Einzelbild herunterladen

T3

105.

Gießen, 27. tttib cv gewiß Wnel Vrossi, Professor fmen unübertrefflichen

Mann und ließ ihn abführen, aber die Zuschauer ergriffen sofort Partei gegen die Soldaten. Solche Beispiele einer verborgenen Feindschaft zwischen der Bevölkerung einerseits und dem Clerus und der Armee andererseits ließen sich noch in Menge anführen. Eine vereinzelte Thatsache kann natürlich zu keinem Schluffe berechtigen, aber wo dieselbe Erscheinung so vielfach auftritt, ist sie gewiß das Symptom einer bösen Stimmung der Massen. Was den Clerus betrifft, so konnte das lächerliche Pilgerfieber, die Vermehrung der Wunder, der wüthende Hirtenbrief des Erzbischofs von Paris nicht umhin, einen Rück­schlag hervorzurufen. Die Führer der republikanischen Partei haben ihr Mög­lichstes gethan, um jeden gewaltsamen Ausbruch zu hindern. Die Leute ver­lieren aber langsam die Geduld und werden taub für guten Rath. Besingen die Frommen Rom und Maria Alacoque, so antworten die Andern mit Periats

legten. Denn er reißt eine weite, niemals zu verstopfende Bresche in die Hoff­nungen der Schwarzen, welche letztere sich in dem Wahne wiegten, Oesterreich noch einmal in den Dienst des Jesuitismus zwängen, Oesterreichs Jugend noch einmal auf Schlachtfeldern dahinmähen lassen zu können, nicht im Interesse Oesterreichs, sondern in demjenigen der Clerisei. Der mit Beust's Eintritt in den österreichischen Staatsdienst begonnene Uebergang von der confessionell an­gekränkelten zur rein staatlichen, einzig den Interessen des Reiches gewidmeten Politik ist durch Andrassy's glückliche Hand zu Ende geführt worden; der kai­serliche Toast ist nicht nur die feierliche Sanction, auch die laute Pcoclami- rung der neuen Politik. Die Ultramontanen aller Länder fühlen den vernich-V tent)en Schlag. Das WienerVaterland" zeigt sich vom Leitartikel bis zur Eorrespondenz der Redaction" wuthschaumbedeckt. Das Organ dessanften Heinrich", des Erzbischofs von Passan, dasPassauer Tagblatt", ist voll der wahnwitzigsten Beleidigungen des Kaisers Franz Joseph und versteigt sich zu den frechsten Drohungen. Achnliche Schamlosigkeit befleißigen sich ausnahms­los die cleriealen Journale."

ist, den Ultramontanismus auszustoßen. Der Staat hat nunmehr Alles than, was von seiner Seite zur Förderung einer kirchlich-reformatorischen wegung geschehen kann. Jetzt ist der entscheidende Moment gekommen, diese Bewegung die eigene Kraft erweisen muß. Daß die Anerkennung

ausgeführt. Die Nichtigkeit dieser Voraussetzung zu prüfen, wird der Landtag schwerlich Neigung haben, so bestimmt er nicht den Beruf zu solcher Prü­fung hat und somit wird für die Volksvertretung nur die Dotation des neuen Bischofs in Frage kommen, für welchen Zweck eine Forderung' der Negierung in den Entwurf des Staatshaushalts-Etats ausgenommen werden wird.

Berlin, 23. September. Als der Kaiser und der König von Italien gestern in der Seitenloge des Opernhauses zu einem Jncognitobesuche erschie­nen, erhoben sich alle im Hause Anwesenden, unter sympathischen Zurufen applaudirend. Der König trat an die Brüstung der Loge und verneigte sich dankend nach allen Seiten. Heute Vormittag unternahm der König von Ita­lien mit seinem Gefolge und der zum Ehrendienst commandirten preußischen Begleitung eine Spazierfahrt durch die Stadt und den Thiergarten, besichtigte die Siegessäule und andere Merkwürdigkeiten. Um halb 2 Uhr findet der Besuch bei der Kronprinzessin im hiesigen Palais statt und um halb 6 Uhr Galadiner im königlichen Schloß.

