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führer. Das letztere wird bestätigt durch die New-IorkerTimes", welche die Bestürzung der in New - Dort lebender Cubaner über das Schicksal seiner Freunde schildert.

Das Thatsächliche des Vorganges ist nach den bis jetzt vorliegenden amtlichen und privaten Mittheilungen Folgendes: DerVirginias", ein 1864 in England als Blocadebrecher im amerikanischen Bürgerkrieg gebaut, ist jetzt Eigenthum eines Mr. Patterson in New-Jork, also unbestritten ein amerikani­sches, als solches in den Registern zu Washington noch jetzt eingetragenes Schiff. Daffelbe ist im Interesse der Cuba-Insurgenten ausgerüstet worden, hatte aber seit einer verfehlten Expedition im Juli 1872 keine weitere unternom­men. Capitain und Matrosen waren also neu engagirt.

Die diesmalige Expedition wurde in Kingston (Jamaika) ausgerüstet, wohin sich im October per DampferAtlas" 69 Personen begaben, welche mit Ausnahme des bekannten Irisch-Amerikaners Ryan, der den Titel eines Generals trug, und zweier eingeborener Amerikaner aus Cuba stammten. Auch der Capitain Joseph Fry, welcher denVirginius" führen sollte, befand sich darunter. Daß jene nur deshalb nach Jamaika gingen, um sich dort mit an­deren kubanischen Patrioten auf dem BlocadebrecherVirginius" nach Cuba einzuschiffen und die Rebellion zu unterstützen, war in New-Iork öffentliches Geheimniß, und die Begeisterung für ihr Unternehmen war so groß, daß in dem Augenblicke der Abfahrt zwei junge Leute, die nach dem Hasendamme des Abschiednehmens wegen gekommen, sich in der Erregung des Momentes Ueber- fahrtsgeld borgten und sich den Freiheitshelden anschlossen. Nach einer stürmi­schen Reise kamen dieFlibustier" am 12. Octbr. in Kingston an. Die Ausrüstung desVirginius" nahm jedoch längere Zeit in Anspruch, so daß derselbe erst am 1. d. Mts. die Anker zu seiner verhängnißvollen Reise lichten konnte. Seine Ladung war sehr werthvoll und bestand aus Waffen, Munition und Arzneien. An der Spitze der hundertundfünfnndzwanzigFlibusteros" stand General Barnabe Varona, ein 28jähriger Cubaner, dessen Name in der cuba- nischen Jnsurrection schon oft genannt worden. Unter den Officieren befanden sich Oberst Jose Jesus del Sol und Pedro Cespedes, Bruder des Präsidenten der cubamschen Republik, der oben genannte General Ryan, Oberstlieutenanl Enriq Castellano, Capitain Gratz Brown, ein Amerikaner aus Philadelphia, der sich schon früher als Spion um die junge Republik verdient gemacht, Te­nor Santa Rosa und andere unternehmende und waghalsigeLiberadores." Die Fahrt desVirginius" sollte nur kurze Zeit dauern. Er wurde von dem spanischen KreuzerTornado", der von der Expedition Wind erhalten, bemerkt, bis in die Nähe von Kingston (aus Jamaika) versolgt, 6 englische Meilen von der Küste genommen und als gute Prise nach Santiago abgesührt. Dies ge schah am 31. October. Am folgenden Tage ward sofort ein Kriegsgericht be­stellt, welches die vier Hauptführer, Varnabe Varona. Petro Cespedes, del Sol und General Sayn zum Tode verurtheilte, und schon am Morgen des 4. November sand deren Hinrichtung statt. Die Nachricht von diesem summarischen Verfahren langte in New-Iork am 7. d. an, scheint aber in Altbetracht, daß die Regierung zu Madrid auf Veranlassung des Generals Sickles ihren Behör­den zu Cuba allerdings zu spät eine Aufschiebung der Urtheilsvoll- streckung anbefohlen, und in der Ueberzeugung, daß mit der Bestrafung dieser Vier der Groll des kubanischen Kriegsgerichts beschwichtigt sei, im Ganzen mit Gleichmuth ausgenommen worden zu sein. Ueberdies aber setzte der Gerichtshof in Santlago, gleichsam den Madrider Autoritäten zum Trotze, seine Blutarbeit fort, machte am 6. d. dem Capitain desVirginius" nebst 36 Matrosen den Proceß und ließ sie am 7. d. gleichfalls erschießen. Ihnen folgten am Morgen des 8. d. noch 12 von den eigentlichenFlibustiern" in's Grab, und der letz­ten Nachricht nach sollen sogar nur 18 Personen im Ganzen dem Tod ent­gangen sein, da am 10. d. noch 57 Erschießungen stattfanden.

Nach amtlichen englischen Mittheilungen befinden sich unter den Erschoffe- ncn 16 Engländer, sämmtlich zur Bemannung gehörig, nämlich der 2. Steuer­mann, 1 Hülss-Jngenieur, 9 Heizer und Kohlenarbeiter, der 1. und 2. Ste­ward und 3 Matrosen.

