London, 20. December. Der persische Gesandte dahier erklärt, daß weder er noch seine Gesandtschafts-Mitglieder irgendwelche amtliche Benachrichtigung aus Teheran in Betreff der angeblichen Aufhebung der dem Herrn v. Reuter von der persischeu Regierung ertheilten Concesfion erhalten hätten.
London, 20. December. lieber London schwebt wieder drohend die Gefahr eines großen Strikes. Die Eisenarbeiter verlangen eine Lohnerhöhung um 2 Shilling die Woche in Anbetracht der höheren Unterhaltskosten, und haben theilweije bereits im Nichtgewährungsfalle eine Arbeitseinstellung am 1. Januar in Aussicht gestellt. Da die Forderung von den Gewerksvereinen ausgeht, also sich auf die ganze londoner Eisenindustrie bezieht, haben sich die Arbeitgeber zu gemeinschaftlicher Abwehr vereinigt. Die Arbeiter hatten ihren Arbeitsherren theilweise vorgeredet, einzelne Fabrikanten hätten den Lohnzuschlag schon bewilligt; das stellt sich indessen als unwahr heraus. Im Uebrigen scheint der Zeitpunkt für die Arbeiter sehr schlecht gewählt. Ueberall befindet sich das Eisengeschäst aus Anlaß der hohen Kohlenpreise und Arbeitslöhne rn der Abnahme , nicht nur in England, sondern vielleicht noch mehr in Amerika, von wo wöchentlich starke Trupps Arbeiter zurückkehren. Eine einzige Firma in New-Aork hat 10,000 Arbeiter auf einmal entlassen. In Philadelphia haben 35,000 die Arbeit eingebüßt. Bei diesem Mißverhältuiß zwischen Arbeitskraft und Arbeit, Nachfrage'und Angebot ist eine Znschlagsforderung sicherlich ' unzeitgemäß. Außerdem ziehen die Arbeitgeber die hohen Kohlenpreise als ' Weigerungsgrund heran. Es fragt sich demnach sehr, ob die unzufriedenen Arbeiter ihre Worte werden zu Thaten werden lassen.
London, 21. December. Nach Berichten aus Cape Coast Castle vom 27. November sind die Feindseligkeiten fast eingestellt, der Feind setzt seinen Rückzug fort; nur mitunter werden einige Schüsse ausgetauscht. Man. glaubt, die Aschautis würden erst am Prah Widerstand leisten. Englische Verstärkungen werden erwartet. Der Regen hält an. Die Küste ist ungesund.
Rumänien.
Belgrad, 21. December. Die officielle Zeitung veröffentlicht eine fürstliche Verfügung, welche die körperliche Züchtigung in der Armee aufhebt.
Spaniern
Madrid, 20. December. Wie ein Telegramm aus Madrid meldet, hätte die.Regierung die Mittheilung empfangen, daß der Washingtoner Con- greß — eine frühere Depesche sagte, der Präsident Grant — dem Dampfer Virginius das Recht abgesprochen habe, die amerikanische Flagge zu führen. In Folge deffen hätte der Ministerrath beschlossen, die Rückgabe des Virginius und der Mannschaft von den Vereinigten Staaten zu verlangen, und der Minister des Auswärtigen bereits eine in diesem Sinne gehaltene Note an den Gesandten Sickles gerichtet. Die Nachricht weckt jedenfalls Zweifel Erstens dürfte es auffallen, daß uns noch keine directe Nachricht aus Washington über einen solchen immerhin bedeutsamen Eutscheid des Präsidenten oder des Con- greffes zugegangen ist; zweitens erscheint auch die Zeit zur Fassung eines derartigen Beschlusses zu kurz. Man sollte wenigstens annehmen, baß der Präsident oder Congreß zuvor eine Untersuchung der wichtigen Angelegenheit in Verbindung mit einem Verhör der Mannschaft des Virginius angeordnet haben würde; hierzu aber ist, nachdem der Dampfer erst kaum an der Küste von Florida angekommen, noch schwerlich hinreichende Gelegenheit dagewesen. Man wird abwarten müssen, wie die Nachricht aus Madrid sich aufklärt.
England.