Berlin, 23. September. Der König von Italien besuchte heute Mor­gen auch den zoologischen Garten und verweilte dort eine Stunde. Nachmit­tags empfängt derselbe das diplomatische Corps. Um halb 6 Uhr ist Gala­diner im Weißen Saale des königlichen Schlosses, woran der König von Italien mit Gefolge, die Mitglieder der königlichen Familie, die fremden Fürstlichkei­ten, der italienische Gesandte, Graf Launay, der diesseitige Gesandte in Rom, Herr v. Keudel, die Staatsminister, die wirklichen Geh. Räthe, die Feldmar­schälle Mcltke, Wrangel, v. Manteuffel, sowie die Generale und Stabsofficiere der Garnisonen Berlin, Potsdam und Spandau, im Gauzen 250 Personen, Theil nehmen.

Paris, 21. September. Der berühmte Arzt Auguste Nelaton ist heute gestorben. Geboren am 17. Juni 1807, ein Schüler des berühmten Chirur-

ge- Be-

wo des daß

Berlin, 22. September. Es bestätigt sich zuverlässigem Vernehmen nach, daß General v. Manteuffel gestern zum Feldmarschall ernannt worden ist. Derselbe geht demnächst nach Gastein.

Berlin, 22. September. Der König von Italien ist heute Nachmittag Zi/z Uhr hier angekommen. Auf dem Görlitzer Bahnhofe wurde derselbe von dem Kaiser und den Prinzen des königlichen Hauses herzlich begrüßt und fuhr darauf an der Seite des Kaisers nach dem königl. Schlosse. Die Häuser in den passirten Straßen waren reich beflaggt. Eine ungeheure Menschenmenge begrüßte den Kaiser und seinen Gast mit enthusiastischen Zurufen.

Berlin, 23. September. Der König hat die Anerkennungs-Urkunde für den altkatholischen Bischof Reinkens vollzogen. Derselbe ist damit so­bald er den hergebrachten Obedienzeid geleistet haben wird alsrömisch katholischer" Bischof anerkannt, und hat wie auch dieGermania" zuge­steht somit nun auch die Jurisdiction eines solchen innerhalb des preußischen Staates. Er steht hier durchaus ebenbürtig den anderen preußischen Bischöfen da, und es ist damit eine hochbedeutsame Bresche in die Organisation des Ultramontanismus in Preußen und da das Beispiel der preußischen Regie­rung jedenfalls Nachfolge finden wird in Deutschland gelegt. Es muß sich nun zeigen, ob im deutschen Volke wirklich die Kraft und Neigung vorhanden

Frankreich.

Paris, 20. September. Das Wallfahrtsfieber und die Betheiligung einer großen Menge von Officieren der französischen Armee an dieser ultra­montanen Parade tragen bereits ihre Früchte. Ein aufmerksamer Beobachter wird kaum verkennen können, daß durch die ackerbauenden Claffen des platten Landes und die Arbeiterbevölkerung der Stadt eine dumpfe Gährung geht, die einen nahen und furchtbaren Sturm ahnen läßt. Die Aufregung äußert sich bereits thatsächlich an den verschiedensten Puncten des Landes. Was in

Schweiz.

Basel, 22. September. DieBasler Nachr." melden: Die franzö­sische Regierung hat in Folge einer Beleidigung französischer von Allinges (Depart. Haute Savoie) heimkehrender Pilger durch Gassenjungen Genfs eine Note an den Bundesrath gerichtet, welcher dieselbe an das Departement für Justizwesen überweist.

Nr Im

A. B. 30 ft.,

1 fl. 45 lr., 6. hr

Für die A

6- September 3 fl. Um weitere

Bischofs Reinkens zu ihrer rechtlichen Gültigkeit die Voraussetzung hat, derselbeinnerhalb der römisch-katholischen Kirche" stehe, ist bereits schon früher

ul" V,eii

.**"*£. 1.