Was den Ausstand in Cuba selbst anbetrifft, so erfordert die Gerechtig­keit hervorzuheben, daß Spanien die Insel Cuba seit Jahrhunderten nur wie eine auszupressende Citrone behandelt hat, genau wie seine ehemaligen ameri­kanischen Colonieen auf dem Festlande, und daß die Befreiungsversuche .der eingeborenen cubamschen Bevölkerung von dem Joche der Spanier genau so berechtigt sind, wie die heute von allen Geschichtsbüchern gepriesenen Be­freiungskämpfe Mexicos, der südamerikanischen Republiken und, in Eiiropa, Griechenlands.

Was der Ausgang des Conflictes sein wird, vermag Niemand voraus- znsagen. Die Lösung des Abhängigkeits-Verhältnisses von Spanien und die Unabhängigkeits-Erklärung Cubas wird aber sicher dadurch beschleunigt werden.

(N. Frkftr. Pr.)

sten Sanktion unterbreitet werden wird. Dabei darf wohl angenommen wer­den, daß der Nothstand, welcher durch die Unbotmäßigkeit des katholischen Cle- rus hervorgerufen worden ist, wesentlich dazu beitragen muß, um die Frage vorzugsweise aus dem Gesichtspunkte de« praktischen Bedürfnisses beurtheilen zu können. , v

Berlin, 21. November. Die siebente Crtminal-Deputation verhandelte heute den Pnßproceß gegen die Redacteure Rasche (von Wolff's Telegraphen- Bureau) und Cremer (von der Germania) wegen Veröffentlichung des bekann­ten Briefes des Erzbischofs Ledochowski an das Posener Kreisgericht, Abthei- lung für Untersuchungssachen, vom 6. August. Die Anklage gründete sich auf § 48 des Preßgesetzes, welcher Veröffentlichung von Schriftstücken aus Crimi- nalprocessen mit Gefängnißstrafe bedroht. Der Gerichtshof sprach beide Ange­klagte frei, weil nach Auskunft des Posener Kreisgerichts die Anklage gegen Ledochowski bei Veröffentlichung jenes Briefes sich noch im Stadium des Scrutinial-VerfahrenS befunden hat, die Voruntersuchung aber noch nicht ein­geleitet war.

Berlin, 21. November. Nachdem der Bischof Neinkens durch Erlaß vom 19. September d. I. landesherrlich anerkannt worden ist, und am 7. Oc­tober den Homagialeid geleistet hat, trat an die Staatsregierung die Forderung heran, auch für die Bedürfnisse der altkatholischen Kirchengemeinschaft in ähn­licher Weise wie für die übrigen katholischen Bisthümer Fürsorge zu treffen. Es bedarf dazu nicht der Bewilligung einer förmlichen Dotation, sondern nur der Gewährung von Bedürfnißzuschüssen und einmaligen Unterstützungen. Für die Bedürfnisse der entstehenden einzelnen Gemeinden und der bei ihnen fungi. renden Geistlichen können die für diese Zwecke etatsmäßig bewilligten Fonds zur Verwendung gelangen und es handelt sich deshalb nur um die Befriedi­gung derjenigen besonderen Bedürfnisse, welche durch Colistituiruiig des neuen Bisthumö erwachsen. Hierher sind namentlich der Unterhalt des Bischoss und die Kosten der Diöcesanverwaltung, die Kosten der praktischen Ausbildung der jungen Geistlichen, nachdem sie die wissenschaftliche Bildung vollendet nnb das Staatsexamen abgelegt haben, sowie die Beschaffung der erforderlichen Mittel zur seelsorgerischen Bedienung der noch nickt förmlich constituirten Gemeinden zu rechnen. Für alle diese Zwecke hat die Staatsregierung in dem Etat pro 1874 die Summe von 16,000 Thalern auf den Etat des CultuSministeriums gebracht.

Bonn, 22. November. Bischof Neinkens hat sich gestern früh in Be­gleitung des Professors Schulte von hier nach Karlsruhe begeben; er wird dort heute nach vollzogener Eides-Ablegung vor dem Minister Jolly seine An­erkennungs-Urkunde für Baden ausgehändigt und dann nebst feinem Reise - Ge­fährten beim Großherzog Audienz erhalten.

Kassel, 22. November. Bis heute sind fünf ordentliche und drei außer­ordentliche Pfarrer abgesetzt worden. Sechs weitere Absetzungen erfolgen in nächster Woche.

Aus Sachsen bringt fast jeder Tag Nachrichten, welche eine entschie­dene Antipathie des Hofes gegen Alles, was das Reich betrifft, bekunden. Seit dem Regierungsantritt des Königs Albert mehren sich die Anzeichen, daß die particularistische Strömung in Regierungskreisen wie im Officiercorps vor­herrscht. Das Neueste ist die von derSpen. Ztg." gebrachte Nachricht, wo­nach den Officieren der Leipziger Garnison indirect verboten worden sei, das Eiserne Kreuz anzulegen, so oft sie im Ueberrock erscheinen. Diese Mitthei­lung erinnert daran, daß schon vor zwei Jahren in Dresden etwas Äehnliches vorkam, indem bekannt wurde, die Officiere hätten sich das Wort gegeben, das Kreuz außer Dienst nicht mehr zu tragen. Damals war nämlich der Ueberrock beim sächsischen Officiercorps noch nicht eingeführt. Bestätigung fand das Gerücht dadurch, daß mit einem Male das Ehrenzeichen von der Brust der Officiere fast verschwunden war.

DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt dazu:

Es scheint uns nicht angemessen, Mittheilungen wie die obige zu igno- riren, da an dieselbe, wie die französischen Blätter es bereits sehr eifrig mit dem neulich mitgetheilten Armeebefehl des Königs Albert thun, mancherlei Com­binationen und Erörterungen sich anschließen könnten, deren Berichtigung durch absolutes Jgnoriren erschwert oder verzögert würde "

Oesterreich.

Wien, 20. November. Dem volkswirthschaftlichen Ausschuffe des Ab­geordnetenhauses theilte der Minister des Innern mit, daß 80 Actien-Gesell- schaften bisher die Liquidation beschlossen hätten; weitere Liquidationen feien in Folge der Aufforderung, die Gefchäftsbilanz für Ende September vorzulegen vorauszujehen.

«frantireid).

Dcutfcölanö.

Paris, 20. November, Morgens 5 Uhr. Die Deputirteu trafen erst um 3 Uhr 10 Min. in Paris ein. Der St. Lazare-Bahnhof war sehr stark von Polizei besetzt. Das Innere war schon des Nachts um halb 1 Uhr durch die Polizei geräumt worden und Niemand wurde dort zugelassen. Die Rue d'Amsterdam war ebenfalls durch Polizei-Agenten abgesperrt, mehrere Leute wurden verhaftet. Andere Vorsichtsmaßregeln waren ebenfalls getroffen worden. Starke Reiter-Patrouillen durchzogen ohne Aufhören die Boulevards uild die übrigen Straßen, und alle Wachlposten, besonders die in den außenliegenden Stadtthcilen, waren verdoppelt worden. Paris blieb aber vollständig ruhig, obgleich die Nachricht, daßFrankreich jetzt wieder eine Dictatur habe", überall das Blut erregte; Gruppen bildeten sich,'um die Ereignisse zu besprechen. Größer war die Aufregung in Versailles. Die Republikaner waren aufgebracht über den Abfall eines Theiles des linken Centrums, zumal sie nach der Rede Herrn Grövy's mit ziemlich großer Zuversicht auf den Sieg gehofft hatten.

Darmstadt, 20. November. Heute vor 50 Jahren begann Se. Kö­nigliche Hoheit der Großherzog seine akademischen Studien an der Universität Leipzig. Zur Feier dieses Tages waren die oo. Professoren Rector Dr. jur. Adolf Schmidt und Dr. med. Rudolf Leuckart entsendet worden, um Sr. Königl. Hoheit, neben Ueberreichung eines in Form eines Doctor- Diploms ausgestatteten Gratulations-Schreibens, die Glückwünsche der Universität dar­zubringen. Die Deputation wurde sodann zur Großh. Tafel gezogen und außerdem durch Orden ausgezeichnet, indem dem Rector Dr. Schmidt das Commandeurkreuz 2. Klasse des Ludkwigs-Ordens und dem Prof. Dr. Leuckart das Ritterkreuz 1. Klasse desselben Ordens verliehen wurde. Der seitherige Rector, Prof. Di. phil. Hermann Brockhaus, erhielt gleichfalls das Camman- <yeuu v mu jicumcy gruper Huverpcyt aus Den ^ieg geyosst hatten. Deiirfreuj und der die Deputation begleitende Universitätsrichter, Hofrath Franz'Die Bonapartisten hielten dieses Mal nicht zusammen. Sechs stimmten für Albert z^eßler, das Ritterkreuz 1. Klasse des Philipps - Ordens. §Mac Mahon; sechs dagegen und sechs enthielten sich der Abstimmung. Die

c-r kVll£z 7t t L Hinsichtlich der Lage, in welcher sich die Ein-^Zuschauer hielten wacker aus. Als die Sitzung des Abends nm 9 Uhr wieder fuhrung der Cwilehe befindet, werden in einigen Blättern noch Mittheilungen eröffnet wurde, waren Alle anwesend, die sich um 1 Uhr in dem Theatersaal verbreitet welche bie Quelle der Enthüllung annehmen, aber eher dazu geeig- eingefunden hatten. Keine einzige der Damen fehlte, und das diplomatisch- net sind, die öffentliche Meinung zu verwirren als aufzuklären. In Wahrheit Corps war auch vollständig vertreten.

liegt die ^-ache so, daß das L>taatsministerium den Entwurf in voller Ueber- Paris, 22. November. Das neue Ministerium wird wahrscheinlich einstunmung durchberathen hat und derselbe so bald als thunlich der Allerhöch- noch heute gebildet werden. Dcr größere Thcil der bisherigen Minister, na-