Kassel, 22. December. Aus Hagen wird telezraphirt, daß heute früh durch einen Zusammenstoß mit einem Güterzuz vier Beamte getödtet und mehrere Wagen zertrümmert wurden.
Kassel, 22 December. Von dem Protest gegen das Gesammt-Con- sistorium ist kein einziger der Vilmarianer zurückgetreten. Die Suspension aller Renitenten erfolgt alsbald nach Weihnachten. Zwei Abgesetzte, Neuber und Vilmar II., haben Appellation gegen das Urtheil eingelegt.
»Ereiles ist erschienen. Es klagt über „bittere Enttäuschungen." dez, Erzbischof von Valencia, Regnier Erzbischof von Cambrai, Pater $at= rebel vokL Zkwekdung ungeheurer Sc,mmen zu „Kriegsrüstungen," beschul- quini, Jesuit. Pater Martinelli. August.ner.
digt die liberalen Parteien „der Unterwühlung des Friedens und der Krafts des deutschen Volkes." zeiht sie der Bekämpfung aller chnstlcch-n Ewr'chtung und identificirt einmal wieder die Ultra-Päpstlichen mit den 14 Millionen deutscher Katholiken des Reichs, auf die der jenen geltende Vorwurf der, Reichs-Feindlichkeit" abgewälzt wird. Unterzeichnet ist das „Central-Wahl.
comitü" : Graf Otting, Dr. Moufang :c. (.8- J-J
Berlin, 20. December. Dieser Tage ging es still in Berlin Her , da altem Herkommen gemäß wegen des Todes der Komgm - Wittwe Elisabethbte Theater und alle rauschenden Vergnügungen untersagt waren, -t ie achttägig Landestrauer beruht auf einer Verordnung aus dem Jahre 1797 Jndeß hat der Kaiser aus gutem Herzen auf Bitten mehrerer Theater - Unternehmer erlaubt daß schon morgen wieder Vorstellungen gegeben werden können. Bei der ohnehin so großen Geschäftsstille ist die Aufhebung des Verbots um so wrll- kommener. Wenn mau in Wien in Folge des großen Krachs über S ocknng der Geschäfte und einen schlechten Weihnachtsmarkt klagt, so hat Berlin bis teht .war nur einen kleinen Krach erlebt, aber die Folgen spurt man auch hier, und namentlich sieht es auf dem Weihnachtsmarkt ungewöhnlich °de au«. Die Localblätter bringen Beschreibnngen über dl-Stoch der kleinen Weihnachts- Verkäufer, die mit ihrem Rufe: „Nur einen Dreier das Schäfchen l das Mit- leid der Vorübergehenden anflehen. Ein Knabe, der den ganzen ^-ag nur einen Silbergroschen gelöst hatte, wagte nicht nach Hause zu gehen, wo ihn ein hart- Beniaer Vater mit Schlägen empfangen haben wurde. Erschöpft und erstarrt hatte er sich in der Dunkelheit auf das Steinpflaster gesetzt and wäre dem Schlafe oder dem Tode verfallen, wenn sich ein barmherziger Samariter nicht des armen Kleinen erbarmt hätte. Man glaubt in einer Dicken'schen Weihnachts- Geschichte zu lesen. Im schreiendsten Gegensätze zu dieser Verdienstlosigkeit scheint allerdings die Erzählung zu stehen, die der Nedacteur eines hiesigen Blattes veröffentlichte, daß von 11 Schlossermeistern Niemand sich habe bereit finden lassen, eine Reparatur an einem Büreanschloß vorzunehmen, der zwölfte habe einen Jungen geschickt, der mit der Bemerkung, er müsse Werkzeug holen, sich entfernt habe und nicht wiedergekommen sei; zwölf Schlossermeistern sei also folgert der Betreffende, an einem Verdienst von etwa anderthalb Thalern nichts gelegen. Und ein Korrespondent bemerkt bekräftigend: „Mir begegnete, daß ein Glaser erklärte, um eine Fensterscheibe könne er doch nicht kommen; was — da man in der Regel doch nicht mehrere Scheiben zertrümmert — namentlich bei jetzt herrschenden Stürmen recht fatal ist." Für die Bewältigung des Weihnachtsverkehrs trifft die Post außerordentliche Anstalten. Zu ihrem regelmäßigem Personal von 3000 Beamten hat sie noch gegen 1200 Hülss- arbeiter angenommen, und während sonst die Leute dazu schwer zu finden waren, ist jetzt ein übermäßiger Andrang namentlich von Leuten aus dem Kaufmanns- und Handwerkerstände.