Herr l*icn ®etr/y, pklbni, W?

hüt d--«

rt i«be 1111 Ufjeait, bei

BekaimtM itct von Lyon \\\ Mes ter stow

Köln, 21. September. An der in der Stolkgasse gelegenen Capelle der Lazaristen wurde heute Vormittag folgende Bekanntmachung angeschlagen:

Da der Herr Erzbischof von Köln die durch § 15 des Gesetzes vom 11. Mai d. I. vorgeschriebene Anzeige von der Ernennung des frühern Vicars Frauenrath zu Neukirchen im Siegkreise zum Deservitor der Capelle des h. Vincenz Hierselbst dem Herrn Ober-Präsidenten der Nheinprovinz nicht erstattet hat, so gilt gemäß Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 11. d. M. Nr. 6880 diese Ernennung des betreffenden Frauenrath als nicht geschehen und verfällt derselbe in die durch § 23 des erwähnten Gesetzes festgesetzte Strafe, wenn er fernerhin geistliche Amtshandlungen als Deservitor an besagter Capelle vornimmt. Der Königliche Polizei-Präsident Devens.

Kassels 20. September, Vormittags. DieHessischen Blätter" melden, daß die Hessischen Agnaten definitiv von Preußen abgefunden seien. Der Prinz Friedrich habe die Annexion anerkannt, auf seine politischen Rechte und das Hausvermögen verzichtet und sich nur die Schlösser Fulda, Hanau, Wil- helmsbad und Philippsruhe, sowie einen Theil des Mobiliars Vorbehalten. Die Preußische Negierung habe sich dagegen zur Zahlung einer jährlichen Apanage von 202,000 Thalern nach dem Tode des Kurfürsten verpflichtet. Dem Landgrafen von Hessen-Philippsthal sei der Beitritt zu der Vereinbarung gegen eine Jahresrente von 36,000 Thlrn. offen gelassen. Derselben Ouelle ute yivmumi yivni uno rucaria macoque, jo antworten Die Anvern nur Peruns zufolge sind die von dem Consistorium den renitenten Geistlichen auferlegten'auf die Jesuiten und Lebehochs auf die Republik. Je unverhüllter und Hoch- Geldstrafen von keinem derselben entrichtet worden und ist deßhalb gegen die'müthiger die religiöse Heuchelei zu Tage tritt, um so unwiderstehlicher regt Metropolitane Vilmar und Hoffmann, sowie gegen die Pfarrer Bohne, Schem- sich der Geist des Widerspruchs.

ber, Wetzel, Saul, Dietrich und Schilling die Beitreibung des Betrages im Paris, 21. September. Der berühmte Arzt Auguste Nelaton ist heute Wege der Executton verfügt worden. gestorben. Geboren am 17. Juni 1807, ein Schüler des berühmten Chirur-

Kassel, 22. September. Der Kurfürst protestirt feierlichst gegen jede gen Dupuytreen (f 1835), seit 1851 Professor der chirurgischen Klinik, ward

Abmachung zwrimen der Krone Preußen und dem Landgrafen von Hessen. jer 1866 Leibarzt des Kaisers Napaleon und 1868 mit der Senatorenwürde

Wiesbaden, 22. September. In der heutigen Versamnllung der bekleidet. Durch staunenswerthe Euren (z. B. Garibaldi's und des kaiser-

Naturforscher wurde« Breslau als nächstjähriger Versammlungsort erwählt; liehen Prinzen) bat er sich den Ruf eines der ersten Chirurgen unserer Zeit

als erster Geschäftsführer Geheime Hofrath Löwig, als zweiter Sanitätsrath erworben.

Dr. ^piegelberg ernannt. Virchow hielt einen höchst interessanten Vortrag Auf Guadeloupe ist zum Deputirten in die National-Versammlung

Darmstadt, 21. September. Die Großh. Staatsschulden -Tilgungs- über Naturwissenschaft in ihrer Bedeutung für die sittliche Erziehung der Direction hat die Rückzahlung sämmtlicher 5proc. Hessischen Obligationen vom Menschheit.

