige Unthätigkeit ber Häupter ziehen wollte. Offenbar wollen sie erst ben; Paris, 23. November. Das „Officielle Blatt" veröffentlicht heute Ausfall nbivarten, um.banach bie Parabe nnb ben Gegenangriff zu bemessen.,bas Gesetz über Mac Mahon's siebenjährige Dictatur. Dasselbe Jebenfalls barf man sich auf einen frischen fröhlichen Krieg mit ben obligaten wie folgt.
Kraftausbrücken unb persönlichen Angriffen, in welchen ihre Blätter unb Blätt'