Posen, 21. December. Der Erzbischof Graf Ledochowski und der Weihbischof Janiszewski theilten der gestrigen polnischen Dclegirtenversammlung zur Ausstellung der Candidaten für die Reichstagswahlen mit, daß sie Kandidaturen nicht annehmen; für den Wahlkreis Fraustadt ist Namszanowski
üesierreich.
Gratz, 20. December. Der steiermärkische Landtag hat beschlösse^ daß vom 1. Januar 1874 ab an sämmtlichen Volksschulen des Landes kein Schulgeld mehr erhoben werden soll.
Frankreich.
Paris, 20. December. Der Marschall Bazaine wird nächsten Dienstag (23. December) von Trianon nach dem Fort St. Marguerite, auf der Insel dieses Namens, gebracht werden. Ein specieller Waggon bringt ihn von Versailles nach Paris und von dort vermittelst der Gürtelbahn nach dem lyoner Eisenbahnhof, wo er den Schnellzug um 7 Uhr Abends nehmen und am Mittwoch um 3 Uhr Nachmittags in Antibes, das der Insel 2t. Marguerite gegenüber liegt, ankommen wird. Von dort bringt ihn der Staats-Aviso Daim nach der Insel. Seine Kerkermeister und zwei Gendarmerie-Officieie begleiten ihn.' Das Fort St. Marguerite, welches vom Kapitän Dell befehligt wird, hat eine Besatzung von 12 Gendarmen erhalten.
Paris, 22. December. Die Ernennung Kanrob rt's zum General- Kommandanten der Armee von Paris gilt für gewiß. Ladmirault bleibt Goin verneur von Paris. — Die äußerste Rechte hat den Widerstand gegen das Maire-Gesetz aufgegeben.
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Washington, 22. December. Officiell wird gemeldet, der amerikanische General-Procnrator habe sich dahin ausgesprochen, daß der „Virgi- niiis" nicht berechtigt gewesen sei, die amerikanische Flagge zu führen, da er sich die bezüglichen Docnmente mittelst falschen Zeugnisses verschafft habe. Die amerikanische Regierung nehme die aus dieser Sachlage sich ergebenden Conse- quenzen in Gemäßheit des Protokolls an.
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Dem Entschlüsse des Papstes, im bevorsteben- von Kardinälen zu ernennen, wird von allen politischen Parteien mit Recht eine besondere Bedeutung beigelegt. Welche und wie viele Prälaten er dazu uusersah, ist gleichgültig, für die Würdigung der Lage genügt es, daß es zur Ernennung kommt. Bisher hieß es, dem Papste fehle das nöthige Maß von Freiheit, den Bedürfnissen der Kirche vorzustehen; Nun fällt auch diese Anklage dahin. Die katholischen Negierungen sahen es ungern, daß die Zahl der vacanten Hüte sich mehrte, und auch die nicht katholischen hätten cs aus Gründen der inneren Politik lieber gehabt, wenn ihre^ Wünsche, diesen oder jenen Prälaten mit dem Purpur bekleidet zu sehen, er^ füllt würden, denn allen däuchte doch schließlich, die Besetzung Noms und seine neue politische Wandlung wären mit schuld an dem langen Widerstreben des Papstes. Die Zeit sollte auch diese Frage, ohne eine gewaltsame Krisis her- beizusühren, still lind geräuschlos lösen. Seit zwei Monaten wird an der Liste ” der Candidaten des Purpurs geändert, noch kürzlich wurde gestrichen und wie- Z der hinzugethan. Ich glaube im Besitze des Verzeichnisses zu sein, wie es der 10 Papst eben ratificirte: Monsignor Chigi, Falcinelli, Franchi, Oreglia, Nuncien zu Paris, Wien, Madrid, Lissabon, Guibert, Erzbischof von Paris, Simor, Erzbischof von Gran, Tarnoczy, Erzbischof von Salzburg, Barrio v Fernan-