1. October 1868 bis zum 1. Januar 1874 angeordnet. Die fälligen Beträge npflorrotrfi

können zwischen dem 27. und 31. December d. I. bei der Tilgungskaffe oder! ZJtlltlltilg.

bei den Herren M. A. v. Rothschild u. Söhne, sowie bei der Filiale der, Wien, 20. September. Ueber das Lebehoch des Kaisers- Auf das Darmstädter Bank in Frankfurt a. M- erhoben werden. «Wohl Sr. Majestät des Königs von Italien, Unseres erlauchten Gastes, Bru-

Mainz. 22. September. Der hiesige Bürger, welcher zur Verherr-jders uud Freundes!" bemerkt dieN. Fr. Pr.":Dieser Toast, welchen Kai- lichung des Tages von Sedan seine Steuerzettel zum Fenster hinaushing, ist ser Franz Joseph gestern seinem königlichen Gaste widmete, wird den Ultra- für seine Begeisterung vom Großh. Polizeigericht in Anbetracht seines guten montanen noch schmerzlicher in den Ohren dröhnen, als es die Kanonenschüsse Rufes zn 35 kr. Geldbuße verurtheilt worden. DerAnzeiger" bemerkt hierzu: thaten, welche heute vor drei Jahren eine Bresche in die Porta Pia Roms Der Mann ist ein so pünktlicher Steuerzahler, wie man sich ihn kaum den- ken kann; vielleicht hat die Justiz auch darauf Rücksicht genommen und ihn mit der geringen Geldbuße bedacht.

vchMche

> !*n0 Sophk Nfltßtrn ift am' S »"bitte m Aaments, worin

U Zlkre bat die S seinen Antrag lve

% fe' Sirene.

bv8ete6e

Itlie Jr

»aden.

i

Neig

Wil.

Madrid, ihm gegen die & Msdrückte, es wt des spanifchen Vo - Die De haben, werden eil tarieren. Daß ittc gestellt.

- Morgen

Madrid, tem-FregatteNn 4 Tagen zu txc\t iifiir hat die Heb

Savoyeu, in Auvergne, im Poitou, in Nivernais und sogar zu Saint-Denis vor den Thoren von Paris geschehen ist, zeigt, daß der ^Unwille des Volkes sich Luft zu machen sucht, trotz der Präfecten mit der eisernen Faust und den Gendarmen der Regierung de Broglie's. Zu Thonon in Savoyen wurden die Pilger von Allengy mit dem Rufe ausgenommen:In den See mit den Pilgern! Nieder mit den Pfarrern! Nieder mit den Jesuiten!" Aehnliche Rufe haben die Republikaner von Chablais ansgestoßen, als sie sich nach Ouchy | begaben, um Thiers zu begrüßen. Das geschah auf dem Dampfer Winkelried. Bei der Rückreise sangen sie die Parodie des berüchtigten Pilgergesanges und verhöhnten die auf dem Dampfer befindlichen Priester. Schlimmere Dinge haben sich zu Vic-le-Comte in der Auvergne zugctragen, wo der katholische Clerus noch bis in der letzten Zeit sehr einflußreich war. Dort mußten sich ungefähr 4000 Pilger einen ganzen Tag lang den Hohn der Bevölkerung gefallen lassen. Während Abbs Chardon die Predigt hielt, tanzten die Bewoh­ner der Stadt die Farandole in der Kirche und machten höllischen Lärm dazu. Die Predigt mußte abgebrochen werden. Als die Pilger ihre Procession antre­ten wollten, brüllte die Menge:Nieder mit Heinrich V.! Es lebe Thiers l .> Es lebe Gambetta!" Die Pompiers, die den Zug beschützen sollten, begaben sich unter die Menge und brüllten mit. Die Männer schrieen und pfiffen, die Frauen tanzten, und erst mit Einbruch der Nachr, als die Pilger sich aus dem Staube gemacht, hörte der Spectakel auf. In Poitiers war ebenfalls ein Auflauf, bei dem den Jesuiten Pereats ausgebracht undNieder mit dem Einarmigen (manchot)! geschrieen wurde, was sich auf den General de Gram- mont bezog, der bei Gravelotte einen Arm verloren hat. Darauf wurde die Marseillaise gesungen. Im Nivernais fanden unruhige Scenen in einigen kleinen Ortschaften statt, deren Pfarrer von den Pilgerfahrten zurückkamen. In Saint-Denis gerieth ein Fuhrmann in Conflict mit berittenen Chasseurs. Derselbe^ brach durch den Zug, indem er die Pferde peitschte undNieder mit den Versaillern! Nieder mit den Mördern!" rief. Der Colonel packte den